Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-11594

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verstehen , werden sehen , mit was für einer Stärkt der Beredsamkeit sie ihre Empfindungen auszudrücken gewußt : In tantimtvero lllae , quas pariter exercuimus amantium voluptates , dulces mihi fuerunt , vt nec difplicere mihi , nec vi * a memoria labi poflint . Quocunque loco ine vertam femper fe ocolis meis cum fuis ingerunt defideriis . Nec etiam dormienti fuis iHtifionibus parcunt . Inter ipfa miflärum fo - iemnia , vhi purior efle debet oratio , obfcoena earum voluptatinn fantafmata ita fibi penitus miferrimam captiuant animam , vt turpitu - dinibus illis magis quam orationi vacem . Quae cum ingemilcere debeam de commiflis , fufpiro potiiis de amilfis . Nec loh im quae egimus , fed loca pariter ettempora , in quibus haeeegimus ita tecum , noftro infixa funt'animo , vt in ip / is omnia tecum agam , nec dor - uiiens etiam ab his quiefcain . Nonnunquam et ipfo motu corporis animi rnei cogitationei deprehenduntur , nec a verbis temperant im . prouifis , p . 59 . Dieß hat sie mit dem Apostel Paulus , Röm . VII . aus - zurufen gezwungen : jeh elcnver Mensch ! wer wird mich erlösen von dem L . cibe dieses Todes i Wollt - Gott , verfolget sie , tajj ich mit Wahrheit dazu setzen tonnte : Sie Gnade Gottes durch Jesum Christum , unfern - Herrn . Diese Gnade , saget sie zu ihrem Abälard , «st euch zuvorgekommen , mein Schatz ; indem sie euch von allen Begier - den durch den Messerschnitt besreyet , der euch zum Beschnittenen ge - macht hat - - - Allein meine Jugend und die Erfahrung der gangenen Wollust entzünden diese Flammen in meiner Seele ungemein , und je schwacher meine Natur ist , um so viel mehr muß ich bey dielen heftigen Anfallen erliegen : Haec te gratia , chariflime , praeuenit , et ab his tibi ßinnilis vna corporis plasia medendo multas m arnrna ia - nauit . . . hos autem in me ftimulos carnis , haec incentiua h - bidinis ipfe iuuenilis feruor aetatis , et iueundiffimarum experientia voluptatum plurimum accendunt , et tanto amplius fua me impugna - tione opprimunt , quanto infirmior eft natura quam oppugnant . p . 60 . Endlich empfiehlt sie sich seinem Gebethe um so viel sorgfältiger , weil die - ses das einzige Mittel wider ihre Brunst wäre , die sie in seiner Person finden könnte : Time obfecro femper de me potius quam confidas , vt tua femper follicitudine adiuuer . Nunc vero praeeipue timen - dum eft , vbi nulluni incontinentiae meae fupereft in te remedium uag . 61 . Diejenigen , welche von den öftern Reisen Abalards nach Paraklet übel reden , ( siehe den Artikel Abalard . in der Anmerk . ( . T ) , ) sind ohne Aveifel verwegen gnvefen , weil sie die innerlichen Neigungen der Heloise nicht gewußt haben : allein , wenn sie dieselben gewußt , so hatten sie um die Untersagung dieser Besuche anhalten sollen ; denn sie hat - ten zu befürchten qehabt , daß sich diese Frau gewiß zu unreinen Thaten mit diesem Manne würde verleiten lassen . Die , Kirchenväter habet» den Ver - stümmelungen nicht getrauet : sie vergleiche» einen Verschnittenen mit einem Ockfen , dem man die Horner absaget , und der dennoch mit dem Kopfe Stöße giebt . Man sehe hiervon eine schöne Stelle des heil . Ba - silius , in unserer Anmerkung ( B ) , bey dem Artikel Combabus . Wie aber der Schein manchmal bttrieglich ist . so will ich es gar nicht billi - gen , daß diejenigen , welche gewußt haben , wie es um der Heloise Herz beschaffen gewesen , sich einbilden sollen , daß sie die Grenzen überschritten , wenn sie sich wieder bey ihrem Ehmanne befunden hat , und daß sie manch - mal Ursache gehabt an ihn , wie Circe an denPolyänus , beym Petromus , zu schreiben : Si libidinofa eflem , quererer deeepta , nunc etiam lan - guori tuo gratias ago : in vmbra voluptatis diutius Infi .
