Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-11489

Nock in derselben Nackt , da die Griecken die Stadt eroberten , ihren Frieden mir ihrem Gemahle gemackr hat : und dieß ist mdy dem Character sehr rvahrsckeinlick , den man dem guten Menelaus in der Ilias bevleger . Dem sey , wie ihm wolle , so will ich weder auf der einen Seite behaupten , daß nahe bey de» Insel Cranae kein Tempel der Venus Migonitiö gestanden hat ; noch auf der andern bejahen , daß ihn Paris wegen der angegebenen Ursa - che habe bauen lassen . Ich halte mich an die Wahrscheinlichkeit : sie reizet gewaltig , sich einzubilden , daß Paris die Helena schon geko - stet hat , ehe er noch aus Lacedämon gegangen ist . Und wer hätte ihn daran verhindern wollen '$ Menelaus war auf der Insel Cre - ta : Ouid . Epift . Helenae ad Parid . Coluthus , de Raptu - Helenae : seine Gegenwart war der Helena nicht verhinderlich gewesen , dem schönen Gaste Gunst zu erzeigen , der ibr liebkoset ? ; seine Abwesenheit aber ist noch unvermögender gewesen , ihn daran zu hindern . Man sehe ein we - nig , wie sich Parisseiner Abwesenheit bedienet , und darüber gespottet hat .
8ed tibi et hoc fuadet rebus , non voce , maritus :
Neue fui furtis hofpitis obftet , abeft .
Kon habuit teiupus , quo Creflia regna videret ,
Aptius , o mira calliditate virum ! etc .
Ouidius , Epift . Parid . ad Helen , v . 297 .
Er ist nicht furchtsam bey dem Frauenzimmer gewesen : Helena beken - net , daß er sich nicht so eingezogen , als Theseus , gehalten habe , der sie nur geküßt hätte :
Qyae tua nequitia eft , non his content , fuiflet .
Di melius ! fimilis non fuit ille tui .
Reddidit intaäam . Ouid . Ep . ad Parid . p . 29 .
Paris hat eines Tages so scharf an sie gesetzt , daß sie die Flucht genom - men hat . Damals hat sie einen von ihren Schuhen verlohren ; der Orr , wo sie ihn verlohren , ist zu Sparta gewesen , und ist wegen dieses Schuhes Sandalion genennet worden . Ptolem . Hephaeft . beym llus , S . . ^ . „ . . ,
( N ) Wnige Sckriftstcller sagen , daß Paris seinen Raub nickt lange behalten hat . ] Man giebt vor : er habe die Segel nach Aegypten gerichtet , und sey in dem Ausflusse des Nils , Canope genannt , eingelaufen , wo ein Tempel Herkuls gestanden , der den flüchtigen Sklaven zur stadt gedienet hat . Einige Sklaven des Paris , die sich dahin gerettet halten , gaben den Priestern von der That ihres Herrn Nachricht , wel - ches die Ursache gewesen , daß ihn der König Proteus in VerHaft nehmen ließ , ihm sehr harte Worte sagte , und ihm darauf befahl , sich stehenden Fußes wegzubegeben : allein die Helena , nebst allen den andern Sachen , die dem Menelaus entführ« worden waren , hat er bey sich behalten . Siehe Natal . Lomes , Mythol . Libr . VI . cap . XXIII . p . ni . 