Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-11479

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Helena .
weil f« unker währendem trojanischen Kriege mit dem Ptetolemo Eh - bruch getrieben hätte . Man urtheile hieraus , ob dieser spanische Schrift» steller bey seinen Anführungen getreulich oder geschickt verfährt .
( I ) Die Unordmurgen ihres Lebens . ] Verschiedene ler ( Meziriac für les Epitres d'Ovide , 485 u . f . S . ) haben sieder Geilheit wegen geradelt . Vornchmlich aberLykophron m seiner Lasiandra . wo er sie a - evriA«Tg«» nenner , das heißr eine Frau mit fünf Männern , ( nämlich des Theftus , Menelaus , Paris , Deipho - bu« und Achilles , ) - - - Euripides läßt in seiner Tragödie , Andromeda , der - H - xmione , der - Helena Tochter , das Laster rer Mutter also vorwerfen :
Ttjv TEKBUav Tp $ikn ) f ( a ywoq ZM'T« fffrtbüi'
Bemühe dich ja nicht , der Mutter geilen Liebe ,
Die sie in toller Brunst zu allen Mänuern triebe ,
Es noch zuvor zu thun .
e - - prolemäus - Hephästion erzählet in dem photi'us eine sehr sonderbare - Historie , welche der - Helena Unkeuschheir tiget . Die Sache ist , daß ein gewisser Arkadier , Namens peri - tanus , der die - Helena mit dem Paris Alexander , in Arkadien an - getroffen , mit ihr 5» thui» gehabt ; daß ihm aber Paris , zur Strafe dieses Ebbruch» , die juc Zeugung bestimmten Glieder ausgeschnitten habe . Daher kommt es , daß diejenigen , die auf diese Art verschnitten worden , in Arkadien periranea heißen . Lykophron hat es noch ärqer gemacht , als daß er sie eine fünstnännerige Frau genennet hat ; man giebr vor , daß er sie , wegen ihrer Geilheit , die Taube , wegen ihrer Unverschämtheit aber , oder weil sie sich ohne Unter - schied verschiedenen Preis gegeben , die Petze genennet hat . Siehe den Lanterus und Meursius , über den 87 V . Lykophrons . Ich finde nicht , daß diejenigen , die sich die Helena zu entschuldigen bemühen , eine ande - re Ursache , 'als diese anführen : daß sie nämlich ( * ) , von den Göttern gereizet worden , den Paris zu lieben . Siehe die Anmerkung ( X ) . Es ist kein Verbrechen zu ersinnen , welches nicht durch eine solche digung gerechtfertiget werden könnte ; allein ich dekenne , daß man nie« mals eine gute Schubsckrift mache» kann , wenn man es wie Homers Scholiast machet . Er saget im XXIII B . der Odysse , wie es Meziriac über die Briefe des Ovidius , pag . 487 . angeführet : „ Alexander , „ des priamus Sohn , gieng nach seiner Abreise aus Asien , nach „ Laeedamon , wo er die - Helena zu rauben willens war , welche „ ibm in ihrem pallaste eine Xvohnung gegeben hatte . Allein „ sie , die wohl erzogen rvar , und ihren Gemahl fchr liebte , bat „ niemals darein willigen rvollen , und gesaget , daß sie eine recht - „ mäßige Ehe einem schändlichen Ehbcuche vorige , und lieber „ deym Meneliurs bleiben wolle . Da also Paris nichts erhalten „ können , so hat die Venus , sager man , eine £if J erdacht , nämlich
d : e Gestalt Alexanders , m d»e Aehnlichkeit des Menelatis ; u „ verwandeln , und die - Helena durch dieses Mittel betrogen : „ denn weil sie ihn für den wahrhaften Menelaus gehalten , so „ hat sie keine Schwierigkeit gemacht , ihm ju folgen , und bis an „ feine Schifft Z» gehen , welche sie Paris besteigen lajfin , und . . darauf unverzüglich unter Segel gegangen ist . Eustachius , über „ eben dieses Buch Homers , berühret diese Historie auch , und bemerket , . . daß sich Penelope weit klüger aufgeführet habe ; denn ob sie gleich den „ Ulysses zu erkennen vermeynte , so hat sie ihm doch nicht die geringste » . Gunstbezeigung erweisen , noch bey ihni eher schlafen wollen : als bis er ihr „ viel besondere Unistände gesaget , und ihr verschiedene Merkmaale gcge - „ ben hatte , die sie versichert , daß er ihr wahrhafter Gemahl wäre , und daß „ sie nicht betrogen werden konnte . „ Siehe die Betrachrunqen der Crj - tik Maimburgs , über die Begebenheit derAlkmene . Nouvelles Lettres , p . 284 . Siehe auch die 277 , 278 S .
