Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-11727

Heinrich der II .
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«hre haben , die ihm zukommt , daß er ferne Rirche durch fernen Arm und durch feine Macht allein wieder aufgerichtet hatte , welches um fo viel wunderbarer ist , da der Xviederstand der Größten am allerrafendsten feyn sollte . Alfo hat sich unrer der Regierung Francifcus des II , - Heinrichs Nachfolgern , die U ? urh des Satans mit allen Gewaltthaten ergossen : fo , daß man von dieser Regierung ? die nur >7 Monate gedauert bat , fagen kann , was Jesus Christus beym Evangelisten Matthäus jaget : daß wenn diefe Tage nickt verkürzt worden waren , niemand enrwü schet feyn würde , daß sie aber wegen der Auserwählcen verkürz worden . Die Beschreibung der Anstalten , die man zur gänzlichen Ver - tilgung der reformirten Partey gemachet , sieht man auf wenig Sei - ten in Maimbourgs Historie des Calvinismus II B . 157 , >58 , >5 ? S . Man beobachte die Worte wohl , die er vor diese Beschreibung setzet . Alle Sachen befunden sich damals , das ist , als Francifcus der II starb , zur gänzlichen Vertilgung der calvinischen Lehre in Frankreich , in solcher Verfassung , daß sie durchaus unvermeidlich schien .
( Q_ ) - - - Man beschuldiget sie , daß sie ihre Freude über das klägliche Ende - Heinrichs auf eine fehr schimpfliche Art zeuget Habens Ich habe in der Anmerkung ( v ) , dieserwegen schon den Maimburg angeführet ; und hier sind die Worte des Mezerai , Hift . de France , Tom . II . p . „ zy z „ Weil dieser Prinz sehr gütig gewesen , so „ ist er auch von alle» seinen Unterthanen , bis auf die neuen Sectirer , be - „ weiner worden , welche geglaubet , daß sein Tod ihre Freyheit und ihr „ Wachsthnm seyn würde . Sie haben so viel Freude darüber gehabt , „ daß sie auch deswegen Gesänge und Dankgebethe gegen Gott , oder „ vielmehr Gotteslästerungen gemacht , darinnen sie sich unterstanden , zu „ sagen , daß ihn der Allmächtige , unweit den Mauern der Bastille , ge - „ schlagen hätte , wo er die Unschuldigen gefangen gehalten . „ Man darf sich nicht befremden lassen , daß sich unter einer großen Anzahl von ten einige Unbescheidene finden ; allein dieß ist »ine lischst löbliche Sache , daß der Geschichtschreiber der reformirten Kirche folgende Mäßigung be - «dachtet hat : Dem Ansehen nacb , war nichts mehr übrig , als ein höchst abfchctilicbes Schauspiel der äußersten Verwüstung , da der Herr darein fah . Denn der Ronig - Heinrich wurde un» ter feinen größten Siegen des Friedens , die mit der lung - - - verbunden waren , bey einem Turniere - - von einem unglücklichen Ä . an ? enstoße getroffen - - und starb den 10 des folgenden - Heumonats . Es sind bey dem fo unvermuthe - ten Tode dieses Prinzen viel feltfame Dinge beobachtet worden . Er war von Natur gütig , aber er fah und horte nicht anders , als mit den Augen und Ohren derer , die ihn eingenommen hat« ren , und ihn nach ihrem Gefallen regierten . Ttieod . äe Leice , Hift . Ecclcf . des Eglifes Rcforme'es , Libr . II . p . 195 .
( R ) Er hat mir dem - Herzoge von Orleans , feinem Bruder , in einem Misverstandnisie gelebet , das Frankreich viel gekostet hat . J Die Partey des Dauphins harte Dianen von Poitiers zum Haupte , die dieses Prinzen Beyschläferinn war . Dieß ist die Ursache gewe - sen , daß die Herzoginn von Estampes sich der Angelegenheiten des Herzogs von Orleans angenommen hat . Ich habein derAnmerk . sk ) , des Artikels Francifcus des I , von dem Nachtheile geredet , den die listigen Streiche die - ser Herzoginn den Sachen Francifcus des I , zugezogen haben . Siehe «uch die Anmerkung ( E ) , des Artikels Estampes .
