Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-11495

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derselbe Hygin , den ich angeführet habe , nachdem er gesaget , es sey auch eine Tradition , daß der in einen Schwan verwandelte Jupiter , mit der Leda zu thun gehabt , setzet dazu , daß er hierüber nichts entscheiden könne , de quo in medio relinquimus . Hygin . Aftron . Libr . II . cap . VIII . Dieß ist geschehen , weil er auf einer Seite so viel Gründe , als auf der andern , gesehen hat . Theon von Alexandrien bemerket , daß der in einen Schwan verwandelte Jupiter , nach einiger Meynung , bey der Nemesis , und nach andern , bey der Leda geschlafen habe - und daß Helena , Castor und Pollux aus dem Eye gebohren worden , welches Leda geleget hat . Theon . Alexandrinus in Arateis commentariis , beym Hadrian JuniuS , Animadu . Libr . I . cap . XV . Pausanias , welcher , wie man gesehen hat , die Sage von der Nemesis erzählet , führet auch im III B . 97 Seite , die Sage von der Leda an , und bemerket zugleich , daß man ein Denkmaal davon , in einem Tempel zu Lacedämon gesehen habe ; denn man hat dar , innen ein Ey gesehen , welches mit Bändern an dem Gewölbe ausgehan - gen gewesen , und für der Leda ihres gehalten worden . Hadrian JuniuS glaubet ohne Grund , daß Pausanias diesen Tempel in die Stadt Amy . kles setzet .
Jsokrates redet viel deutlicher . Er erkennet zwo Verwandlungen Jupiters in einen Schwan , die eine in Absicht auf die Nemesis , die andre in Absicht auf die Leda . Kuxvof ytvopnot < ! ( r« Nepifffuc xoAtb« * xrt - fuyt . tu r«i 32 ndtot c / ioia3tt ( AiiSav ivvfiQevftv . Oloris figiira in fi - num Nemefcos confugit , atque iterum eiusdem auis fpeciem cum ha - beret Ledain tibi defpondit . Ifocrat . in Helenae Encomio . Dieß vorausgesetzet , so hat er ohne allen Zweifel vorgegeben , daß Helena von dieser andern Verwandlung gebohren worden . Enripides versichert in der Tragödie Orestes ausdrücklich , daß Leda der Helena Mutter gewe - fen , und er giebt der leKternHix Beywörker , ifvöoywct und kkxv<5»7« ? oc , welche Jupiters Verwandlung in einen Schwan bemerken . Ich will mich des Plutarch« Zeugnisses nicht bedienen ; denn er kann durch daß Ey des Tyndarus wohl dasjenige verstanden haben , welches Mercur in der Leda Schooß hat fallen lassen . Er bemerket in der That , daß dieses Ey vom Himmel gefallen ist . t« tiy»™ uewrre -
rt< ävafCvaf . Plutarch . Sympof . Lib . II . cap . III . pag . 637 . Also hätte Hadrian Junius , der letzten Meynung zum Besten , nicht den Plutarch anführe» ? sollen . Ovidius ist recht angeführet worden , weil er die Leda einführet , wie sie unter den Flügeln eines Schwans liegt . Ouidiusquo - quc Ledam recubantem facit füb olorinis alis . Hadr . Iunius , Anim - adu . Lib . I . cap . XV . Siehe die Worte des Ovidius :
Fccit olorinis Ledam recubare fub alis .
Metatn . Lib . VI . verf . 109 .
Man könnte den Lucian in vearum Iudicio , p . m . 170 . Tom . I . und Ho , mers Scholiasten in Odyfl " . Lib . VII . anführen . Dieser Scholiast saget etwas , was viele andre nicht sagen , daß nämlich das Ey , welches die Leda gelegt , und in einem Kasten verwahret hat , daselbst den Castor , Pollux und die Helena hervorgebracht , ohne daß es gebrütet worden .