( L ) Man mochte den armen Abalard immerhin meln . Z Dieß ist ein sehr wirksames Hülfsmittel wider die Liebe gewe - sen , wenn man gewissen Versen de« Cyrano Bergerac , in der Comödie des Pedant joue , hierinnen glauben darf . Sie sind an einen Men - schen gerichtet , den er auf solche Art angeredel halte .
J'entens que le diminutif Qii'on fit de vrai trop exceflif Sur votre flasque ger . itif Vous prohibe le conjonflif .
Daraus fttzet er darzii :
0 vifage ! 6 portrait nai'f !
O fouverain expeditif Pour guerir tout fexe lafeif D'amour naill'ant , ou efle & if !
Genre neutre , genre metif ,
Qui n'etcs hommc qu'abftra & if ,
Grace a votre copulatif ,
Qu'a rendu fort imperfeflif Le cmel tranchant «Fun canif .
Wie aber keine Regel so allgemein ist , die nicht eine oder die andere Aus - nähme leidet , so hat auch der Heloise Liebe , wider dieses Mittel , die Probe ausgehalten . Sie hat dieses mit der Königinn Stratoni - ka gemein gehabt , von welcher ich in dem Artikel Combabus gere -
blieb bestandig ein wenig von dieser Thorheit zurück . ^ Dieses erkellet aus denen Stellen , die ich tn der Anmerkung ( K ) rt habe Sie beweisen . daß die L . ebe zur Fleischeslust die arme se «Kein beherrschet , sondern auch ein wenig verwirrt gemacht hat ; denn eine recht kluge Person würde nimmermehr auf diese Art geredet daben Es ist augenscheinlich daß das studieren , sie zum Bolen zu leiten , angefangen , und daß die Liebe diese Unordnung aufs höchste gebracht hat Man sieht in ihren Schriften viele Spuren einer unordentlichen Einbil - dmigskraft , etwas fo ausgelassenes und solche Ungleichheiten , daß sie von des Seneea Grundsahe , Nullum luagnum ingenium fine nrixtura de mentiae , einen Deweis abgiebt . Siehe den Artikel Tatdan , in der Anmerkung ( V ) .
( N ) Diese Thal machte einen großen lärmen . ] Wir wollen sehen , was Äbälard in seinen Werken , p . 1 ; . dgvon erzählet : Mane tem fafto tota ad me ciuitas congregata , quanta ftuperet admiratione , quanta fe aflligeret lamentatione^ quanto me clamore vexarent , quan - to planftu perturbarent , difticile imo impofllbile eft exprimi . me vero Clerici , ac praeeipue Scholares nottri , intolerabiüiis me lamentis et eiulatibus cruciabant . Man sehe den Artikel Foulques .
( 0 ) Da« weibliche Geschlecht rhar sich durch ihre bittere Rla , gcn sehr hervor . ] Abalard redet nicht davon ; allein wir erfahren es von einem seiner Freunde , der einen Trostbrief an ihn geschrieben hat . Siehe den Artikel Loulques , in der Anmerkung ( I ) .
( ? ) Man schrieb dem Abalard sehr artigeTeostbtt'eft . Z Foul - que« , Prior zuDeuil , hat einen an ihn geschrieben , der in Abalards Aus» gäbe eingerückt worden . Wir reden in dem Artikel dieses Priors davon , und verweisen viele Dinge , die Heloisen und ihren Ehmann betreffen , dahin , welche ihre Artikel zu lang machen würden , wenn sie nicht abge - sondert und an andere Oerter gesetzt worden wären . Diejenigen , wel - che sagen , daß sie lieber alles an einem Orte finden möchten , haben sich übel berathen .