( 8 ) AVer weis , ob der Herzog von Orleans nickt die Erbfol , ge streitig gemacht hätte 11 Tavanes , der in seinen Diensten gewe - ftn , und eine außerordentliche Begierde besessen hat , sich empor zu schwin - gen , hat viel von derHerrschsuchr'dieses Prinzen gehoffet , „ der sich beym „ Leben des Dauphins , seines ältesten Bruders , ununterwürfig zu machen ge - „ dacht . Auch hat ihm der Kaiser , Carl derV , in seinem Ehrgeize , durch die „ Hoffnungen , stark geschmeichelt , die seinen Muth sehr gestärket hatten ; „ da ihm also Tavaiines . sein Vertrauter , als er zu Farenmonstier in letz - „ ten Zügen lag , wo er in einem verpesteten Hause , welches er ohneNoth » . erwählet hatte , dem Tode verwegener Weise getrohet , die Zeitung „ von der großen Thar hinterbracht , die er über die Besamung zu Calais „ gethan , davon er achthundert Mann getödtet , und vierhundert gefan - „ gen genommen , hat er diese Worte zu ihm gesaget : mein Freund , ich „ sterbe , uud alle unsere Anschläge sind vernichtet ; es kränket mich , daß „ ich eure Dienste nicht belohnen kann . , » Le Laboiireur , Addit . aux Mernoires de Caftelnau , Tom . II . p . 572 .
( T ) Das Frauenzimme ? - - - hatte Francifcus dem I die - se vermcynren astrologischen Vorhersagungen gewiefen . Castel - nau hat sie widerleget . ^ Ungefähr zwey Jahre vor dem Tode diese« Prinzen haben gewisse Frauenspersonen , die viel Theil an seiner schaft hatten , zu ihm gesaget : daß die Gestirne dem Herzoge von Orleans große Eroberungen versprachen , und verkündigten , daß der Dauphin nichts thun würde , welches einem Könige von Frankreich anständig wäre . Sie haben daher so geredet , weil sie die besondere Gewogenheit Francifcus des I , gegen diesen Herzog , gekannt , und weil sie sich durch das Ansehen dieses jungen Prinzen bereichern wollen . Sie haben ihn gelobet ; sie haben ihn bis an den Himmel erhoben , und den Dauphin , als einen schläfrigen und trägen Geist , verschrieen , der unrer dem unglücklichsten Gestirne von der Welt gebohren wäre . Animo lento et fopito , infelici quodam fyderum pofitu natum . Gallandius , in Vita Caftellani , p . 73 . Castellan hat weder ihre Schmeicheleyen , noch Verleumdungen erdulden können : er hat sich gegen diese Damen gewendet , und mit einer zorni - gen Stirne zu ihnen gesaget ; daß die Sterndenterkunst schwer zu lottert * noch schwerer aber auf die menschlichen Begebenheiten zu richten wäre . Er hat dazu gesetzet . daß die Pralerey und Unverschämtheit der Stern - beutet - keinen Glauben verdiente ; er habe ehmalS diese Materie unter dem Tnrreau studieret , ( siehe die Anmerkung ( C ) , des Artikels lan , ) und es darinnen so weit gebracht , als ein anderer ; er habe auch I>um Zeitvertreibe und den Nenbegicrigen zu Gefallen , die Nativitaten des Dauphin und Herzogs von Orleans , mit aller nur möglichen Aufmerk - sämkeit gestellt , und nach den Regeln dieser Sterndeutkunst gesunden , daß der verzog eine gütige , große , kriegerische Seele haben , von der Macht und Freundschaft der Großen unterstützet werden , und zu einer sehr ansehnlichen Gewalt kommen würde , valde potentem futurum s baß ihm der Dauphin weder in Ansehung der Kriegstugend , noch in An - sehung der andern Tuaenden , die einem Prinzen anständig sind , etwas nachgeben , sondern als ein Ueberwinder seiner Feinde sehr glücklich regieren würde : fuoruni hoftium late viftorem feliciffimum regnaturum com . perifle : daß aber , da alle diese Arten , künftige Dinge vorherzusagen ,