( * ) Siehe den Homer im XXlll B . der Odyssee , und den EuripideS in den Omanerinnen , und der Andromacha , vom Meziriac , über die Briefe des Ovidius , auf der 486 und 487 S . angeführet .
( K ) ( j < haben nicht gehindert , daß man ihr göttliche re erwiesen , und ihr Wunderwerke zugeeignet hatte . ] Ich habe bereits von dem Tempel geredet , den ihr die Rhodier geweiher haben . Pausanias , im III B p ? 6 . gedenket desjenigen , der ihr in den lacedä - manischen Lande geweihet worden . Was die Wunderwerke betrifft , so wird genug seyn . zu bemerken , daß sie den Sresichorus blind gemacht hat , der sich unterstanden , in seinen Gedichten Übels von ihr zureden ; ( ebendas 102 S . ) und daß sie ihm das Gesicht wieder gegeben , so bald er es wiederruftn hatte . Suidas in und vor ihm Ifocrates in
Helcnae Encomio . Sie hat einer sehr häßlichen Frauensperson , die man alle Tage in ihren Tempel trug , eine außerordentliche Schönheit gege« ben . Hcrodot . Libr . VI . cap . LXI . Man sehe den Artikel Achillea , , , vo wir gesaget haben , daß sie in der andern Welt des Achilles Gemah - linn gewesen ist , und daß sie sich daselbst sehr breit gemacht Man sehe auch den Jsokrates in der Lobrede der Helena ; man wird darinnen finden , daß sie nicht allein die Unsterblichkeit . sondern auch noch eine göttliche Gewalt erhalten hat , deren sie sich bedienet , ihre Brüder und ihren Ge - mahl unter die Zahl der Götter zu setzen : wenn also Castor und Pollux vermögend gewesen sind , denjenigen zu helfen , die zur Zeit der Nnqewit - ter ihr Gebeth an sie richteten , so ist es darum geschehen ; weil sie ihre Schwester mit dieser Gewalt ausgeschmücket hat , um der ganzen Welt dadurch die Verwandlung zu erkennen zu geben , die sie mit ihnen vorge - nommen hatte . Sie sind schon im Grabe gewesen , und sie hat ihnen doch noch die Gottheit ertheilet . Es ist löblich , daß sie dem Menelaus eben dieselbe Gnade erwiesen hat , und solchergestalt ewig bey ihm blei - ben wollen . 7» ; «ZkXP« ; tjSif xanxsapfvu ; uro rfft , tl ; 3ih (
Intjyxy * - ß^oiUv> ) Ss xififv roifjto» rijv HirxßoXijv , irnf uuto7< ; tsu ; vi - fuic Ivugye't «cA' SfUfrfvv ; iiti rü» I» rp SxAÄTTf Hitatnniri»
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rtacnnp % & ? 'v äitiiuxtv . . . mrc - - « fio'vo» - & ) k * jSiev ievTi foyrS rtoijrxsx evvoixn etvry tr & ? i3cov tl { inxv - tx ro - j alSva xarerittcro . Fratres ; qui fato iani concefierant , inter Deos retulif . Cui mutationi cum autoritatem et fidcrn afferre vellet , honores ita manifeftos eis dedit , vt in mari confpcdi , periclitantes feruent , qiiiciimque ipfos pie inuocarint . Heinde Menelao tantam gratiam retulit , vt - - - non tantum - . . fed mortalcm eins fortem dininitate mutarit , eumque conmbernalem fibi et aflef -
torein in omne aenum conkitnerit . I5ocrates in l^elenae Encomio , p . m . 320 . Jsokrates führet den Gebrauch der Lacedämonier zum weise an , welche dem Menelaus und der Helena , nicht als Helden , son - dern als Göttern Opfer gebracht haben . Es ist zu Therapnus gewe - sen , wo man ihnen göttliche Ehre erwiesen hat , wie eben derselbe Schrift - stelter beobachtet . Nun saget Pausanias nicht , daß in dieser Stadt ein Tempel dcr Helena gewesen ist : er saget nur , daß des Menelaus seiner daselbst gewesen , und daß maii geglaubt ! , eS wären Menelaus undHele - na daselbst begraben . Paufan . Libr . III . p . 102 .
