Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-4609

Carneades .
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Meliflä , «juani vxoris loco habebat , tempeNta inter ftudia non in . terpellandi , fed inediae fuccurrendi officio , dcxterain fuara necef - fariis vfibus aptabat . Ergo animo tantummodo vita fruebatur , cor - pore vero quafi alieno et fupcruacuo circumdatus erat . Ebendas . Man füge diesem dasjenige bey , was ich bald von dem HülfSmntel sa - gen werde , welches er zur Vermehrung der Kräfte seines Verstandes gebrauchet hat .
MuretuS hat au« einem Gedächtnißfehler den Chrysippus für den CarneadeS angenommen . ? rodeat in medium Chryfippus , saget er , Orat . II . Vol . I . p . m . 17 . qui facpe studio intentus tanta voliiptate perfruebatur , vt emn tanquam extra fe pofitum cibi potionisque caperet obliuio . Auf deS Muretus Wort hat ein anderer Gelehrter dem Chrysippus dasjenige zweymal gegeben , was dem Carneades zw kömmt : ( Iacob . Thomafxus Orat . pag . 148 . 156 . leipziger Ausgabe von 1683 . ) und gleichwohl bemerket er , daß Valerius Maximus von diesem und nicht von jenem geredet hat . Ebendas . 156 . am Rande . Wir wol - len seine Worte anfuhren ; man wird sehen , daß er saget : man habe dem Chrysippus die Bissen in den Mund gesteckt : Aut Chryfippum denique repetam , quem inter etiam epuias tarn intemperantem ftu - dii fuilVe aiunt , vt euolante ad alia ingenio , manu« ceflfaret , et hi - anti ori ancilla Melifla cibum ingerere deberet . Ebendas . 156 Seite . Er ist kein gelehrter Dieb . ob er sich gleich der Worte des Fromondus , Philofophia Chrift . de anima , pag . - » . bedienet ; denn er verweist uns «uf ihn . Hier sind also drey Schriftsteller , die diesen Fehler vegan - gen haben : ich zweifle nicht , daß sie nicht mehrere Gefährten haben sollten .
( F . ) Ige rvar der Stoiker XVidersacher , und hat sich «uf da« eifrigste angelegen feyn lassen , die U ? erke des Chrz ? sippus , u rvi - verlegen . ^ Hier ist eine Stelle des Cieero : Sed is ( Carneades " ) vt contra Stoicos , quod { tudiofiflime femper refellebat , et contra quo - rum difeiplinam Ingenium eius exarferat . Tufcul . Quaeft . Libr . V . Er saget im II B . von der Natur der Götter , Carneadc , libenter in Stoicos inuehebatur . Er hat die Schriften der Stoiker mir Auf - merksamkeit gelesen , und vornehmlich de« Chrysippus seine , und sie wi - Verleger . Diog . Laert . Libr . IV . num . 62 . Es hat ihm so wohi dabey oeglucket , daß er gesaget , ohne dm Chrysippus würden * nicht gewesen feyn , was er war . 'ei p» y« ( & « * «v > ? , hu - Nifi
Chrvfippns fuiflet , non eflem ego . Ebendas . Viele andere haben gleichen sagen können : sie sind ihren Ruhm den Widersachern schuldig gewesen , die sie gehabt haben : sie würden sich dem Müßiggänge «rge - bei , haben , oder würden wohl aus den Studien einen häuslichen Zeil - vertreib gemacht haben ; wenn sie die Begierde , dieftlben zu übertreffen , nicht zu dem Entschlüsse angespornet hatte , große Einsichten zu erlan , gen , und der Welt Theil davon »u geben . Die Notwendigkeit , sich wider einen ehrgeizigen und unruhigen Feind zu vertheidigen , und ihn übern Hausen zu werfen , hat Bücher ausgebrütet , die vielen Leuten Ruhm gebracht , welche an nichts weniger gedacht haben , als Bücher« schreibet zu werden . Unser Carneades befindet sich nicht in diesen Um - ständen . Er hat den Zank gesucht ; er hat sich einen von den berühmtesten Philosophen der stoischen Seete zum Widersacher ausersehen , und er ist so tegierig gewesen , ihn zu überwinden , daß er bey seiner Zurüstung zum Strei - te , eine Dose Niesewurz genommen , um seinen Geist sreyer zu machen , und das Feuer feiner Einbildungskraft mit größerer Stärke wider ihn zu erre« gen . Idem ( CArne / ults ) cum Chryfippo difputaturus , helleboro fe ante purgabat , ad exprimendum ingenium fuum attentius , et iliius refellendun , acrius . Valer . Maximus , Libr . VIII cap . VII . num . 