Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-11693

772 Heinrich der II .
zugestanden worden ; warum gedenket et nur dreyer Städte , die Frank - reich wieder gegeben worden ? Warum unterdruckt er die Eroberung von Calais und von Metz , Tull und Verdun ? Allein diese Critik tauget gar nichts ; denn der Vertrag zu Cattau hat Heinrich dem II , diese vier Pläfte nicht zugestanden . Er hat dem Reiche vollige Freyheit lassen , die Zurückgebung der dreyen letztern zu fordern , und er hat Frank - reich förmlich verbunden , Calais nach acht Jahren wieder an England zutreten . Dieß hat der ungenannte Geschichtschreiber nicht beobachtet , her also redet , Hiftoire des chofes me'morables avenues en France depuis l'an 1547 jusques au commencement de l'an 1597 . p . 61 . „ Der „ König von Frankreich , hat dem Könige von Spanien alles wiedergege ,
„ 6en , was er von ihm dieß und jenseit des Gebirges erobert hatte . Im - „ gleichen den Prinzen von Piemont , Dresse , Savoyen , und Piemont ,
„ bis auf vier Städte : den Genuesern die Insel Corsica : Siena dem „ Herzoge von Florenz : und hat nichts als Calais behalten , ohne daß er „ einen Daumen breit mehr Erde in diesem langen und gefährlichen „ Kriege gewonnen , der so viele Landschaften verbeert , so viele Städte , Fle - „ cken , Dörfer und Schlösser geplündert , verbrannt , und verwüstet , so „ viele Prinzen , Herren , Edelleute , Heerführer , Soldaren , Bürger und „ Bauern ums Leben gebracht , so manchen Frauen - und Iungferraub und „ Schändungen verursacht , und mit einem Worte ganz Europa umgekehrt „ hatte . Der König hat mehr als - 00 ( andere sagen fast zweymal soviel )
„ Plafte wieder gegeben , wegen welcher Eroberung eine See von Blute „ der Ünrerthanen vergossen , die Schätze des Königreichs erschöpft , die . ^rongüter verpfändet , und er von allen Seiten in Schulden gesetzt „ worden . . Dieser Geschichtschreiber setzet voraus , es hätte Heinrich der II . wenigstens seine Staaten durch die Abtretung von Calais ver - qrößert . Allein dieß ist eine Lügen . Alles übrige seines Dilcurfts ist gründlich ; und wie man dem Könige von Spanien dasjenige mit Wahr - hl - it vorstellen können , was Hannibal den römischen Heerführern stellt hat , ( siehe die verschiedenen Gedanken über die Comettn , Num . iiz , paar . ? 8o . deutscher Ausgabe ) was sür Donnerstreiche schießt also nicht dieser Diieurs auf Heinrichs des II , Kopf los ? Man hätte dem Ko - riige von Spanien sagen können , daß die Länder , die er Frankreich durch diesen Friedensvertrag entrissen , weder die unmäßigen Summen , die der Krieg gekostet , noch auch so viele Soldaten und KriegSbesehlshaber werth wären , die er verlohren . Wenn dieses vermögend gewesen wäre , die Freude über einen vortheilhaften Frieden zu verringern , wie groß muß nichr das Herzeleid des Monarchen gewesen seyn , dem derselbe nachtheilig war ? Aus einem langen Kriege mit leeren Händen zurückkommen , ist eineSchande hat Homer im II B . der ZliaS - 98 B . gesaget .
AlffJC ? «« rot Siifiv rt Ith«» , xivlfiv ti v<£ff3af .
Turpe diuque mauere , inanemque redirc . würde bey einem Falle , wie dieser , noch viel stärker geredet haben .
