Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-11542

Heliodorus .
einander leisten . Wie aber der Geist fast allezeit da« Hauptwerkzeug ist , die Eroberung zu erhalten , und sehr oft , dieselbe zu machen : >so kann man behaupten , daß er am meisten beyträgt , die Herrschaft der Schönheit fest zu sehen . Der . Poet , welcher versichert , daß nicht weniger Kräfte zum Behalten als zum Erlangen erfordert werden )
Kon minor eft virtus , quam quaerere , parta tuen ;
Cafus inert illis ; hic erit artis opus .
Ouid . de Arte amandi , Lib . II , v . iz . ist einer von den größten Gesetzgebern in dem Reiche der Liebe , und er deutet diesen Spruch auf die Sache , davon an diesem Orte gehandelt wird .
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Er geht noch weiter : er giebt zu verstehen , baß die Erwerbung nicht so
schwer ist , als die Erhaltung :
Nunc mihi , fi quando , Puer et Cytherea , fanete :
Nunc Erato : nam tu nomen amoris habes .
Magna paro ; quas poflit Amor remanere per artes Dicere , tarn vafto peruagus orbe puer . Ebend . 15 B .
Dieß ist auch der Gedanke vieler Historienschreiber von dem Fortganae der Waffen : Plus eft , ? rouinciam retinere , quam facere . Flor . Lib . II , c . 17 . Facilius eil quaedam vincere , quam tuerL Curtius , Lib .
IV , c . x 1 . Siehe Freinsheims Auslegungen über diese zwo Stellen .
JpeftofcOtUIS / gebürtig von Emesus in Phönicien ist durch den Roman , den er in seiner Jugend gemacht hat ( A ) , bekannter geworden , als durch das Bischofthum von Trica wozu er mit der Zeit erhoben worden . Wenig Leute glauben , daß er von einem Synodo abaeseßet worden , weil er nicht in die Unterdrückung dieses Romans hat willigen wollen ( B ) . cephorus ist der einzige Schriftsteller , der dieses saget . Sokrates c erzählet , daß Heliodorus die Gewohnheit eingeführt hat , die Geistlichen abzuseßen , die nach ihrer Priesterweihe wieder bey ihren Frauen schlafen würden . Dieß ist ein vortheilhaftes Vor - urtheil wegen der Keuschheit dieses Prälaten . Es erhellet auch aus seinem Roman , daß er diese Tugend geliebt hat . Denn der Held des Stückes ist so tugendhaft , daß er zu sehr beißenden Spöttereyen Anlaß gegeben hat ( C ) . Der Ueberscher des Photius drücket das Lob nicht wohl aus , das der keuschen Liebe des Theagenes und der Chariklea gegeben wird ; denn nach der Uebersetzung müßte man glauben , daß Heliodorus einen Roman über die Liebe eines Ehmanns und seiner Ehsrau gemacht hät - te ( D ) , welches sehr ungereimt wäre . Es hat jemand vorgegeben , Heliodorus wäre kein Christ gewesen ; allein er gründet sich auf sehr schwache Beweise ( E ) . Huetius d zweifelt nicht , daß der Urheber dieses Romans nicht Bischof zu Trica unter dem Kaiser TheodosiuS gewesen wäre : allein er glaubet nicht , daß man beweisen könne , daß der Bischof Heliodorus , an welchen der Heil . Hieronymus Briefe geschrieben hat , der Bischof von Trica fey . Er glaubet auch , daß man diejenigen nicht gründlich wi - verlegen könne , die es sagten . Wenn Heliodors Geständniß wahr wäre , so würden wir ein großes Beyspiel von der Zärtlichkeit des Verfassers haben . Ein neuerer Scribent hat Leute gekannt , die das gethan haben würden , was man dem Prälaten von Trica zueignet ( F ) .
a ) Heliod . Athiop . Lib . X , jU Ende . 6 ) Zn Thessalien . c ) Hift . Ecclef . Lib . V , c . 21 . ä ) De Origine Fabularum Romanenfium , pag . 38 .
