Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
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Sailla» .
ner , m6 ) t aber einen - Historiensckreiber , vor . In seinen wekrlauf - tigen Ausscliweifungen , über die - Handel fremder potentsten , ge - her er gar über die Schranken einer Historie und eines Histo - riensclireibers . Im übrigen sind alle die Versprechungen , welche Du Haillan gethan , die französische Historie fortzuführen , nicht erfüllet wor - den . ' Man hat nach seinem Tode nichts hiervon unter seinen Papje - ren gesunden : hiervon sehe man die Nachricht der Buchführer an die Le - ser in denen Ausgaben , welche nach seinem Tode , von derHistorie von Frankreich , gemacht worden . Ich berufe mich auf diejenige , die zu Pa , rt« 1627 , in zween Foliobänden herausgekommen . Die Buchführer , w»l - che dieser seiner Arbeit eine Fortsetzung , bis auf das 1615 Jahr , und nach diesem , bis auf da« - 6 - 7 Jahr beygefüget , haben sie aus dem Paulus AemiliuS , dem Philipp von Comines , dem Arnoul Ferro» , dem Herrn von Bellay u . s . w . genommen . De« Chesne Bibliothek der Historien - schreibet von Frankreich , p . 55 . Ausg . von 1618 . redet nur von dieser Auf - läge , welche in zween Foliobänden ist . Hierzu nehme man die teilung . die man wider ihn in gleichem Falle , in dem Artikel Aemü liua , Anmerkung ( C ) , gesehen .
CG ) Er Karte die - Herzhaftigkeit viele Sacken , die nur auf einem «Hörensagen beruheten , zu widerlegen e t - und wegen des Magdchens von Grleans sehr frey zu reden - - ^ Man ver - wundere sich nicht über die Län^e der Stelle , die ich hier anführen wer - de ; sie ist lehrreich , sie weist die wahre Eigenschaft eines Historien - schreibcrs , und das lächerliche Aergerniß . welches ubelge , mnte Gemüther von der Kühnheit nehmen . die er hat , die Wahrheit allen Sachen vor - zuziehen Diese üble Gemüthsart regieret überall und zu allen Zeiten . Es ist nützlich anzumerken , auf was fürArt einige sehr berühmte Schrift - stellet ihn verachtet und ihm widersprochen haben . Du Haillan schreibt in seiner Zueignungsschrift seiner Historie von Frankreich , Ausgabe von N84 . also : «Ich habe weder einen Schmeichler . noch einen Hof - „ mann abgeben wollen , sondern einen Historienschreiber . Ich will die „ Wahrheit sagen , und nicht wie die schmeichlerischen Maler zu thun pfle - „ gen , als welche , wenn sie das Gesicht eines Mannes , oder einer „ Frau malen , und sich von ungefähr einige llnvollkoinmenheit oder Haß« . . lichkeit darinnen findet , solches gänzlich auslassen , oder es schmeichleri - „ scher Weise malen ; sondern ich habe so wohl die allerunsörmlichsten , als „ die averschönsten Stellen abmalen , auch von allen Dingen ftey und „ mir einer ungewöhnlichen Herzhaftigkeit reden wollen , welche allen gu - „ ten Lesern lobenswürdig vorkömmt , und von ihnen gelobet wer - „ den wird , wie ich schon vor dem in meinem Werke , von dem „ Staate und Fortganqe der Sachen in Frankreich gethan ; in wel - „ chem ich viele Sachen ftey heraus gesaget habe , die vor mir noch niemand „ hat sagen wollen , noch dürfen , ja , die man vermutlich gar nicht gewußt ^hat : denn , was mein angeführtes Werk von dem Staate Frank - „ reichS betrifft , habe ich viele Sachen widerleget , welche , der gemeinen „ Meynung nach , bereits angenommen gewesen , als die Ankunft „ Pharamnnds in Gallien , die Einführung des salischen Gckhes , die man . . ihm zueignet : die Erwählung der PairS von Frankreich , die man