eitel und zweifelhaft wären , das sicherste Mittel fey , sich auf die Sitten und Gemüthöart , so wohl des einen , als des andern von diesen zween Prinzen zu gründen , und daraus das Zukünftige zu muthmaßen . DerKönig hat diese Rede gnädig angehöret ; die Schmeichler und Schmeichlerinnen haben sich darüber geärgert . Der Dauphin aber hat , nach erhaltener Nachricht , daß Castellan so geredet hätte , eine ungemeine Freude bezeuget : nicht weil er gelobet worden war , sondern weil man ihn bey Francifcus dem l für unschuldig erkläret hatte , bey welchem er angeschwärzt zu werden be« fürchtete : apud quem ne in fufpicionem aut odiiun traheretur inetue - bat . Aus Peter Castelians Leben , vom Gallandius geschrieben , XLIV Cap . 72 u . f . S . O ! verfluchte Pest des Hofes ! wer kann dich genug - sam vermaledeyen ? Welch eine Bosheit ist es nicht , die Eisersucht der zween Brüder durch so viele Kunstgriffe zu nähren . ' Wir müssen nicht vergessen , daß Castellaus Astrologie , in Ansehung des Herzogs von leans , falsch gewejen . Er ist furz darauf gestorben ; und gleichwohl te sie'hm eine große Gewalt verkündiget , die Castellan für eine zukünf . tige Sache ansah : und . er konnte sie auch zur selben Zeit nicht anders an - sehen ; denn d , e , er Prinz ist ungefähr . 9 Monare vor seinem Vater< * « storben , und noch nicht 24 Zahre alt gewesen .
( V ) Viele Schriftsteller fagen , daß ein berufener Nativität , sieller vorher gefaget h«tte , es wurde - Heinrich der II im Zwey , kämpft gerodter werdenJ Wir wollen sehen , was Brantome davon jaget , I ) Uc . de Henri II . Mernoires , Tom . IL p . $0 ; , 3^ .
„ zählen hören , und es von guter Hand erhalten , daß etliche Zahre ebe „ er gestorben , ( einige sagen etliche Tage , ) ein Wahrsager seine Na'tiv ? „ tät gestellt , und ihm dieselbe überreichet , in welcher gestanden , daß er in „ einem Zweykampfe und besondern Gefechte sterben sollte . Der Conne» „ stabel ist dabey gegenwärtig gewesen , zu welchem der König gesaget : „ sehet , Gevatter , was mir für ein Tod verkündiget wird . Ach . ' Sir / " „ hat der Connestabel geantwortet : wollen sie diesem liederlichen Packe „ glauben ? Es sind nichts , als Lügner und Schwätzer . Lassen sie es ins „ Feuer werfen . Gevatter ; hat der König geantwortet : warum ? Sie „ sagen zuweilen die Wahrheit ; ich fürchte mich nicht , auf diese oder jene „ Art zu sterben , und es ist mir noch lieber , von der Hand eines ander» „ zu sterben , er sey auch , wer er wolle , wenn er nur beherzt und tapfer „ ist , und mir der Ruhm davon bleibt : und er hat , ohne auf die Worte „ des Connestadels Acht zu haben , diese Prophezeyung dem Aubespine zur „ Verwahrung gegeben , der sie verschließen sollte , bis er sie wieder forden» „ würde - - ebend . 52 S . Nun ist der König kaum verwundet , verbündt , „ und in sein Zimmer gebracht gewesen , als der Connestabel , der sich dieser „ Prophezeyung erinnerte , den Aubespine gerufen , und ihm aufaerraae' , sie „ zu holen , welches er auch gethan : und so bald er sie gesehen und gelesen , 'fln ! > „ ihm die Thränen in die Augen gestiegen . Ach ! hat er gefaget die ! ; if * » . das besondere Gefechte und der Zweykampf , darinnen er sterben sollen ; „ es ist geschehen , er ist tobt : es ist dem Wahrsager nicht möglich geive - „ sen , besser und deutlicher zu reden , ob gleich solche Leute , wegen ihres „ Geistes , allezeit