Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
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Helena .
lieris . Et ibi dicit , quod debet habere triginta quatuor , ad hoc , vt lit pulchra , quae his verfibus ibi pofitis continentur :
Triginta haec habeat , quae vult formofa vocari
Foemina , fic Helenam fama fuiile refert .
Alba tria , et totidem nigra , et tria rubra puella :
Tres habeat longas res , totidenique breues .
Tres craflas , totidem graciles : tria ftridta , tot ampla Sint itidem huic formae : fint quoque parua tria .
Alba cutis , niuei dentes , albique capilli ,
Nigri oculi , etc .
( « ) Man sehe den Brantome Tom . U , pag . 330 . seiner Dames lantes . Cril . Anmcrk .
Ich lasse das übrige dieses kleinen Gedichtes weg , ( es besteht aus 18 Versen ) obgleich Chassaneuve , welcher erster Präsident bey dem Parle - mente zu Aix gewesen , sich kein Gewissen gemachet hat , sie seinem Wer - ke völlig einzuschalten . Er machet diesen Zusatz dazu : Non aliter hic infifto circa talia , cum faris , et vltra quam decens fit , ponatur in didta Sylua nuptiali . Ich kann mit Grunde behaupten , daß diejenigen , die den Johann Nevi'an auf diese Art anführen , nicht aufmerksam sind , weiter selbst der Abschreiber etlicher andern Scribenten ist , die er mit Namen anführet . Die Quelle , bis zu welcher er zurück geht , ist ein französischer Scribent , dessen Buch betitelt ist : De la Louange et Beau - te' des Dames . Die achtzehn lateinischen Verse , die er anführet , und die Chassaneuve nach ihm angeführet hat , sind eine Uebersetzung der schen , die Franciscus Corniger gemacht l>at . Er saget , daß sie zuvor nicht gedruckt gewesen ; daß es aber eine italienische Uebersetzung in einem vom sgincenz Calmeta herausgegebenen Werke davon gebe . Et triginta re . quifita , saget Io . Neuizanus in Sylua Nuptiali , Art . XCIII , pag . 182 . leib . Ausgabe , 1572 , in 8 - «numerantur per Gallicum in libr . de la louange et beaute' des dames circa fin . quas Latinas fecit Francifc . Corniger , quem nunc refero , quia non eft imprelTus : fed bene Vin - centius Calmeta idem ponens in carm . vulgari . ineip . dolce Flaininia , et ecloga proxiina feq . ineip . per dare rifpofta . Lege ergo verfus Cornigeri :
Triginta haec habeat etc .
Kenn man das Buch zu Rathe zieht , welches den Titel hat : Les neuf Matinees du Seigneur de Cholieres , so wird Man darinnen p . 167 . par . Ausgabe , bey Johann Richer , 1585 / in g . ein Sonnet finden , welches sich also anfängt :
Celle qui veut paroir des belles la plus belle ,
Ces dix fois trois beaueez , trois longs , trois courts , trois blancs , Trois rouges , et trois noirs , trois petits , et trois grands ,
Trois eftroits et trois gros , trois menus foient en eile , und welches sich endiget , levres , doigts et cheveux menus , teil' fufr - He - lene . Der Schluß ist eben so unbesonnen , als alle die vorhergehenden Verse : denn'zu erfahren , ob Helena also gemacht gewesen wäre , so ist es nicht genug gewesen , daß man sie zu der Zeit gesehen hat , da sie ihre Uebungen zu Lacedämon getrieben hat :
Inter quos Helene nudis capere arma papillis Fertur , nec fratres erubuifle deos .
Propert . Eleg . XIII , Libr . III . siehe den Artikel L . ) ? kurgus in der . Anmerkung ( B ) . sondern man hatte entweder Paris oder MenelauS , " oder eine andere Mannsperson gewesen seyn müssen , der sie zur Gemah - linn gehabt , oderEHKuch mit ihi : getrieben hat .