Diese zwo Meynnngen zu vergleichen , setzet Junius voraus , daß Ne« mesis und Leda einerley Person gewesen sind , und er führet hierüber den Lactanz , Institut . Lik . I . cap . XXI . den Scholiasten des Enripides , und den Germanicns an . Die Worte des letztern sind sehr klar . Cygnum di - cunt inter aftra conftitutum , eo quod lupiter in Cygnum transfigtira - ttis euolauerit in Rhamnuntem Atticae regionis , ibique comprellerit Nemefin , quae et Leda dicitur , vt refertCrates tragoediarum fcriptor , quae enixa eft ouum , vnde nata eft Helena . Germanicus Caefar , in Arateis Phoenomenis , p . m . 116 .
Ich werde diese Anmerkung nicht eher beschließen , als bis ich gesaget habe , daß Jupiter , der doch viele Knaben für seine Söhne erkannt hat , die ans seinem Ilmgange mit Frauen entstanden waren , mir die einzige He« lena für seine Tochter erkannt hat . Ich rede von Töchtern , die aus sei - ner verbothenen Liebe mit Ehweibern entsprossen find . Dieß saget , krates in Encomio Helenae . Ich übergehe diejenigen , welche vorgeben , daß Helena die Tochter der Venus , oder der Sonne und der Leda sen sey . Ptol . Hephaeft . beym Photius , 480 S .
( ? ) Die Erfindungen , die man ihrer getreuesten Dienerin» zueignet , sind ein Zcugniß der Ehrlosigkeit . ^ Man giebt vor , daß sie , ich weis nicht was für Stellungen erfunden , und selbst über diese Materie geschrieben habe . Ich will mich lateinisch durch die Worte des Nicolaus Leonieus ThomäuS , deutlicher ausdrucken . Aftyanaflä quaedam ne , saget er , de varia Hiftoria , Lib . III . cap . XXXI . er hätte den Sui , das anführen sollen , inter Helenae mini ft ras et famulas fuifie comme . moratur , quae dominam a Thefeo primum , poftea a Paride raptam femper profequuta eft : hanc in Venerea palaeftra primam complures reperifi'e figurarum modos , omnis perhibet antiquitas . Voluminibus quinetiam quibusdam editis de variis concubitu» generibus perfcri - pfifl'e narratur , quaim poftmodum Philenis et Elephantis peruulgatifli - tnae mulieres funt infequutae , quae huiusmodi de rebus non minus accurate , quam turpiter confcripta commentaria reliquere . Wenn dieses wahr ist , so prallet hiervon eine außerordentliche Schande auf den Nachruhm der Helena zurück : denn es ist wahrscheinlich , daß , wenn die Magd ihrer Frau Lehren gegeben hat , die letztere jener ihre Wirkung vertrauet habe , und daß hierdurch Helena und Astyanassa gemein , chaftlich gearbeitet haben , diese verfluchten Erfindungen vollkommen zu machen . Ich habe im Photius aus dem Ptolemäus Hephastion 480 Seite gelesen , daß Astyanassa , einen gestickten Gürtel gestohlen hat . den Juno von der nus erhalten hatte , ihn der Helena zu geben ; daß ihn aber die Venus dieser Magd entführet hat .
A ? enn die Schriftsteller - , , , gute Zeitrechnungs - kundiger gewesen wären , so würde die Dauer ibrer Schönheit erstaunlich seyn . ^j Man giebt vor , daß Helena und Castor aus einem einzigen Eye gekrochen . Also kann man vernünftiger weise voraussetzen , daß Helena schon ein erwachsenes Fraueitjimmer gewesen , da die Argonau - ten nach ColchoS gegangen sind ; denn ihre zween Brüder , Castor und Pollux , haben sich , bey diesem berufenen Zuge sehr hervor gethan . Wir wollen ihr zum wenigsten zwanzig Jahre geben , da« ist nicht zuviel . Wir wollen den Jrrthum de . ? Eusebius nicht misbrauchen : ich werde hier unten davon reden . Wir wollen die allerrichtigste Zeitrechnung nehmen . Man zählet ungefähr dreyßig Jahre , zwischen dieser Kriegs - Verrichtung und de : ' von Troja : also hat Helena fünfzig Jahre etwaS mehr oder weniger , auf dem Nacken gehabt , da sie Paris entführet hatte . Die Belagerung vor Troja hak zehn Jahre gedauert , und in dem letzten