5 . Extern . Ich wollte , daß derjenige , der dieses gesaget , da« Wort cum nicht gebraucht hätte ; dieß soll un« bereden , daß von einer mündlichen Disputation gehandelt wird ; ein falscher Gedanke : angesehen Chrysip - pus nickt mehr gelebt , da Carneades seine Widerlegung , unternommen hat . PliniuS und Aulus Gellius geben vor , baß er sich diese« Mittels bedienet , da er auf die Bücher de« Zeno antworten wollen . Candidum 0tlltborum ) . . . quondam terribile , poftea tarn promifeuum , vt plerique ftudiorum gratia ad peruidenda acrius , quae commenta - bantur , faepiiw fumfitauerint . Carneadem refponfurum Zenonif libris . Plin . Libr . XXV . e . V . Aul . Gell . Libr . XVII . c . XV . Einige Neuere bilden sich ein , daß dieß nicht Zeno , das Haupt der Stoiker , dern Zeno von Tarsus , der Schüler und Nachfolger de« Chrysippus , ge - wesen . Ionfiuj de Scriptor . Hill . Philof . pag . 117 . Ouzelius in Au - luin Gellium , wie ihm Baillet ^ugem . Tom . I . pag . 420 angefwbrct . Dieß könnte seyn ; allein , wie Menage ( Anribaillet , I TH . 154 S . ) sehr scharfsinnig bemerket , so kann man es auch von dem Stifter der Stoiker verstehen . Ich kann nicht allem demjenigen Beyfall geben , was er an dem Jonsiu« ausgesetzt hat . Er tadelt ihn mir Recht , daß er ben , es habe Valerius Maximus versichert , daß Carneades , da er wi - der den Zeno schreiben wollen , Niesewurz genommen . Ebendas . 153 S . Er hätte sagen sollen , da er mit dem Chrysippus öif'puticen rvol , len . Er mißt ihm sehr fälschlich bey , daß er den Petronius , den Ter - tnllianus , den h . Hieronymus und den h . Augustin eines JrrthumS be - schuldiger hätte , weil sie gesager : es habe sich Carneades das tnvne mit rveißer Niestnmr» gereiniger , da cr rvider den ( Lbtys sippus gefckricbcn . Ebendas . Dieser Fehler des Menage ist um so vielmehr zu verwundern , da er kurz zuvor des Jonsiu« Worte attge - führt hatte ; hier sind sie : Quod tarnen Chryfippo tribuit perperän , Petronius in Satyrico . Tertullianus libro de Anima cap . VI . ronymus Commentario in Epiftolam ad Galatas . Ionfius , de Script . Hiftor . Philof . pag . 117 . Sie bedeuten ganz klarlich , daß diese drey Schriftsteller dem Chrysippus dasjenige mit Unrecht zugeeignet haben , «a« PlininS , Valerius Maximus und Aulus Gellius von der wurz des CarneadeS erzählet haben . Zonsius redet nicht vom hell . Au - austinu« . Dieser Fehler de« Menage ist es nicht allein , er saget aus - drücklich , daß Petronius , Tertullianus und der h . Hieronymus bekräfti - aen , es hatte sich Carneades das Gehirne mit weißer Nicst - wm * gcreiniger , da er wider den Chrysippus gesckrieben . Ake - nage Antibaillet , I Th . '5Z S . Nun ists gewiß , daß diese drey Sckriftstel'er nur von der Niesewurz dieses letzter» reden . Menage saget es selbst in seinen Not» in Diog . Lafrtium , Libr . IV . num . 62 . pag . m . 184 ? ich werde noch eine Beobachtung wider ihn machen . Er hat Unrecht , zu sagen : daß FulgentiuSden Zeno genennet , da er von der Niesewurz des CarneadeS redet : Menage Antibaillet , ! Th . - 54 S . Dieß ist nicht wahr ; er nennet nur den Carneades 8«l m qu . bu» - t Carneadis rcliidac ellcbortira . Fnlgent« Mythol * Ufer * I» jU End< dtr
Vorrede p . m . - 7 . Wenn man die Orlginalien zu Rache gezogen hät» te , so hätte man eine neue Materie gefunden , den Jonsiiis zu tadeln , welcher den Fulgenrius unter die Schriftsteller gesetzt , die gesaget : Car - neadeS hatte sich mir einer Dose Nicftwurz vorbereitet , wider den Ze - no zu schreiben . Ich entdecke diese Kleinigkeiten in keiner a»dem Ab - ficht , als die Bücherschreiber zu der allersti - engsten Aufmerksamkeit zu geivöhnen ; denn wenn sie nur ein wenig davon abgehen , fa geben sie vielen andern Anlaß , daß sie aus einer Hand in die andere Schnitzer begehen .
