Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-11438

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Selma .
fung ist . Unnützliche Bemühungen ! Diese Lehre würde da« größte von allen Ungeheuern leim , wenn es nicht noch ein viel erstaunlicher Wun - derwerk wäre , daß man noch heutiges Tages unzählige gelehrte und höchst geschickte Personen die Lehre von den selbständigen Formen ten sieht . * Wittichius hat seine Zuhörer nicht besser vorbereiten können , in dem Heidanus einen Schüler des Cartesius zu sehen , als da er ihnen dasjenige saget , was Heidanus noch als ein Student , von den Schulleh - ren , nach den unauflöslichen Verwirrungen geurtheilt hat , darein sich Jachaus gestürzt hatte . Feruebat in Academia quaeftio de formis fub - ftantialibus , earumque ex potentia reateriae produöione , quae miri - fice non tantum Auditores , fed et ipfum defenforem earum acerri - mum Iachaeiim vexabat et torquebat . Quam cum vniuerlä diftinäio - num fiiarum panoplia expedire non pofiet , et ad liquidum oftendere quaenam illae formae fubftantiales eflent , a materia realiter diftinftae et tarnen materiales ; quaenam illa potentia matcriae , an pars eius quaedam conuerfa in formam , an vero eins cum producitur tantum fuftentaculum , an autem vt ex allere figura fcamni educitur , ita eo - dem modo praeexifteret in materia forma ; cumque aliae plurimae fupereflent difficultates , nec vllum fuppeditaretur filum ex hoc laby - rintho emergendi , fa<äum eft , vt auditores et perfpicack>res difcipuli , inter quos Heidanus primas obtinebat , de tota hac philofophandi ra - tione quam intelligendo aflequi te non pofle videbant , plane defpera - rent . Sieh« den Artikel Sorläus ( David ) die Anmerkung ( A ) .
* Herr Bayle sieht diese Materie für gar zu verächtlich an , und will es nicht wissen daß der Streit der Weltweisen , de origine for - marum , in die Frage vom Ursprünge der menschlichen Seelen einen so großen Einfluß hat . Denn auch die nienschliche Seele ist nach den Scholastikern eine Forma fubftantialis , eine selbstsrändige Form des Menschen . Da fraget sichs nun . wie sie entsieht ? Woher sie kömmt , oder wie sie erzeuget wird ? Ob sie ans den Seelen derAel - tern per traducem , oder aus den Körpern derselben per Edu<äio - nem , oder gar durch eine unmittelbare Schöpfung aus Nichts von Gott selbst ihren Ursprung habe ? Nun ist es bekannt , was die Auf . - lösung dieser Fragen den Weltweisen und Schriftgclehrten für Schwierigkeiten gemachct habe , und wie vielen Einfluß sie in an - dere wichtige Lehrsätze der Religion hat . Will Herr Bayle einwen - den , man dörfe es ja nicht zugeben , daß die Seele eine selbstständige Form sey : so werde ich sagen , das sey schwer zu behaupten . Denn durch eine Form verstunden die Scholastiker , ein Principium aäio - nis , eine Quelle der Thätigkeit , oder Wirksamkeit . Wer will nun unfern Seelen , ja überhaupt allen Seelen der Thier ? diesen Namen abstreiten ? Hat sie nicht ein solches Principium ihrer Thätigkeit in sich ? Bringt sie nicht Gedanken , Begierden , und Handlungen nug hervor ? Sie ist also eine Form , aber auch eine selbstständige Form ; wofern sie nicht eine zufällige Beschaffenheit ( ein Moduf oder Accidens ) de ? Körpers ist . Dieses kann sie aber nicht seyn , wie Herr Bayle selbst oben im Artikel T>emol ? ritus und Epikurus sehr gründlich behaupiet hat .
