Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-11748

Heinrich der II .
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„ helfen können , und alle Hülfsmittet , die sie dagegen anzuwenden ge - «dacht hätten , würden sich zu ihrem Untergange gekehrt haben . Pas - quier machet noch eine andre Anmerkung , die mir nicht gut vorkömmt . XTad ) Ser Zurückkunft von dieser schonen Reise aus Deutschland , sagct er , p . 219 . hat Calvin angefangen , bey einem und andern durch Briefe seine Vorstellungen jn thun , Sie sich leichrlich einnehmen lassen ; inSem sie vermuthlich geurtheiler , es müsse der Ronig und sein Rath , weil sie die Beschüyung der Lutheraner über - nommen hätten , in ihrem - Herzen derselben Religion zugethan seyn . 2llso hat sich allmählich eine pflanzschule der neuen ligion durch Frankreich ausgebreitet , welche endlich bis zu den Prinzen und großen - Herren fortgegangen ist . Der Verfasser machet hier zweene Schnitzer : er setzet voraus : daß Calvin erst gegen das Ende des 1552 Jahres , die Franzosen durch Briefe zu reizen angefangen habe . Dieß ist aber falsch : er hat schon seit dem 1556 Jahre nicht aufgehöret , also zu verfahren ; und überdies ; ist es nicht wahr , daß die Franzosen Heinrichen den II , und seinen Rath , in ihrem Herzen für Lutheraner hät - ten halten können . Man hat an dem Gegentheile nicht zweifeln können , weil man sah , daß dieser König diejenigen durch sein ganzes Königreich mit Feuer und Schwerdt verfolgte , die der neuen Religion zugethan waren . Der Schutz und die guten Dienste , die er den Protestanten in Deutsch - land zugestanden und geleistet , können diesen Beweis seines Abscheues , gegen ihre Seele nicht vernichten ; man hat nur daraus gesehen , daß er den Nutzen seiner Religion den Staatsabsichten aufgeopfert hat . Dieß ist der ordentliche Weg regierender Herren . Sie verlassen denselben zuweilen , um nicht allein ihre Eroberungen , die sie machen könnten , son - der , , auch die bereits gemachten , und die allergründlichsten Vorthelle ihres Staats , der Verfolgungsbegierde aufzuopfern . Heinrich der an - dere , hat ein Beyspiel davon gegeben , da er den Frieden von Cateau annahm .
( BB ) Ein Ronig , der seine Gnadenbezeigungen gern ver - schwendet , ist seinem Staate nachrheiliger , al» ein Ronig , der garzu sparsam damit verfährt . ] Ein französischer Rechtsge - lehrter ( * ) hat behauptet . „ daß sich diejenigen sehr vergehen , wel - „ che die Gütigkeit eines gnadigen , freundlichen , höflichen und einfälti - „ gen Prinzen toben . Denn dergleichen Einfalt ohne Klugheit , ist an „ einem Könige höchstgefährlich und schädlich : und weit mehr zu fürch - „ ten , als die Grausamkeit eines strengen , verdrießlichen , unfreundlichen , „ geizigen , und unzugänglichen Prinz ? , , . Unsere Borfahren scheinen „ dieses Sprichwort nicht ohne Ursache gesager zu haben : Aus einem „ bösen Menschen ( * * ) wird ein guter Ronig : welches zarten „ Ohren , die nicht gewohnt sind , die Gründe von beyden Theilen genau „ zu erwegen , sehr seltsam vorkommen kann . Die Langmuth , und leicht - „ gläubige Einfalt eines allzugütigen Prinzen , ist Ursache , daß die Schmeich - „ ler , die Taugenichte , und die ällerboshaftesten , die Aemter , die Bedie - „ nungen , die Pfründen , und die Geschenke davontragen , welche die „ Einkünfte des Staats erschöpfen : und durch dieses Mittel wird dasar - „ me Volk bis auf die Knochen ausgesogen , und den Größern auf eine „ grausame Art unterworfen ; so daß statt eines Tyrannen , derselben zehn „ tausend sind , u . f . n> . „ Wenn er darauf seinen Satz mit Beyfpielen beweisen will , so saget er , p . 