Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-11460

Helena .
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Helden von ganzer Seele darnach streben , Liebsten zu heirathen , die von ihren Nebenbuhlern mehrmals einmal , entführt gewesen sind . Man kann über diese« alles die Critik in dem verbesserten Parnaß finden . Eyrus murret daselbst darüber , daß man ihm keine - Heldinn gegeben hatte , der man gar keine Vorwürfe macken konnte . Ihr werdet , ohne Zweifel , aus die , ftr Rede urrheilen , saget er p . >65 . Holland . Ausg . daß ick mit der ZNandane nickt zufrieden bin , und gewiß , was meynet ihr wohl , was ick nack allen ihr begegneten Entführungen von ihr denken soll i Soll id ) denken , daß sie ganz rein aus den - Händen von vier Raubern gekommen ist i Und können die hellsehenden in dergleichen Geheimnissen wohl daran zweifeln , daß ihr mir nickt den Ueberrest der andern gegeben habet 1 Nack mti * ncm wrackten , hättet ihr ihre Tugend auf andere proben stellen sollen 1 Jene sind ein wenig $u stark für eine so zerbrecklick« Sacke : und tNandane ist kein plan gewesen , der so vielen An , fällen widerstehen können . Vielleicht hatte sie sick aus der ersten Entführung gut losgewickelt ; ich will glauben , daß sie so viel Tugend gehabt , sick nickt auf den ersten Anfall ; u ergeben , und daß sie ihre £l>re aus diesem bösen - Handel , ohne Xpunder - werk , habe retten können . Allein , die Rückfälle sind bey derglei - cken Materien todtlick : eine zweyre Entführung verheeret alles , und eine - Heldinn , welcke weiter nichts , als den Ueberrest einer ersckütterren . Srandhafrigkeit , oder wohl nock etwas weniger» hat , wendet nur vergeblicke Rräste ju ihrer Verrheidigung an . Apollo hat auf diese Klage gesehen , und dieses Urthell gesprochen : „ Wir „ erklären , daß wir alle Hahnreye für keine Helden erkennen , noch alle „ die Frguen für Heldinnen , die mehr als einmal entführet worden sind . „ Ebendas . >»7 S . Sarazins Ballade über die Entführung der Lrau - lein von Bouteville , durck den - Herrn von Coligny ( ^ ) , ist ein ander Verdammungsurlheil ; denn dieß ist die Lehre dieses ten Kopfes :
de gentil joli jcn d'amour»
Chacun le pratique ä fa guife ,
Qiii par Rondeaux et beaux Difcours ,
Chapeau de fleurs , gente cointife ,
Tournoy , bal , feftin , ou devife Penfe les belles captiver ;
Mais je penfe , quoy qu'on en dife ,
Qu'il n'eft rien tel que d'enlever .
C'eft bien des plus tnerveillcux tours La pafieroute et la maiftrife ;
Au mal d'aimer , c'eft bien tousjours Une prompte et fouefve crife ,
C'eft au gafteau de friandife De Venus la feve trouver .
L'Amant eft fol qiii ne s'avife Qii'il n'eft rien tel que d'enlever .
Je f^ay bien que les premiers jours Que Becafle eft bride'e et prife ,
Elle invoque Dieu au feeour»
Et fes parens ä barbe grife :
Mais fi l'Amant qui l'a conquife Scait bien la Rofe cultiver ,
Elle chante en face d'Eglife Qu'il n'eft rien tel que d'enlever .
Sarrafin , Poefies , p . 59 . 60 . ,
( * ) Nicht derjenige , der sich mit dem Herzoge von Guise geschlagen hat , wie der Verfasser der Galanterien der Ronige von Frankreich will , Tom . II . p . 223 . sondern sein jüngerer Bruder .
( E ) Die Griecken ermordeten den Deiphobus , * ■ t wobev ihnen - Helena so viel Vorsckub rhat , als sie nur wunscken konntcn . 1 Man sehe im Virgil , ben erbärmlichen Zustand , darein man des Dej - phobus Körper versetzet , und auf was für Art ihn seine Gemahlinn ver - rathen hat :
Atque hic Priamiden laniatum corpore toto Deiphobum vidit , lacerum crudeliter ora :
Ora nianusque ambas , populatsque tempora raptis Auribus , et truncas innonefto vulnere nares .
Virg . Aeneid . Libr . VI . v . 494 .
Sed me fata mea , et fcelus exitiale Lacaenae ,
His wertere nialis : illa haec monunienta reliquit .
Ebendaselbst , sn Vers .
Flammam media ipfa tenebat Ingentem , et fumma Danaos ex arce vocabat .