Was aber sonst einige neuere betrifft , die noch von der Form , fubftantiali etwa« halten sollen , so meynet hier vielleicht Herr Bayle den Herrn von Leibnitz , der sich allerdings in verschiedenen Stellen seiner Schriften sür diese Redensart , in gewissem Verstände erkla - rct hat . Wer hievon unterrichtet seyn will , der schlage die neue Ausgabe seiner Theodieee aus Tübingen unter dem Worte Forma im Register nach , so wird er alle Stellen finden , darinnen Herr von Leibnitz davon geredet hat . Zmgleichen sehe er das Otium Hano - ueranum , pag . 113 , 114 , 227 526 , 340 , 352 . nach . <0 .
( F ) jDie Lehrart des Cartesius hat ihn tausend A ? iVerrvärrig , fetten und taufend Verfolgungen ausgesitzer . ^ Ich weis die Um - stände nicht davon : allein ich erinnere mich einer Stelle leiner gen , wo er anführet , daß er sich viel Feinde gemacht härte und entsetzlichen Verleumdungen ausgesetzet worden wäre ; weil er beständig von den allzu - harten Grundsätzen abgegangen . Er hatte den protestantischen Domher - ren den Krieg nicht angekündiget : er hatte nicht wider die Perruken vom Predigtstuhle gedonnert ; er ist nicht der Meynung gewesen , daß man die Remonstranten nach der Schärfe prüfen solle , die sich in den Schooß der alten Mutter zurück begaben . Deswegen hat man ihn für einen Feind der neuen Verbesserung ausgeschrieen , die man einführen wollte ; man hat ihn beschuldiget , er hänge den Meynungen des Cartesius an , und verachte den Sonntag . Wir wollen ihn lieber selbst hören : Aeta - tem illam meatn aneipitem duxi , modo tempeftates , hinc expertus hal - cyonia , intra et extra nos pafius aduerfarios , hinc hoftes , inde fra - tres , nec ntinquam mordacis linguae exceptus flagellis . Fuit , cum feiffam in partes charifiimam hanc noftram Ecclefiain metu praeuidi - mus : tum nobis fed eam fapientiam fimul largitus eft Deus , vtquid - vis pati potius , quam idipfum permittere , maluerimiis : Hinc iam Moderatores , per contemtum ( ac fi probrofum hoc nomen foret ) audiuimus ; iam vt Cartefii plus fatis addifti Philofophiae ; hinc Sab . bathi contemtores ; inde nouae quam vrgebant quidam Reforma - tionis hoftes traduäi fuinus : quod foeneratoribus trapeziticis plu - fculum illis concedere vifi , nec Canonicis bellum indicere , neque de fuggeftis in comas detonare , neque Ecclefiae difeiplinam ftnctius , nec Remor . ftrantes ad nos tranfcunte« rigidius examinare , et quae funt id genus alia . Heidanus , Conliderationes ad res quasdam nuper gc - ftas " in Academia Bataua , p . 40 . Die Sachen sind so weit gekommen , daß man ihn seine« theologischen Lehramts entsetzt hat ; und zwar aus folgenden Ursachen . Die Curatoren der Akademie zu Leiden haben den , 6 Jenner >676 einen Beschluß gemacht , kraft dessen sie den Professorenge - wisse Satze ( sie haben derselben zwanzig , theilS theologische , theils philo .