zweydeutig und zweifelhaft sind , und folglich auch alle , „ zeit zweydeutig reden ; allein dieser hat sehr aufrichtig geredet . Ver - „ flucht sey der Wahrsager , der so wahrhaft und böse prophezeyet hat . „ ThuanuS machet es nicht , wie Brantome , der den Wahrsager nicht neu» net . Er heißt ihn Lucas Gauric , und setzet dazu : daß diese Nativität auf der Catharina von Medicis Bitten , gestellet worden , und daß man ihrer so lange gespottet , bis der König diese Wunde bekommen hat Thuanus giebt diese Wahrsagung zu Ende des XXII B . für eine gewisse Sache aus : Genus ac tempus mortis a LucaGaurico , Mathematico Pauu tertii perfarmliari praedidhim CONSTAT cum Catha . rina yxor futuri anxia foemina cum luxer viri ac'filkmim feto , confuleret , fore mmirum vt in duello caderet , vulnere in ocu - lo aeeepto : quod irrifum a multis ac pro tempore neglettim» fuit , quafi regis conditio fupra duellitm pofita eilet . Allein diejenigen , welche Lucas Gaurics eigene Worte aus Heinrichs des II Nativität anführen , verdienen mehr Glauben . Nun ist es aus diesen Worten gewiß , daß der Wahrsager diesem Monarchen ei» langes Leben versprochen , und nicht mit einem Zweykampfe gedrohet hat . Gassendi hat nicht vergessen , dieses große Beyspiel anzuführen , und dazu aesetzet , daß . sich Cardan in der Nativität dieses Prinzen nicht weniger detroäen habe , als Gauric , Se & II . Phyficae , Libr . VL p . 745 . Toi " i E Conftat ex Hißoriis Hewicum II . Gatliae noftrae Regem »büffi ann * aetatis quadrageßmo comp / eto , ex oeuiari vulnere . En autem de eo Gau . riet Vaticiniuni inPrognoßicoanni MDL Vi Qi . onum in firi natali . pene dnuni fchemate habuit Solem . fub gradibus fiwe altitndinis Ve . neri fere partihter alligatum : quin et Lunam atque Venerem fub Arietis Aftenfmo , per Horofcopun , progrediente» ; viuet feüciffi . mus annos LXX , deduäis duobus inenfibus« fi nutu diuino fupera - uerit annos infaliibreisLXIII , LXIV . et femper viuet in terris pientif . limiis . Paria junt quae idem Gauricus as>enige , was er in Gaurics eigenen Schrif - ten gelesen hat ; er hat aber die allerglücklichsten Proph^eyungen dar - intien gesehen , die man Heinrichen dem II nur hätte wünschen können : Et memini Icalia quasdain Ephemerides annuas Lucae Gaurici vidi II fe , in quibus cum pro übertäte fcribendi , quae tunc vigebaf finguli« Principibus Europaeis maximas felicitates , airt grauiüiina danna «li naretur , nihil poftea perindc cecidit , ac ipfe futurum praedixerat - Atque vtmam HenrKus fecundus , quem ille extrema tantumfene - ßute , et morbo placidiflkno tat , 5 concefliirum dixerat non aetatc potius florenti , et tam acerbo , praeeipitique feto nobis'eceptus fuif - fct . Naudaeus , in ltidicio de Cardano .
C * ) Er redet vom Sixtus ab Hemeiinga , der durch die Beyfpie - Lügen gcstraset bewiesen hat , daß sie der Ausgang
^ * ? ic Veränderungen « » , sind allein zureichend , den gweife lzn erwecren , daß sie von Sterndeutern gemaclit wc>r , den . Z Wir »vollen Stephan Pasquiers Erzählung , Livr . IV . Tom . I . P . 17S . sehen : man findet Gaurics Namen nicht darinnen : es geht alles auf andere Leute und andere Umstände . Ss stbeint auch , daß - - « diefes Unglück dem Ronige lange Seit fuvov vom Hieronymus Cardann» stillfchweigend propbexeyec worden , welcher in einem Kiltwurfe , den er von feiner & AtiviW gemacht , ihm alle glück -
liche

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