Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-11503

Helena .
753
als ein junges Magdchen entführet worden ifti jedermann sieht , daß , wenn man begreifen will , daß dieses ein Einwurf sey , man die Worte , die denselben enthalten , aus den Augen setzen , und zu Schlüssen und Rechnungen Zuflucht nehmen muß , die man auf den folgenden Sei - ten findet ; denn wenn man nur des Eusebius Ausdrückunqen ten wollte , so würde man sich einbilden , daß er übel urtheile , und daß dasjenige , was er zum Beweise angiebt , gerade das Gegentheil seines Vorgebens enthalte
Hier sind noch andre Worte Scaligers , die mir nicht richtig zu seyn scheinen . Ab hoc tempore ( * ) , saget er 46S . am angezogenen Orre , sä excidiiim Ilii , anni funt LXXlX . vt Helenam admodum anmn fuifle oportnerit , fi Argonautica hoc tempore contigemnt . Nafli adul - tis Caftoribus , Helenam qiioque mattiram viro fuiffe necefle eft . Qiiod fi Argonautica hic collocentur , tempore excidii Iliaci Helena fuerit maior annorum CXX . Hoc eft quod obiieit Eusebius et merito . Dieß heißt , wenn 79 Jahre zwischen der Reise der Araonauten , und der Einnehmung von Troja verflossen sind , so muß Helena bey der Erobe» rung von Troja , über >20 Jahre alt gewesen seyn . Was für eine Folge - rung ! Ist sie dem großen Scaliger anstandig ? Ist es nöthig , daß eine Frauensperson vierzig Jahre alt seyn muß , wenn man sagen kann . daß sie zu Heirathen geschickt ist , matura viro ? Dieß ist gleichwohl sein Ausdruck .
( * ) Das heißt von der 756 Numer des Eusebius . Ich wundere mich aber , daß Scaliger nicht Acht gehabt hat , wie Eusebius bereits mv ter der 746 Numer , von dem Zuge der Argonauten geredet hat .
Es hat ihm in der Beurtheilung der Rechnungen deö Eusebius weit besser geglücket ; denn es ist nicht wahr , daß die Kriegsunternehmung der Argonauten , und die von Troja so weit von einander entfernet sind , als sich Eusebius einbildet . Nun bleibt es gewiß , daß Eusebius den aller - berühmtesten Scribenten gefolget ist ; und folglich kann ich behaupten , daß , wenn die alten Schriftsteller , die von der Helena geredet haben , . gute Zeitkündiger gewefer sind , die Dauer ihrer Schönheit erstaunlich seyn würde ; denn sie würde ein Jahrhundert übersteigen . Wir wollen die Rechnungen ein wenig besehen , die Clemens von Alexandrien dem Apollodor , und einigen andern berühmten Historienschreibern abgeborget hat . Er saget uns , Lib . I . Strom , p . 322 . aus dem Apollodor , daß seit dem Anfange der Regierung Herkuls in Argos , nach dcm Kriegszuge der Argonauten , zz Jahre , bis zu seiner Vergötterung verflossen , und Ca - stor und Pollux drey und funfziä Jahre nach dem Herkul , ungefähr zur Zeit der Eroberung von Troja , vergöttert worden sind . Dieß heißt 91 Jahre zwischen der Reise der Argonauten , und der Eroberung von Troja setzen , und der Helena hundert Jahre mehr oder weniger " , der Zeit beylegen , da sie Paris , als eine vollkommene Schönheit , entführet hat . Auf det 336 Seite , machet eben dieser Kirchenvater eine Rechnung , die 6s Jahre zwischen der Entführung der Helena vom Paris , und der KriegSverpch - rung der Argonauten setzet .