( I ) ) Der Geist Sex Verfolgung hatte sich dieses Prinzen mächtiget . 1 Er ist ungemein scharf gegen die Reforniirren gewesen : er hat sie ohne Gnade hinrichten lassen ; gleichwohl haben sie sich unter sei , ner Regierung sehr vermehrt . Sind sie nicht verdrießlich über die außer , ordentliche Bestürzung gewesen , die den ftanzösilchen Hos und die Stadt Paris nach der Schlacht bey S . Quentin überfiel : so haben sie gelhan , was ihnen die Natur eingegeben . Eine ganze Secte , die ubel gehalten wird , und anders keine Linderung hoffen kann , als wenn fich der Hof in Verwirrung befindet , muß sich über den Fortgang der Feinde freuen und »ergnügt ftvn . wenn ihre Verfolger mit auSivärrigen Sachen beschäffti - gct sind , daß sie fast nicht wissen , wo sie sich hinwenden sollen . Unter allen christlichen Seelen ist keine geneigter , sich nach diesem Sinne aufzu - führen , als die papistische Also dörfte man sich nicht darüber verwun - dern , weiin dasjenige wahr wäre , was Maimbourg im II B . der Histo - rie des CalviniSmuS 96 S versichert , daß sich nämlich die Protestanten Sie öffentliche Betrübniß ? u Nulze gemacht , darinnen man nach der Schlacht bey S . Quencin gewesen . - - und sich er - tUbnt , ihre Versammlungen an hellem Tage m den volkreichsten Straßen zu Paris zu halten , auch öffentlich zu erscheinen . sich bey hellem Taqe mit großem - Haufen m pre - aux - Clercs zu versammle» , um daselbst Clemens Marots Psalmen zu singen . Dieses soll die Primen belehren , daß die VerfolgungSbefehle sie großen Beschwerlich - feiten aussehen : dieß ist Ursache , daß die Freudenfeuer einen Theil ihrer Ünrerthanen betrüben , und daß die Sieae ihrer Feinde sie mit Tröste er - füllen . Wenn sie sich über böse Unterthanen beklagen , so muß man ih - nen antworten , ihr machet sie dazu ( * ) ; denn zu verlangen , daß eine ver - folgte Partey sich über das öffentliche Unglück betrüben joll , das die Quelle seiner Riihe und der Grund einer sehr wahrscheinlichen Hoffnung ihres Wohlstandes ist : dieß heißt die Zurückknnft der ersten Iahrhunder - te des Christenthums verlangen , einer Zeit , die nicht zwcymal wieder - kömmt ; dieß heißt Menschen verlangen , die den Einwohnern des sendjährigen Reiches ganz ähnlich sind , wofern es jemals kömmt . Allein wir wollen wieder aufHeinrichen den II kommen . So bald er gesehen , daß sich die Protestanten den Verlust zu Nutze zu machen ge« dachten , den man in der Schlacht bey S . Ouenrin erhalten harre , so bar er einen neuen Befehl herausgegeben , krafr dessen allen Richtern verbothen wurde , die Todesstrafe . und d»e Einziehung aller Güter wider diejenigen zu mäßigen , die man nicht allein des Verbrechens der Retzerey schuldig fände ; sondern auch diesem -
aen , die Überführer würden , daß sie Bucher nach Frankreich ge - bracht härrcn , welche zu Genf wider die Lehre der kathoLRirche qcdruckr worden . Also har man noch viel scharfer wider die Talvinisten verfahren , als jemals zuvor . Maimbourg . Hiftor . du Cal vinifmc , Livr . II , pag . «oo . Wie aber dieses ihre Vermehrung nicht gehindert hat , noch daß Personen vom ersten Range derselben Partey qefolqt wären : so hat der König wohl gesehen , daß er zu ihrer Ausrottung den Frieden mit dem HauseOesterreich nöthig hatte ; und dieß ist ohne Zwei - fel eine von den größten Ursachen gewesen , die Augen gegen den guten Zustand verschlossen zu halten , in welchen er seine Sachen wieder ge - bracht hatte . Siehe in der Anmerkung ( M ) die Worte des Cardiiials von Lothringen . Er hatte den Fortgang seiner Feinde gchemmet , und ihnen so gar feste Platze abgenommen . Dieß half nichts ; er hat ihnen lieber alles verwilliget , was sie verlangten , als seine Hände zur Ausrottung der Protestanten in seinein Königreiche nichr ftey haben wollen . Auf diese Art har man gesehen , wie eben derselbe Hof sich die vottheilhaftesten Gelegenheiten , sich größer zu machen , 1684 aus den Händen gehen lassen , damit er sich einzig und allein auf die Unterdrückung des Befehl«
von Nantes legen könnte . Diejenigen , die sick ) von diesem Geiste beherrsche« lassen , dörftn nur auf den Titel eines Eroberers keinen Anspruch machen . Wenn Heinrich der II , den schändlichen Frieden lange überlebt hätte , den er angenommen hatte , so würde man ihn mit nichts als Turnieren und Verfolgungen beschafftiget gesehen haben : allein er ist kurz nach der Un« terzeichnung gestorben . Maimburg ist ein verwerflicher Zeuge wegen der Freude , welche - die Ketzer , nach seinem Vorgeben , darüber gehabt . Hier sind seine Worte : Üift . du Calvinifine , Livr . II , pag . 114 . Er ist auch mir wahrhaften Thränen beweint und von allen seinen Unterrha - nen unendlich bedauert worden , bis auf die Protestanten ; welche , da sie durch seinen Tod von demjenigen befreyr zu seyn glaubten , was sie Verfolgung SerRirche nennten , auf e , ne höchst dige Art , durch Xvorre , Thaten und ärgerliche Schriften , die Freu« de haben ausbrechen lassen , die sie darüber gehabt .
