Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-11249


keuten , welche nicht aus der Erfahrung die Schwierigkeiten des Hand - werkö wissen . Wohl zu verstehen , daß sich die Eiferlucht nicht darein mische ; und zuweilen mischet sie sich auch nicht darein ; denn man geht nicht allezeit auf einerley Wege : der Ruhm der einen ist nicht beständig von eben derselben Gattung , als der Ruhm der andern . In jenem Falle ist es besser von einem arbeitsamen Schausteller , als von faulen Lesern beurtheilet zu werden . In dem andern Falle sind diese noch viel billi - ger . Allein wir wollen wieder auf den Du Haillan kommen . Er redet gegen das Ende seiner Vorrede also ; „ Unterdessen will ich meine Nei - „ der und Verleumder ansehen , welche auf meine Arbeit neidisch und ge - „ haßig sind , und wider mich und sie die Pfeile ihrer Bosheit losdrücken „ werden . Denn ich kann wohl mit Wahrheit sagen , meine Leser , daß „ ick ) weder bey meinem Glücke , noch bey meinen Handlungen und Schrift - „ ten geneidet und gehaßt worden , als von Unwissenden , von Boshasti , „ gen , und von denen , die ihren Namen , ihre Leibesgesundheit und ihre „ Ehre mit einem oder dem andern Laster besudelt haben . „ Die von ihm vorhergesehenen Stürme der Critik sind in der That erfolget . In der Vorrede der ersten Ausgabe , hat er durchgängig , wo er von seinen Tadlern redet , sich der zukünftigen Zeit bedient ; allein in der andern be - dienet er sich der vergangenen Zeit . ' In der ZueignungSfchnft an richen den lll , bey der andern Ausgabe von 1584 bemerket er folgendes : Dieses XVeti , - - rvar kaum gebohren , so ifi es von dem Neide und Oer Lästerung vieler Gattungen und Stande von Leuten angebeller und gezwackt worden , davon einige meine of - fenbaren Leinde , und die andern verstellte Freunde sind ; ja es haben einige , die eine gute Mine gemacht , wie sie in allen ihren - Handlungen machen , und die durch krumme und unmittelbare U ? ege dero Gnade gesuchet , nacb welcher sie so heißhungrig sind , dieselbe durch Betrug und Lästerung mit Verlust meines guten Namens , und des Ansehens meiner - Historie erkaufen wollen ; da sie dieselbe in dero Gegenwart , Sire , deswegen getadelt , wes - wegen sie nach diesem am meisten geacktec werden , und welches ihr Anmuth und Gewogenheit be / der Nachkommenschaft ge , Ken wird , nämlich die Wahrheit und Rühnheir der Sprache . Er bezeuget noch mehr Zorn und Hochmulh beym Schlüsse seiner rede . Diese , saget er , die sich ihrer gewöhnlichen Bosheit ge , braucht , gehören unter die Zahl derer , die mich angegriffen : allein ick habe mir vorgenommen , ihre Unwissenheit so aufnier , sam ; u betrachten , daß ick nur darüber lacke , und mick mir dem Schilde der Wahrheit , und der Wohlgewogenheit derer , unter meinen Lesern , bedecken will , die mein Werk mir Verstand gelesen haben , oder lesen werden , und es gut aufgenommen ha , den , oder noch aufnehmen werden : denn für diejenigen ist es ge , macht , aber m'chr für die Neider , Unwissenden und Boshaft»' - gen , die nichts gutes sehen können , und die weder zu urtheilen nock dasLobenswerthe hochzuschätzen wissen . Unter denen Din - gen , die er seinen Beurrheilern gesaget hat , habe ich etwas merkwürdi , ges gesunden . „ Wenn ich manchmal Menschen nenne , deren Namen „ ein allzukützlicher Leser für keine Slaatösache halten möchte , so werde ich „ antworten : daß es mir so geschienen hat ; daß ich meine UrtheilSkrasc „ so wohl habe , als er die seinige , und , ( . er mag seyn wer er will , ) daß „ ich besser weis , was ich schreibe , als er von meinen Schriften urtheilen „ kann . „ Du Haillan , in der Vorrede zu der Historie von Frankreich , iL S . Ich bediene mich hier der Ausgabe von 1577 , in « .
