Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
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774 Heinrich der II .
und eben diesen Herzog in Ehrfurcht hielt , daß er sich nicht mit Spa - nien verband . Allein , wird man sagen , dieser Herzog hat gleichwohl Heinrichen dem III so viele Liebkosungen erwiesen , und so viele Unkosten auf seine Bewirthung zu Turin verwendet ; war es denn nicht billig , ihn als einen guten und beständigen Freund anzusehen ? Nein : es ist doch nicht recht gewesen ! Nur Unwissende können auf die beständige Freundschaft unter Regenten Staat machen . Wenn man die Gesehen - ke ansieht , die sie einander schicken , und die Briefe , die sie an einander in Friedenszeiten schreiben , so sollte man schwören , daß sie einander von ganzem Herzen liebten , und sich auch ihre ganze Lebenszeit lieben wür - den ; allein es ist doch öfters ganz gewiß , daß sie unter dieser Zeil an ei - ner Verbindung zum Brücke arbeiten , und nicht Willens sind , einander länger Dienste zu thun , als bis sich die Gelegenheit zeiget , von einer Feindseligkeit Vortheil zu ziehen . Dieß ist niemals wahrhafter gewesen , als da Heinrich der III» an dem Hofe des Herzog« von Savoyen tau - send Liebkosungen erhielt . Der Herzog ist vollkommen geneigt gewesen , sich die Verwirrungen zu Nutze zu machen , die er in Frankreich sah , und sich hierzu der Spanier zu bedienen ; und er hat einen Sohn verlassen , der eben diese Leidenschaft besessen , und sich nicht allein de« Marquisar«
Saluces bemächtiget , sondern auch Verschwörungen angesponnen hat , die Frankreichs Zergliederung und den gänzlichen Untergang der Monar - chie zum Augenmerke gehabt . Siehe den Artikel Gonraut , ( Carl ) in der Anmerkung ( v ) . Kann man also wohl das StaatSverfthen Hein - richs de« III zu viel tadeln ? Man sehe die Anmerkung ( F ) , seine«
Artikels .
f * ) So lange , al« sie gelebet , hat sie den Herzog von Savoyen be . ständig überredet und gewonnen , den Frieden zu halten , und sich nicht davon loszureißen , da er der allereifrigste Spanier gegen Frankreich ge - wesen , wie er nach ihrem Tode auch gethan hat . Brantome , Femme«
Illuftres , p . Z2S .
( K ) Seine Lieblinge haben große Güter durch < , unge , rechte rvege erworben . ] Damit ich mich vor der Beschuldigung nichr fürchten darf , als wenn ich die Sachen vergrößerte , so will ich mich der Worte de« Mezerai , Hift . de France , Tom . II . p . Ilz8 . bedienen : „ Der Aufwand , wozu ihn diejenigen verleitet , die seine Gnade in Hän - „ den harren , und davon sie einen guten Theil zu ihrem Nutzen verwen - „ det , ist so übermäßig gewesen , daß er das Königreich mit Auflagen „ überladen , und es in mehr als 40 Millionen Schulden gesehet hat .
„ Hierbey sind noch eine Menge Geschlechter durch die Ueppigkeit zu „ Grunde gerichtet worden . Weil die Erfindung der Partey und Mo - „ nopolien damals noch nicht so üblich gewesen : so haben sie sich einer andern „ bedienet , die eben so schädlich tvar , nämlich daß sie die reichsten , unter dem „ Vorwande derKetzerey und anderer Verbrechen angegeben , und gesuchet ,
„ daß sie entweder für schuldig erkläret würden , damit sie den Raub „ derselben bekommen , oder daß sie doch ihre Gnade durch ihre Fürbitte er - „ kaufen müssen . , , Dieser Historienschreiber hatte gleich zuvor gesager : daß Heinrich der II keines andern Fehlers beschuldiger worden , als daß «r von allzuleichtsinnigem Gemüche war , welches geschickter ge , wesen , sich regieren ? u lasten , als selbst ja regieren . Dieß ist ner von den größten Fehlern eines Königes , weil gemeiniglich diejenigen , die ihn regieren , wenn er in diesem Stande ist , mehr Böses thun , als er selbst thun würde , wenn er sie regierte .
( L ) „ um so vielmehr , da der König selbst einer von den Rittern , in Beglei - „ tung der Herzoge von Ferrara , von Guise und Nemours , gewesen ist .