Carln „ dem großen beymißt . und andere besondere Punete , da ich so ftey , und „ nichts destoweniger so wahrhaftig gewesen , zu sagen : daß Pharamund „ niemals über den Rhein gekommen , um in Gallien einzudringen , und „ daß er niemals das salische Gesetz , um die Töchter von der Erbfolge die - „ ser Krone auszuschließen , errichtet , angesehen er niemals in unser „ Frankreich qekommen ist ; worüber einige , die von allem urtheilen wol - „ len , und doch nichts verstehen , und die sich einbilden , daß ihre übelge - „ gründete Meynung diejenigen , die in dem Urtheile der Vernunft ge - „ gründet sind , über den Häuft» Wersen , haben sagen wollen : daß ich alle „ Hauptgründe unserer Historie zu zernichten suchte , wenn ich nicht die „ Einführung des angeführte» Gesetzes dem Pharamund zugestehen wollte Aber ( Sire ) so ist die Sache nicht ; sondern ich suche einen al - . ' . 'ten eingeführten Irrthum zu widerlegen , da mir deucht , daß das jali - 'sche Gesetze alt und bestätigt genug ist , weil es in beständiger Uebung , »als ein Gesek , von Zeit der Einsetzung umercr ersten Könige , gewesen , „ ( wie sie in dem Anfange meines l B . dieser Historie , von dem Leben „ desPharamundS , mit mehrerm werden sehen können , ) und i ) ierinnen „ kann meine Meynung weder den Fremden vortheilhaft seyn , noch die „ Unsrigen ärgern ; es m ißten denn diejenigen seyn . die sich an allem . . ärger» , was sie nicht selbsten denken und thun . Einige haben in die - „ sem Punete , der Pairs von Frankreich , und in andern meine Freyheit „ im reden , übel ausgenommen und gesaget : ich thate wider die Pflicht „ eines Historienschreibers , daß ich Frankreich und den Franzosen die alte „ Mevnnng . die sie von PharamundS Ankunft in Gallien , von dem „ durch ihn errichteten salischen Gesetze , und von der Erwählung der „ Pairs von Frankreich gehabt , benehmen wollen , und daß es ein Ver - „ brechen sey , Sachen abzuraffen , wovon die Meynungen bereits ein - " gewurzelt , und von unwissenden Leuten geschrieben sind , die nie ein gutes ' . Puch gelesen , und welche Meynung auch schon vcn andern Unwissen - 'den aufgenommen worden , welche weder die Wissenschaft , noch den " Verstand habe» . alte und gute Auto«» lesen , sondern sich mit alten " Schwarten aufhalten , welche so Übel , als ihr eigener Verstand , auspo - «liret sind . Gute Geschichtschreiber , ( Sire ) dürfen weder in^ihren " Schriften , noch in ihren Worten , den Meynungen des Pöbels folgen , „ sondern bloß den wahrhaften , und denenjemgen , die durch wahrhafte „ Schriftsteller und gute Muthmaßungen bestätiget sind ; welche , wenn „ sie von der Menge auf einerlcn Art vorgebracht werden , zum wahren „ und sichern Zeugnisse dienen , wenn uns , wegen der bösen Zeit , der „ schriftliche Beweis der Wahrheit mangelt . Ich habe allo , Sire , so „ wenig in diesen Dingen , als in verschiedenen andern , der gemeinen „ Meynung , sondern bloß der wahrhaften , folgen wollen . Nach meinem „ Dedünken habe ich der Historie von Frankreich einen großen Dienst ^erwiesen , da ich viele Lügen und Fabeln entwickelt , die sie unangenehm „ und manchmal widersprechend machen ; und die Leser in vielen Puneten „ von dem Zweifel befreyet . bey welchem sie für sich selbst den wahren „ Verstand nicht finden können . Ich versichere mich , den Verständigen „ hierinnen angenehm zu seyn ; denn diesen suche ich allein zu gefallen , „ nicht aber denen , welchen meine Meynungen und Schriften misfal - , . le „ . „ Will man wissen , was er von dem Mägdchen von Orleans ge - saget bar . so lese man diese andere Stelle ( * ) : Das ^Wunderwerk dieses Magdckens , cssey nun , daß es ein falsches , verstelltes , oder wahrhaftes Wunderwerk gewesen , bar den Großen , dem Volke und dem Ronige wieder ein - Her ) gcmacker , welckes sie vorher