Warum die Schriftsteller zuweilen ihre Einsicht , der Ein , sicht anderer Leute vorziehen sollen .
Dieses ist es , was viel andre Schriftsteller ihren Veurtheilern vor - stellen können und sollen . Ein Mensch , der sich verschiedene Jahre mit einer gewissen Gattung von Werken beschäfftiget hat , kennet derselben Eigenschaften besser , als ein andrer . Er mag , wenn man es so verlangt , überhaupt zu reden , weder von so gutem Geschmack ? , noch so vieler Ur - theilskraft , als andere seyn ; allein weil er gewisse Materien studiert , und dieselben mit einem langen Fleiße getrieben hat , so muß man glauben , daß er besser von ihrer Natur , und den Zicrrathen urthciler , die sich für sie schicken , als diejenigen , die dieselben nicht absonderlich studiert haben . Dieserwezen dürfen wir unS nicht einbilden , daß gewisse Schrift , steller unverständig handeln , wenn sie bey gewissen Begegnungen ihre Einsicht , der Einsicht ihrer Freunde , oder ihrer Feinde vorziehen ; die außerdem geschicktere Leute seyn können , als sie . Ein Seribent , der überhaupt zu reden , nicht so erleuchtet ist , als seine Leser , wird diesem un , geachtet mehr Einsicht bey den Materien haben , die er abhandelt , als sie ; und in währender Zeit es ihnen unbekannt ist , ob er einigen Grund gehabt , diese oder jene Dinge zu sagen , so wird er wissen , daß ihn ver - schieden ? vernünftige , und auf die Eigenschaft seines Werks gegründete Ursachen dazu vermocht haben . Hieraus wachsen nun unzählige sehr übelgegriindete Vemtheilungen ; hieraus folget noch , daß es billig wäre , die Regeln zuvor wohl zu studieren , ehe man den Ausspruch thut , ob ein Werk gut oder böse sey , Zum Exempcl , wenn man voii der ausgeleg - ten Historie wohl urtheilen will , die ich ein historisch - critiftbes terbuch nenne , so müßte man die Rechte lind Freyheiten eines auSle - gcnden Historienschreibers studiert haben ; »nd dabey könnte ich sagen , wie du Haillan : Ich weis bester , was ich schreibe , als dieser oder jener , der meine Schriften beurtheilen kann . Ich habe die Natur und Eigenschaften der Sammlungen ausstudiert : wenn sie durchgängig ei - nerley Leuten gefielen , so würden sie nicht gut seyn ; diejenigen , die den Charäcter davon nicht kennen , würden nur das darinnen finden wollen , was nach ihrem Geschmacke ist .
