Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-11385

walt zu Tarsus gewohnet hat . Nun ist Tarsus die Hauptstadt inCUicien gewesen . To» t ? ? Koyn , metropolis rationem
obtinet . Strabo , Lib . XIV . pag . 463 . Ich will mich bey der Stelle des AthenäuS im XIII B . p . 595 . nicht aufhalten , wo man lieft , daß Harpa - lus seiner Beyschläferinn , Glycera , in Tarsus , einer Stadt in Syrien , eine Bildsäule von Erzte aufgerichtet hat , [ lv Tof»« ] t ? ; Euflat , Ich zweifle nicht , daß diese Stelle nicht verfälscht seyn sollte ; denn außer , daß in Syrien keine einzige königliche oder wichtige Stadt gewesen , die Tar - sus geheißen , so sehen wir p . 586 . des Athenaus , daß diese Bildsäule der Glycera , in RossuS , h p»w« , aufgerichtet gewesen . Wir sehen auf dem Rande der 595 Seite der Stelle des Textes gerade gegen über , wo man [ iv T * ? ( B ) 2c hat seinen Beischläferinnen nickt« abgeschlagen . 3 Wenn etwas die Muthmaßung umstoßen könnte , die ich in der gehenden Anmerkung angeführet habe , so wäre es die Beschreibung , die uns Diodor aus Sicilien von der Verschwendung hinterlassen hat , dar - ein Harpaluö gefallen , als Alexander in Indien gewesen : denn sie ent - hält , daß er sich der Frauenliebe , und noch viel schändlichem ten ergeben ; daß er eine große Menge Fische vom rochen Meere holen lassen ; daß sein ordentlicher Aufwand übermäßig gewesen , und daß er überdieß eine berühmte Buhlerinn von Athen kommen lassen , welche Py - thionika geheißen ; daß er ihr Geschenke von einem übermäßigen Werthe gemacht ; daß er ihr nach ihrem Tode ein prächtiges Grabmaal aufrichten lassen , und eine andre berühmte Buhlerinn , Namens Glycera , au« dem - selben Lande verschrieben habe , mit welcher er in einer so entsetzlichen Weichlichkeit gelebet hat , die man nicht ausdrückeil können . Alles dieses ist . nach dem Diodor aus Sicilien , zu der Zeit geschehen , da Harpalns Statthalter von Babylon , und Oberanfseher der Kammer gewesen , und seitdem Alexander sich in dem indianischen Kriegszuge verwickelt hatte . Ich habe also Unrecht gehabt , von der Statthalterschaft in Cilicien zu reden , wird man zu mir sagen . Der Einwurf würde stark seyn , wenn man nicht Ursache zu glauben Härte , daß Diodor aus Sicili - en , nach dem Beyspiele derer , die eine allgemeine Historie verfertigen , die besondern Umstände allzusehr gehäufet , und die Beschreibung derZeit sehr hindangesetzet habe . Es ist denen Schriftstellern , die AthenäuS ret , mehr zu glauben , als dem Diodor : denn sie haben die Verschwendung beS Harpaluö , als eine absonderliche Materie , abgehandelt : also ist zu vermnthen , daß sie die Umstände besser entwickelt haben , als Diodor hat thun können ; da er nur überhaupt vom HarpaluS geredet hat . und über die besondern Zwischenfälle auf das geschwindeste hingegangen ist . Dieß ist die Art der allgemeinen Geschichte . Allein was sagen die Schrift - steiler des AthenäuS ? Hier ist es . Nack dem Tode der Pythionika , die HarpaluS innigst geliebt hatte , hat er die Glycera kommen lassen , sie in den königlichen Pällast , der zu Tarsus war , einführen , und sie von dem Volke anbethen , und als eine Königinn halten lassen . «» vV