Jahre von dieser Belagerung , haben sich Agamemnon und Achilles ge - zanket ; nun muß man die Verwunderung der Räche des Priamus , die ich oben in der Anmerkung ( A ) angeführet habe , wegen der Helena Schönheit , auf diejenige Zeit beziehen , die diesem Streite gefolget ist . Also nöthiget die sechzigjährige Helena durch den Glanz ihrer außeror - dentlichen Schönheit , einen ganzen Rath zu dem Bekenntnisse : sie verdie . ne es , daß sich zwo mächtige Nationen ihr zu Liebe , zehn Jahre hinter , einander aufrieben . Ist dieß nicht etwas wunderbares ? Nachdem Pa , ris einige Zeit darauf erleget worden , so ist ein hitziger Streit unter sei - nen Brüdern entstanden , welcher sich mit seiner Witwe verheirathen soll , te . Priamlls hat ihnen den Kampf befohlen , und sie demjenigen ver - sprechen , der den Sieg erhalten würde . Deiphobus hat sich unter allen am besten geschlagen , und die Helena erhalten . A'AfpvJf a toJsb & vt« imo totilyt» , rtflx / tof tov EAfvtfC yifioi exaStov 't%xt tu kfiilfirmtt xurle , putxiv As ) f - pc ( ? 9C Si ytvvanf uymta & fis - jaQ lytf / ttv air>»7 . «f irofla nufet
Auncipfuvi . Scholiaftes Homeri in Hiad . Libr . vltimum , verf . 251 . Einer von seinen Brüdern , der Helenuö geheißen , ( siehe die Bibliothek des Photius , in den Auszügen des Conon 441 Seite , ) ist so erzürnet über diese Ausschließung gewesen , daß er Troja verlassen , und nach allen sei - nen Kräften den Untergang seines Vaterlandes befördert hat . Beweist dieses nicht , daß die sechzigjährige Helena noch ein Wunderwerk der Schönheit gewesen ? Lucian beweist , daß sie zu der Zeit der Belagerung von Troja eine alte Frau , und fast so alt , als Hekuba , gewesen , eISovybf
Aevxifv ufr rirn vjf ) iirifujxt ) rat r ( d%tiAov «x«4«v xl / xv« Suyxrefx «von .
r«Aka Si xfttßCrtv , » t« Exaßyf . Liquidem vidi
quandam Candida et procera ceruice , vt cygno prognatam illam hinc coniicerent . Caeterum anum Hecubae propemodum aequaeuam . Lucian . in Gallo , Oper . Tom . II . pag . m . 251 . Sie müßte tjoch viel älter gewesen seyn , als Hekuba , wenn es wahr ist , wie Diodor aus Sici - lien in des IV B . XIV Cap . gesaget hat , daß Herkules das letzte Kind Jupiters gewesen ist . Unser Erstaunen über eine so alte Schönheit wür - de nachlassen , wenn wir die Erzählung glauben könnten , daß Helena , kraft eines vortrefflichen Borrechts , von der harten Notwendigkeit zu altern befreyet gewesen ; Tijv ph $kti ; äy^a . Nam et fenecVae haud obnoxiam eile fama perhibetur . Qiiintus Calaber , Libr . X . verf . 312 . allein die ganze Welt wird solches nicht gelten lassen . Man saget , „ daß Helena , bey dem Ende ihres Lebens , so oft als sie in ihren Spie - „ gel gesehen , mit Erstaunen gesehen , was aus ihr geworden , und sich darüber „ beklagt habe , daß die Zeit ihr dritter Räuber wäre , und die Helena der „ Helena selbst entführt hätte . , , Ich habe dieses in den Peinturcs Mo - rales des P . le Moine gelesen , dessen Schreibart sehr schwülstig ist . La Mothe le Bayer wird uns diese Sache , fast auf eben dieselbe Art erzäh - len ; Lettre CXIV . pag . 14 . des XII Bandes . Diejenige , davon ihr redet , verdienet mir einem sollen Auge angesehen jt , werden , öls das eurige ist . Ihr werdet bey ihr gar bald eine andre Ver , änderung sehen , die derjenigen , ( er redet von einer Haßlieben , die schon geworden war , ) die euch in solche Verwunderung gescnet hat , gan ; entgegen ist . iE« ist diejenige , die euch wenig Iah , re 5« erkennen geben werden ; diejenige , welche die - Helena vor ihrem Spiegel zu weinen bewogen ; und eben dieselbe , die sie genorhiger hat . die Zeit ihren dritten oder vierten Räuber ; u nennen ; denn die Zahl derselben ist nicht gan ; gewiß . Eine fei ! » same Art des Raubes , wo man die - Helena der - Helena selbst ge , raubet ; und diejenige , die alle vre ) ? Theile der U ? elt , welche damals nur bekannt waren , für die Schönste ihrer Zeit erkann - ten , ihr Gesichte in einem Spicgclglase suchen siebt , das ihr nichts , als was Abscheuliches vorstellte . Dieser Gedanke kommt mit den zween Versen des Ovidius , Metam . Lib . XV . v . 232 . überein :
Flet ntioque , vt in fpcculo rugas confpexit aniles ,
Tyndaris , et fecum cur fit bis rapta , requirit .