658 . • Er hätte den Hervdot anführen und bemerken sollen , daß der Sturm den Paris gezwungen hat , in Aegypten Anker zu werfen . Man sehet da - zu : es habe Paris diese Frau nicht eher genossen , als nach seiner An - kunft in Aegypten : Quam deportauit in Aegyptum , atque ita primum cum illa congrtfllis fit . Ebendaselbst . Dieß ist ein bereits widerlegtes Mährchen . Ich weis nicht , wie sich Proteus verhalten hat , und ob er unterdessen , bis er die Helena demjenigen wiedergegeben , dem sie gehö - ret , die letzten Gunstbezeigungen von ihr genossen hat : Helena leugnet t$ in dem Vorspiele der Tragödie deö EurjpideS , welche - Helena betitelt ist ; allein ihr Zeugniß ist in diesem Stucke ungültig . Ich weis nur , daß es Hervdot für sehr wahrscheinlich hält , daß sie nicht nach Troja gefüh - ret worden ; denn er hat nicht glauben können , daß PriamuS so blind gewe - sei , wäre , daß er diese Frau lieber behalten , als die kläglichen Folgen einer abschläglichen Antwort vermeiden wollen . Herodot . Libr . II . cap . CXX . Er glaubet also , es hätten die Trojaner den griechischen Abgesandten auf - richtig geantwortet : daß Helena nicht in Troja wäre , und daß man sie in Aeaypten suchen müßte , wo sie der König Proteus verwahrte . Ebend . CXVIIICap . Die Griechen , welche diese Antwort für eine beißende Spötterey aufgenommen , haben sich zum Kriege wider die Trojaner ver - bindlich gemacht : allein , da sie , nach Eroberung der Stadt , die Helena nirgends gefunden , so haben sie geglaubet , daß sie bey dem Konige Pro , teus wäre ; so , daß Menelaus nach dieser Küste gesegelt , und daselbst seine Gemahlinn wieder gefunden habe . Ebendaf . und im CXIX Cap . Es findet sich in mythologischen Schriftstellern ein so ungeheures Misch - wasch von Veränderungen , daß ich mich nicht verwundere , wenn Ser - vius über diese Worte Virgils , in der Aeneis , XI B . 262 V . Atrides Protei Menelaus ad vsque columnas , erzählet hat : I . Daß Theseus , nachdem er die Helena entführet , dieselbe dem Könige Proteus von gypten übergeben , und daß Menelaus sie nach dem trojanischen Kriege aus den Händen des Proteus wieder erlanget habe ; daß solchergestalt dieser Krieg nicht wegen Entführung der Helena vom Paris entstanden ist ; sondern wegen der Beschimpfung , welche die Trojaner dem Herkules erwiesen haben , da sie ihn nicht aufnehmen wollen , als er den Hylas ge , suchet hat . II . Daß Helena aus den Händen des Proteus geholet wor - den , welchem sie Theseus übergeben gehabt , und baß sie in des Menelaus Gewalt gekommen , dem sie Paris entführet hatte .
^ch habe vergessen , zu beobachten , daß Proteus den Paris nicht ganz ohne Trost fortgeschiekl hat ; denn er hat ihm daS Bildniß der Helena wieder gegeben . Siehe den Canterus und Meuvsius , über den Lykophron , „ 3 V . Einer von Lykophrons Auslegern deutet dasjenige sehr übel hier - auf , was Helena im Euripides saget : daß Juno den Paris zu strafen , weil er ihr nicht den Sieg der Schönheit zuqesprochen hatte , gemacht , daß er anstatt der Helena nichts , als ein lebendiges Bild dieser Schönen gehabt , welches Bildniß in der Luft gebildet worden .
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Sed Inno molefte ferens , quod non vicifTet Deas ,
Irritum fecit meum comugium Alexandra : Dediterümnonme : fed affimulatam mihi Injaginem viuam , li'b coclo compaflam F1I10 regis Priami : putauit autein fc habere me ,
Falfa opinione deceftus , cum non haderet .