Man werke , daß Fulgentiu« auch der Niesewurz de« Chrysippus gedenket . Ego vero Chryfippi ellebori rancidulo acrore poftpoiiro , cum Mufis aliquid blandius fabulabor . Ebendas . de Virgiiiana Con tinentia , p . m . 140 . Auf diese Art sind also fast so viel Schriftsteller für den ChrysivpuS , als für den CarneadeS . Für diesen hat man den Valerius Maximus , den Plinius , den Aulus Gellius , den h . Augustin , ( Libr . I . contra Crefcon . cap . XIX . vom Baillet , Jugem . des Poet . Tom . I . pag . , yy angeführt . ) und den Fulgentius ; und für jenen den Petto - nius . den Tertullianus , den heil . Hieronymus und eben denselben Ful» gentius . Menage , Not . in Diog . Laert . Libr . IV . num . 62 . sehet den Lueianus darzu ; allein er ist bey den Haarenj darzu gezogen ; dem , die von ihm angeführte Stelle enthält weiter nicht« , als das ; Chrysippus die In« sel der Seliaen nicht eher , als nach einer viermalige» Reinigung mit Niejewurz , habe betreten können . Lueianus , verae Hift . Libr . II . pag . m . 757 . Tom . I . Es ist in dem Lucian eine viel geschicktere Stelle : nämlich diejenige , wo er den Chrysippus sagen läßt , daß man nicht kluz werden könne , wenn man nicht dreymal hintereinander Niesewur» trinke . Ebendas . in Vitar . Aufl . pag . 377 . Tom . I . man sehe auch den Hermotimuö des Lueianö , zu Ende . Man wird in demselben dasjenige finden , woraus zu schließen ist , daß Menage , wenn er diese Stelle aiige - führt , dasjenige hätte beweisen können , was er verlangt . Bey dieser Vertheilung der Meynungen , will ich lieber denen folgen , die dem Car» neades alles dieses zuschreiben ; ( siehe Schook . Fabul . Hamel . pag . 12$ , 126 . ) allem vielleicht hat auch Chrysippu« Niesewurz verschluckt , seinen Verstand zu läutern .
Im Vorbeygehen , wollen wir bemerken , daß Carl Stephan , Lloyd und Hofmann sich stark betrogen haben , wenn sie gesaget : daß Carnea« des ei» guter Freund und treuer Anhänger des Philosophen , Chrysip , pu« , gewelen , Chryfippi maxime ftudiofus . Ich werde m der merkung ! vK ) sagen , daß e« Lehren giebr , die er nur behauptet , un : den Stoikern zu widersprechen .
( F ) Er har eine ert ? aunenSe Beredsamkeit gehabt , vor rvelckee sich der römische Rath geordnet . J Sie ist stark gewesen , dast er niemals etwas vorgebracht , ohne es zu beweisen , linb daß er memal« etwas angegriffen , ohne e« völlig umzuwerfen . Carneadis vero vis in . credibilis illa dicendi et varietas perquarn eflet optanda nobis , qui nullarn in iliis fuis diiputationibus rein defendit , quam non proba - rit , nullarn oppugnauit ; quam non euerterit . Cicero , de Orat . Libr . II . cap . XXXVIII . zu Ende . Siehe auch in dem LXXXVIII Cap . das Lob , welches er feinem Gedächtnisse giebc ; alle» , es glauben einige Kunstrichrer , daß man anstatt Carneades hier Charmioas lesen müsse . JonsiuS , 191 S . Q . ui»tilian , XIB . II Cap . setzet gleichwohl Carneades . Ist es nach diesem Lobe nöthig , diese andern Worte des Cicero «»zufüh» ren ? Hinc haec recentior Academia emanauit , in qua extitit diui - na quadam celeritate ingenii , dicendique copia Carneades . Cicero , de Orat . Libr . III - cap . XVIII . zu Ende . NiimeniuS hat die Bered» famkeit des Carneades , mit einem schnellen Flusse verglichen , der alles mit wegreißt , was er antrifft . Man wird dieses Lob in den griechischen Worten besser sehen , die ich anführen werde : eiVi * * iiii T , * # } 5 - s .