( C ) Tyndarus hat sie mir Sem Menelaus vermählt . ] Es sagen einige , ( Hygin . cap . LXXVIII , ) daß er ihn nicht selbst zu seinem Schwie - gersohne erkiest , sondern der Helena Erlaubniß gegeben habe , sich nigen unter ihren Liebhabern auszulesen , den sie Heirathen wolle , und daß sie den MenelauS allen andern vorgezogen hätte . Apollodor giebt im HIB . Biblioth . vor , es hätte Tyndarus seinen , Schwiegersohne sein Königreich abgetreten ; allein andere sagen nur ( Hygin . cap . LXXVIII . ) daß er ihn zu seinem Nachfolger ernennet habe . Auf diese Art ist Helena eine wich - tige Partie gewesen , weil sie ihrem zukünftigen Gemahle , nebst einer so vollkommenen Schönheit , auch eine Krone zugebracht hat .
( D ) Sie war bereits vom Theseus entführet gewesen , , - , man glaubte - - - daß sie ohne ikinbusie ihrer Jungfersthaft «us dieser Sacke gekommen wäre . ^j Nach dem Plutarch , hatte sie das mannbare Alter noch nicht erreichet , als sie Theseus aus dem Tempel der Diana entführt hat , wo sie tanzte . Plutarch . in Thefeo , p . iz . Er Hat sie unter seiner Mutter Aufsicht , welche AetHra geheißen , gethan . und beyde einem von seinen besten Freunden zu AphidneS in Verwahrung gegeben ; er aber ist wieder weggegangen , um mit seinem Freunde Pirithous an einer andern Entführung zu arbeiten , nämlich an der Proserpina , der Tochter des Königes der Molossen , ihrer . Der Helena Brüder , Castor und Polli'x , haben keine Zeit verlobre» : sie sind in Attika eingedrungen , ihre Schwester mit gewassneter Hand wieder zu fordern . Die Alheni - enser haben sie versichert , daß sie nicht wüßten , wo sie wäre . Man hat sich mit dieser Antwort nicht abspeisen la „ en , sondern sich zu Feind - stligkeiten angeschicket ; allein da ein gewisser Akademus der Helena Brü - dern Nachricht gegeben hatte , daß sie zu Aphidnes wäre . ( Herodot . Libr . IX , cap . LXXIl , eignet dieses den Deceliern , einem Stamme der Athenienstr , oder auch dem Deceliuö allein zu . ) so haben sie diese Stadt an» gegriffen und mit Sturme erobert . Die Thore ! u Athen sind ihnen ge« öffnet worden ; sie sind in die Stadt gezogen , ohne daß sie die geringste Unordnung darinnen angerichtet hätten ; sie haben weiter nichts verlangt , als zu den Geheimnissen eingeweiht zu werden . Sie haben die Helena nach Lacedämon zurück gebracht : man saget auch , daß sie die Mutter des Tbeseus mit dahin gebracht haben , und daß diese gute Frau der Helena ( Siehe den Artikel Akamas in der Anmerkung A ) bis nach Troja ge - folgt sev , Plutarch . in Thefeo , p . iL .
