Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-11566

Heloise .
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Feyer - und Werkeltage , der heiligen und unheiligen Oerter ; daß er in der Philosophie nichts mehr erfunden , und daß alle burten seines Geistes auf verliebte Verse hinausgelaufen ( F ) . Seine Schüler kamen bald auf die Spur , da sie die Ursachen der Nachlaßiakeit seiner Vorlesungen untersuchten . Die üble Nachrede flog gar bald durch die ganze Stadt , und kam endlich t ! - ' Ohren des Oheims ( ( ? ) , der es anfanglich für unglaublich " " • •
vor die Ohren des Oheims ( G ) , der es anfanglich für unglaublich hielt , weil er sich allzugroße Rechnung auf Abälards und der Heloise Tugend gemacht hatte : allein endlich vertrieb die öftere Wiederholung den Unglauben . Der vermeynte Lehr - meister verließ des Domherrn Haus : er ließ Heloifen dasselbe gleichfalls verlassen , als er erfuhr , daß sie schwanger war ; und schickte sie , als eine Nonne verkleidet b , nach Bretaane zu einer von feinen Schwestern , wo sie mit einem Knaben niederkam . Fulbert gerieth in einen so wütenden Zorn wider den Abälard , der sich auf seiner Hut hielt ; und noch immer hoffte , daß man sich nicht unterstehen würde , ihn weder zu tödten noch ihm irgend ein Glied abzuschneiden , so lange man das Wiedervergeltungsrecht an Heloisen befurchten würde . Sich aus dieser ganzen Verwirrung zu helfen , versprach er dem Oheime , diejenige zu heirathen , die er geschwächt hätte , wenn nur die Heirath geheim bliebe . Er hatte alle Mühe von der Weit Heloisen zur Einwilligung zu bewegen , die ihm tausend Ursachen anführte , ihm einen Ekel vor dem ehlichen Bande zu machen ( » ) . Sie hatte eine so feu - rige und unbändige Liebe gefaßt , die alle Regungen der Ehre in ihrer Seele erstickte ( I ) ; welche so tiefe Wurzeln schlug , und ihren Geist so verwirrte , daß sie niemals davon genas ( K ) . Man mochte den armen Abälard verstümmeln ( l . ) ; sie mochte den Nonnenschleyer erareifen ; so blieb doch beständig ein Körnchen von dieser Thorheit zurück ( M ) : und man hat es nicht erst - lich aus den portugisifchen Briefen erkannt , daß es nur den Nonnen zukömmt , von Liebe zu reden . Die Briefe der Heloise sind schon vor langer Zeit ein Beweis dieser Wahrheit gewesen . Dem sey , wie ihm wolle , so hat diese verliebte Creatur allen ihren Witz , und alle ihre Beredsamkeit vergeblich angewendet , dem Abälard die Heirath zu widerrathen . Man hat sich in geheim verheirathet ; allein sie leugnete beständig mit Schwüren , daß sie seine Frau wäre c . Diese Aufführung zog ihr üble nungen von ihrem Oheime zu , welcher , die Schande seiner Familie zu bedecken , die Heirath überall bekannt machte ; ob er dem Abälard gleich versprochen hatte , nichts davon zu sagen . Die Übeln Begegnungen , welche Heloise bey dem Domherrn Fulbert ausstehen mußte , brachten ihren Ehmann zu dem Entschlüsse , sie aus dieser Wohnung weg zu nehmen , und sie zu den Nonnen in Argenteuil zu schicken , wo sie war erzogen worden . Ben dieser andern Entführung entgieng den Anverwandten dieser Frau alle Geduld : sie verfielen auf eine sehr auserlesene Art der Rache , und führten sie durch die Bestechung seines Dieners aus . Dieser Bösewicht ließ diejenigen des Nachts in die Kammer seines Herrn , die den Streich verrichten sollten . Sie überfielen ihn im Schlafe und schnitten ihm diejenigen Glieder ab , die man nicht gerne nenntd . Diese That machte einen großen Lärm ( N ) : man gieng den Tag darauf , gleichsam in Proceßion , in Abälards Kammer . Das Wehklagen der Schüler war noch größer , als der andern . Das weibliche Geschlecht that sich durch bittre Klagen sehr hervor ( 0 ) . Man schrieb ihm