Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-11773

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Heinrich der III .
zu erklaren , und er hat in der That 158» seine N ? affen mit den Leihen - Heinrichs des III vereiniget ; nnd ist , nachdem er sich eine mäch - tige Partey gemacht , davon er sich zum - Haupte erklärte , in die Provence eingefallen ; « hat sich der Städte Marseille und Arles mir L . ist bemächtiget , und ist durch diese Eroberungen so hoch - müthig geworden , daß er eine Münze schlagen lassen , die zum Denkmale dienen sollte , seinen Nachruhm unsterblich zu machen . ( Sc hatte sich unter dem Sinnbilve eines Centauren vorstellen las - sen u . s . w . Der Verfasser setzet dazu , daß - Heinrich der I V , nachdem er 1600 Italien bekrieget , fast ganz Savoyen und piemonr erobert habe , und daß er seines Theils auch eine Münze schlagen lassen , u . s . tv . Diese Erzählung ist nicht richtig : die Vereinigung der Waffen des Herzogs von Savoyen mit den Feinden des Königes Heinrichs des III , ist nicht 1588 geschehen . Er ist auch nicht in diesem Jahre , sondern i , yo in die Provence gefallen . Er hat die Schaumünze des Centauren nicht nach der Einnehmung von Marseille , sondern nach dem Einfalle in dasMarquisat Saluces schlagen lassen . Heinrich der IVhat Italien im 1600 Jahre nicht mit Kriege überzogen , und im Piemont nichts erobert . Vielleicht ist der Verfasser in seinen politischen Betrachtungen scharfsin - Niger , als richtig in Erzählung der Sachen . Endlich hat sich Hein - rich der IV , saget er , pag . 148 , 149 , nach der Eroberung von Sa - voven und piemont , durch das Vitren des pabstes Clemens des VIII , bewegen lassen , welcher den armen Herzog mit diesem Mo - narchen wieder zu versöhnen stickte : obgleick die Meynung ler Staatskundigen seiner Zeit gewesen , daß Heinrich der IV Sa - voyen und piemont hätte behalten sollen , um die Verwegenheit dieses unverständigen Prinzen zu züchtigen , und sich dadurck einen freyen Nc>eg zu erhalten , allezeit in Italien zu kommen , wenn es ihm qur dünkte . Dieß ist der Rath des Cardinal« von Ossär gewesen , eines der großen Staatsmänner seinerzeit : Allein Heinrich der IV hat bev dieser Gelegenheit mehr Großmuth , als heit blicken lasten , und Carln Emanueln alles wiedergegeben . Was würde wohl der Cardinal von Ossat , von der Unbedachtsamkeit Hein - richs des III , bey der Abtretimg von Pignerol gesaget haben , da er Hein - richen den IV tadelt : daß er Savoyen zu einer Zeit fahren lassen , da er hun - dertmal vermögender gewesen , seinen Nachbarn zu widerstehen , als irgend einer von seinen Vorfahren ? Frankreich würde sehr unglücklich gewesen seyn , wenn es zu der Zeit Pignerol nicht gehabt hätte , da sich der Herzog von Savoyen mit dem Haufe Oesterreich , England und Holland , im 1690 Jahre verband . E« hat dasselbe sechs Jahre hernach abtreten müssen : Dieß ist kein kleines Uebel .
( * ) Memoires de Mr . D . F . L . touchant ce qui s'eft pafle en Italic entre Viftor Amade'e II , Duc de Savoie et le Roi T . C . p . 146 . Dieß Buch ist 1696 herausgekommen .