sophische bemerkt . ) die man seit einiger Zeit trieb , und die Grundlehre des Cartesius auf einigerley Weife abzuhandeln verbothen . Heidanus hat fast eben dasjenige wider diesen Beschluß gethan , was die Janse - nisten wider die Verordnung des Erzbischoss von Paris gethan haben , der das Lesen des neuen Testaments von Möns verbothen hatte . Er hat ihn beurtheilt ; er hat Nichtigkeiten oder Unrichtigkeiten darinnen zu den vorgegeben ; er hat behauptet , daß die zwanzig verbothenen Satze , nicht auf der Akademie zu Leiden so abgehandelt worden , wie es die Cn» ratoren versicherten ; er beklaget sich , daß sich diese Herren durch ungetreue Auszüge hinters Licht führen lassen , und er hat verhaßte Vergleichungen zwischen den Jesuiten und denen gemacht , die diese Auszüge gegeben hat - ren ; die Jesuiten , sage ich , die dasjenige als Sätze desIanseniuszuRom hatten verdammen lassen , was sich in den Schriften des Janfenius nicht gefunden . Er hat sich einer andern Vergleichung bedient ; denn er hat den Lutheraner Aegidius Hunnius anqeführet , der , durch arglistige Aus - züge der Werke Johann Calvins , denselben des Judenthum« uberzeugen wollen . Endlich hat er die verdammten Sätze erläutert , und sich zuzei - gen bemüht , daß sie nach dem Sinne der Urheber , woraus man sie ge - nommen hätte , rechtgläubig wären . Dieses Werk des Heidanus ist erst - lich flamändisch und dann lateinisch gedruckt worden . Ich bediene mich der lateinischen Uebersetzung , die zu Hamburg 1678 , in 8 . gedruckt worden ist . Die Curatoren sind dadurch so beleidiget worden , daß sie diesen Pro» ftssor abgejetzec haben . Die Freunde des Heidanus geben vor , daß ihm nichts zu gelegenerer Zeit hatte begegnen können , weil ihm fein hohes Alter nicht erlauben könnte , durch seine Vorlesungen weder einen neuen Ruhm zu erlangen , noch denjenigen zu erhalten , den er bereit« er - langet hatte : und da ihn öberdieß seine Absetzung bey seiner Partey viel werther und verehrungswürdiger gemacht hat , und die Gegenpartey ver - haßt machen konnte . Horns Libr . IV , cap . IV . drucket dieses durch iniu . ria fauorabihs aus ; und Taeitus Annal . Libr . III , cap . LXXV , durch commendatio ex injuria .
( G ) - Heidanus ist aus einer guten Familie gewesen . Z Sein Ober« großvarer Gerhard van der Heyden ist von Mücheln gewesen : Proauu» illi fuit Gerhardiis van der Heyden , antiqua et honefta familia natus Mechlinae . Wittichius , in Orat . funebri Heidani . Sein Großvater , Caspar van der Heyden , ist auch daher gewesen , und aus dem Hause sei - nes Baters verjaget worden , weil er resormirt geworden war . Er ist Prediger zu Antwerpen gewesen , von da er sich wegen der Verfolgung nacl ) Frankfurt begeben . Er hat zu Frankfurt viel Flüchtlinge angetroffen , welche die strengen Lutheraner nicht hatten leiden wollen , und sie dadurch genöthiget hatten , bey dem Churfürsten von der Pfalz , Friedrichen dem II , um einen Schutzplatz anzuhalten . Peter Dathenus ist ihr Haupt gewe» fen . Der Churfürst hat ihnen das Kloster Frankenthal angewiesen , wel - cheS die Mönche zu verlassen Befehl bekamen . Die Flüchtlinge haben daselbst die Uebungen ihrer Religion in der flamändifchen Sprache getrie - Ken , und dieses Kloster nach und nach in eine Stadt verwandelt . Als Dathenus nach Heidelberg berufen worden war , so hat unser Heidanus feine Stelle als Pastor dieser Kirche bekleidet . Er ist gebethen worden , sich bey der Kirchenversammlung zu Embden 1571 , einzufinden , und man hat ihn so gar zum Präsidenten der Versammlung erkiest . Man hat daselbst die Regeln der Kirchenzucht gemacht . Kurz nach seiner Zurück - kunft in der Pfalz , hat ihn der Churfürst feinem Prinzen