Eurip . in Prologo Helenae , v . 31 . p . m . 30g .
na , 751
Jedermann sieht , daß der Unterschied zwischen diesen zwoen Sachen , nicht , wie Canterus will , darinnen besteht , daß Proteus bey der einen , und Juno bey der andern die Hauptperson gewesen . Man kann auch sehen , daß Juno bey dieser Begebenheit die Rache vergessen hat : Paris ist mit einem lebendigen Bilde der Helena eben so vergnügt gewesen , als er mit der Helena selbst gewesen seyn wurde . Ich erinnere mich , gele - sen zu haben , daß der Poet StesichoruS gesaget : es hätten die Trojaner , welche die wahrhafte Helena nicht gekannt , wegen ihres Bildnisses , un - ter einander gestritten : sltz - s ? t« t ? ? 'eaevij ? t'liaaov in» tRv tgalp Erw' , x«fo ? ( pifff ) mgifiäxvov uyvoix rS Quemadmo -
duni Stefichorus Troianos , inquit , verae ignaros Helenae , de ima - gine lpfius inuicem decer tafle . Plato , deRepublica , Lib . IX . p . m . 738 . Dieß 'st , nach den Gedanken einiger Freygeister , eine Abbildung der Re - liglonsstreitigkeiten .
( O ) Man hat viel Fabeln wegen der - Helena Geburt bracht . ^ Man hat nicht nur gesaget , daß sie aus einem Eye gebohren worden ; man hat auch noch dazu gesehet : daß dieß Ey aus der Sphäre des Mondes gefallen wäre , und daß die Weiber dieses Landes Eyer le - geten , woraus Menschen gebohren würden , die funfzehnmal größer wurden , als diejenigen , welche den Erdboden bewohnen . Wir wissen dieses vom Athenäus im II B . XVI Cap . 57 S . welcher auf Herodors von Herakles Wort , saget , daß eS Neokles von Crotona in einem von seinen Werken geschrieben habe . Hier sind etliche falsche Anführungen , wegen diese» Hirngespinstes . Cölius Rhodiginus , Antiqu . Ledt . Libr . XXVII . cap . XVII . zu Ende , hat anstatt - Herodorus , - Herodotus gesager : die - ser Fehler ist vom Salmmh abgeschrieben worden . Comment . in Pan . cirolum de nouis reperti» , p . 93 . Wer kann sich , bey Betrachtunz folgender Worte eines spanischen Arztes , V5s Lachens enthalten ? Non . ne acimirabilius adhiic in tvta naturae 'Niaieftate rariffimum , quod mulieres quasdam produxerit , quae non more aliarurn foetus , fed oua edant ac ineubent , ex quibus homines nafeantur , qui ad gigan - teani proceritatem exerefeant ? Et tarnen hoc in Selcnitidis mulie - ribus accidere referunt ex Lycofthene Rauißus Textor , et ex Hero - doto Heracleotes , vt quoque teftatur Rhodiginus Hb , 27 . cap . , 7 . licet pro mera tabula hoc habeat Adrianus Iunius , Hb . 1 . animad . c . citatus apud Pancirolum part . 2 . memorah . titulo 2 hift . tarnen cum icone exhibet . Cafpar a Reis , in Elyfio iueundarum Qiiaeft . CampoQi_iaelt . XLVII . mim . 14 . p . m . ; 8' . Heißt dieses Nicht seine Anführung schön anfangen , wenn man so gleich den Lykosthenes anführet , der im XVI Jahrhunderte gelebet hat ? Ist dieß nicht ein seltsamer Schnitzer , wenn man denRa - visins Textor nach dem Lykosthenes setzet ; dieser ist viel jünger , als der erste und so gar sein AuSzugsmacher ? Welch ein Sprung ist es , sogleich bis auf den Herodot zurück zu gehen ! Was für eine Verwirrung , den Herodor für den Herodot zu nehmen ? Welch eine Erdichtung , wenn man einen Herakleotes eingießt , der den Herodot angeführet hat ! Heißt das nicht zween Schriftsteller finden , wo derjenige , den man an» führet , nur einen angiebt ? Denn Cölius Rhodiginus hat deutlich ge» saget , Herodotus Heracleotes . Was ist das für eine Art , zu schließen ? Ob gleich Hadrian JuniuS dieß für eine bloße Fabel hält , so haben eS dennoch Lykosthenes und NavisiusTexlor , Herodotus , Herakleotes , Rho« diginus erzählet ? Wie hätte das Zeugniß dieses JuniuS die andern auf - halten können , da er nach allen den andern , nur den Lykosthenes ausgenommen , gelebet hat . Allein wir wollen wieder zur Helena kommen .