Ich wollte , daß sich Theodoretus auf den Jsokrates uiid nicht auf den Euripides gegründet hatte , um die Heiden deswegen zu beschimpfen , daß sie die wegen ihrer Ehbrüche so verschrieene Helena unter die Zahl der Götter gesetzet . Denn obgleich EuripideS erdichtet hat , daß diese Frau nicht gestorben ; sondern aus einer Gnade der Götter in den Himmel gesiihrct . und mit der Unsterblichkeit begnadiget worden wäre , so folget doch daraus nicht , daß diese« die Meynung der Heiden gewesen sey . Die Nebenfabeln einer Tragödie sind dermaßen in der Poeten Händen wesen , daß man sie , wenn man nicht wenigstens die Wahrheit davon anders woher wiflen kann , lediglich für eine besondere Erdichtung des Ur - Hebers von der Tragödie halten muß . Ich will die Worte des retus , Therapeut . Serni . III . anführen : k«j ti } » 'ea^ujv H , ( xst«
vjf ) jrafiwoakjjv vS mivlae» , s< { tok
tifajov , y ( pttffiv & ( i7ri & tK , ct^yayov .
CL ) Es ist nicht wahrscheinlich , daß Paria so lange gewartet , ihrer zu genießen , - - bis sie auf einer Insel gelandet gewe» fen . ] Homer , dcr ihm diese Geduld giebr , hat ihm nach dem Sinne galanter Leute nicht viel Ehre damit gemacht . S . die Nouvellen der Republik der Gelehrten , im Kenner , >5x7 , p . 68 . Man sehe hier , wozu er diesen UM - stand des Ortes erzahlet . Paris , der vom Menelaus überwunden worden war , mußte tausend harte Vorwürfe von der Helena erdulden . Er hat sie gebetben , ihn nicht zu kränken , und mir ihm zu Bette zu gehen , ter dem Zorwande , daß er niemals ein so großes Feuer der Liebe em - pfunden hätte , auch nicht einmal damals , da er sie das erstemal auf der Insel Cranae umarmet hatte . Hierauf ist er von feinem Stuhle aufge - standen , sich niederzulegen , und ist von der schönen Helena , ohne die ringst« Widersetzlichkeit , begleitet worden .
Ov ycc ( nu vort / / üit sgu ( e>ra»0» Ügväl - Ctt i * 1TQVTG7TQQ0LCI v ( t€tl , tiifea & ' j» 4ii * aTtjT , »Ji / tu ; ?
Sit ato v0 * 'tgxficm , y^f pe yKvuvt ijugot uigi7 . 7H p * , 0Lg%t A'X't U XIOJV , a / ia 3' t'iirir unoirif .
Non enim vnquam nie iic amor mentem complexus eft , Ne tunc quidetn , ' quando te pridem Lacedaemone ex amabili Nauigabani rapta in tranfeuntibus pontum nauibus ,
Infula vero in Cranae miftus funi amore et concubitn :
Sicut te nunc anio , et me dulce defiderimn capit .
Dixit . et praeibat in lectuni afcendens . fimul autem fequebatur vxor , Hora . Iliad . L . III . v . 442 . S . oben den Art . des z Herz . v . Guise .