296 . folgendes : Man hat auch dieses Rönigreich , zu Ende der Regierung , Lranciscus des I , inXvaffen und Gesetzen groß , reich und blübend gesehen , Sa er verdrießlich und unumgänglich geworden , und sich niemand erkühnet hat , sich ihm nahern , um etwas von ihm ju bitten . Damals sind die Gnavcngelder , die Aemter und Pfründen , nur wohl verdienten und ehrlichen Leuten gegeben , und die Geschenke dermaßen ein - geschranket worden , daß sich bey seinem Absterben , eine Million Goldes , und siebenmal hundert tausend Reichsthaler im Schatze befunden , und das Vierteljahr vom Mar ; noch einzunehmen ge - wesen ist , ohne daß er etwas schuldig war , als etwas weniges an die - Herren von der K . igue , und die Bank zu £ . yon ; welches man mir Fleiß nicht bezahlen wollen , um sie desto besser bey rer Schuldigkeit zu erhalten . Der Friede mit allen Prinzen des Erdbodens war versichert ; die Grenzen Oes Rom'greicbs rvaren bis an die Thsre von Mayland , und das Ronigreich mir den allergrößten Rriegshelden und gelehrtesten Männern angefüllet . Nack diesem hat man unter der zwölfjährigen Regierung , - Hein - richs des II , ( dessen Gütigkeit so groß gewesen , daß man niemals bey einem Prinzen von seinem Alter dergleichen gesehen , ) den Staat fast ganz verändert gesehen : denn weil er freundlich , gnädig und gütig gewesen , so har er auch niemanden etwas abschlagen können . Da also die Schattkammer des - Herrn Vaters , in wenig Monaren erschöpft war , so hat man die Begnadigungen mehr als jemals zum öffentlichen Rauft ausgcbothen , und die pfrün - den und obrigkeitlichen Bedienungen , ohne Ansehen , den Meist - biethenden , und folglich den Unwürdigsten gegeben . Ja es sind die allergrößten Lasten aufgeleger worden , die man niemals zuvor gesehen hat : und nichts destoweniger if ? die Rentkammer von Frankreich , mit zwey und vierzig Millionen Schulden beladen gewesen , nachdem er piemont , Savoyen , die Insel Lorsica , und die Grenzvestungen der Niederlande verlohren harre : obgleich dieser Verlust , in Ansehung der Ehre und de« Ruhmes , den man verlohren , geringe gewesen . tvenn die Gelindigkeit dieses großen Roniges , mir Strenge begleitet , seine Gütigkeit mir Schärfe , seine Gefälligkeit mir Ernsthaftigkeit vermischet gewe - sen ware : so würde man nicht alles von ihm so leickre erhalten haben , was man verlangte . Die Meynung dieses gelehrten Man - nes scheint anfänglich ungewöhnlich zu seyn ; allein wenn man sie ge - nau betrachtet , so findet man , daß sie sehr wohl gegründet ist .
Boclin , de Ia Republ . Lib . II . ct12p . IV . pag . 111 . 295 . Man sehe «uch Liv . VI . chap . II . p . 895 .
( * * ) Man merke , baß er diesem Worte nicht seinen ganzen Umfang fliebt ; ex nimmt es nur in der Bedeutung ernsthaft und strenge , siehe das Ende dieses Cap . des II B . Bodins .