„ Allein , viele Personen von geläutertem Verstände haben dieß für etwas „ seltsames gehalten : und gesaget , die Majestät eines Königes bestünde „ darinnen , von den Kämpfen zu urtheilen , und nicht lelbst in den Schran«
„ ken mit zu fechten . Ja auch in den alten Ritterbüchem haben sichs die „ Könige bey dergleichen Uebungen niemals einfallen lassen , die Verrich - „ rung schlechter Ritter zu üben ; sondern sie haben sich entweder verklei - , , der , wenn sie Lust gehabt , die Kampfbahne zu betreten , oder sich der - „ selben gänzlich enthalten . Allein das widrige Schicksal de« Könige«
„ hat es so gefüger , daß er die vornehmste Ehre von diesem Ritterspiele „ hat haben wollen . Und eS ist zu glauben , daß die Begierde , die er „ dazu gehabt , diese gewesen , daß er den Fremden zeigen wollen , wie fer - „ tig er in den Waffen und in der Regierung eines Pferdes fty : so , daß ihn „ seine Vertrautesten von diesem Vorhaben nicht abrachen dörfen . Eine „ Sache , die hernach der Krone Frankreich ein klägliche« Schauspiel ge - „ zeiget hat .
( M ? Man hat viele Betrachtungen über dieses klagliche Schicksal gemachr . 1 Ich will das Zeugniß der protestantischen Scri - benren nicht anführen : jedermann sieht , daß Stephan Pasquierö sei , neS , p . 174 . 175 . von größerer Stärke seyn muß . „ Hier ist es , wie unser „ guter König , Heinrich , UMS Leben gekommen . Und da da« gemeine „ Volk von Natur ein aufmerksames Auge auf die Thaten des Könige«
„ hat ; so hat auch dieser Tod nicht ohne einige Beurtheilungen und Au« - „ legungen bleiben können . Die Sachen der Länge nach zu erzählen , die in Frankreich vorgegangen sind , so bald der Friede geschlossen war : so „ har der Cardinal von Lothringen , der einer von den vornehmsten Mit - „ telspersonen desselben gewesen , in vollem Parlemente öffentlich gesaget ,
, , daß des Königes Mennung dahin gegangen , den Frieden zu schließen ,
„ es koste auch , was e« wolle ; damit er in Zukunft mit mehrerer Muße . . auf die Ausrottung und Verbannung der calvinischen Ketzerey denken „ könne : und er hat sich in der Thar den 10 des Brachmonats , in Per - „ son nach seinemParlemente erlwben , um von jedem Rathe sein Gut ,
„ achten , ivegen Bestrafung der Ketzer , zu hören . Hierüber haben einige „ sehr srey gesprochen ; und andere sind der Meynung geivesen , die Stra - , , se bis zur Entscheidung einer allgemeinen Kirchenversammlung zu ver - „ schieben , welche sie für nothig hielten . Hierdurch ist der König zu ei ,
„ nem so großen und gerechten Zorne gereizet worden , daß er dem Mont - „ gommeri stehenden Fußes Befehl gegeben , sich einiger von der Gesell - „ schaft zu bemächtigen , die fteyer geredet hatten , als es ihm lieb war .
„ Diese sind so gleich , al« Gefangene , in die Bastille geführet worden .
„ Daher haben diese nenen Ausleger gesaget : e« sey dem Könige diest«
„ aus einem gerechten Gerichte Gottes begegnet , um diese gewaltthätige
„ Gefangenschaften zu rächen . Daß die Meynungen frey seyn sollten» „ und nicht von einem Könige bestimmt seyn müßten , um die Räche , „ nachdem er dieselben gehöret , in ein verschlossen Gefängniß zu schicken . » . Daß ihn Gott durch die Hand eben desjenigen Bedienten gezüchtiget , „ dessen er sich zu diesen Gefangennehniungen bedienet hatte . Daß er „ auch , da er den 10 de« Brachmonats , dem Parlemenrshofe diesen „ Schimpf erwiesen , den 10 des darauf folgenden Heumonats , Tag für „ Tag , dem Tode entgegen gegangen . Also haben einige de« Volk« , „ nach ihren besondern Leidenschaften , von diesem Tode geredet , die nicht „ allemal erkennen , daß uns die Geheimnisse Gottes gänzlich verborgen „ sind , welche wir , aus Schwachheit unserer Vernunft , gemeiniglich mehr „ nach unser» Meynungen , als nach der Wahrheit , richten . „ Anna Du Bourg ist einer von denen gewesen , die der König in die Bastille einschließen lassen , und wider welchen er am meisten erzürnet gewe« sen ; denn er hat unter andern gesaget , daß er ihn mit seinen beiden Augen würde brennen sehen . La Place , Comment . de l'e . ftat de la Religion et Republique , folio tn . 19 . Fra - Paolo , Hift . du Concile de Trente , Livr . V . p . 400 . nach Amelots Übersetzung , Au«» gäbe von >686 , bemerket , daß sich die königliche Frau Mutter entsty , lich darüber erzürnet , daß die Lutheraner in ihren Vertheidi - gungssckristen kund gemacht , es fey die U ? unde des Roniges , ih« res Gemahls , ins Aug« , eine Strafe Gottes , wegen der Drohun , gen gegen den Anna Du Bourg gewesen , da er 5» ihm gesaget , daß er ihn wolle brennen sehen .