( G " ) Man sah an ihm nichts , als da» Gemürhe eines Men - schenfeindes . ] „ Nach seiner Zurückkunst aus Pohlen hat fast niemand „ vor ihn kommen können , als drey oder viere * , nnd er hat wider die Gewohnheit unsrer Könige , absonderlich speisen wollen : allein man hat 'es nicht für gut befugen ; weswegen er , da er nach geschehener Borstel - lunq , gleichsam durch die Gewohnheit gezwungen gewesen , öffentlich zu „ speisen , große Schranken um seine Tafel machen lassen , die noch auf dem „ Saale des Louvres in Paris sind ; und es sind diese Verse gemacht ivor - «den , die man an verschiedenen Oerlern des Louvres angeschlagen hat : „ Weil Heinrich , König der Franzosen ,
„ Nur dreye oder vier geliebt :
„ So mögen diese drey und viere „ Auch seinen Feinden widersteh» .
„ Er hat verordnet , daß niemand ohne Mütze in sein Zimmer treten te Du Verdier , Profopogr . Tom . III , pag . 2558 - Nach meiner bildung ist die llr'ache dieser Verordnung gewesen , daß er selbst eine gc - wiss'kleine Mütte , wie eines Rindes , die hinten einen nach der Runst ausgezackten Rand , und forn eine Feder nebst einem scho . „ en Aierath gehabt , und eine große peruke getragen , uni ? > dieselbe niemals abgenommen hat , auch so gar , n der Ruche n , cht , weil er eine Glane gehabt . Ebendas . 2560 S . Es war eine große Grille hierbey . Ueb'rigens werden folgende Worte , die ich abschreiben will die - ses zu verstehen geben . Auch sein Turban kann seine Unglaubigkeit zurGnüge vorstellen , indem sein Ropf allezeit auf türkisch geputzt gewesen , den er Jesu Christo zu Ehren niemals entblößet har . Dieses rücket der Urheber des Martyre des deiuc Frercs , fol . G . ij vcrfo . Heinrichen dem III vor .
»Wer diese melancholischen Gedanken de« Königs poetisch ausge - druckt sehen will , der darf nur eines damaligen Poeten , der vor und neben Ronsarden die französische Dichtkunst sehr verbessert hat , nämlich de« Desportes Gedichte aus der 673 S . rouan , Ausg . von , 611 nachschlagen . Hier steht ein Gedichte , das die Ueberschrift führet : Complainte pour le Roi Henri III , e'tant a Fontainebleau , lieu de fa naiflänce . Es hebet an : Lieux de tnoi taut aimez etc . Daß aber dieser Poet mit unter den Bertrauten des Königes gewe - fen erhellet daraus , daß er ihn mit sich nach Pohlen genommen , als er dahin gieng , die Krone dieses Reichs aufzusetzen . Wie aber die - ser Poet nur neun Monate in diesem Lande dauern können , so sieht man aus seinem Adieu - > laPoloignc , auf der ; 8 - S - daß er nichts so sehr , als den Verlust feiner Gegenwart , bedauert hat . Weil die - ses Gedichte noch andre Spuren der Vertraulichkeit in sich hält , der dieser König seinen Poeten gewürdiget , so will ich doch etliche Stro - phen davon hier einrücken ; worinnen man zugleich eine schöne Ab - bildung sehen wird , die er von dem damaligen Zustande des König - reichs Pohlen gemacht hat , und wofür ihm dieses edle Volk schlecht verbunden zu seyn , Ursache hat . Man kaiin aber noch dieses dar - aus lernen : daß , wenn Pohlen dem Könige Heinrich nicht besser fallen hat , als seinem Poeten , eS gar kein Wunder ist , daß er , so bald er gekonnt , wieder nach Frankreich gegangen ist .
Adieu Poloigne , adieu plaincs defertes ,
Toujours de neige 011 de glace couverte» ,
Adieu pa'is , d'un e'tcrnel adieu !
Ton air , tes maurs m'ont fi fort f«jeu deplaire ;
Qu'ii faudra bien que tout me foit contraire ,
Si jamais plus je retourne en ce lieu .
Adieu ! maifons d'admirable ftru & urc ,
Peines adieu , qui dan« volrc cloßurt
Mille animauxpesle et me«Ie entafiez ;
Filles , garcons , veaux et bceufs tout enfemble :
Ün tel mefiiagc a l'äge d'or refiemble ,
Tant regrette par les fiecles paflez .