( C . C ) h oie Verwaltung seiner Einkünfte verderbet , und sich m erst««nlidii» Schulden gesetzt . ] „ Es ist eine Verordnung . . des Königes Franeiseus des I , von seinem Nachfolger bestätiget worden , . . des Inhalts , daß vier Schlüssel zur Rentkammer seyn sollten , davon . . einer bey dem Könige , Wd die andern in dm Händen der von ihm e . n -
„ gesehte^Bevollmächtigten , seyn ; und die Ausheilung der Gelder , auf
„ Befehl des Königes , in Gegenwart des Schatzmeisters und Gegen - „ schreibers der Rentkammer , geschehen sollte . Allein der König Hein - „ rich der II , hat nach diesem durch den Befehl , ( von 1556 . ) die Bevoll , „ mächtigten und Bedienten der Rentkammer , von dieser Last besreyet , „ damit man sie in Zukunft zu keiner Ablegung der Rechnung anstrengen „ könne : so viel ist gewiß , daß einer von den Bevollmächtig c» , auf ein . „ mal hundert tausend Thaler zum Geschenke bekommen hat ; wenn es „ anders wahr ist , was davon gesager worden . Dieß hat damals schon „ viel geheißen . „ Boäin , de la Republ . Liv . VI . chap . II . p . 904 . vin füget kurz darauf 1055 S . latein . Ausg . von 1601 , in 8 , dazu ; daß Franeiseus der l , innerhalb einer Regierung von zwey und dreyßig Iah - ren , nicht so viel reichliche Geschenke gegeben , als sein Nachfolger in zweycn Jahren . Franeiseus der I , hatte gleichsam nur die Augen zugcrban , als die Verkaufung der Aemter , welche damals eine unsägliche Summe eintrug , einer einzigen Person gegeben wur - de . Ebendas . 90 ; S . französ Aug . von 1608 , in 8 - Wir wollen sehen , wie man dieses in der lateinischen Uebersetzung ( p . 1055 ) ausgedruckt hat . Nondmn iufta parenti fecerat ( Henricui fecundus , ) cum hirudo quaedam Palatina pecuniae vim infinitam , quam officiarii aeeepta con . firmatione regibus initiatis fifco dependere folent , vno abforbuit et eodem hauftu . Die Verschwendung dieses Prinzen , ist ohne Zweifel Ursache gewesen , daß er seinen Unterthanen neue Lasten aufgelegt , ohne daß er sich der Versprechungen erinnert , die er bey der neuen Einführung dieser Auflagen gethan hätte . Man bekrachte diese Worte Bodins , p . 898 . am angezogenen Orte , wohl . „ Als die Steuer , 549 , auf dieUn - „ terthanen gelegt wurde : so hat der König versprochen , die Gelder zu „ keinem andern Gebrauche zu begehren und anzuwenden , als zur Be - „ zahlung seiner Gendarmerie , ohne sie mit den andern ordentliche» Ein - »fünften zu vermengen . Dergleichen ist auch gesaget worden , da man zur „ Zeit Franeiseus des I , den Sold der fünfzig tamend Mann zu Fuße „ ausgeleget hat ; der nur von den verschlossenen Städten , und derlei - . , ben Vorstädten genommen werden sollte , die nichts von der Menge „ der Soldaten empfanden . Jedoch 1 ; ; ; , hat man Städte und Dörfer , „ Flecken und Vorwerke gleich gesetzt , wodurch die armen Bauern doppelt „ beschweret worden : denn sie bezahlen , und werden doch von allen Sei - „ ten geplündert . . , Die üble Haushaltung dieses Königes , hat auch noch eine andre Unordnung hervorgebracht , nämlick , daß er große Summen auf starke Zinsen geborget . Seit dem der Rönig - Heinrich Geld ge - brauchet , so hat er es zu zehnen , zu zwolftn , zu sechzehn von hun , derren aufgenommen , wie er 1954 von den Caponis , den Albicis und den Parricipen in Deutschland gethan har : und der Zins ist die vier Messen bezahlt ; oder die Zinsen von Zinsi n , sind zu einem Capitale verwandelt , und zum - Hauptstamme geschlagen worden . Der Raiser hat es seiner Seits auch so gemacht : es ist wahr , Saß er es nur gegen zehn und zwolftn von hundert aufs höchste nommen ; und daß der Ronig von England in eben demselben Iah , re , von den Raufleuren in Deutschland , gegen zwölf von hunderren , hundert tausend Thaler geborger har . Und anstatt , Saß der Ronig - Heinrich , durch Bezahlung stärkerer Zinsen , mehr Geld . als der Raiser und Rönig von England , an sich zu ziehen gedacht : so hat er vielmehr seinen Credit verlohren ; Senn die allerklügsten - Hauswirthe haben geurtheiler , daß er auf die lettt , weder tal noch Zinsen mehr würde bezahlen können : um so viel mehr , da die Zinsen von sechzehn von Hunderten , wenigstens auf acht - zehn vom Hunderten kommen müssen , nämlich die Zinsen dazu nommen , die nicht bezahlt werden könnten . Ebendas 8 , 3 . 