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ciMtaav eezyotivontvir» ; Ac illo profedhm in regia , quae Tarfis fiiit , collocafie , vt adorarent omnes ac reginam falutarent , iusfirte . Theo - pompiis et Cieitarehus , beym AthenäuS , Libr . XIII . pag . 586 . Wenn er Statthalter von Babylon gewesen , da er die Glycera kommen ließ ; so hätte er sie in den Pallast zn Babylon eingeführt : zu Babylon hatte er ihr die Ehre der Anbethung erweisen , und den Titel einer Königinn geben lassen . Nun hat er dieses in Tarsus gethan ; also ist er Statthal , ter von Cilicien gewesen , da Pythionika gestorben war , und da Glycera ihre Stelle ersetzet hat : also hat sich Diodor bey den Umständen der Zeit be - troqen , weil er voraussetzet , daß die Liebe des HarpaluS gegen die Py - thionika , und dann gegen die Glycera , der Zeil gefolget ist , da Harpalus mit der Statthalterschaft von Babnlon versehen gewesen , und da Alexan - der nach Indien gegangen war . Man mache mir aus dem Grabmaale keinen Einwurf , das Harpalus der Pythionika in Babnlon hat erbauen lassen ; ( Theopomp , deym AthenäuS im XIII B . Z95 S . ) denn dieses beweist nicht , daß diese Frauensperson gestorben , seit dem er mir der halterschaft von Babnlon versehen gewesen . Ich weis nicht , ob man die Mühe unter die Merkmaale der Verschwendung diese« Statthalters setzen könne , die er sich gegeben , alle Arten der Pflanzen , zur Zierde der Gär - ten und Spaziergänge in Babylon , au« Griechenland bringen zu lassen :
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$vt«4 mttv , tov Si mrlov hk tytjtv tj yii ftovov , äA . ' ä« > «' itfäfiv . Harpalo , qui regionis huius relidhis praefeäus fiiit , ftudenti Graecis plantis regiam et ambulationes excolere , caetera refponde - runt , vnam refpuit telhis hederam , quam femper corrupit impatien - tem eius temperiei . Phitarch . in Alexand . pag . 686 . B . Denn wenn man dem Theophrastus beym Plutarch , Sympvliae . Libr . III . cap . II . p . 648 . glaubet , so hat er dieses lediglich auf Alexanders Befehl gethan . Wenn Scaliger geschlossen hätte , daß HarpaluS die Aufsicht über die niglichen Gärten und Weinberge zu Babylon gehabt , so hätte er nur wegen einer Sache geradelt werden können ; allein er saget , daß Plutarch dieses Amt dem Harpalus beygeleget bat , in Sympofiacis , qui inter alia fcribit , cum hortis regiis et viridariis Babyloniacis praepofitum fti - iflfe . Scaliger . Animadu . in Eufebiuni num . 1691 . p . 127 . Und also hat er zweymal gestrauchelt . I , Hat er sich nicht eriunert , daß HarpaluS Statthalter von der Landschaft Babylon gewesen , und daß also die Auf - ficht der Gärten nickt sein vornehmstes Amt . sondern nur ein kleiner Zusatz seiner Bedienung gewesen ist . II , Ist es falsch , daß Plutarch dasjenige saget , was er ihm beumißt .