sehr artige Trost - briefe ( ? ) . Die Obrigket strafte diese That scharf ( QJ ; allein alles dieses hinderte nicht , daß sich der beschämte und untröstliche Abälard nicht in das Kloster des heil . Dionysius verschlossen hätte ; nachdem er verordnet hatte , daß sich Heloise zu Argenteuil in den Nonnenstand begeven sollte . Wir haben an einem andern Orte gesaget , wie es ihm gegangen , nachdem er ein Mond> gewesen , und wie er verurtheilt worden , selbst ein Buch ins Feuer zu werfen , das er geschrieben hatte . Der Verlust dieses Werks hat ihn noch mehr betrübet , als der Verlust seiner Mannheit ( R ) , und gleichwohl kann man ein ander Buch bekommen^ wenn man elnes verliehrt , welches bey dem andern Falle nicht statt hat ( 8 ) . Heloisen betreffend , so wurde sie Priorinn der Nonnen zu Argenteuil : weil man sich aber in diesem Kloster sehr übel aufführte ( T ) , so jagte der Abt von St . Denys , cher Herr darüber seyn wollte , die Nonnen weg , und damals hatte Heloise ihres Ehmanns nöthig . Er hatte bey Trojeö eine Kapelle gebauet , der er den Namen Paraclet gegeben hattee , und dann halte er eine Abtey in Bretagne erhalten . Nachdem er erfahren , daß seine Heloise weder Feuer noch Heerd hatte , nachdem man sie von Argenteuil verjagt : so gab er ihr diese Ka - > pelle mit allen ihren Zubehörungcn , welche Schenkung vom Pabste Jnnocentius dem II , bestätiget wurde . Hier ist also die erste Aebtißinn von Paraclet : sie hat bey aller Welt solche Gnade gefunden , daß man sie in kurzer Zeit mit Gütern überhäuft . Die Bischöfe liebten sie , als ihre Tochter , die Aebte als ihre Schwester , und dle Weltleute als ihre Mutter / . Unterdessen - war sie sehr übel mit der Vorsehung Gottes zufrieden s , und murrte noch mehr , als Hiob . Sie unterhielt einen Briefwechsel mit dem Abälard ( 17 ) , und verlangte Regeln für ihre Nonnen , und die Auflösung verschiedener zweifelhaften Fragen von ihm . Er that ihr in allem Genüge . Ich finde nicht , daß die Hoffnung , ihn zur Prälatur erhoben zu sehen , die Ursache gewesen warum sie ihn nicht heirathen wollen ( X ) . Da er als Mönch zu Clugni gestorben war , hat sie bey dem Abte um seinen Körper angehalten , und ihn , nach dessen Erhaltung , zu Paraclet begraben lassen , und in eben dasselbe Grab gelegt seyn wollen h . Mau erzählet ein sehr seltsames Wunderwerk , welches sich eräuget haben soll , da man das Grab eröffnet , den Körper der Heloise hinein zu legen ; daß ihr nämlich Abälard die Hände gereicht , und sie fest umarmet habe ( V ) . Gleichwohl war er schon über zwanzig Völlige Jahre gestorben . Allein dieß will nichts sagen : man giebt vor , Beyspiele von dergleichen Dingen zu haben ( Z ) . Sie ist den 17 May 1163 gestorben . Die Briefe , die sie an ihren Ehmann geschrieben , finden sich in der Ausgabe von Abälards Werken . Allein , was Moreri vorgiebt , ist nicht wahr , nämlich daß Andreas du Chene Anmerkungen über diese Briefe und über Abälards Antworten gemacht hat . Er hat dergleichen nur über den Brief gemacht , wo Abälard einem Freunde die Hi - storie seines Unglücks erzählet . Johann von Meun hat die Briefe ins Französische übersetzt , die Abälard und Heloise einander geschrieben haben Es ist seit kurzer Zeit ein kleines Buch erschienen^ , betitelt : Hiftoire d'EIoife et d'Abelard , avec la Lettre paflionnee qu'elle lui ecrivit , traduite du Latin . Diese vorgegebene Ueberseßung ist nichts anders , als eine kleine An - zahl Stellen , die nach Gefallen aus den Briefen dieser Frau ausgelesen worden , und denen man eine Gestalt gegeben , wie man es für dienlich erachtet hat , wobey man weggelassen , was nicht anständig gewesen , und dasjenige darzu gesetzt , was man am quemsten gefunden hat .