Hellanieus giebt dem Theseus , beym Plutarch an angezogenem Orte pag . 14 . fünfzig Jahre , und der Helena sieben , beymTzetzeSin Lycophron - tem , zur Zeit der Entführung , und saget gleich , vohl , daß er ihr die Jung - ferschaft genommen hat . Duris , der Samier , den Meziriac über die Briefe des Ovidius p . 482 . angeführet , versichert . daß Helena m ! t der Jphigenia schwanger gegangen , als nian sie aus den Händen ihres Rau - der« gerissen hat . Pausanias saget eben dasselbe , und setzet dazu , daß sie zu Argos bey ihrer Schwester Civremnestra , Agamemnvns Gemahlin» , nieder gekommen sey , und ihr die Auferziehung ihrer Tochter anvertrauet
habe . Paufan . Libr . II , pag . 65 . Er saget , . daß Euphorien , Alexander Pleuronius , und StesichoruS in ihren Gedichten bezeuget hätten , es sey Jphigenia des Theseus und der Helena Tochter gewesen . Die Argier sind davon so überzeuget gewesen , daß sie geglaubt haben : es habe Helena nach ihrer Niederkunft den Tempel der Lucina bauen lassen , den man in ihrer Stadt gesehen hat . Ebendaselbst . Es haben sich viel Leute hierin - nen betrogen . Agamemnon hat die Jphigenia für feine Tochter gehal - ten ; denn feine Gemahlinn hatte ihn dieses versichert . Castor und Pollur haben sich eingebildet , daß ihre Schwester als Jungfer zurück ge - kommen ; denn , sie hat , als sie über dielen kützlichen Punct beftagt wor - den , geantwortet , daß man sie nicht berührt hätte . ^ e - jcm ;
r ? ; Aio ? iyhtro Svyürtj ? l'» kofi ) ira^cc «vritäti - j . Ther
fei et Helenae , loue natae filia fuit Iphigenia , eamque foror Helenae Clytemneftra educauit , Agamemnoni dicens fe eam peperifie : naro Helenae fratribus aufcultans , virginem fe a Thefeo difcefiifl'e aiebat . Nicander , Libr . IV . Alteratorum , apud Anton . Liberalem , Narrat . XXVII . Was sollen wir vom MenelauS sagen , der sich kurz darauf gar nüt ihr vermählt hat ? Er hat treuherzig geglaubt , er sey der erste gewe - sen , der die Bahne gebrochen , und nichts destoweniger hat er eine Mut - ter geheirathet .
Wenn ich sage , daß Helena von ihren Brüdern geftagt worden , so folge ich dem gelehrten Meziriac , über die Briefe des Ovidius pag . 48z , der das von mir angeführte Griechische auf diese Art verstanden hat : allein andre sagen vielleicht mit bessern Rechte , daß Castor und Pollux ihrer Schwester anqerathen hätten , sich zu rühmen , sie habe noch ihre Jungfer - schaft . Dieß ist auch e in sehr weiser Rath gewesen , und dessen Helena , so jung sie auch war , sehr wohl hätte entbehren können : sie würde sich dieses Vor - theils wohl ohne jemandes Eingeben gerühmt haben . Sie versichert im Ovidius , daß Theseus weiter nichts , als einige mit Gewalt geraubte Küf - fe davon getragen habe , und daß sie mit der Furcht davon gekommen fty : Non tarnen e fafto fruftum tulit ille petitum ,
Excepto redil pafla timore nihil :
Ofcula luöanti tantummodo pauca proteruus Abftulit ; vlterius nil habet ille mei .
Ouid . Epift . Helenae ad Parid . v . 25 feq . Sie bekennet gleichwohl , daß er sehr jung gewesen .
Et iuuenem faöi poenituiile patet . Ebend . v . z» .
Ovidius hat das dccorum beobachtet , wenn er sie aus diese Art reden läßt ; allein er beobachtet es nicht weniger , wenn er eine andre Frauens - person einführet , welche glaubet , daß Helena gelogen habe :
Iii am de patria Thetens , ( nifi nomine fallor )
Nefcio quis Thefeus , abftulit ante fua .
A imiene et cupido credatur rechlita virgo :
Vnde hoc compererim tarn bene , quaeris ? amo . Vim licet appelles , et culpam nomine veles ,
Qii^e toties rapta eft , praebuit ipfa rapi .
Ouid . in Epift . Oenones ad Parid . v . 127 , ctfeqq . Die folgende Anmerkung wird hierbey zu einem Zusätze dienen .