Einige alte Poeten haben gesaget - daß sie Jupiters und der Nemesis Tochter gewesen , und daß Nemesis sich vor den ungestümen Verfolgun . gen Jupiters zu verwahren , zu Wasser und Lande geflohen , und sich in allerhand Gestalten verwandelt hat ; allein endlich hat sie Jupiter , ver - möge einer höhern Gewalt , erstlich init dem Castor und Pollux , und dann mit der Helena geschwängert .
Ti ) v TOT« HxlkUopot ( piAonfr / fityuex
Z ? vi S«Zv ßxsifMt , rhctv Kgxrftfc in 'uvuymf .
Auricoma hanc Nemefis peperit compreflä tonante Ab Ione vi . Tarafinus fiue Stafinus , in Carmine de Rebu» Cypriacis , beym Hadrianus Iunius , Animadu . L . I . e . XV .
Wir lesen in des Pausanias I B . p . daß Helena , nach der gemeinen Mevnung , Jupiters und der Nemesis Tochter ist , und die Leda nur ih - re Amme gewesen . PhidiaS , der sich »ach der gemeinen Sage gerichtet , hat die Leda bey der Bildsäule der Nemesis , auf solche Art vorgestellt , daß sie die Helena dieser Göttin , , zuzuführen schien . Einige sagen , ( In . terpres Callimachi , beym Hadrian JuniuS , Animadu . Libr . I . cap . X V . ) daß die vom Jupiter geschwängerte Nemesis ein En geleget ; daß Leda dieses Ey ausgebrütet , und den Castor und Pollux und die Helena dar - aus geheckt habe . Andere sagen , ( Hygin . Aftronom . Libr . II . c . VIII . ) daß Jupiter , der bey der Nemesis seinen Zweck nicht erhalten können , die Venus die Gestalt eines Adlers annehmen lassen , und sich selbst in einen Schwan verwandelt habe , der vor diesem Adler - geflohen . Er hat sich auf der Nemesis Schooß gefttzet , und ist sehr wohl empfangen wor , den : die Schöne hat ihn umarmet und ist eingeschlafen . Der vermeynte Schwan hat sich diesen Schlaf zu Nutzen gemacht und ihrer genossen ; und weil dieses unter der Gestalt eines Vogels geschehen , so hat die Ordnung ge - wollt , daß Nemesis ein Ey legte . Mereur hat dieses Ey genommen , und es nachLaeedämon getragen , wo eres in der Leda Schooß geworfen hat . Als» ist die schöne Helena hervorgebracht worden . Dieß ist die Ursache , warum sie Leda für ihre Tochter gehalten hat : Nemefis , autem vt quae auium generieflet iimöa , menfibus aöis 01111m proereauit , quod Mer - curius auferens detulit Spartam , et Ledae fedenti in gremium proie - cit , ex quo nafeitur Helena , caeteras corporis fpecie praeftam , quam Leda fuam filiam nominauit . Hygin . Ebendas . AusoniuS ist im LVI Sinngedichte der Unterscheidung gefolget , die man zwischen der Nemesis und der Leda gemacht hat .
Iftos tergemino ( * ) nafei quos cernis ab ouo ,
Patribus ambiguis et matribus aflere natos .
Hos genuit Nemefis : fed Leda puerpera fruit :
Tyndareus pater his , et Iupiter . Hic putat , hic feit .
( * ) Dieses Wort zeiget , daß AusoniuS auch von der Helena redet , und daß man nicht sagen dörfe , wie Hadrian Iunius Animadu . Lib . I . c . XV gethan hat : fentit et AufoniusPoeta de Caftore et Pollucc loquens .
Hier sind viel Schriftsteller für diese Meynung ; allein , nicht wenigere sagen , daß Leda die wahrhaft« A ! utter der Helena gewesen sey . Eben
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