tis dabat , iuuenes , fuapte natura ad id propenfos et quafi nutantes im . pelleret , eam ipfi conditionem obtulifle , vt ant opus fuinn flammi« aboleret , aut fua dignitate cederet ; eurnque , quod vltimum erat praetulifle . Huet . de Origin . Fabul . Roman , p . 36 . Würde wohl 0ofra# tes an einem Orte davon geschwiegen haben , wo er bemerket , daß heliodorus in seiner Jugend Liebesbücher ge>chriebeu hat ? o5 tiytTon i ? « -
tUoc ßißtüa , a »<0 { «> aSäioriki neogijyogtvge ; Cuius nomine
circmnferiintur amatorii Iibri , quos ille dum iuuenis eflet compo - fuit , et Aethiopicos infcripfit . Socrat . Hift . Ecclef . Lib . V , c . 21 . Va - lesius verwirft nicht nur dasjenige als eine Fabel , was Nicephorus vor - giebt ; er glaubet auch nicht , daß dieser Roman von dem Bischöfe Heliodo« ruS gemacht worden . Man sehe seine Anmerkungen über dies / Stelle des Sokrates . Wir wellen sehen , w« modo : quod ipfe , qui narrat , abunde narratione fua refellit An
vero fuit in poteftate Heliodori , vt aboleret igni , ac perderet opus fuiim , aut omnino fuppreflum teneret , quod iam exiflet in vulgmet mambus omnium euolueretur , quodque iuuentiis periculo aliquo , damnoque morum , vt vult Nicephorus , legendo contriuiflet ? Vauaf - for , de ludicra Djöione , p . 150 Er setzet dazu , daß der P . Petavius des Nicephorus Erzählung nickt glaubwürdig gefunden hat .
. Der - Hcld des Stückes ist so tugendhaft , daß er yu sehr beißenden Spöttereyen Anlaß gegeben hat . ] Man lese ein wenig diese Stelle des verbesserten Parnasjes : Theagenes redet darinnen ; „ Wenn man die Sachen getreulich vorgebracht hätte , so wie sie gemacht „ worden sind , so würde ich nicht Ursache haben , mich zu beklagen , ich „ würde meinen Nomanschreiber in Ruhe lassen : allein man malet mich „ als einen Unempfindlichen ab , man eignet mir die närrische Schamhastia - „ keit zu , die sich über die geringsten Frei , Heiken beleidiget findet , und man „ will lieber , daß ich meiner Liebsten eine Ohrfeige gebe , als derselben erlau - „ be , mir einen Kuß zu geben Mir kömmt es zu , fiel ihm Chariklea „ ins Wort , daß ich mich über die Ohrfeige beklage , davon ihr redet - ift «es dem eine Schande , der sie gegeben hat , so ist sie für die noch arößer , . . die sie bekommen hat ; und die Ehrenerklärung , die ihr vom ^eliodo - „ ruS verlangen konnet . gehoret für mich alleine . . . Hier ist des rus Antwort : D - e Ohrfeige , d , e euch empfindlich ist . ifi der 25e , « * ts eurer Sckambafttgktt , saget er . indem er den Theagene» an - sieht : dieß iff die VPirfung einer Tugend , die euch vorteilhaft tfi ; undoadurchhabe i dy diejenige wohlanstanviakeit erkalten , wozu mich die Wurde meine - . Amt« verbunden hat . ifd ? of ( * ) an diesem Orte eure Person wohl gespielct habet : allein ihr würdet sie noch besser vorgestellt haben , wenn ihr euern Roman verbrannt oder rncmals daran gedacht hättet , denselben m machen . Ver« liebten brauchen bischofliche Tugenden nicht , und die Bischöfe schicken sich nicht ; u denLrc / heiten öer Verliebten . tLine vesta , Ceeecz lisch«
( A ) T>nrch den Roman , den er in seiner Jugend gemacht hat . ] Er hat den Titel AiW ; z4 . Opsopäus , der sie dem Rathe zu Nürnberg zugeschrieben hat , ver - sichert , daß ein Soldat das Manuscript davon gerettet habe , da der Bücher - vorrath zu Osen geplündert worden . Siehe Bibl . Gefner . p . zo> . nislaus Warszewiezki , ' ein pohlnischer Edelmann , ist der Urheber von der lateinischen Übersetzung , die mit dem Griechischen zu Basel usi gedruckt worden . Amiot hat seine französischen Uebersetzungen mit diesem Werke angefangen . Melin von St . Gelasius , Bischof zu Angouleme hat einen guten Theil davon in französische Verse gebracht . Sorel , marques für le XIII Livre du Berger extravagant , pag . 68 ; . Johann Bourdelots Noten über diesen Noman sind sehr gelebrt ; sie sind mit dem Griechischen Heliodors , und der Übersetzung des pohlnischen Edelmanns , zü Paris 1619 gedruckt worden .