894 <3 . Man merke , daß er nicht der Erfinder dieser schönen Haushaltung ge , wesen : sie hat bereits unter dem König ? , seinem Vater , angefangen . „ Auch ist dieses Mittel , 54z , durch den Cardinal von Tournoi , , »ach . . Frankreich gebracht worden , da er bey dem Könige Franeiseus dem I , im „ Ansehen gestanden ; welchem er , auf Anstiften gewisser Italiener , zu „ verstehen gegeben , daß kein ander Mittel wäre , von allen Seiten Geld „ nach Frankreich zu ziehen , und in Zukunft Capitalien zu mache» , um „ den Feinde» dieselbe» zu entziehen ; als eine Bank zu Lyon aufzurichten , „ und von jedermann gegen acht vom Hunderte Zinsen aufzunehmen : „ allein in der That hat der Cardinal hundert tausend Thaler , die er in „ seinem Kasten hatte , sicher unterbringen , und so viel Zinsen davon zie« «hen wollen , als er nur konnte . Nachdem nun die offenen Briefe dazu „ ausgeftrtiget , und die Eröffnung der Bank geschehen war : so ist jeder - „ mann aus Frankreich , Deutschland und Italien , um die Wette dahin „ gekommen , so daß der Konig Franeiseus der I , bey seinein Tode , der „ Bank zu Lyon fünfmal hundert tausend Thaler , die er in seinen Kuffern „ hatte , und viermal mehr schuldig blieb ; und den Frieden mit allen „ Prinzen in der Welt versichert hatte . , , Ebendas . 89z S . Bodin ver . dämmet 896 S . diese dem Franeiseus dem I , dargebothene Erfindung , Er glauber , daß sie den Grund der Renten verdorben hat , und die Quelle von tausei , derley Unglücksfallen gewesen ist . Wir wollen ihn noch ein - mal . p . 895 anführen : Und was die Renten betrifft , saaet er , so hat man so gut hausgehalten , daß der Ronig - Heinrich der II , in weniger als zwölf Jahren , so lange er regieret har , mehr Zin , sen schuldig gewesen ; als seine Vorfahren , vierzig Jahre zuvor , in allem an Steuern eingenommen hatten .
Ich bin versichert , daß " diese Anführungen aus dem Bodin , denen nicht unangenehm seyn werden , welche die Zeitpunete der Auflagen , und überhaupt den Ursprung der Willkühre gern wissen wollen .
( DD ) - Heinrich der II , hat zuerst die Vielweiberey der Todes , strafe unterworfen . ^ Dieses habe ich im Bodin gelesen . Imperato . res , saget er , de Republ . Lib . V . cap . I . pag . m . 79z . perpetua lege * a - Myunlu * infamiae poena fubiedta vetuerunt : ( L . neminem de inceftis . Cod . ^ nofti - is vero legib . poena capitalis Henrici II . prineipatu irro - gari coepit . Der Urheber der Melanges d'Hiftoire et de Litterature , hat vermuthlich diesen besondern Umstand nicht gewußt : denn er drucket sich so aus : „ Allein in Ansehung der Ehe und der Gesetze des König - „ reichs , giebt esParlementer in Frankreich , wo man diejenigen zum Tode . . verdammet , die der Vielweiberey überzeuget werden ; weil man vorausse - „ her , daß diesesein Gesehe des Königreichs 'ist . Man fraget , wo sich diese« „ findet ? dieses müssen uns die französischen RechtSgelebrten belehren . „ Die Folge davon ist dieser Mühe wohl wertb , Ich für mich glaube , „ daß ma» dergleichen Leute nicht wegen der Vielweiberey zum Galgen „ schicket ; sondern wegen der Betriegereyen , die sie brauchen , die Fraurns - „ Personen zu überraschen , die sie unredlicher weise Heirathen „ Vigneul Marville , Mel . d'Hift . et de Litterat . p . >75 .
Fff ff Heinrich

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