Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-11652

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Hennichius .
di , dem Urheber der Arlequiniana zu : einige glauben , es habe lLrard , ein berühmter Sachwalter , nicht wenig Theil daran gehabt .
§ - - Herr Bayle führet kn dieser Anmerkung folgende Verse nicht an , die in den Oeuvre , diverfes etc . stehen .
E Senecae Tbyefte , AFI . II Chorus Uli mors grauis incubat ,
Qiii notus nimis omnibus ,
Ignotus moritur fibi .
Nachahmung aus dem Französischen .
Beglückt , wer unbekannt , sich aber selbst wohl kennet ;
Der weder die Geburt noch Tod was Böses nennet ;
Er qehc davon , wie er gekommen ist :
Doch weh ! was macht der Tod dem nicht für herben Schweiß ,
Den alle Welt als wohl bekannt gegrüßt ;
Und der doch von sich selbst nicht das geringste weis . Cr . Anm .
( C ) hat örty verschiedene Lehrgebäude * von der keit Oer Seele gemacht . ] Wir wollen noch ein Stück aus dieser Sammlung von Anmerkungen geben , deren ich qedacht habe . „ He - „ nault saget in seiner Zueignungssckrift : Ihr wisset , daß ich ein in - „ wendiger Mensch bin , daß ick mick um die Meinung eine» an - , . dern nickt bekümmere , und daß meine Grundsätze oder meine „ Irrthümer von der übrigen üMc ihren sehr unterschieden sind , „ hierdurch fängt er an , zu entdecken , wer er gewesen ist . Viele von seinen „ Versen sind Nachahmungen der Chöre des Seneca , unter andern des II » . Aufzuges der Trojanerinnen , wo die Sterblichkeit der Seele behauptet „ wird : diese Materie ist nach seinem Geschmacke gewesen .
„ Gleichwie in einem Augenblicke „ Der Theil der Luft , den unser Leib umschließt , „ Das wirkendste und stärkste Anfangsstücke „ In Staub und Rauch verfließt ;
„ Gleichwie man ganz geschwinde „ Bey einem starken Nordenwinde „ Die schwarzen Wolken schwinden sieht ,
„ Wo sich ein starker Sturm auszieht :
„ Also verfliegt die eitle Seele „ Der Trieb der ganzen Leibeshöle :
„ Kurz , alles stirbt in uns , sobald wir einmal sterben , „ Der Tod läßt nichts und ist auch nichts ,
„ Als nur da« Ziel der Lebenszeit , n . s . w .
„ Ich wundre mich , daß dieses mit Befreyung gedruckt worden Dieser „ Mensch hat ein zärtliches Herze gehabt : er saget zu seiner Liebsten - „ Sappho dichtete wie ihr ,
„ Gebt ihr nichrs im Lieben für .
„ Er will , daß sie der Ehre Abschied geben solle .
„ Mich , dieß weis ich gewiß , bekriegt die Ehre nicht ;
„ Ich will euch meinen Platz in ihrem Tempel lassen ;
„ Denn dieß ist mir zu schwer , dieß weis ich nicht zu fassen , „ Der Tod schont meinen Ruhm , und schont mich selber nicht . „ Nein , dieser Irrthum ist von mir schon überstiegen ,
„ Man muß , es ist kein Rath , im sinsteni Grabe liegen , „ Und wenn ja , wenn ich todt , von mir was übrig ist ,
„ So muß doch dieser Rest , wann ihn die Reihe trifft ,
„ Zwar etwas später wohl , den neuen Sache : , weichen , „ Und wieder in den Schooß des ersten Anfangs schleichen .
„ Dieß ist keine Übersetzung , dieß ist ein Original , und auf diese Art hat „ dieser Mensch in seinen Werken den Saamen seiner Jrrthümer ausge - »streuet . In den zwenen Stücken , die man in die Furetieriaiu» gesetzet , wird man eben diese Meynungen finden , die er überall einzuflicken , be - 'muhet gewesen ist . Er hat mit den Gottlosigkeiten sehr grobe Unflä - „ tereyen vereiniget . Man findet dergleichen in einem Stucke le Kail d'un Coeur ä Cloris , betitelt , das in dieser Sammlung ist : und gewiß - " lich , diese Cloris könnte sehr wohl mit einer Zanneton des Fontaine verglichen werden ( * ) . Diese Verse sind viel unverschämter , als alle „ Mährchen , und hatten die Verdammung des PolieeyrichterS weit bes - - „ ser verdienet .
( * ) Mais les gens dela lesMonts
Auront bientot pleiire cet Komme ,
Car il defend les Jannetons ,
Chofe tres necefl'aire a Romc .