Bußi Rabutin hat etliche Briefe Abälards und der Heloise in das Französische übersetzt . Man hat diese Ueberseßung dem andern Bande seiner Briefe eingeschaltet , die nach seinem Tode herausgegeben worden . Ich habe niemals wederein schöners Latein gelesen , saget er ' , als insonderheit der Nonne ihres ; noch mehr Liebe und Witz gesehen , als sie gehabt . Wenn er so gute Kenntniß von der lateinischen Schreibart , als von der französischen gehabt hätte , so würde er der Helorse Latinität nicht fb viel Lob gegeben haben .
a ) In dem Artikel Abälarv . ö ) Nofti etism , quando te grauidain in meam transmifi patriam , facro te habitu indutam Mo - nialem te finxifie , et tali fimulatione , tuae quam nunc habe« religioni inreuerenter illufifle . Abael . Epift . ad Hei . pag . 70 . CA " ) Sie hatte einen mütterlichen Obeim , Namens Fulbert . ] man nicht saget , woher man diesen merkwürdigen Umstand genommen o . ch habe von dem Geschlechtregister der Heloise nicht« gewissere qefnn - hat ; allein er hat nicht I»echt , i»e>em Zcwrbuchschreiber den Kalender den , als dieses ; also habe ich nickt gesaget , daß sie dem alten Hause von von Paraclet entgegen zu setzen , wo man diese Worte findet : VII Ca ! . MontMvrenci rechtmäßiger Weise angehöre . Ich habe es zwar in der Ianuar . obiit Hubertus ( £r muß Fulbrrtus heißen ) Canonicus Do - avoloaetischen Vorrede des Franciscus von Ambosse über Abälards Werke niinac Hdoifae auuncuius ; denn was ist wohl leichter , als den Papn - qelesen : weil er aber niemand anführet und Andreas Du Chene Notis rius Masso und diesen Kalender mit einander zu vergleichen ? Kann denn ad Hirtor Calamitat . Abaelardi , nichts davon gedenket ; so halte ich es nicht eben dieselbe Frauensperson die natürliche Tochter eine» Domherrn der Unrichtigkeit verdächtig , und zwar um so vielmehr , da Heloise in ih - «nd die Muhme eines andern Domherrn seyn ? Allein noch einmal , so ren Briefen bekennet , daß ihre Familie durch ihre Verheirathung mit lange man niemanden anfuhren wird , so wird man kein Gehör verdienen , dem Abälard eine aroße Ehre erhalten , und daß sich dieser sehr ungleich wenn man saget , daß Heloise die natürliche Tochter eines Domherrn , verheirathet habe Quanto amplius te pro me humiliando fati« fece - NamenS Johannes , gewesen ist . Wenn man deswegen einen Dom - ras , et me pariter et totuni genus meiim fublimaueras , tanto te minus Herrn in Verdacht hätte , so würde es eher Fulbert , als ein anderer , seyn «am apud Deum auam apud illos proditores obnoxium poenae red - müssen ; denn die Zärtlichkeit , die ihm Abälard gegen die Heloise beyleget , dideras , pag . S7 ' ( Wun , mlg Masso Annal . Libr . III . Hebt vor , Heloise ist unter den Oheimen so wenig gemein ( * ) nnd der Zuneigung der besten sey die natürliche Tochter eines gewissen Domherrn zu Paris , Johanns , Väter so natürlich gleich . daß man sich einigermaßen einbilden könnte , es gewesen . Andreas Du Chene hat Recht , sich nicht hieran zu halten , weil habe es Fulbert , wie unzählige andere , gemacht , die nach den Kirchengesehen

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