Iix ix'vTW Aoym , i & ytlgiTO , ci'o» xora / iit fouhi , ftptSgäf
f ( m , jrivT« ««TarnftAi ? t * rifät ti 'xtiSt , vjh tiatnixl * . njf cweayfi r«c «xaovr« ? Six äaftä * . Q^iod fi alto quodam et exaggera - to dicendi genere opus eilet , tum enimuero vehementi ac rapide» curfu ferebatur , vt amnis quidam incitatus et rapax , qui omnia padim inundet et abruat : fic in auditorein ineumbebat , eumque fe . cum magno cum fragore itrepituque rapiebat . Nimienius , apud Eu . febium , Praepar . Euangel . Libr . IV . cap . VIII . pag . 737 . C . E> setzet darzu , daß dieser Philosoph seine Zuhörer dermaßen vergnügt , daß er sie gefangen genommen , feinen Meynungen zu gehorchen , und daß er sich auch die Per , o»en selbst durch Gewalt oder Geschicklichkeit untceworfei , , welche die genauste Borsicht wider ihn gebraucht hätten . Dieses ver° viftit , im angefitl ) ret ) u tverbeu . Ki * ) i * ivroi xkyw 6 kocg»
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xivueiiivvf . At enim vero Carneades interea , dicendi facultate au . ditorem permulcebat , idemque captiuum trahebat : tt ftff Ocetüte , manifefte praedo , vel fraude vcl aperta vi paratidimum etiam quemque capiebat . Ebendas . ? z« S . L . Keiner von seinen Widers»« chern , fahrt er fort , hat ihm widerstehen können ; er ist allen a> , Be - redfamkeit überlegen gewesen ; er allein hat gesieget , alle seine Meynun - gen sind angenoinmen , und der andern ihre verworfen worden . _ n« * *
yiv KCtfvtiiu ii & om IvIkx , yj ) iii / da iiririv »Jf « ? « ( <>•
ttnoMiisiy vjffocv tlxeiv uhwaroirs^ot . Omni« quippe Carneadis vincc - bat opinio , alia cuiuslibet nidla prorfus , cum aduerfarios omnes longe dicendo inferiores haberet . Ebendas . C . Anti pater hat ihn widerlegen wollen ; allein wie ? Er hat sich niemals uitte , standen , vor ihm zu erscheinen , weder in den öffentliche» L . ehrstunden , noch bey Spa - ziergangen oder Unterredungen . ( 5r schwieg st , ll . Kein Wort ist aut seinem armen Munde gekommen ; er hat ihn nur von weitem und in geheim durch etliche Bücher angegriffen , die er gemacht . Die Nach - kommen haben dieselben gesehen : sie sind auch nicht vermögend gewesen , sich nach des Carneades Tode zu erhalten ; um so viel unmöglicher ist es gewesen , daß sie ihm hätten widerstehen sollen , , d« er in einem mit so lichem Ruhme umgebenen Stande geblüht . BtßM«
rite ifs ? ov , Sri vvv ! vi / 6 / xtvu , vji / riri Hwartt rtfa ä ? » ( «väf *
i%6 ( fityav lp«» veÄJtfy . Libros tantum pofteris relinquebat , vertun eiusmodi , qui rie nunc qilidem , tUm vero multo minus Carneadem illiim , qui tan tu» at tarn admirabilis eins aeui hominibus videbatur , fliftinere pot ftnt ; Ebendas . D . Wir wolle» mit einer schönen Stelle de« Lacran« tins beschließen . Carneades Academicae feftac Philofophus , cuiue in diflcrendo quae vi« fuerit , qu»e tloquentia , quod acumen , qui
nefcit ,

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