zugegeben , den er den Reformitten in den Niederlanden mit Kriegsvolke zu Hülfe schickte . Diese Kriegsvölker wurden geschlagen : Van der Heyden hat sich nach Holland begeben und dem Nationalsynodo als Präsident beyge - wohnt , der 1574 zu Dordrecht versammlet ward . Er hat der Kirche zu Middelburg einige Zeit gedient , und ist , nachdem er vermöge de« Feie , densvertrags von Gent in Sicherheit zu seyn geglaubt , darauf wieder zum Dienste seiner ersten Heerde nach Antwerpen zurück gekehrt . Nachdem diese Stadt von den Spaniern eingenommen worden war , so ist er in die Pfalz zurück gegangen , und zum Oberanfseher der Kirchen gemacht den , die um Bacherach lagen . Er hat in , Begriffe gestanden , diese dienung nieder zulegen , um dem Verlangen der Kirche zu Frankenthal eine Genüge zu thun , welche sein Predigtamt wieder verlangte , als er mit Hinterlassung eines Sohnes gestorben ist , der wie er , Caspar geheißen , und 1566 gebohren war . Dieser ist anfänglich refvrmirrer Prediger z» Wolmeröheim , dann zn Frankenthal und darauf zu Amsterdam gewe , fen , wo er >6 - 6 gestorben ist . Er hatte Clären van dem Borne , die Tochter des Amtmanns von Frankenthal geheiratet , und sechs Söhne und acht Töchter von ihr gehabt . Unser Abraham Heidanns ist einer von seinen Söhnen gewesen . ( Au« seiner vom Wittichius gehaltenen Leichenrede . )
( H ) Ich werde unten von seinen Schriften reden . 1 Er hat Re - den über verschiedene Materien herausgegeben ; die Untersuchung des Ca - techismus der Remonstranten , ein Buch inquarto , de Origine Erroris , und ein flamändisches Buch , darinnen er die Sache Gottes wider die Pela - gianer und Semipelagianer mit einer solchem Stärke behaupter , daß ihm niemand hat antworten können . Euolue folidiflimum et nunquam tis laudandum Commentarium de Caufa Dei , belgice ante plures an - nos confcriptum ( qui digniffimus videtur , vt in Latinam linguam transferatur , vt ab exteris legi poffit ) in quo adeo neruofe , adeo quenter partes Dei defendit contra hominem , vt Pelagiani nihil in nunc vfque diem potuerint reperire , quo vires fuas plane attritas et fractas queant reftaurare . Wittich . Ebendas . Was das Corpus Theo - logiae Chriftianae in quindeeim locos digeftum betrifft , so ist solche« nach seinem Tode in zween O . uartbänden , durch Besorgung des Cruciu« , feine« Enkels , 16M herausgegeben worden . Man sehe die Nouvellen au« der Republik der Gelehrten , im Brachmonate iög6 , in dem Verzeichnisse der neuen Bucher , Num . 8 . 729 S .
Helena , die Tochter des Tyndarus , Königes von Lacedämon , war die schönste Frauensperson ihrer Zeit ( ^ ) ; allein es fehlte ihr an Ehre und Tugend , und sie führte ein Leben , das mir nichts , als bösen Abentheuer» , angefüllet war . Es hac Schriftsteller gegeben , die eine so umständliche Beschreibung von den Vollkommenheiten ihres Leibes gemacht ( B ) , daß man sie auch nicht entschuldigen könnte , wenn sie mir ausdrücklichen Worten gesaget hätten , daß solches nur zur Kurzweile gesa . get worden wäre . Es warben viele Prinzen um sie ; und da ihr Vater nicht wußte , was er sür eine Partey erwählen soll - te ; weil er diejenigen zu erzürnen fürchtete , dänen er sie nicht geben würde : so erfuhr er vom Ulysses ein sehr gutes Mittel Er ließ nämlich alle diefe Nebenbuhler schwören , daß sie seine Erwählung eines Schwiegersohnes billigen ; 'und allezeit bereit seyn wollten , ihn wider diejenigen zu verteidigen , welche der Helena Vermählung beunruhigen wollten . Hierauf vermahlte sie Tyndarus mir dem Menelaus ( C ) . Sie war bereits vom Theseus entführt gewesen ; allein man glaubte ihrem Worte
treuherzig ,

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