Ich muß melden , daß , wenn wir des Eusebius Zeitrechnung folgen wollten , wir finden werden , daß Helena über eil» Jahrhundert gelebt ge - habt , da sie Paris entführet hat ; denn , nach dem Eusebius , ist der Kriegs - zug der Argonauten , vor der Eroberung von Troja , «9 Jahre hergegan . gen . Er hat die falsche Rechnung der griechischen Schriftsteller wohl ge - sehen ; dieserwegen inachet er ihnen folgenden Einwurf : Sin inter Ar - gonautas fuerunt Caftor et Pollux , quomodo poteft eoritm foror lens credi , quae poft multos annos virgo rapitur a Thefeo ? Eufeb . in Chronico , num . 756 . Man betrachte die Anmerkung Scaligers über dieses Latein wohl : In Graecis , saget er Animadu . in Eufeb . num . 756 . pag . m . 47 . i [ ijiru fitT» %tX^ . u im xx< ; 3hot x ( xu£srcq , quae non multh faß annis virgo capitur . Siue culpa librariorum , fiue quod verofi - milius , Hieronymi properantia accidit , vt negatio in latina interpre - tatione exprefla non fit , omnino ridicula fententia efficitur . Nam quo remotior fuerit raptus Helenae eo credibilior erit . Contra quo propior his temporibus , eo remotior a Troiae excidio , ideoque mi - nus credibile Helenae tempus in huius faeculi traäum incidifle .
Scaligers Fehler .
Diese Beurtheilung scheint mir sehr falsch zn seyn , und je mehr ich sie untersuche , um so viel mehr verwuudre ich mich darüber . Ich leugne nicht , daß das Verneinnngswörtchen , dessen Weglassung , nach dem Scaliger , ein Fehler des h . Hieronymus ist , nicht einen guten Verstand geben könne : allein ich kann nicht begreifen , warum der Sinn lächerlich feyn sollte , wenn man die Verneinung weglaßt ; und mir scheint der Einwurf des Eusebius für alle Gattlingen der Leser , ohne das Verneinungswörtchen , viel verständlicher zu seyn , als mit demselben . Eusebius will beweisen , daß diejenigen , welche gesaget haben , daß Castor und Pollux der Helena Brüder , bey der Reise der Argonauten , gewesen sind ; uud daß Theseus die Helena , noch als ein junges Mägdchen , entführet hat , die Zeit übel verglichen haben . Wenn Castor und Pollux . saget er , unter der Zahl der Argonauten gewesen sind ; wie kann man sich uberreden , daß sie der Helena Brüder sind , welche viele Jahre hernach vom TheseuS , als ein Mägdchen , eytführet worden ist ! Dieallerdümmsten Leser empfinden die Stärke des Einwurfs , ohne daß sie vernünfteln , oder zu ettvas andern , als zu den Worten des Eusebius , Zuflucht nehmen dürfen . Allein wenn man mit dem Scaliger voraussetzet , daß sich Eusebius auf diese Art aus - gedrucket hat : U ) enn Castor und pollur unter der Zahl der nauten gewesen sind , wie kann man sich überreden , daß sie 0er - Hel»n« prüder waren , die wenig Jahre darauf vom Thcseus ,

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