( QJ Die Obrigkeit strafte diese That scharf . ) Man sehe den Artikel Foulgucs , in der Anmerkung ( M ) .
( R ) Der Verirrst dieses Werkes hat ihn noch mehr betrübet , als der Verlujk seiner Mmnhen . ] Man hat die Schriftsteller , we - gen der übermäßigen Zärtlichkeit , nicht wenig gehöhnet , die sie gegen ihre Werke gefasset haben ; und man hat , unter andern Bcyspiclen , des Bi - fchof Heliodorus feines angeführet , der lieber sein Bischofthum fahren lassen , als feinen Roman Theagenes verdammen wollen . Man sehein der Anmerkung ( B ) , des Artikels - Hcliodorns , was davon zu glauben ist . Man hat dasjenige angeführet , was Sarrazin in seinen Poesien p . 87 . den Vottute sagen laßt :
Ein Autor , den in seiner Schrift ,
Wie mich , ein herber Schimpf betrifft ,
Hat mehrern Schmerz , als Hiob , überwunden ,
Ob dieser gleich nicht wenig Qual empfunden .
Allein ich weis nicht , daß inan Abalarden wegen dieser Materie anqe - führet hätte : unterdessen ist doch in feinem'Bespiele etwas viel keres ; denn Hiob ist endlich wieder in guten Stand gesetzet worden , und hat Sohne und Tochter gezenget , und es ist gewiß , daß Voiture lie - ber einige Zeit ein Hiob , als em Abälard , bis ins Grab hat seyn wollen , und daß er , wenn es so seyn müssen , zur Erhaltung des Fundaments sei - ner Liebeshändel , alle seine Bücher und seine Musen auf den Mist ge - warfen hätte . Wo sind wohl die Prälaten . die man nicht zur Unter - schrift der Abtretung ihrer Bifchofrhümer bringen würde , wenn man ih - nen mir dem Scheermesser in der Hand drohete , - - - im Falle sie sich der Unterschrift weigerten ? Man würde außer Zweifel vom He - liodor die Verdammnng seines Romans erhalten haben , wenn man ihm diese verdrießliche Wahl vorgeschlagen hätte . Allein hier ist ein Mann , welcher gesteht , daß er sich au« dem Verluste seiner natürlichen Glieder , in Vergleicht ! ! , g einer Schrift , die man ihn ins Feuer zu werfen gezwun - gen hat , wenig mache . Will man vollkommen billig seyn , so darf man Abalards ganze Betrübnis ! nicht den vaterlichen Neigungen zuschreiben , die ihm der Name eines Urhebers gegen sein Buch eingegeben hat . Es ist etwas anders dabey gewesen , das ihn noch vielmehr gekränzt hat ; nämlich , daß man ihm durch den Zwang , sein Buch ins Feuer zu werfen , einen Schandfleck der Ketzerey angehängt hat , eine Strafe , die der Feuerpro« be gleich ist . Sein Murren , wider die Vorsehung Gottes , ist ein der Merkmaal seiuer Zärtlichkeit . Hier sind seine Worte ; ich muß sie anführen , damit man mich nicht im Verdachte habe , als ob ich die Sa - chen meinen Lesern zur Lust vergrößerte : Deus , qui iudicas aequitatem , quanto tunc animi feile , quanta mentis amaritudine teipfum infami» arguebain , te furibundus accufabam , faepius repetens lllam beati Antonii ( apud St . Hieronvm . in eins Vita . ) conqueftionem , Iefu bo - ne , vbi eras ? Quanto autem dolore aeftuarem , quanta erubefeentia confunderer , quanta defperatione perlurbarer fentire tunc potui , proferre non pofl'um . Conferebam cum his , quae in corpore pafliis olim fueram , quanta nunc fuftinerem , et omniura nie ? eftimabam mifcrrimum . parvam illatn ducebain proditionem in compa . RAT ! ONE huius iniuriae , et Ionge amplius faniae quam corporis de - trimentum plangebani . Abaclardi Oper . p . 25 .