( * ) Mezerai , in seinem Abrege' Chrono ! . Tom . IV . p . 721 . hält sich an diese Meynung : der Stoß ist so stark gewesen , saget er , daß er ihn zur Erde gestürzt , und ihn um die Empfindung und Sprache gebracht . Ev hat sie niemals wieder erhalten : woraus man alle die verschiedenen Difc curse der Unwahrheiten überzeugen kann , die ihm diese oder jene nach ihrem Nutzen oder nach ihren Leidenschaften , in den Mund geleget haben .
( 0 ) Er hat die Rathschlage des Tonneskabels den Vorstellun« gen des - Herzogs von Guise vorgezogen . ^ Der Eonnestabel , tveL» cher seit der Schlacht bey St . Quentin gefangen gesessen , hat seine Frey« heil wieder erlangen wollen , es möchte auch kosten , was es wollte . Die Guisen haben sich seine Abwesenheit sehr zu Nutze gemacht . Dieserwe« gen hat er an einem Frieden gearbeitet , worinnen er den Spaniern al« leö verwilliget , was sie verlanget , und «r hat auch die Schwäche seine»
terrn so wohl gekannt , daß er ihn gar leicht zur Einwilligung diese«
ernagS bereter . Der Herzog von Guise mochte sich tausend uberzeu« gender Gründe bedienen ( * \ einen Frieden zu verwerfen , der den Spa» niern den Ruhm des französischen Namens , und überdieß in einem Ta« ge so viel Plätze aufopferte , al« sie in einem Jahrhunderte von ihnen nicht hätten erobern können , so ist doch der König bey allem diestm taub geblieben . Man muß hier eine Beobachtung de« Brantome anführen , Elog . de Henri II . Tom . II . p . 52 . Er giebt vor , daß Heinrich der II , welcher der Unverschämtheit der Herren von Guise überdrüßig gewesen , si« nach Hause schicken wollen . Nun hat er hierzu die Wiedereinsetzung sei - tut Connestabel« und die Endigung de« Kriege« nöthig gehabt : er hak «lso «hm und dem Marschall von St . Andre aufgetragen , ( dieser war eben , wie der Connestabel , gefangen , ) einen Frieden zu vermitteln , welches sieN»unfcrm Nachtheile auch gethan haben . Wir müj - sen die andere Maschine nicht vergessen : diese zween Gefangene und die Herzoginn von Valentinois haben sich von dem Raube der Ketzer be . reichert ; wer ziveifelr nun wohl , daß sie zur Erhaltung des Frieden« nicht alle Bedingungen sollten angenommen haben , damit sie nur nach ihrem Gefallen die Geschäffte des Ketzergerichts desto besser abwarten könnten ? Es ist gewiß , daß die von dem Connestabel unterstützten Rot« ten dieser Herzoginnn den König in diesen Abgrund gestnrzet haben . Siehe Belcarius , Libr . XXVIII . 17 u . f> Num .
( * ) Mezerai erzählet sie weitläuftig . Siehe oben die Amtiert . ( C ) , zwischen den angeführten Stellen des Pollio und Mezerai .
( ? ) Es wäre um die Reformieren in Frankreich geschehen g» wesen , wenn Franciscus der II noch ftvey Jahre gelebet hattet Dieses ist Theodors Beza Meynung ; denn , nachdem er alle Grunde vorgettagen , die ihnen eine bessere Zeir , nach Heinrichs Tode , versprochen , so setzet er dazu : Hift . Ecclefiaft . des Eglifes Reformees , Livr . III - p . 212 . Allein Gon hat« e» ander« beschlossen , und wolltt^v'«

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