Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-11679

770 Heinrich der IL
streiten verschiedene diese Begebenheit , unter andern Oer Mark - Wir wollen das folgende von der Stelle desCamerarius an angezogenem
gras von Ancona , MarquarS genannt , welcher sich ; u errveisen Orte auf der »96 S . sehen : V , ell«cht har Johann Nicolas Bru ,
erbothen , daß dieses Rind nicht von - Heinrichen und Constantien tus ( * ) von dieser Stählung Gelegenheit genommen , fchUdv
entsprossen , sondern untergeschoben gewesen , welches Pandolfo terdings zu leugnen , Saß Lonstantl« jemals eme Nonne oder
CoUemiccio , Liv . IV , de l'Hift . deNaples , f«get . Hat man sagen kön - Aebtißinn gewesen , noch daß ihr pabsi Cölesiin Lreyhnr gc ,
nen , daß die allerfeinsten Behutsamkeiten wider die Liebe unnützlich sind : geben , sich zu verheirarhen , um so vielmehr , da sie nacl , ftiner
so kann man auch sagen , daß sie es wider die Herrschsucht sind . Man Rechnung damals sechzig Jahre alt gewesen . - Hingegen fuhrer
thue alles , was man will , die Welt zu überzeugen , daß diese oder jene er den - Hisiorienschrelber - Hugo Falcand an , welcher sager , daß sie
Niederkunft nicht erdichtet , sondern ganz gewiß ist ; so wird man doch allezeit damals eine Jungfer in ihrem besten Alter gewesen , da sie mit
Antworten bekommen : das Mittel , welches die Ungläubiakeit des Apo - - Heinrichen , unter der RegierungXVilhelms des gütigen , vermählt
stels Thomas geheilet , ist fast das einzige , das wider die Spitzfindigkeit worden , da Friedrich Rothbart noch gelebt hat : vaß aber die
die Probe hält : wenn ich meine Finger u . s . w . wird man sagen , wie Vermengung der Zeiten Ursache an dieser Zweideutigkeit fy .
dieser Apostel : so werde ich nicht glauben , Ioh . XX , 25 . Ich weis Ich halte dafür , saget er , daß sie aus dem königlichen pallasie in
auch nicht , ob man nicht nach der Niederkunft sagen würde : Icb habe ein Nonnenkloster geführt worden , da das aufruhrige Volk den
zwar gesehen und gefühlet , wie das Rind heraus , aber nicht wie Ronig Wilhelm , der boft zugenamt , gefangen gcstnt , uns man
es hinein gekommen ist . Ist auch euer Ehmann vermögend ge - keinen bequemern 2>rt zu ihrer Sicherheit unter diesem Ungewit -
rvesen 1 ter gesunden hat . Nachdem dasselbe vorüber war , blieb diese prin -
( C ) Es behaupten einige Schriftsteller , daß Constantia weder zeßmn , die ihre Freyheit behalten , und weder den Schleyer ange -
eine Nonne , noch so alt gewesen , da sie sich mir - Heinrichen dem nommen , noch Gelübde gerhan hatte , unter diesen Nonnen , bis sie
VI vermählet har . ^ Dieß ist eine gemeine Meynung , daß sie aus ei - - Heinrichen geheirarher hat .
nem Kloster gehöhlt worden , daß sie Freyheit erhalten , sich mit Heinri - . ,
chen dem VI zu vermählen , und daß sie ungefähr im fünf und fünfzigsten ( * ) Lib . II , de Inftauratione Ital . Also führet ihn Camerarius IN der
Jahre empfangen hat . Allein es giebt Geschichtschreiber , die dieses leugnen , lateinischen Ausgabe von Frankfurt i5s8 , x . - 76 an .