Tum me confe & um curis , fomnoque grauatum ,
Infelix habuit thalamus ; preffitque iacentem ,
Dulcis et alta quies , placidaeque fimillima morti .
Egregia interea coniux arma omnia tedlis Emouet ; et fidum capiti fubduxerat enfem :
Intra tefta vocat Menelaum , et limina pandit .
Scilicet id magnum fperans fore munus amanti ,
Et famatn exftingui veterum fic pofie malorum . Ebend . 5>sV .
Sie hat geglaubet , daß diese« barbarische Opfer , des MenelauS Zorn zu stillen nothig gewesen ist : sie würde besser geurtheilet haben , wenn sie weniger Aufmerksamkeit auf die Abscheulichkeit ihres Fehlers , als auf die Gürigkeit des griechischen Prinzen , gewendet Härte .
( L ) Menelaus - - - versöhnte sick , ohne vieles rveigern , mit seiner Gemahlinn , und führte sie sehr freuMick mir sick nack - Hause 1 Dieser arme Hahnrey ist so einfaltig gewesen , daß ex sich eingebildet . eS habe sich seine Gemahlinn in des Paris Hause vor Betrübniß aatu ausqezehret ; und dieß ist die Hauptursache gewesen , die ihn zur Eroberuna Troja angetrieben hat . ^ ^»«<5« ;
Sett JltxM Maxime vero cupiebat ammo vlafct
Helenae raptumque gemitusque - Homer . Ihad . Libr . IL v . 96 . he die Gedanken von den Cometen , deutsche Ausgabe . Nurn . 237 . Man hat groß Recht gehabt , ihm vorzuwerfen , daß \tm fast erloschene ehliche
Flamme sich wieder entzündet hat , so bald ihn Helena verlassen , um sich einer andern Mannsperson zu ergeben :
Aerius Hermionem ideo dilexit Oreftes ,
Esse quod alterius coeperat illa viri .
Quid , Menelae , doles ? ibas fine coniugc Creten ,
Et pateras nupta laetus abesse tua :
Vt Paris hanc rapuit , tum demum vxore carere Non potes , alterius creuit amore tuus .
Das Alterthum muß von der Gutwilligkeit der gekrönten Ehmänner sehr überreder gewesen feyn , weil es uns den Gott Vulcan so gefällig ge . gen seine Gemahlinn vorgestellet hat . „ Der Gott unsers Dichters „ wenn er einen von seines gleichen bey seiner Gemahlinn erwischet , hat „ sich begnüget , sie zu beschämen , - - - und unterläßt doch nicht , sich . . über die wollustigen Liebkosungen zu erhitzen , die sie ihm anbiethet , und „ sich zu beklagen , daß sie zu dieser Sache nicht Vertrauen genug gegen „ seine Gewogenheit habe : , ,
„ Quid caufas petis ex alto ? fiducia cedit
„ Quo tibi , Diua , mei ? Virgil . Aeneid . Libr . VIII . v . Z95 .
„ Ja , sie bittet ihn für einen ihrer Bastarde , ( ebendas zgz V ) Arma „ rogo genitrix nato , welches er ihr ungezwungen verwilliqet' und N . , 1 . „ ran redet vom Aenea« rühmlich : ( ebendas . 44 , 93 . ) Anna acri fa „ denda viro ; in Wahrheit mit einer Freundlichkeit , die mehr als „ menschlich ist . Und ich habe nicht« dawider , daß man diese übermäkiae „ Gürigkeit den Göttern überlasse : ( Cat . ad Mal . ) Nec diuis hoimne * „ componier aequum eft . , , Montagne , Efl'ais , Liv . III . ch . V . p . m . 13g Diese Worte des Monragne sind allzusinnreich , als daß sie hier den nern misfallen sollten Allein , um nichts zu verheelen , so muß ich sägen , daß sich so dienstfertige Personen gefunden haben , die ben nelauS , um seine Ehre zu erhallen , mit Rachbegierde gegen der Helena Untreue wassnen . In den Trojanerinnen desEuripide« drohet er , sie»» ermorden ; und sie muß allerhand Entschuldigungen anwenden , Vergebung von ihm zu erhalten . Sie saget unter andern Dingen , daß sie nach des Paris Tode etlichemal gesucht habe , au« der Stadt Troja , in das chische Lager zu kommen , aber von der Schildwache überfallen worden sey , da sie sich an einem Stricke von der Mauer hinunter lassen wollen Sie setzet darzu , daß sieDeiphobuS mit Gewalt geheiratet habe Pau - sanias gedenket einer Bildsaule des MenelauS , wie er die Helena mit dem Degen in der Faust verfolget , sie zu tödlen , da Troja eingenommen war Libr . v . p . 166 . Allein andere geben vor , daß er sein Schwerdt geworfen , so bald er der Helena schönen Hals gesehen , und baß er tick von dieser verrätherischen Petze küssen lassen , und fiegeliebkvset :
'ea»v Ii TjoIm , ei'fu yeeg kuvthaoi ,
( jux WTavet yvvcaxoc %tiglatv Aatuiv *
A'ä . ' «« iffiStt i^aiov , $t wfoäortv edxäX^m xvva ,
Capta autem Troia ( nam et hue tua caufa veniain ) Non interfeeifti vxorem redadtam in tuarn poteftatem : Sed poftquam vidifti vbera , abieäo gladio Ofculum aeeepifti adulans canem proditricem .