La Fontaine , Oeuvr . Pofth . wenn er vom Innoeentius dem XI redet . Quand l'objet en mon coeur a place ,
Ft qu'a nies yeux il cd joli ,
Dono noinen quodlibet illi ( f3 ) .
§ ß Diese latein . Zeile muß einen Vers von gleichem Sylbenmaaße mit den zween vorhergehenden machen , welche nur sechs Sylben haben . Also lese man in den Oeuvres Pofthumes des la Fontaine , Do nomen . Cr . An . * Herr Bayle ist entweder zu fteygebig gewesen , Inden , er die - fem Freygeiste drei' Lehrgebäude ( fyftcmes ) von der Sterblichkeit der Seele zueignet ; oder er hätte uns die Auszüge davon geben . und ihre Schwache zeigen sollen . Denn da es überhaupt was seltnes ist , daß solche wilde Köpfe , als die Religionsspotter insgemein sind , über einer Sache was systematisches , oder zusammenhangendes aus - sinnen , oder aussehen ; so wird , bey der Überschrift dieser Anmer , kling , ein aufmerksamer Leser sehr begierig , zu erfahren : was doch das für Lehrgebäude gewesen seyn müssen , dadurch die Sterblichkeit der Seele behauptet worden ? Nun will ich es Baylen zwar nicht zu einer Bosheit machen , daß er uns nichts davon gesagt , und da - durch andern Freygeistern , die etwa diesen Artikel lesen . Anlaß ge - geben , zu denken : Es ließe sich doch diese so sehr gewünschte Sterb - lichkeil der Seelen auf vielerley Art vertheidigen ; indem ja nur der
einzige Henault schon dreyerley Systemata davon erdacht . Allein es ist doch eine Nachläßigkeit , daß er auch andern wahrheitlieben - den und wissensbegierigen Lesern , die jene Bücher nicht haben , ne Nachricht davon gegeben .
Nun kann es zwar seyn , daß nach der gewöhnlichen Art solcher Spötter , die aus Wollüstlingen zu Ungläubigen werden , des losen Henault seine Lehrgebäude nur in solchen Versen bestanden , als hier ein paar angezogen worden . Allein , wenn bloß sagen , was man glaubet , und verneinen oder verwerfen , was man nicht glaubet , ein System« machen heißt : welcher Schusterjunge oder Bauerknecht wird nicht auch die Ehre haben können , ein System» zu machen ? Ein Weltweiser , wie Herr Bayle seyn wollte , und in vielen Stücken wirklich war , hatte hier entweder das Wort Syftenie nicht brauchen sollen ; oder er hätte uns von dem Zusammenhange der Vernunft - schlüsse benachrichtigen sollen , dadurch Henault die Sterblichkeit der Seele herausbringen wollen .
Allein es hat niemand Ursache , hier große Geheimnisse und wich - tige Entdeckungen zu vermuthen . Was man in dieser Art von den Federn der Freygeister gesehen hat , das hat noch allemal eine so schlechte Probe von ihrer Einsicht abgegeben , daß auch die schlechte - sten Schüler der Bernunstlehre , die Schwäche ihrer Beweise , und die Unrichtigkeit ihrer Schlüsse haben wahrnehmen können . Bewei - sen , das ist überhaupt das Werk der Freygeister nicht . Sie können nur fragen , zweifeln , leugnen und spotten . Wer was gründliches von ihnen hören will , der wird sich sehr betrügen . Man sehe das englische Werk , das unter dem Titel , Älciphron , or the minutePhi - lolopber , im Englischen , oder auch im Französischen , Fe petit Philo - fophe , betitelt , in zween Bänden in 8 herausgekommen ; woselbst dieses durch und durch ausführlich erwiesen wird . G .
( D ) Man will , daß sich dieses in denXverken dieser Dame ge . ' ! Man hat in der ersten Ausgabe dieses Wörterbuches sehen können , daß derjenige , dem die Worte dieses Textes zugehören , sogleich dazu setzet : Ick habe unter andern diese Verse aus der Idylle von dem Backe bemerken sehen : Sie ist aus der 164 S . des I Tom . des Poefies de Mad . des Houlieres . Man findet sie auch in dem Lourier Galant , des Monats May1693 , 55 - S .