( * ) Man wende hier des Seneca Wort wider diejenigen an , die sich über Undankbare beklagen : Multos experimuringratos , pluresfacimu» . de Benefieiis , Libr . I , cap . I .
Man kann in Ansehung Heinrichs des II , eben dieselbe Anmerkung machen , als wegen Franciscus des I . Siehe die Anmerkung ( ? ) des Ar« tikels Franciscus der I . Er hat die Partey durch die Wetterhähne a»« gegriffen ; er hat ihnen einige Ziegel entführt , da er ihnen Festungen ge» bauet : er hat in Frankreich etliche geringe Privatpersonen sterben lassen , und sich zu gleicher Zeit mit den Protestanten in Deutschland wider Carln den V verbunden u s . w . Der König - - - hat beschlossen , sich mir allen Kräften auf die große Sache der Religion zu legen , für welche er einen sehr großen Eifer gehabt : ohne daß er seine ganze Regie« rungszeit über , in diesem Punete erwaS nachgelassen hätte ; auch so gar nicht , wenn er wegen bloßer politischen Absichren mit den deutschen Für« stcn wider den Kaiser Carl» den V , Bündnisse gemacht hat . Maimb . Hill , du Calvinifme , Livr . II , p . 110 . Er hat gern der Beschützer der deutschen Lreyheit genennt seyn wollen ; dieß hieß zur selben Zeir , der Be« schütz« der Protestanten . Siehe die Anmerkung ( AÄ ) . Die andern ka« rholischen Prinzen haben gleiche Aufführung beobachtet . Man sehe den Artikel der Königinn Elisabeth , in den Anmerkungen ( ( ? ) und ( R> Ich finde diese Worte des le Laboureur in den Zusätzen der Nachrichten des Castelnau , Tom , II , pag . 577 . merkwürdig : Das Unkraut mit dem guten Saamen auszureißen , saget er , har Gott lauter unschul - dige Prinzen und von einem guten L . eben erwählen wollen , un» er hat sich der weltlichen - Hände nicht bedienen wollen , wie der Räche aller christlichen Rronen derselben Zeit ihre waren : welche ihre Felder nur darum reinigten , um den Tresp auf ihrer barn Acker zu werfen ; und welche die Relzerey nur als eine der Gewalt widrige partey verfolgten . Carl der V , und die Könige von Spanien , seine Nachfolger , haben den Protestanten in Deutschland und in Frankreich bey verschiedenen Begebenheiten Vorschub gethan . Man sehe die Beweise davon in dem I Bande , auf der 78 . und f . Seiren der Schutzschrift Arnaulds für die Katholiken . Der spanische Abgesandt« hat in England um Hülse für den Herzog vonRohan angehalten . Was Grotiu« , Lp . >57 . parl . I , pag . 60 . davon geschrieben hat , ist merkwür« dig . Valiaus eft rumor , Gonthomerum , et qiii in »ula Anglica Hifpa - nicae funt fa & ionis , aperte profiteri , non debere a Rege Britannia - rum deferi religionis confortes inGaIIia ; ne fi quando vetera iurare - petere ipii fit animus , defint , qui partes Anglicas fequantur . Man sehe in dem politischen Testamente des Marquis von Louvois , pag . Zü ? . eöllnischer Ausgabe von 169 ; , etliche Betrachtungen über die in Ungarn wider die Prorestanten auf Befehl eben desselben Hofes ausgeübten Ge« waltthätigkeiten , der kurz darauf den Prorestanten in England und Hol« land , die Ludwig der XIV , und Jacob der II , soll entschlossen gewesen seyn , zu unterdrücken , so große Dienste geleistet hat .