Heinrich der II , König von Frankreich , folgte seinem Vater Franciscus dem I> den leßten März 1547 . Die erste von seinen Verrichtungen war , daß er die Verordnung verlachte , die ihm sein Herr Vater auf dein Todbette gegeben hatte ; ich will sagen , daß er in den ersten Tagen seiner Regierung den Connestable von Montmorenci zurück n'ef ( A ) , welchen Franciscuö der I aus sehr guten Ursachen verbannet hatte Dieser Ungehorsam aber ist ihm theucr zu stehen gekommen ( B ) ; denn man kann wohl sagen , daß die allerverdrießlichsten Begebenheiten , die seine Regierung bedecket haben , ein Werk dieses Connestabelö ge - wesen sind . Dieser Connestabel hat durch seine üble Aufführung die berufene Schlacht bey S . Quentin verlohren * ; worauf er Ursache an einem Friedensverträge war c , der der französischen Monarchie noch viel schimpflicher , als der Verlust dieser Schlacht selbst , gewesen ist ( L ) . Vielleicht hatte er Heinrichen den II nicht so leicht zu diesem nachtheiligen Frieden bewogen , wenn sich nicht der Geist der Verfolgung dieses Prinzen bemächtiget hätte ( D ) . Cr verdienet auch einen großen Vorwurf , daß er seinem Herrn , in Ansehung der Herzogi'nn von Valentinois , keine guten Rathschläge gegeben hat , die von sehr ungleichem Alter mit Heinrichen dun II war , und ihn dennoch in ihren Fesseln hielt , und diese Sklaverey auf eine Höchst ungerechte Weise mis - brauchte . Anstatt daß der Connestabel diesen Prinzen gegen die Fallstricke dieser Frauensperson unterstützen sollte , so trieb er vielmehr selbst diese Maschine , und trat zu ihrer Partey über d . Es ist Schade , daß sich in der Regierung Heinrichs des II der - gleichen böse Stellen finden ; denn außer diesem ist sie wegen sehr herrlicher Thaten , und sehr schöner Siege , merkwürdig , die Carln den V grausam gekränket haben . Man kann Heinrichen dem II den Ruhm nicht streitig machen , daß er tapfer gewesen , und man saget , daß ihn die Königinn von England , Elisabeth , dieserwegen bewundert habe ( L ) . Allein bey allein diesem wird es ein ewiges Zeugniß seiner Schwäche und der Herrschast bleiben , die seine Lieblinge über ihn gehabt , daß er , wider den Rath der weisesten Köpfe seines Königreichs , den Friedensvertrag von Cattau im Camerichischen unterzeichnet hat ; Eil , Friede , der Frankreich eben so schimpflich gewesen , alo des Aaiscro Joviano seiner mit dem Aönige von persien , der in dein gan - zen Alterthume so verschrien ist e ; ein Friede , der durch einen einzigen Federstrich in einer Minute die Arbeiten und Erobe« - rungen vieler Jahre vernichtete , und eine Strecke Land verlohr , die ein Drittheil des Königreichs ausmachte f . Niemand hat von dieser Schande Frankreichs mehr Nutzen gehabt^ als der Herzog von Savoyen ; denn außer , daß er in seine Staaten wie - derhergestellet wurde , so heirathete er noch dazu die Schwester Heinrichs des II , eine Prinzeßinn von großen Verdiensten ( F ) , welche den französischen Hof , zum Vorlheile ihres Geinahls , hinters Licht geführt hat ( ( 5 ) . Sie war nicht jung , da sie sich mählte ; und deswegen erstreckte sich das Murren über diesen Frieden auch bis auf sie ( H ) . Es hat ein neuerer Schriftsteller ohne die geringste Ursache , die Aufführung Heinrichs des III rechtfertigen wollen ( I ) , der die Aufnahme , die ihm diese Prinzeß sinn erwies , so theuer bezahlet hat . Der Friede von Cattau ist nicht das einzige Denkinaal von der allzueinfältigen Schwäche Heinrichs des II . Die Verschonung seiner Lieblinge , nachdem sie sehr große Güter durch so ungerechte Wege zusammen geschar - ret hatten , ist noch ein ander Denkmaal derselben . Er ist an der Wunde gestorben , die er in einem Turniere bekommen hatte s . Eine seltsame Begebenheit ! die noch außerordentlicher als klaglich ist : denn ich glaube nicht , daß jemals ein Monarch bey der - - gleichen Gelegenheiten das Leben verlohren . Es würde ihm weit rühmlicher gewesen seyn , dasselbe m einer Schlacht , als in der - gleichen Lustgefechten , oder Friedenskämpfen , zu verlieren : wobey er sich überdieß auf eine seiner Würde sehr ungemässe Art aufgeführet hat , die einem jungen Edelmanns viel anständiger gewesen wäre , als seiner königlichen Majestät ( L ) . Mai , hat viel Betrachtungen über dieses klagliche Schicksal gemacht ( M ) . Er hat seit dieser Wunde nicht mehr geredet ( N ) , und also sind alle seine Reden , die man ihm zueignet , nichts als zur Lust erdichtete Mährchen . Die Aufrichtigkeit , mit welcher die . fran« Mschen Historienschreiber die Maiigel dieses Monarchen und die Schande bekennen , die er der Nation gemachet hat , da er die Nachschlüge des Connestables den Vorstellungen des Herzogs von Guise vorgezogen ( O ) , sieht man nicht leicht in andern Ge - schichrschreibern . Die Reformirten haben sich eingebildet , durch seinen Tod viel zu gewinnen ; allein sie haben unter FranciscuS dem II noch mehr Schärfe erfahren , und^rncnsch ! icker weise davon zu reden , so wäre es m Frankreich gar um sie geschehen gewesen , wenn Franciscus der II noch zwey Jahre gelebet hätte ( P ) . Man beschuldiget sie , daß sie ihre Freude über das klägli - che Ende Heinrichs des II auf eine sehr schimpfliche Art bezeuget haben ( QJ ; allein man kann nichts bescheidenere Hiervon se» Hen , als den Theodor Beza / j . Ich habe vergessen , zu beobachten , daß dieser Prinz , da er nur noch Dauphin war , mit dem Herzoge von Orleans , feinem Bruder , in einem Misverständnisse gelebet hat , welches Frankreich theucr zu stehen gekorn - mcn ( R ) , und noch viel kläglicher gewesen seyn würde , wenn der Herzog nicht gestorben wäre . Wer weis , ob er nicht gar die Erbfolge bestritten haben würde ? ( 8 ) Das Frauenzimmer war so kühn , Narivirättn herum laufen zu lassen , welche die Eifersucht dieser zween Prinzen nähren mußten . Sie hatten Franciscus dem I diese vermeynten astrologischen Vorhersagungen gewiesen . Castellan hat sie widerleget ( T ) : Der Ausgang aber hat sie noch besser widerleget . Viele Schriftsteller sagen , daß ein beru - fener Nativiratsteller vorherHesaget hatte , es würde Heinrich der II im Zweykainpse getödtet werden ( U ) . Die gen , mit welchen man diese Vorhersagung erzählet , sind allem zureichend , einen Zweifel zu erwecken , ob sie auch von Sterndeu - rem gemacht worden sey ? ( X ) Er hat zehn rechtmäßige , und zwey natürliche Kinder gehabt . Man erzählet sehr merkwür - dige Dinge von den Müttern derselben ( Y ) .
Heinrich der II war zu S . Germain en Laie den ziMarz 1519 gebohren . Er hieß Herzog von Orleans da er sich den 28 des Weinmonats 1533 mit Catharinen von Medices zu Marseille vermahlet . Er war damals nur vierzehn Jahre und etliche Monate alt : dieses machte dem Oheime der Carharina , Pabst Clemens dem VII , bange , daß ihre Ehe die Hochzeirnacht nicht vollzogen werden würde , und einige Schriftsteller geben vor , daß er bey seiner neubegierigen Untersuchung Proben gefunden Habe , die sein Gemüthe beruhiget hätten ( Z ) . Dieser junge Ehinann ward den 10 August 1536 durch den Tod seines ältesten Bruders , Dauphin . Wir haben anderswo gesehen ' , daß feine Gemahlinn einige Jahre unfruchtbar gewesen , und daß sie ihm darauf viele Kindergebohren hat . Er hat seine reformirten Unterthanen mit der äußersten Grausamkeit verfolget , und unter währender Zeit schmiedete er selbst die Waffen , die ihnen am kräftigsten geholfen haben , sich zu erhalten ( A A ) ; denn er ist Ur - fache gewesen , daß die Protestanten in Deutschland ihre Sachen Meinen so guten Stand setzten , daß sie den Calvinisten in Frankreich ohne Beschwerlichkeit große Hülfe zuschicken konnten . Die Vergleichung , die man zwischen seiner Regierung und den leßten Jahren Franciscus des I gemacht hat , belehret uns , daß ein König , der seine Gnadenbezeigungen gern verschwendet , seinem Staate viel nachtheiliger ist , als ein König , der nicht so verschwenderisch damit ist ( B B ) . Heinrichs Fehler war , daß er mit seinen Einkünften schlecht Haus hielt : er verkehrte hierdurch derselben Verwaltung , und stürzte sich in entsetzliche Schul - den ( CC ) . Man hat unter die Unordnungen seiner Regierung auch das Uebel gerechnet , welches die Pocken verursachet ben * . Die Vielweiberey war unter dm vorigen Regierungen kein henkmowürdiger Fall ; Heinrich der II ist der erste ge -
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