„ Ihr Bäche , laufet , flieht und bringet „ Die Wellen in das Meer , aus welchem ihr entspringet , «Indessen wollen wir , das Schicksal zu erfüllen ,
„ Das wir gezwungen müssen stillen ,
„ Dieß unbeglückte Leben
„ DemNichts , daraus wir sind , auch wiedergeben . , »
Es ist gewiß , daß eine Person , die auf eine solche Art dogmatisch reden würde , die Unsterblichkeit der Seele leugnete . Allein , wir wollen zur Ehre der Frau Deshoulieres sagen , daß sie bloß den poetischen Begriffen gefolgt ist , woraus keine Folgerungen zu ziehen sind . Also hat sie nach dem Benspiele der alten Dichter an einem andern Orte gesagt , ( siehe den Artikel plotin , in der Anmerkung ( A ) ) daß unsre Seele nach unserm Tode an dem Ufer der Hölle herum irre . Dieß ist ihr Glaube nicht ge - wesen , wenn sie Henault seine Gottlosigkeiten gelehret hat . Man muß nicht nach den poetischen Redensarten von ihr urtheilen . Unterdessen kann man freylich unter den Vorrechten des Versmachens viel Freygei - sterey verstecken . Der Sachwalter , von dem ich geredet habe , hat eine Note über diese Stelle gemacht . Ihr habet Verse von der Frau houlieres angeführet , hat er an mich geschrieben , die der Religions - veracktung verdächtig sind : allein ihr habet einen vergessen ( * ) , der nickt rveniger stark ist , und in der Ausgabe ihrer Gedickte sieht . Man muß die U ? ahrhei'r sagen . es sind viel andre moralische . 1« ckrisilicke und heilige Stücke darinnen , rvelcke dieses in ihren rverken verbessern Gleichwohl hat man sie für eine Reliqions - verackterinn ausgesckriecn : denn sie beklaget sick in dem Briefe an den P . la Chaise über die falsckenAndachtigen , darüber . Sie ist ein sehr großer Geist , die Ehre ihres Geschlechts , und die Schande des unsrigen gewesen .
( * ) Noiis irons reporter la vie infortunee
QVE LB HAZARD NOUS A DONNE'E Dans le fein du neant d'oii nons fommes fortis .
Man merke , daß man unter dem Vorwande , weil sie gesagt , wir wären aus Nichts entsprossen , nicht vorgeben kann , daß sie die Schöpfung ge - glaubet hat . Denn Renault giebt zur Gnüge zu erkennen ( man sehe sein Sonnet von der frühzeitigen Geburt ) daß er durch das Nichts , nicht den Mangel des Daseyns versteht , sondern den bloßen Mangel des Lebens . Zn diesem Sinne hat er die Schöpfung nicht zugelassen .
( E ) Er hat ein Sonnet gemacht , das dem Cölbe« Anlaß ; u ei ner schönen Chat gegeben hat . ] Die hier oben angeführte Samm - lung der Anmerkungen wird mir noch eine gute Auslegung darbiethen . „ Wieder auf den Henault zu kommen , so ist er es , von dem Boilean an „ zween Orten seiner IX Satire redet . Also erklär ich mich , Haynault ( er „ nennet ihn verdeckter Weise also ) ist ein Virgil ( > ) . Allein der Hr . - - . „ hat mir selbst gesagt , daß er ihn für einen sehr guten Poeten gehalten , „ und daß sein bestes Stück , nicht wegen der Materie , sondern wegen der „ Ausarbeitung , ein Sonnet wider den Colbert sey , welches sich mit diesem „ Verse anfängt : Miniftre avare et lafche , efclavc nialheureux . Col . „ bert hat deswegen eine sehr schöne Thar gethan , man hat ihm von „ diesem Sonnette gesagt , welches zur selben Zeit groß Aufsehen gemacht „ hat . Er hat gefragt , ob nichts wider den König darinnen sey ; man hat „ Nein gesagt . und daraufhat er geantwortet : daß er wenig darnachfta - „ ge , und deswegen auf den Urheber nicht böse sen . Ist dieses nicht viel „ schöner , als das Sonnet ? , ,
§ v Die amsterdamer Ausgabe von 16^5 , liest Quinault , und hier , und schon weiter oben in derselben Satire , wird Hainault niemals genennet - - - Crit . Ann , .
( Johann ) Professor der Gottesgelahrtheit auf der Akademie zu Rinteln im Hessenlande , war der Sohn eines reformirten Prediger ? zu Winhusen , und im Jenner 1616 gebohren . Er besuchte die Schule zu Zelle und zu Lüneburg , wurde darauf 1654 nach Helmstadr geschickt , wo er nach vierjährigem Studieren die Doctorwürde der Weltweisheit erhielt . Nachdem er hieraus etliche Vorlesungen gehalten , und öffentlich als Vorsteher disputirt hatte , so erwarb er sich die vertrauliche Freundschaft des Docror Calixtus , und des Doctor Hornejus , zweener berühmten Gottesgelehrten . Er gieng zu . Ende des 1639 Jahres nach Hildesheim , und blieb daselbst drey Jahre bey einem angesehenen Edelmanns " . Er reiste hierauf gegen den
Rhein ,

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