( E ) Elisabeth , die Roniginn von England , hat ihn wegen sei» ner Tapferkeit bewundert . ^ Brantome , Difcours de Henri Ii , int II Tom . pag . 60 , 61 . wird uns davon unterrichten : Ich habe von der iyigcn Roniginn von England , Elisabeth , erzählen hören , saget er , daß sie diesen Rönig und Prinzen auf der XPelc am liebsten ; u sehen gewünscht harre ; wegen des guten Gerichts , den man ihr von ihm gemacht , und wegen de« großen Ruhms , der über» all von ihm ausgebreitet worden . - - - 2>ey der Tafel , da sie sich vertraulich mit diesen - Herren besprochen , hat sie diese Xvorte ge» saget , ( . nachdem sie den Ronig sehr gelobt ) Das ist der Prinz , den ich auf der U ? elt zu sehen am meisten gewünscht , und dein ich bereits gemeldet hatte , daß ich ihn bald sehen würde : und die - serwegen hatte ich Befehl gegeben , meine Galeeren ( dieses Xvort brauchte sie ) bald auszurüsten , um nach Frankreich Überzüge» hen , bloß ihn zu sehen . Man sehe eben dieselbe Erzählung in den Memoire« des Dames Galantes , Tom . II , p , 261 . wo ausdrücklich ket wird , daß diele Königinn Heinrichen den II , zu sehen verlangt , weil er muthig , tapfer , großmüthig und sehr kriegerisch wäre .
( ? ) Der - Herzog von Savoyen , hat - Heinrichs des II , Gckwe , ster , eine prinzeßinn von großen Verdiensten , geheirarhet . Z Sie hat Margaretha , wie ihres Vaters Schwester , die Königinn von Na - varra . geheißen , und eben soviel Neigung zum Studieren und zur Beschü , tzung der Gelehrten gehabt , als sie . Sie ist in Verdacht gerathen , einen Ge . schmack an den neuen Meynuugeu gefunden , und der Katharina von Me« dicis erwas davon mitgetheilr zu haben . Siehe le Labour . Addit . am Memoires de Caftelnau , Tom . I , pag . 750 . Man sehe ihr Lob im Brantome , Memoires des Dames Illuftres , und im le Laboureur . Dieser letzte berichtet uns eine Sache , die wissenswürdig ist . Margaretha von Frankreick , sager er Addit . a Caftelnau , Tom , I , pag . 752 . ist im 46 Jahre vermählt worden ( * ) , und wie ihr Alrer . bereits zu hoch schien , als daß man sie zum Rinderzeugen hätte fähig baltrn sollen , so hat man das Gerüchte von ihrer Schwangerschaft einen Kunstgriff gehalten , den Ronig dadurch zu nothigen . ihr die Platze um so viel eher zurück zugeben , Sie er zurück hielt . Diescrwegcn har - Herr - Huraut von Äois - Taille , Abgesandter zu Venedig . dem Sernardin Äocherel , Bischöfe von Renncs , dem französischen Abgesandten in Deutschland , in einem Briefe unter dem 27 desHeumonara 1561 gemeldet : Man saget , daß die Herzogin» von Savoyen schwanger ist ; allein ich glaube , daß dieses ad aliquid schieht . Dieses Gerüchte ist durch die Geburt Carl Emanuel« rvahr beftiodrn worden , de« Großvater» vcs lytreziepenSenHer -
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