Hier sind noch zwo Stellen des Du Haillan , die unS belehren den , daß er getadelt worden , und daß er sich darüber sehr geärgert hat . Meine werke , Sire , - - - haben das Dellen , und die Bisse der Verleumdung , und des Neides , und der Verleumder unv Lasterer nickt vermeiden können , deren Stacheln meine Schrift ten nickt allein gestochen ; sondern auck dcnLauf meines Glückes verwnndcr , beschädiget und aufgehalten haben . Es sckeinl , daß einige Straten der Tugend und Fähigkeit , die meine Feinde an mir erkannt , den Augen ihrer Unwissenheit und Bösheit Scka - den getban haben , und daß ihnen mein Llckt unerträglich ge , wesen ist . So gar , Sire , in dero Gegenwart bm , ch verlästert und misgehandelt worden , so daß es nicht an meinen Feinden ge , legen hat , wenn ich nicht aus dero Gewogenheit und Gnade ge ,
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risse» worden , in welche allein ich die Hoffnung alles meinen Guten , und den Saamen meiner unrerrhänigfien und andächtig , fielt Dienstbarkeit beständig gesäet habe : allein dero Gütigkeit tmd weises Urtheil , Sire , har sie als Betrieger gefunden , und mich von der Furcht des Bosen befreyer , das sie mir zugedacht hatten . In der Zueignungsschrift zum Ftat et Succes des Affaires de France , in der Ausgabe von 1580 . Die Vorrede desselben Buches donnert wider die Tadler des Du Haillan los ; ich habe folgendes daraus gezogen : . . Es haben sich sehr viel wunderliche Köpfe gefunden , ( die Zahl derselben „ ist ohne Schranken , ) welche gewohnt sind , alles zu lästern und zu ta , „ deln , weil sie den Schnupfen der Unwissenheit und Einbildung haben , „ wobey es ihnen nicht hat schmecken wollen . Von diesen sind einige „ ordentliche Hofleute , andre aus der Gerichtsstube , andre aus der „ Schule , und andre einige geputzte Jungferknechtchen , die kürzlich mit „ drey Banden Latein auf ihren Röcken , und einem erkauften Ehrenti , „ tel von Universitäten gekommen ; welche b - y Durchblätterung aller „ Bucher ein Haiidwerk daraus machen , sie zu verachten und zu verwer - »ftn , wenn sie einige unrecht gesehte Buchstaben darinnen sehen , oder das , „ jenige nicht finden , was sie nicht darinnen zu suchen wissen . Die andern „ sind einige , die Profeßion vom Schreiben machen , die von Büchern dicke „ und aufgeblasen find , alle Woche eines zur Welt bringen , und die Laden »der Buchhändler damit anfüllen , die von jedermann kühn reden , die „ Werke der andern verachten , und nur die ihrigen billigen . Unter die - „ fer letzten Gattung von Menschen sind einige , wie die Affen ; denn . . wenn sie sehen , daß ein andrer ein Buch machet , so gebähren sie dreyßig „ Schritte davon , gleich eine andre völlige Misgeburt , der sie einen glei - „ chen Namen beylegen . Alle diese Gattungen von Leuten , haben mich „ angegriffen , gestochen und angebellet , doch nicht gebissen , und weder „ meinem gegenwärtigen Werke , noch der Historie von Frankreich , das qe - „ ringst ? Leid zugefüget ; sie haben nur gethan , was eine ausgelöschte Kohle „ thur , welche zwar schwarz machet , aber nicht brennet : dem , ungeachtet ih - „ res Neides , ihrer Spitzfindigkeiten , Schulfüchscreyen , Verleumdungen und „ Vorurtheile , laufen meine Werk» durch die Welt ; sie haben einen großen „ und gucen Namen erhalten , und sind in verschiedene Sprachen über - „ setzet worden - - - , Die Hofleute selbst betreffend , die meine „ Werke verlästert , und dieselben verhaßt machen wollen , sind Menschen , „ die des andern Ehre zu rauben gewohnt sind . wenn ihnen die Mittel „ fehlen , etwas anders zu rauben . , , Ebendaselbst .