( C ) pbociort rvar nickt 5» gervinnen . Z Diesen hat HarpalnS vornehmlich zu gewinnen gesucht : er hat die andern Redner zu sich kom - men lassen , und denselben nur sehr mäßige Summen gegeben ; allein dem Phocion hat er 700 Talente anbiethen lassen , und ihn zum unumschräuk - ten Schiedsrichter seiner Sachen machen wollen . t«v i , o rS
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3 , 3jt l\f ] Zlti * T & lctrrct . Concionahum hirudinum fuit certatim concurfatio operas fuas ei venditantium : modicam his nie «x multis obtulit et obiecit efcam . P'nocioni vero per lnternuntios ftptingentatalenta obtulit . Plutarch . inPhocione , p . 751 . o . Phocion
Harpalus . 741
hat ihn abgeschreckt , und ihm bedeuten lassen , daß er ihn wegen seiner Rotten zur Reue bringen wollte , wenn er nicht aufhörte , die Einwohirer zu verführen . Dieß ist Ursache gewesen , daß Harpalus mit mehr De - hutsamkeit gehandelt : er hat erfahren , daß alle feile Zungen ihm öffent« liche Hindernisse i» den Weg gelegt , um allen Verdacht zu zerstreuen , und daß Phocion , der nichts genommen harre , ihm weniger zuwider ge - wesen . Dieses hat ihm Anlaß gegeben , neue Verbuche zu thun , ihn zu ge - Winnen ; allein er hat ihn von allen Seiten unüberwindlich gefunden . Charikles , Phocions Schwiegersohn , hat diese Redlichkeit nicht nachgeah - met , und sich so verdächtig gemacht ; daß ihm selbst sein Schwiegervater nicht beystehen wollen , da er wegen des Verständnisses mit dem Harpa» lns gerichtlich angeklager wurde . Ebendaselbst . Was den Demosthene« betrifft ; so hat sich derselbe auf die unehrlichste Weise dabey bezeuget : er hat große Summen angenommen , für den Harpalus zu reden : allein da er reden sollen , so ist er in der Versammlung mit verbundenem Halse erschienen , und hat sich über einen bösen Hals beklaget , der ihm den Gebrauch der Sprache benähme . Ebenders . im Demostyenes 857 S . Damals hat man den sinnreichen Spruch vorgebracht , worinnen man ein Wortspiel auf die Kehlsucht angebracht hat . oi Si
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iwxyuyöv . Ibi homines faceti cauillantes non angina dixerunt , fed argentangina oratorem noäe correptum . Ebendaselbst . Er ist mit der Spötterey niä>tlos gekommen : denn seine Verbindungen mit dem ^arpa - tus sind Ursache an seiner Verbannung gewesen . IuNin . Lib . XII . cap . V Man merke , daß ihn Pausanias für unschuldig hält . Siehe die Anmer - kung ( 0 ) zu Ende . Harpalus und seine Kebsftau , Glycera , haben in Athen eine große Menge Getreyde auSgetheilet . Dieß ist eine von denen Sachen gewesen , weswegen man ihn in einem römischen Stücke spöttisch durchgezogen hat , welches an dem Ufer des HydaSpe« gespielt worden , und wovon Alexander , wie man saget , selbst der Urheber gewesen seyn st»ll . Alben . Ubr . XIII . p . 586 . und 595 . Es ist merkwürdig , daß nach de« Harpalus Tode , eine Tochter , die er mit der Pythionika erzeugt , in PhocionS Hause ausgenommen , und mit allerersiunlichm Sorgfalt , so wohl von ihm , als von seinem Schwiegersohne , Charikle« , erzogen wor - den . Plutarcb . in Phoc . p . 751 .
( v ) - Harpalus mußte einen andern Sckuyplan fucken . Z Er
hat Befehl bekommen , Athen zu verlassen , wie wir vom Plutarch im Demosthene« , pag . 875 . E . und vom QuintuS Curtius im X B - II Cap . erfahren . Ich glaube , daß die Sache vor Gerichte förmlich getrieben worden : denn Pollux führet eine Rede des HyperideS . an . Ich sage nicht« von der Rede des Dinarchus , die betitelt ist : vxie rS jkäbvm ) JÜfTxaov asie wird für untergeschoben ge« halten . Gleichwohl ist es wahr , daß dieser Redner vor Gerichte diese Sache vertheidiget hat ; man hat fünfe von seinen Reden , Afra - xiiuv , gehabt . Scaliger . Animadu . in Eufebium , num . 1691 . pag . m . 127 . Dieser Proceß hat große Folgen gehabt ; denn 1 , ad , dem in Athen be - schlössen worden war , daß HarpaluS die Stadt verlassen sollte . so hat man wider diejenigen Untersuchungen angestellt , die sich hatten bestechen lassen . Wenn er keine Leute gefunden hätte , die sich bestechen lassen , so würde er dem Alexander seyn ausgeantwortet worden . Pauiän . Libr . I . p . 35 . Einer von den Freunden dieses Prinzen , ( PhiloxmuS , der Mace - doilier . Pauian . Lib . II . pag . 76 . ) hat stark bey den Athenieniern um die Auslieferung des Harpalus angehalten , und . da er dieselbe nicht erhalten konnte , ihnen einige Zeit darauf angezeiger , wem dieser Mensch Gelv , und wie viel , gegeben harte . Er hat dieses in den Papieren , des Hof» meisterS des HarpaluS , gefunden . Ebendas .