§ ( « ) Wenn Sorel gesagt hat , was ihn Herr Bayle sagen zu lassen scheint , daß nämlich der Poet Melin von St . Gelasius , Bischof zu An - gouleme gewesen ist , so hat er weder Samarthans Lobsprüche . noch das Buch Oallia Chriftiana , zu Rathe gezogen . Oetavian von St . Gelais , MelinS natürlicher Vater , ist Bischof in dieser Stadt gewesen . Er hat unter den Königen Carl« dem VIII , und Ludwigen dcm XII gelebt , und viele Gedichte dieses Prälaten sind in die gothische Sammlung in 4 gekom - Men , die unter dem Titel Verger d'Honneur gedruckt worden .
Es ist zu verwundern , daß Vayle einen solchen Fehler hat durchwischen lassen ; vielleicht ist ! es nur aus einer von denjenigen Zerstreuungen ge - schehen , welchen die allergeschicktesten Leute unterworfen sind . Da er den Sorel in den Remarques für le Lerger extravagant Liv . XIII . pag . 477 , abgeschrieben , woraus er dieses genommen : so hat er nicht be - obachtet . daß sich dieser Schriftsteller betrogen hatte ; denn sonst würde er es nach seiner Gewohnheit gemeldet haben . Sorel hat es vielleicht auch nur aus Unachtsamkeit gethan ; allein es bleibt allezeit ein großer Fehler : weil er . außer dem Bayle , nicht allein den Urheber der Efläis de Littera - ture , Tom . II , p . 304 , Z05 , Holl . Ausg . sondern auch den berühmten Fa - brieius , Libl . Graec . Tom . VI , p . 787 , in gleichen Jrtthum hat verfallen lassen . Er hatte anstatt Melin von St . Gelasius sagen sollen , Oetavian von St . Gelasius , sein Vater , der in der That Bischof zu Angouleme , ( 8a - marth . Elog . p . 39 ) und derjenige gewesen ist , von dem er hat reden wol - len . Uebrigens gedenket weder du Verdier Bibl . Franq . p . 928 , noch la Croix ? du Maine Bibl . Franc , p . 364 , noch ein anderer Schriftsteller , so viel ich weis , dieser Uebersebüng , eines Theils von der Liebesgeschickte des Theagenes und der Chariklea in Versena ; und vielleicht ist Sorel der eiw zjge , der davon geredet hat .
Beylaufig will ich bemerken , daß man in Deughcm ? incunabulis Ty - pographiae , auf der 17z S . diesen Oetavian von St . Gelasius , in GctKvicus von St . Gervasius , verwandelt hat . Dieß ist eine entsetz - liche Verunstaltung der Namen . Crit . Anm .
( B ) Nicht viel Leute glauben , daß er von einem Synodo ab - gestnet worden , weiter nicht in die Unterdrückung dieses Ro - nians hat willigen wollen . ^ Nieephorus erzählet , daß ein Synodns dem Heliodorus die Wahl gegeben habe , entweder seinen Roman zu brennen , oder seinem Bischosthume abzusagen ; allein der Verfasser habe lieber scinBisckofrhnm abtreten , als sein Werk ins Feuer werfen wollen . Niccph . Hift . Lib . XII , c . 34 . Dieß scheint fabeil , aft zu feyn : eine so seltsame Sache wie diese , würde von vielen Geschichtschreibern seyn vor - gebracht worden ; und Nicephorus , ein leick^glaubiger und nichtsehr scharfsinniger Mann , würde uns dieselbe nicht allein erhalten haben . Quae oinnia eo nie facile redueunt , vt diffidam iis maxime , quae ad - dit Nicephorus feriptor credulu« , fapientiae et fidei non fatis fpeäa - tae , Synodum fcilicet Prouincialem cognito periculo , in quod lc & io fabulae huius , Cui autoiis fui dignitas tantum ponderis et auftorita -

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