( K ) Man har nicht in allen Dingen Unrecht , die man an ikm tadelt : ich will cs durch eine Stelle des Sorel zeigen . 1 Sie ent - halt eine vernünftige Beurtheilunq einiger Fehler des Du Haillan , und auch einige kleine Lobsprüche . Er har auch die Zierlichkeit der besten - Historienschreiber nachahmen wollen , und um so viel weniger Mühe zu haben , alle Reden des Paulus Aemilius fast von lvort zu Worte übersetzet , und ist ihm auch in feinen Erzählungen gefolger : e« ist wahr , daß er viel merkwürdige Anmerkungen dazu gefüger hat , die er anderswoher genommen : man kann ihm vorwerfen , Saß er feiner - Historie einen fabelhaft ren Anfang gegeben har , der gänzlich von seiner Erfinduna ist , indem er zwiscken dem Pharamund , und seinen allergerreuesten Rächen , eineBeratKscklagung halten läßt , zu erfahren : ob er bev seiner in - Händen habenden Gewalt , die Franzosen einer aristo , t'rariscken oder monarchischen Regierung unterwerfen sollte , und jedem von denselben zur Behauptung seiner Meinung eine Rede in den Mund legt . Man sieht darinnen die Namen Charamund und Quadrek . Dieß sind erdichtete Personen . Welch eine sehr seltsame Sache ! Man ist sehr ungewiß , ob pharamund je» mal» m der Welt gewesen , und ob man gleich weis , daß er dar , innen gewesen ifi : so ist es eine entsittliche Kühnheit , Sachen von ihm zu erzählen , die von nichts unterstützet sind . Du - Hail« lan ist deswegen vom Dupleft geradelt worOen , der ihm vor , wirft , daß er seine Reden aus dem Amadis von Gallien , genom« men har ; allein im Amavis stehen dergleichen politische Discur , ' se nicht : man muß glauben , daß sie Dupleir bey diesem Vorfalle nur oarum angeführer har , um zu verstehen zu geben : daß Du - Haillan dicfts erfunden hätte , als wenn er eine Art von einem Romane schreiben wollen . Es ifi wahr , daß , wenn sich dieses nichr in dem Amadis findet , man cs dennoch an verschiedenen Orten lies ? ; es sind Lehrsprüche , die man gemeiniglich in den Büchern findet , Sie von einer so abgedroschenen Sache reden , als Sie verschiedenen Rcgiernngsform . n sind . Von einer andern Seite wird Du - Haillan beschuldiget , daß cr allzufreye Discurse , einige Geistliche betreffend , geführer har ; allein er hat seinmog - lichsies gerhan , sich als einen treuen Diener unsrer Rönige zu zei , gen , und ihre Gewalt zu behaupten . Dieß verhindert nicht , d» } 3 seine Schriften nicht viel scharfsinniger und methodischer waren , als diejenigen sind , die man vorher gesehen Kar . Man lerner in seiner - Historie viel besondere Umstände Oer franzosi , sehen Regierung , die cr sehr wobl verstanden hat ? wie er solches auch in seinem Buche von dem Staate unv Fortgänge der zösischen Sachen zu erkennen gegeben . Endlich ist er zu loben , daß er es zuerst unternommen hat , unsere - Historie in eine schone und angenehme Forme zu bringen . lvelches er so gut , als es sich dainals rhun ließ , gerhan . dorel , LiblivtK . Frangoife , pag . m .
( IO Er streicht seine Arbeiten und den Fortgang seiner Bü - cker sehr heraus - » und er bezeuget ganz offenbarlich , daß er har belohnr se^n wollen . ^ Wir wollen mit diesen Worten sei - ner Zueiquungsschnft der Historie von Frankreich , den Ansang ma , chen . In der Ausgabe von >584 . Seil dem , ( nämlich da ihm der König 1571 Befehl gegeben , die Historie von Frankreich zu schreiben , ) bis ins 1576 Iabre , da sie zum erstenmale gedruckt worden , habe ich Tag und Nacht an dieser Historie gearbeitet , mit Schweiß und Beschwerung meines Leibes . mirVerlust meiner Jahre , mit Anstrengung meines Geistes , und dem Aufwände meines Beu , tels , zur Enrdecktmg der Bücher , £ifcl Nachrichten , Urkunden , und anderer Denkmaler . die ich nun Gebäude eines so großen rverkes haben mußte , und ich habe mein Vermögen und die Mittel verabsäumet , dasselbe zu einer Zeit zu verbessern , da ein jeder vor meinen Augen seinen Vortheil gesuchet , und sich ein jeder mehr , als in den vorhergehenden Zeiten ) befliß , zu geivi' *
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