Dem Jason hat man noch eine unvergleichlichere Geduld beyqemessen , als des Paris seine gewesen ist : und daher kann man nicht sehen , wo die . Romanschreiber ihren Verstand lassen ? Sollten sie sich nicht vor allen D»igen der Wahrscheinlichkeit befleißigen ? Und übertreten sie dieselbe nicht , wenn sie an einer Seite voraussetzen , baß Medea so verliebt In den Jasoii gewesen , daß sie sich aus Liebe gegen ihn zu den größten Ver - brechet» verleiten lassen ; und an der andern . daß sie viele Monate bey ihm , ohne Vollziehung der Heirath , zugebracht habe ? Man merke auch , daß sie , ohne die dem Jason gegebene Erinnerung , noch nicht so bald voll - zogen worden wäre . Quem cum interrogaret Arete , quidnam eilet iudicaturus • refpondit Alcinous , Si virgo fuerit Medea , parenti red . diturum : fin antem muli , er , coniugi . Hoc cum audiuit Arete a con - iuge , mittit nuntium ad Iafonern ; et is Medeam nochi in antra de - uirginauit . Hygin . cap . XXIII . p . m . 60 .
( M ) Menelaus hat diese« Denkmaal nicht vernichtet . 1 Hier ist etwas , welches den Homer entschuldigen würde , wenn es wahr wäre . Man giebt vor . daß an dem Ufer des festen Landes , das dcr Insel Cra , nae gerade gegen über ist , ein Tempel der Venus gewesen , welchen pa - ris nack dieser angenehmen Eroberung karre bauen lassen , - , * dadurch seine übermäßige Freude und Erkenntlichkeit zu bezei - - gen . Er har dieser Venus das Seyworr , der Migonitis gegeben , und das Gebiethe Migonion genennet , ein Xvorr , welches das vorgegangene verliebte Geheimniß bedeurcr . Menelaus , der un - glückliche Gemahl dieser Prinzeßinn , har achtzehn Jahre her« nach , seitdem sie ihm entführet roorden war , diesen Tempel besu - chet , dessen Erdreich ein Zeuge seines Unglücks und der Untreue seiner Gemablinn gewesen war . Er har ihn aber nicht verrvü - stec , sondern nur an die zwo Seiten von der Vildsaule der X>e * ntia , die Bilder zrvoer andern Gorrinnen , der Theris und der Praxidice , seyen lassen ; als wenn er hatte sagen wollen , die Gor« rinn der Strafe : zum Beweise , daß er diese Beschimpfung nicht unzestraft lasien wolle . Allein , es ist ihm nicht so gut gervor - den , daß er sich an der - Helena gerachet hatte , denn sie hat ihn uberlebet . Gutflet , Athenes ancienne et nouv . p . 6z . Man merke , daß man sich seiner Worte bedienet , theils , weil er wohl schreibt , theils , weil sie eine Materie zur Critik darbiethen . Die Sachen , die er erzäh« let , sind aus des Pausanias III B . >05 S . genommen . Der Verfasser von den Nouvellen der Republik der Gelehrren , dcr diese Stelle ange« führet hat , füget folgende Betrachtung , im Monate Jenner , 1687 , p . 67 , dazu : Diese letzten Xvorte würden demjenigen eine Gelegenheit ; ur Critik darbierhen . der sie suchen wollre : denn es ist unstreitig , daß sich Menelaus 1« Jahre nach der - HelenaEntführung , durch die Verwüstung des Rönigreiches , von desRaubers Vater , pria , mus . so reichlich gerächet hatte , als er gewollt . Es ist also sehr wahrscheinlich , daß sich da« Bild dieser Gottinn , praridice , nicht auf eine zukünftige , sondern auf eine bereit« genommene Rache bezogen har ; und es ist nicht wahrscheinlich , daß sie einen Vorsatz bedeutet hätte , die ^Helena zu strafen : dmn , wenn sich Menelaus nicht aufrichtig mir feiner Gemahlinn versöhnet hatte , so würde er mir ihrer Zuchrigung^ nicht so lange qewarter ha - den . Die - Historie dieser Zeit enthalt , daß diese arglistige Frau ,
noch

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