verlohren hatten : Solche Gewalt hat die Religion und auch febr oft der Aberglaube . Denn einige sagen , diese Johanna se / Johanns , des natürlichen Sohnes von Orleans , andere des ^errnvonBaudricourt , nock andere despothon , - Hure gewesen ; welcke fein und verschmitzt war , und da sie den Ronig so erschrocken gesehen , so , daß er nickt gewußt , was er weiter thun , nock sagen sollen ; und daß das Volk , wegen der beständigen Rriege , so nie , dergeschlagen war , daß es weder Much , nock - Hoffnung fassen konnte : so ist sie auf den Einfall gerathen , sick des kes einer falscken Religion zu bedienen , welckes die geschickteste Sacke von der tvelt ist , die - Herzen zu erheben und zu ermun - lern , und den Menschen , auck den Einfaltigen , dasjenige weis zu macken , was nicht wahr ist . Insonderheit ist der Pöbel sehr gesckickt , dergleichen Aberglauben anzunehmen . Diejenigen , weh cke glauben , daß dieses Magdcken von Gott geschickt worden , sind so wenig zu verdammen , als diejenigen , die es nickt glau - den . Viele halten diesen letzten Artikel für eine Retzerey ; lein wir wollen ihre partey sc wenig nehmen , als den andern glauben . - Hierauf haben diese - Herren sie einige Tage in allem unrerrickter , was sie auf die Fragen antworten sollen , die der Ronig und sie , in de» Roniges Gegenwart , an sie thun würden , ( denn sie selbst haben sie befragen wollen , ) und damit sie den Ronig erkennen sollen , wenn sie vor ihn gebracht würde , ( den sie niemals gesehen hatte , ) so haben sie ihr alle Tage sein Bild - niß etlichemal gezeiger . An dem bestimmten Tage , da sie vor ihn in sein Zimmer kommen sollen , wie sie es veranstaltet hatten , ha« Ken sie sich daselbst gleichfalls eingefunden . 2bey ihrem te haben sie , der Sastard von Orleans und Baudricourt , ge get : was sie verlange : denen sie geantwortet : daß sie mir dem Ronige sprechen wolle . Sie haben ihr einen andern von den gegenwärtigen - Herren gezeiget , und geiget , daß dieß der Rönig wäre ; allein sie , die von allem , was man mir ihr macken und sagen würde , und was sie thun und sägen sollte , bereits unter - ricktet war , hat gesaget : daß dieß der Ronig nickt wäre , und daß er hinter dem Bettvorhänge verborgen wäre , ( wo er auck wirk« lick war , ) wo sie ihn gesuckt , und das oben gemeldete zu ihm gesager . Diese Erfindung der verstellten und scheinheiligen ligion hat diesem Ronigreiche so viel genutzet , daß sie den ver - lohrnen muck wieder belebt , und die Verzweiflung zu Boden getreten hat . Endlich ist sie von den Englandern vor Coin - piegne gefangen und nack Rouen geführet worden ; allwo man sie , nack dem ihr gemackten Proeefle , verbrannt har . Einige ha - ben es übel empfanden , und werden es noch übel empfinden , daß ick dieses sage , und daß ich unsern Franzosen eine Meynung nehme , die sie so lange Zeit von einer heiligen Sacke und von ei - nem Wunderwerke gehabt , um dieselbe itzo in eine Fabel zu verwandeln : allein , ick habe e» sägen wollen , weil es also auf diese Art durch die Zeit entdecket worden , die alle Dinge emde , cht , und weil es keine allzuwichtige Sacke ist , die man als einen Glaubensartikel glauben müßte .