Enrip . in Androm . v . 627 . p . m . j2o»
t ( H } Sie ist kläglick umgekommen . ^ NikostratuS und Meaaven - thes , des Mene aus Bastarde , haben sie aus Lacedämon verjager S ? - hat sich zur Polvro , ihrer Anverwandtinn , des Tlepolemus . Konwes ^n Rhodus , Witwe , und wahrender Minderjährigkeit ihre« Sohnes Regentlm , des Königreiches , gewandt . Polyxo , welche sich erinnerte , daß ihr Gemahl bey der Belagerung geblieben war , und also Helenen nicht anders , als die Ursache ihres Witwenstandes ansehen konnte , faßte den Vorsatz , sich zu rächen . Zu diesem Ende hat sie , da Helena im Bade war . in Furien verkleidete Weiber dahin geschickt , die sie an einen Daum aufgehenkr haben . Die Rhodiw , welche diesen Zufall verewigen wollten , haben ihr einen Tempel gebauet , den sie den Tempel der - Hele - na Dendritis genennct . PausaniaS lehret mich diefeö im III B v 102 . Der Urheber des alten und neuen Athens , p . 6z . saget mit Reckt daS tausend Leute von der sckönen Helena reden , die nickt wissen daß sie gedenkt worden ist . Man hat Unrecht , wenn man in de« Moreri Worterbuche saget , daß eine von den Gefährt ? n „ en der ^ . ele na , sie umgebracht habe . In dem Pholius wird man finden bc^ fic si - h s - lbst erwürget b«t ; und daß bey der Eiche , daran sie sich'gehenkt gehabt , e . n Kraut gewachsen . st welches man - Heleneion genannt , und diejenigen zanksüchtig gemacht hat . die davon gegessen haben . Photius , P - 479 - aus dem Ptolem . Hephaeft . Plmius , im XXI B XXI Cap eignet diesem Kraute ganz andere Eigenschaften zu : es hat das Frauen - zimmer schön , und die , emgen lustig gemacht , die es in ihren Wein gele - get haben . Er bemerket im X Cap . daß man gesaget : es sey von der He - lena Thränen gewachsen Man findet auch bevm Photius , p . 4 : 9 . daß TbetiS die Helena , bey ihrer Zurückreise nach Griechenland , um« Leben gebracht habe : und nach andern , ist sie mit dem MenelauS in das tau - rische EhersonneS gegangen , den Orestes zu suchen , allwo sie alle beyde von der Jphigenia geopfert waren . Zch habe in dem Vigenere , fi , r le Pro . tefilas de Philoftrate , fol . 235 verfo , in der Quartausq^be , gelefen daü HerodotuS erzählet : es hätten NikostratuS und Megapenthus dic ^ l - - na verjaget , und sie hätte sich nach RhoduS zu der Polnpo . de« ftvma . ' / sie - polemuS Wittwe begeben , und sie wäre von den Hofjnnafern der lypo , welcke die - Helena deswegen gehastet , weil sie Ursacke an dem Tode ihres ehemaligen - Herrn gewesen , da sie sick ein . s ges m einem Baumgarten ergetzer , ohne ihre Rsniginnan einen
m [ ) abt Nichesm
Der spanische Mönch , Balthasar von Victoria , hat sich wegen der Ursachen , von dem Tode der Helena , schändlich betrogen . Er saget , rheatro de los Diofes de la Gentihdad , Libi II . cap . XIX . p . . »9 - daß sie sich , nach ihrer Flucht nach RhoduS , zu der Polyxene , des PtetolemuS , KöniqeS dieser ^>sel , Gemahlinn , ubel aufgeführer habe , wie sie allezeit von ihrer zarten Kindheit gcthan halte , in ihren Wirth verliebt geworden sey , und sich demselben Preis gegeben habe . Polyrene ist hierüber vor Eifersucht rasend geworden , und hat sie an einen Baum henken lassen : PaulaniaS fährt er fort , versichert , daß Polygne sie deswegen hinrichten lassen' , Bbb bb z roeiI

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