( E ) Unsere Romanensckreiber haben diests nickt beobacktet . Z Betrachtung über die Entführung der Romanheldinnen . Es ist gewiß , daß der Herr oder die Jungfer Scudery , und die andern Romanenschreiber , die zu gleicher Zeit mit ihnen gelebt , sehr wider die Wahrscheinlichkeit verstoßen haben ; wenn sie ihre Heldinnen entführen lassen , und dennoch haben wollen : man solle glauben , daß sie ihren Lieb - habern weder freywillig noch gezwungen die geringste Gunst verwilliget hätten . Ich weis wohl , daß sie ungleich weniger zu entschuldigen seyn würden , wenn sie nicht voraussetzten , wie sie thun , daß sie , ohne die ge - ringste Einwilligung dazu , entführet worden wären . Es giebt gewisse Länder , wo man diejenigen nicht strafet , welche Frauenspersonen entsüh - ren , die es gern haben wollen : diese Nachsicht ist Ursache , daß die Enr - führungen von dieser Art sehr gemein sind ; und niemand glaubet , daß die Räuber , in Ansehung des Genusses , Anstand nehmen , aufs längst« bis zu dem ersten Nachtlager : ja die meisten Leute argwohnen , daß der Genuß bereit« vor der Flucht hergegangen ist . Dem fty , wie ihm wolle , so wird dies« Gattung der Entführungen fast allezeit von der Heirath be - gleitet , weil sich die Aeltern , wenn sie nicht in die Hochzeit willigten , mir einer nach der Mennung aller Welt geschändeten Tochter überladen sehen würden ; die nicht leicht einen Mann bekommen würde , es müßte sich denn jemand mit den Ueberbleibseln eines andern vergnügen wollen . Man bekenne also , daß sich die Romanschreiber zwar vor dem gröbsten des Lächerlichen venvahren , da sie besorgt sind , vorauszusetzen , daß sich ih - r« Heldinn , so sehr als sie nur gekonnt , der Entführung widersetzet hat ; allein nichts destoweniger werden sie sich dadurch nicht aus der Noch helfen : sie stoßen die gemeinen Begriffe um , und machen sich ein Lehrge . bäude , welches den , Urrheile der Welt und der gesunden Vernunft schnür gerade entgegen steht . Was haben ihre Helden für einen Bewegung« - grund . wenn sie ihre Liebste entführen ? Wollen sie ihr erklären , daß sie vor Liebe gegen sie sterben , und daß sie ihre Härte in Verzweiflung stür - zet ? Sie haben ihr dieses , ich weis nicht wie vielmal , bereits erkläret , und , ie kommen nicht elier zur Entführung , als wenn sie wissen , daß si« sich bereits entschlossen hat . eine andere Mannsperson glücklich zumachen , und ihre agnze Lebenszeit gegen sie , nichts als Kälte zu zeigen . Hoffen sie , daß ihre Seufzer , die vor der ihr erwiesenen Beleidigung so unnütz , lich gewesen , sie bey der lebhaften Empfindlichkeit rühren werden , darin - nen sie sich wider einen Räuber befindet ? Die Wahrscheinlichkeit streitet hierwider . Also muß ihr Vorsatz seyn , sich den Zustand zu Nutzen zu machen , der sie ihrem Willen unterworfen hat , und sie in solche Umstän« de zusetzen , die sie nöthigen , ihres Nutzens wegen zuerst von der Hrirach zu reden . Dieß ist in der That eine von den Absichten dev'r , die eine Frauensperson wider ihren . Willen entführen : sie bilden sich ein , daß , wenn sie dieselbe erst etliche Monate in ihrer Gewalt gehabt , zum wenigsten ihr guter Name dadurch Abbruch leiden muß , und nicht anders als durch die priesterliche Einsegnung wieder hergestellet werden kann . Man sieht auch , daß andere , wenn sie dergleichen Frauenspersonen hei - rathen , in einen großen Verdacht kommen , die übrigen Brocken desRäu / bers gesammlet zu haben ; sie werden deswegen verspottet , und nicht für zärtlich gehalten . Ein neuer Stich auf die Herren Romanschreiber , derer
Helden

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