( * ) Du Haillan , Livr . II . de l'Eftat et Succes des Affaires de ce , , z8 u . f . S . pariser Ausg . von >619 . Man merke , daß Gabriel Nau - de eben dieser Meynung ist . Da die Englander , saget er im III Cap . der Staatsstreiche , z - 8 S , fast Meister von Frankreich waren , so hatte man unter Carln dem VII nothig , zu einem Staatsstreiche Zuflucht zu nehmen , um sie daraus zu verjagen : nämlich zu demjenigen , mir der Jo - Hanna von Orleans , der vom Justus Lipsius in seiner Politik und von etlichen andern fremden Geschichtschreibern dafür erkannt worden ; in - sonderheir aber von zween der unsrigen , nämlich Dellai Langey , in seiner Kriegskunst , und vom Du Haillan in seiner Historie ; vieler andern Seri - benten von geringerer Wichtigkeit , hier zu geschweige» .
( H ) Er hat gewisse Dinge bekannt gemackt , die er nur vom «Hörensagen gewußt . ) Aus einem solchen Grunde hat er in der Welt geschrieben , daß Carl der VIII untergeschoben gewesen . Siehe die Nou - Vellen , aus der Republik der Gelehrten , im Heumonate , 1686 , >m IX tikel , «25 S . Varillas aber widerleget dieses Mährchen . «ist . deLoui» XI . Livre X . p . z - 8 . hell . Ausgabe ,
( I ) Er har über seine Beurrheilung durch die Sprodigkeit Verdruß bezeuger , womit er seinen Beurthcilern begegnet est ] Wie die Werke , die er vor der Historie von Frankreich ans Acht gegeben hatte , getadelt worden waren , so hat er dieser Historie ein gleiches Schick - sal versprochen ; dieserwegen hat er zum voraus trotzig gethan , und ans die Gegenseite des Titels ein Sonnet gesetzt , welches ein wenig gaseomfch klingt . Hier sind die sechs letzten Verse davon :
Der Unverstand , der Stolz , die Lästrer und der Neid ,
Die Frechheit und der Haß , zusammt der Eitelkeit ,
Die alle 'verden dich frech anzugreifen trachten .
Allein erschrick nur nicht ; du kannst sie kühn verachten !
Ihr eingebildter Wahn , ihr Urtheil ohne Licht ,
Die hindern deinen Lauf zur Ewigkeit noch nicht .
Gleich zu Anfange seiner Vorrede machet er diese Beobachtung : Wenn diese - Historie von Frankreich nidjt allen gefallen kann , wie ick wohl weis , daß sie den Zartlicken , den Unwissmdcn und iJeiOi ; sehen nickt wird gefallen können , ( welchen ick auck nickt gefal - ten will , ) die ihr thöricktes , neidisckes und unverständiges Nr - theil darüber fallen werden : so versickere ick mick / daß sie we , nigstens denen untercuck gefallen wird , welcke arbeiten , welche sen , was die Elle Arbeit kostet , welcke ein von aller Leidenschaft gereinigte« Urtheil haben , und die Fehler und Uebersehungen billiger Xveise entsckuldigcn , die sick in einem so großen ÜVerke finden können .
Ob es besser scy , von einem Schriftsteller , als von andern Leuten beurtheilet zu werden ?
Der letzte Theil dieser Stelle ist wichtig , und in gewisse« , Absichten sehr wahr : keine Leser sind hitziger im Tadeln , noch verwegener und gerechter in ihren Urtheilen , als diejenigen , die nichts schreiben . Ein Schriftsteller hat mehr Ursache , sich einige Nachsicht und einige Villig - keit unter den Schriftstellern zu versprechen , als unter de» andern
Leuten ,

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