( R ) Man sehe im Herodot , was von einer Frau ju halten i ( i , die sich entführen laßt . ) Herodot , der bis auf den ersten Ursprung der Kriege zurück geht , die zwischen Europa und Asien so lange Zeit ge - dauert haben , erkennet die Asiater für die Angreifenden , weil sie die Jo , des Jnachu« , Königes von Argos , Tochter , entführet haben . Lib . I . zu Anfange . Die Europäer , ( dieß waren die Cretenfer , ) welche die Toch - ter des Königes von Tyrus , entführet , haben solches nur aus einem Wie - dervergeltungSrechte gethan . Sie haben es dabey nicht bewenden lassen ; sie haben auch eine zwevte Entführung unternommen , namlick der Medea , des Königes von Colchiö Tochter . Dieser Prinz hat wegen dieses Schimpfs Genugthuung gefordert : man hat ihm geantwortet , daß dieses niemals geschehen würde , weil man dergleichen , wegen der Jo , nicht erhalten hat - te . Die Entführung der Helena ist also als eine Wiedervergeltung un - ternvmmen worden : und da sie die Griechen wieder forderten , so hat man ihnen geantwortet , daß man sich gegen sie eben so verhalten würde , wie sie sich gegen die Asiater , in Ansehung der Medea , bezeiget härten . Sie ließen es hierbey nicht bewenden ; sie warben auch ein großes Kriegsheer , und zogen ans , um Priams Königreich zu zerstören . Die Persianer führten zur Rechtfertigung ihres Krieges folgendes an : sie ha - den vorgegeben , daß die Kriegsnnternehmung gegen Troja , ihnen ein Recht gebe , die Europäer für Feinde zu halten , und ihnen als solchen zu begegnen . Sie haben die Gewaltthat derer gemiSbilliget , die eineFran entführen ; allein sie haben diejenigen für Narren gehalten , die sich angc - legen seyn lassen , dieselbe wiederzuerlangen , und diejenigen für weise Leute , welche selbige verachtet haben ; angesehen man nur diejenigen entführe , die sehr wohl damit zuftieden sind . Uns betreffend , sagten sie , so haben wir niemals einige Hochachtung gegen die Frauen gehabt , die man aus Asien entführet hat ; die Griechen haben den Ansang gemacht , wegen einer Frau aus Lacedämon , Krieg zu führen . To / ü» vi / v
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■yvti nffffoq ufxuifluhm tSv yvvxixuv Aoyov üSfvet ro»Sc qili - dem fentire iniiiriormn virormn faSinn eile rapere feminas : amen - tium vero , raptis vlcifcendis operam dare : prüden tium autem , pro nulla habere raptarum pulchritudinem : quippe quae , nifi voluißent , haud dubie raptae non fuifl'ent . Eoque fuarum feniinarum ex Afia raptarum Perfae negant vllam fe habuifle rationem . Herod . Lib . I . cap . IV . Man muß folgender Beobachtung des Jsokrates hier einen Platz geben : der trojanische Krieg , sagte er , ist den Griechen sehr nützlich gewesen ; man hat dabey viele Dinge erfunden ; man hat angefangen , Eu - ropa mächtiger , als Asien , zu machen . Vor diesem Kriege haben die Darbarn Eroberungen über die Griechen gemacht ; Helena gab den Sa< chen einen andern Schwung : denn nach diesem Kriege haben die Grie« chen den Barbarn Städte und Landschaften entrissen . Ifocrates , in En . «omio Helenae , zu Ende . ,
Wir müssen die Stelle des Euripldes nicht vergessen , wo Peleus dem Menelaus die Wahrheit so scköu gesaget . Er wirft ihm vornehmlich Zween grobe Dehler vor ; der erste ist , daß er mit seiner Gemahlinn um * ^gangen , als wenn sie ehrlich gewesen wäre ; der andre , daß er viel Kriegsvolk geworben hätte , dieselbe wieder zu bekommen . Du hast sie auf Treu und Glauben verlassen , saget er , und keinen Besehl gegeben daß dem £aus verschlossen seyn , und Diener darinnen zurück bleiben sollten ; du hast dasselbe verlassen als wenn Helena , die allerlaflerhafteste unter allen Fr^e^fthr keusch'gewesen wäre .
AxAht' ulnlx itZjizy iflxt Atnuv , iit i«f yv»MK * cuipgtv' Tlxtuv KXKlfi ) V .
Linquens domum non claufam , et fine fertiis ,
Quafi haberes caftam mulierem in aedibus ,
Quae omnium eft peflima .
Euripid . in Andromacha , v . 59z . p . m . 51z . Sie hat mit einem jungen Fremdlinge die Flucht genommen , und du hast ihr zu Liebe , ganz Griechenland die Waffen ergreifen lassen : da du sie vielmehr , nachdem du ihre Untreue erfahren , hättest da lassen sollen , wo sie war , und überdieß noch Geld darzu geben sollen , daß sie niemals einen Fuß wieder in dein Haus gesetzet hätte .
»v xtfr »' xtoxIvitxvtx , p * kivSv iogv ,
Käkijv iQsvfOvr , ä>k' ixv aüri fiUwv ,
mks'o» Tf iavT« , fi>j XOT i ( omü ( Actßnv .
Quam oportebat te confpuentem non mouere haßam , Cum inueniffes malam , fed finere ibi mauere ,
Mercedemque dare fraeterea , ne vnquam in aedes eam reeiperfs .
Ebendaselbst 607 Vers . Menelaus hat sehr weichlich geantwortet , daß die Abentheuer seine Ge - mahliun gezwungen , und ein Geschicke dcs Himmels gewesen , ( siehe die Anmerkung ( V ) zu Anfange ; ) und daß daraus für Griechenland ein großer Vortheil entsprossen sey , ( Eurip . in Andromacha . 6« , . v . p . 5 , 2 ) welche bey der Belagerung vor Troja die Kriegskunst zu erlernen ange - fangen hätten . Dieses bekräftiget die Anmerkung des Jsokrates .