Quoiqu'on me dit de vos maurs ineiviles ,
De vos habits , de vos mechantes villes ,
De vos Eforits pleins de legerete' ;
Sarmatcs fiers , je n * en vouhis rien croire ,
Ni nc penfois , que vous puilTiez tant boire :
L'eufle je crus fans y avoir ete' ?
Barbare peuple arrogant et volage Vanteur , caufeur , n'ayant rien que langage etc .
Neuf moi entiers pour complaire a mon Maitrc Le grand Henri , que le ciel a fait naitre Comme un bei' aftre aux humains flamboyant .
Pour ce defert j'ai la France laiflee ,
Y confiimant ma pauvre deftinee Sans null confort , fi non en le voyant . etc . G .
( H ) Der Tod des - Herzogs von Alenzon , so vortheilhaft er ihm auch seyn mögen , ist ihm nachtheiliger , als nützlicher gewesen . 1 Ich bestrebe mich nicht allein , nichts ohne Beweis zu sagen ; sondern auch überall , wo ich es thun kann , Schriftsteller anzuführen , die zu gleicher Zeit gelebet haben . Man wird sich also nicht bekriegen , wenn man sich ein / bildet , daß ich mich hier der Worte Stephan Pasquiers , Lettres , Liv . XIV , Tom . II , 140 u . f . S . auf eine ««genehme Art bediene . „ Auch „ steckte ihm ( nämlich Heinrichen dem III ) ein Dorn im Fuße , der mitten „ bey diesem Frieden ( der 1577 geschlosseil worden ) den Lauf seiner Vergnü - „ gm , gen aufzuhalten schien . Denn ob er gleich dem äußerlichen Anse - „ heii nach mit dem Herzoge , seinem Bruder , in keinem Übeln Verstand - „ nisse gelebet , so ist er doch ein anderer König gewesen , der seinen Hof , „ und'seine Lieblinge , bald in der Stadt Tours , bald in andernStädten seiner „ zugetheilten Herrschaft , absonderlich gehabt ; welcher mit dem Könige so „ wenig einerley Sinn gehabt , daß er weder ihn noch die Seinigen mir „ dem Orden des heil . Geistes begnadigen wollen . Ueberdieß ist seine „ Herrschaft so groß gewesen , daß sie einen guten Theil von Frankreich „ verschlungen hat . Er hatte seine Nechnungskammer in Tours , sein „ Obergericht zu Alenzon , welches so wohl die bürgerlichen , als peinlichen „ Sachen des Herzogthumö unumschränkr beurtheilet hat . Und dieser Prinz „ hat auch wen er gewollt , zu Bischöfen nnd Aebten in seiner Herrschaft ge - „ macht , welche vermöge des Coneordats , dem Pabste durch den König er - „ nennet werden mußten . Alle diese Hoheiten , die des Königes seinen aller» „ dings gleich waren , haben eine Eifersucht in seiner Seele erwecken kön , „ nen . die er aber klüglich verstellt hat . Der Tod des Herzogs hat sich 158z er» „ äuget ; und dadurch ist sein Erbtheil mit der Krone wieder vereiniget wor - „ den . Diejenigen , die den König regierten , haben deswegen in ihren zen ein Freudenfeuer angezündet , und er selbst offenbarete eS deutlich ge - „ nug , wie großer den Zuwachs seines Staats gehalten , da er mit seiner eig - „ nen Hand die Einrichtung seiner Hoheit geschrieben und gewollt : daß sein „ Kanzler , wenn er in seinem Rathe säße , mit einem carmosin sammtenen „ Barete und langen Rocke , und seine StaatSräthe mit violetenem Atlas , „ seine Thürsteher und Kammerdiener mit sammtenen Oberröcken beklei - „ der seyn , uiid darüber eine große goldene Kette an ihrem Halse hangend „ haben sollten ; dann verschiedene Zugänge zu den Zimmern , ehe man zu „ ihm kommen konnte ; eine lange Reihe von Herren , die vor ihm herge - , 'hen mußten , wenn er in die Kirche gieng . In der That hat ihm dieser „ Tod beym ersten Anblicke nichts , als eine lange Ruhe , versprochen ; und ^nichtsdestoweniger ist es das größte Unglück für ihn und für ganz Frank - „ reich gewesen . Denn wenn der Herzog gelebet hätte , so hätte den Ver - „ fechtern der Ligue aller Vorwand gefehlet - - - - Gleich nach seinen ! „ Absterben , 1584 . haben die Prinzen von der Ligue , das MiSvergnügen „ auebrechen lassen , das sie ausgebrütet hatten , und zwar unter dem Deck - „ mantel der katholischen , apostolischen , römischen Religion . , , Man mer - ke , daß die Liebeshandel die Zwietracht unter den zween Brüdern gesäet hatten . Sie haben einerley Schönheiten geliebt , einer hat den andern aus dem - Herzen vertreiben wollen : und da sie so wenig ei - nen Gefthrren in der / Liebe , als in der Gewalt , leiden können ; so haben sie die brüderlichen Neigungen in einen unversöhnlichen Widerwillen und in Verachtung verwandelt . Matthieu , welchen Marcel , Hiftoire de France , Tom . IV , p . 6v - angeführet . Ich überlasse nem jeden zu bedenken , ob diese doppelte Eifersucht' , eine wegen der Liebe , bis andre wegen der Herrschsucht , zwischen zweenen Brüdern ( * ) : davon der eine König , und der andre der vennathliche Kronerbe war , und die bevde einen sehr übel gearteten Geist und ein böses Herz hatten , nicht vermö - gend gewesen sind , sie mit einem erstaunlichen Widerwillen zu erfüllen . Er ist so groß gewesen , daß Heinrich der III dem Könige von Navarra eines Tages aufgetragen hat . den Herzog von Alenzon zu ermorden . Siehe des Pereftxe Historie Heinrichs des großen , p . 42 aufs 157 ; Jahr .
( * ) Man sehe in der Anmerkung ( B ) des Artikels Drußlle , dasjenige , was von dem Bruderhasse gesaget worden . Man sehe auch die angeführte Stelle des Taeituö in der Anmerkung ( 0 ) des Artikels Druftis , der Sohn des Germauieus .
( I ) * Ec erfuhr , * - daß ihn der Tod des - Herzogs von Guise - - - in - - - und todtliche Unruhen gestürzet har . 1 Pasquier soll hier nochmals der Ausleger seyn . So bald als der - zog von Guise todt war , saget er , Lettres , Liv . XIII , Tom . II , 6111 . f . S - hat sich niemals ein Ronig vergnügter befunden , als der un - srige , indem er zu jedermann öffentlich und deutlich gesaget : daß er weder einen Gefährten , noch - Herrn mehr hätte . Und der dre Tag , der Todestag de» Cardinals , ist die Erfüllung seiner Xvünsche gewesen , jn dieser Vergnügung des Gemüthes har er sich etliche Tage befunden , und an alle Oertcr Äriefe abftrtigen lassen , um den Bewegung - , qrund dieses Zufalls kund zu machen , von welchem er keinen allzugroßen Nunen gehabt . Acht dder zehn Tage hernach , da er nicht die geringsten 5ei'n»ngen von Paris erhalten harte , har er an sein Geu ? iflm zu gedenken fangen , nnd etwas von dieser großen Freude zurück gehalten . Und da er nach diesem von diesem allgemeinen Aufrühre Xcad ) ' eicht bekommen : so hätte er herzlich gern gewünscher , daß die Sache noch nicht geschehen gewesen wäre - > ( Der Ronig hat nach und nach über alles , ja über sich selbst verdrießlich zu »verden angefangen . Ich kann solche» wohl sagen und schrei«
den .

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