( S ) U ? elcbcs in dem andern Lalle nicht statt hat . z Man sehe noch - malS den Artikel Loulques , in der Anmerkung ( F ) .
( T ) Man führte sich sehr übcl in diesem Rloster auf . 1 Sug - ger , der Abt zu St . Denys , hat sich des unordentlichen Lebens der Non - nen zu Urgentem ! bedienet , um sich wieder in den Besitz dieses Klosters zu setzen . Er hat seine Rügen nach Rom geschickt , und eine günstige Antwort darauf erhalten . Wir wollen hören , was er in der Historie fei - ne« Lebens unter dem 1127 Jahre davon saget : Nuntios noftros et Chartas antiquas fiindationis et donationis , et confirmationum priui . legia bonae memoriae Papae Honorio Romam delegauimus , poftii - lantes , vt iuftitiam noftram canonico iniieftigaret et reftitueret feru - tinio . Qiii , vt erat vir confilii et iuftitiae tutor , tarn pro noftra iu - ftitia , quam pro enormitate Monacharum ibidem male viuentium , eundem nobis locum cum appendieiis fuis , vt reformaretur ibi reli - gionis ordo , reftituit . Er saget ebendasselbe in dem Leben Ludwigs des dicken : Papa Honorius vir grauis et feuerus , iuftitiam noftram de Monafterio Argentoilenfi puellarum miferrinia conuerfatione infa - mato , etc . Diejenigen , welche von ihrem Nächsten übel zu urtheilen geneigt sind , werden diese Stelle ohne einen heftigen Verdacht gegen der Heloise Leben nicht lesen . Sie bekennet , daß sie den Kützel der tln - keuschhcit lebhaft empfunden : ( siehe die Anmerkung ( X ) , ) und es ist sehr gewohnlich , daß sich die Priorinn eines Klosters nicht gut auffüh - ret , wenn die Liederlichkeit eine Verheerung in der Gemeinschaft anfängt . Man führet hierbey das Regig ad exemplum totus componitur orbis , und das Sequitur leiuter filia matris iter gerne an . Wenn man gerne lästert , so kann man aus diesen zween Grundsähen leichtlich die Folge - rung ziehen , daß die Priorinn zu Argenteuil nicht besser gewesen , als ih - re Nonnen . Allein , da ich nicht gelesen habe , daß sie namentlich in dem A«rgernisse , welches ihr Kloster gab , begriffen gewesen : so werde ich mich wohl hüten , ihr das geringste Schuld zu geben . Man muß unserm Heilande nach - ahmen , und sich seines Grundsatzes bedienen , Joh . VIII , 10 . i^ar dich nie« mand verdammet , oder angeklaget , so verdamme ich dich auch nicht , oder so klage ich dich auch nicht an . Und es ist mehr als zu wahr , daß die Untern das böse Leben ihrer Obern , nicht aber das gute , nachahmen . Der französische Hof ist unter Ludwigen dem XIII nicht keuscher gewesen , als unter Heinrichen dem IV .
( V ) Sie hat einen Briefwechsel mit dem Abalard unterhal - te» . ] Dieser Briefwechsel hat sich erst sehr spät angefangen , undi ein unge - ftchrer Fall hat die Eröffnung darzu dargeborhen . Abälard hatte an einen Freund eine lanae Erzählunq feiner Widerwärtigkeiten geschrieben , wel - che in der Heloise Hände fiel , da sie schon Aebtißinn zu Paraklet war . So bald sie dieselbe geleftn , überschrieb sie dem Abälard die Betrachtun ,
gen .

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