( 8 ) Man hat viel von der - Helena - Halsbande geredet . ^ Me - nelans , der sich zu dem Kriegszuge nach Troja rüstete , hat sich nebst dem Ulysses nach DelphoS begeben , daselbst das Orakel um Rath zu fragen , und hat daselbst der Helena Halsband , als ein Geschenke geweihet , tot *
MeviAaoc ftiv t ? trfovolx ( * ) a'3« ( v« tov Tij< EAirt ) { Offxov ävtätfxn } v AfA - ®or« . Tunc fane Menelaus Prouidae Mineruae monile Helenae Del . phis dedicauit . Euftath . ad Odyfl : Lib . Iii . DaS Orakel hat ihm den Krieg befohlen , und - ihm durch dieses Mittel die Strafe des Räubers versprochen . Athenäuö , im VI B . - z - Seite , hat uns die Antwort des Orakels erhalten : sie besteht nur aus dreyen Versen , und belehret uns , daß dieses Halsband von purem Golde gewesen , und der Helena von der Ve - nus gegeben worden . Als die Phocäcr den Tempel zu Delphis in der 106 OlympiaS geplündert haben , so ist dieses Halsband ein Theil ihrer Beu - te gewesen ; allein es hat eine seltsame Wirkung hervorgebracht ; die Da - me , die es umthat , ist eine Schandhure geworden . Quin et princi . pum in Phocide vxores , quae aurea ex Delphis monilia iibi circum . dederant , meritas impietatis poenas ineurrerunt . Nam quae nes torquemgeftabat , in turpitudinem meretriciam prolapfa , formae elegantiam proteruae fcortatorum libidini proftituit . Diodor . Sicul . Lib . XVI . cap . LXV . Sie hat ihr Haus verlassen , und ist mit einem jungen Epiroten , den sie geliebt , in der Welt herum gelaufen . Athen . Lib . VI . p . 2zz . Dieß ist entweder eine sehr wirksame Seuche , oder eine Art der Strafe gewesen , die derjenigen Göttinn sehr unanständig ist , der es Menelails qeweihet hatte . Man hätte die Kühnheit dieser Fraue» mir einer physikalischen , und nicht mit einer moralischen Krankheit strafen sollen , weil sie sich den Raub eines heiligen Ortes zugeeignet harre . Siehe die Anmerkung ( C ) , bey dem Artikel Lgialea .
Man merke , daß sich Leute finden , welche erzählen , daß die Frau , die dieses Halsband gehabt , schon zuvor unzüchtig gewesen sey . Man saget , daß die Frauen derer , die den Tempel geplündert hatten , mit einander gestritten haben - , welche das Halsband der Helena und der Eriphyle ha - ben sollte , und daß man zum Lose gekommen sey . Der Eriphyle ihres ist einer strenge , » und wilden Frau zugefallen , welche nach diesem ihren Ehmann umgebracht hat : das andre ist einer sehr schönen , aber sehr gei - len Frau zugefallen . Ebendas .
( * ) Meursius will , daß man »ftvatf , protemplari , anstatt Kgovotp lesen solle . Siehe seinen Tractat , de Regno Laconico , p . 22 . wo er auf seine attischen Leftiones , Ii B . XVII Cap . wegen der zwey Beywörter der Minerva , ttgmoix und verweist .
er ) - - - und von ibrem Crater , und dem Ncpenthe« , das sie des Ul>ssesSohn , Telcmack , trinken lassen - ^ DerCrater ist ein Werk Bulcanö , und ein Hochzeitgeschenk gewesen ; denn da sich Pelops verheirathet , hat ihm Vulcan dieses Gcschenk gcmachet Mene« laus , ein Nachkomme des Pelops , hat diesen Theil der Erbschaft erhal« ten , und ihn verlohren , als Paris die Helena , nebst dem Geschmeide und Hausrathe feines WirtheS entführte . Allein man giebt vor , daß Helena dieses schöne Geschenk , bey der Insel Cos ins Meer geworfen habe , und daß , da man es in den Netzen einiger Fischer gefunden , ein Streit darü - ber entstanden , davon die letzte Entscheidung dahin gegangen ist , daß man es dem Apollo weihen solle . Nach dcm Diogenes Laerz , der mich dieses in Thakte , Lib . I . num . 32 . belehret , ist es ein Dreyfuß gewesen ; gleichwohl geben die Ausleger vor , ( Menage in Laert . ebendas . Meurf . in Lycophr . p . 272 . ) daß Lykophron , Diogenes von Laerz , Apiilejus und Philosiratus ebendasselbe verstanden haben . Nun hat eS Lykophron , in Cafiändra , v . 854 - kqxt^x , genennt : und dieß sind die Wor -
te des ApulejuS , in Apolog . pag . 1n . 294 . Numquam apud eum ( Home - runi ) marino aliquo et pifculento mendicauit nec Proteus faciem , nec Vlyfles ferobem , nec Aeolus tollem , nec Helena CRATEREM , nec Circe poculum , nec Venus cingulum . Was den PhilostratiiS betrifft , so läget er folgendes in der Zuschrift von dem Leben der Sophisten , t . ' * «
0 xgxrh T« EAf^trore Alyinrlioic

es gemischt hat , welches , ich weis nicht was für eine vortreffliche Tugend gehabt .
E . y ctZy S» , ' how' Ato ; ixyeyttvTa .
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r aroAov Tt , Haxäv inUiäov uitkrcui , ( S ( T# KCtTaßeofrn Isti * * { 1TW
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