Wir wollen hier die Critik des PhiloxenuS , deS Moreri , herseken . Derjenige , der diesen Artikel gemacht hat , ( er steht in den ZnftiWd ? * Moreri . ) versichert , daß Philoxenus , der macedonistlie - Heerführer , den - Harpalus in Candien gefanzen genommen , der Alexanders Gckäne entführet hatte , - - daß er alle diejenigen entdecket , denen ^Harpalus in Athen diese Sckaye anvertrauet gehabt ; daß er dem Rarhe das Ver ? eicknifi davon gesctiickt , diese« Geld wie , der ; u forvern , und sie strafen ) U lasten ; daß er aber den De , mefibenes nickt nennen wollen , ob er gleick einigen Zwist mir diesem berühmten Redner gehabt , und bey dieser Gelegenheit die - Hockacktung , die er gegen seine Beredsamkeit gebabr , sei , ner eigenen i^mpfindlickkeir vorgezogen . Mar ? führet den Pau , sanias an . Ich finde fünf Schnitzer darinnen . I , Ist es falsch , daß PhiloxenuS den Harpalus in Candien , oder an einem andern Orte , ge» fangen bat . Er hat nur seinen Haushofmeister gefangen , der sich auf die Insel Rhodus gerettet hatte . Paufan . Lib . II . p . 76 . Der Urheber , den ich tadle , redet nicht davon : diese Auslassung wird der II Schnitzer seyn . III , Harpalus hat diesen Sckay in Athen niemanden anver , trauet ; er hat Summen zur Gewinnung der Leute angewendet , die ihm vortheilhaft seyn sollten . IV , Das Verzeickniß , welches PhiloxenuS dem Rathe zugeschickt , hat nicht die Namen der erdichteten Bewahrer dieses Schatzes enthalten ; sondern nur die Nameil derer , welchen Harpa - lus Geld gegeben hatte , sie zu bestecheil . V , Pausanias saget an angezv» gemm Orte nicht , daß Philorenus begierig gewesen , dieses Geld wieder zu haben . VI , Und anstatt zu sagen , daß dieser Macedonier , aus Hoch , achtung geaen die Beredsamkeit des Demosthene« , seine EmpfinMichkeit unterdrücket hätte : so setzet er augenscheinlich voraus , daß dieser Redner in dem Verzeichnisse deü PhiloxenuS erschienen seyn würde , wenn er seinen Name» unter den Papieren des Haushofmeisters des Harpa - lus gefunden hätte . Pausanias schließt so : Wenn Harpalus dem Demosthenes Geld gegeben hätte , so hätte man durch die Papim sei - neS Haushosmeisters dessen Namen entdecket ; und wenn man ihn ent - decket hätte , so hätte ihn PhiloxenuS in dem Verzeichnisse bemerket , welches er an den Rath gelchicket hat : denn er hatte absvnderlxHe Streitigkeiten mit dem DemostbeneS gehabt , und gewußt , daß Alexander auf das heftigste wider diesen berühmten Redner aufgebracht war . Al° lein er hat des Demosthenes nicht im geringsten erwähnet , da er den Arheniensern den Namen derer zu wissen gethan , welchen Harpalus Geld gegeben , und wie viel ein jeder bekommen hatte . Man muß also denken , daß Demosthene« nichts davon bekommen hat . Nun traue man solchen Wörterbuchschreibern ! Man beweine vielmehr das Schicksal unendlicher Leser , welche tteuherzig geglaubet haben , daß uns Pausanias das Beyspiel einer ausnehmenden Großmutb eines Menschen gegeben , der so voller Bewunderung gegen den Demosts>eneS , seinen Feind , gewe - sen ; daß er , ihm zum Besten , ftine Empfindlichkeit unterdruckt , da er doch A«a aa 5 ein»

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