Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-4559

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Carion .
eft omnium certiflimo , varietas illa pugnantium inter fe fententia . rnm , quasi non eft quod aliquis obliuione eontm , quae iam dixerat , aut aftu , vafricicque prolata ? ab eo fiiifle , fibi perfuadeat , cum fe in rebus aliis memorem ad miraculum vsque praeftiterit ; et artis ac vafriciei fufpicionem omnem eleuet , quod grandia quidem , fed con - traria femper , nunquam autem connexa , et fibi mutuo cohaerentia loqueretur . Ebendas . Ein anderer großer Beweis feiner Narrheit ist das Böse , das er von sich selbst kund gemacht hat . Er Hatte einen ter , der ihm so ubel begegnet hätte , vor Gerichte fordern können : er net , daß ihm sein Gestirn eine gottlose , rachgierige , verrätherijche . zau - berische , und verleumderische Seele gegeben , die allen Arten der Unrei - nigkeit ergeben , und mit unzahligen Mängeln angefüllet gewesen , die er nach der Reche benennet . Ingenium fi quis inimicus tale illi affinxif - fet , quäle fuum efle in themate natalitio teftatus eft , potuiflet in illura agere merito ea lege Poenaque Uta , mala quae nollet carmint qutm - quam deftribi . Nam ex Venere loci Lunae ac Mercurii domina , et Mercurio multuro , Saturno medioeriter comtnifta animum fibi elü - öum ait , in diem viuentem , nugacem , religionis contemtorem etc . Ebendas . Naude giebt vor , daß Cardan so gewesen , wie er sick vorstellet : allein ich wollte lieber sagen , daß er nur dasjenige zeigen wollen , wo ; « ihn die bösen Einflüsse eines Gestirns hätten machen können , wenn er sie nicht verbessert hätte ; denn er hat gestanden , daß die Wissenschaften der Wahrsagerkunst ihre Gewißheit in seiner Person verlohren hätten . Nach den Regeln der Chiromantie , hätte man geurtheilet , daß er von «inem dummen Geiste gewesen , vt Chiromantie : rudern efle pronun - ciarint ac ftupidum , inde vbi norunt , puduerit ; ( Cardanus , de Vita propria , cap . V , pag . z4 . ) und nach der Sterndeuterkunst mußte er vor dem fünf und vierzigsten Jahre sterben . Siehe die Anmerkung ( R ) . Jedermann weis , wie Sokrates den Gesichrsdeuter vertheidiget , der ihm so viele Mangel beygemessen hatte . Wir müssen nicht vergessen , I , daß Naude behauptet , Cardan , der sich gerilhmet , niemals gelogen zu haben , sey ein großer Lügner gewesen : er überführet ihn dessen fx>i , wissen Artikeln offenbar . II . Daß Doctor Parker , in Ansehung der Narr - heit nnsers Cardans , des Naude Meynung ist , und daß er die vornehmsten Merkmaale aus demselben zieht . Parker Difputat . de Deo Se<ä . XXV .
( X ) Scaliger , der Vater , hat wiöer den CarOan gcstbn'eben , tinö fidy ohne Grund eingebildet , daß stmc gaffe , nec tarnen illam viderevoluitTe , nec mendis illis pepercitle , quae poftrema hac diligentia fublata a Cardano fuerant , ne videlicet labo - ris fui quantumuis fruftra inipenfi frudhim amitteret . Seine II An» merkung ist , daß Cardan sich so wohl gerechtfertiget , daß man die übrigen Einwurfe , die er nicht beantworten können , für etwas ganz geringes zu achten hat . Praeterea quis nefeit Cardanum , Actione prima in ca . lmnniatorem librorum de fubtilitate , fic omnes illius aculeos retu - dille , obie & ione * diluifle , accufationec infregille , vt eorum ratio ha - beri non debeat , quae fuperelfe forfan ex tanto numero poflent : nara homo fuit Cardanus , et humani a fe nihil alienum putauit : nec ade® mirum eft illum erraffe , quin multo magis admiralione dignum fit , tarn raro , et in tarn paucis , ac minimis cefpitaile . Man merke zum III , daß Scaliger in den neun Jahren , die er auf diese Cririk gewendet , mehr Schnitzer begangen hat , als er an dem Cardan radelt . Imo vero aulim ego pignore depofito contendere , multo plures naeuos efle quos Scaliger Exercitationibus fui» immiftos reliquit , quam eos qui , bus aduerfus Cardanum tarn procaciter exagitandis totos nouem an - nos infudauit . Endlich bemerke man zum IV , daß der Bewegungs - grund Scaligers nicht so wohl die Liebe zur Wahrheit gewesen , als die Begierde , sich mit allem demjenigen zu schlagen , was damals am vortrefflich - sie» in der Republik der Gelehrten gewesen . Non tam eruendaeveritatis ftudio , quam vt effraeni defiderio fuo fatisfaceret , cum illis omnibu» congrediendi , quos fuo tempore , litterarum , eruditionumque Princi - pes haberi cognouerat . Man kann diese« ; vier Anmerkungen noch ei - ne V beyfügen , daß nämlich Scaliger sich eingebildet , es hätte seine Cri - tik den armen Cardan ums Leben gebracht . Er hat deswegen eine Vor - rede geschrieben , die mit ausstudierten Betrachtungen «igefullet ist : ( man findet sie zu Ende seiner Reden wider den EraeinuS in der tou - lonser Ausgabe von 16 - 0 , 6 ; S . S>e sollte nicht zur Vorrede der X VIB . Exercitat . Exotericarum dienen , wie man in der Historie Cardans pag . m . 334 . saget , sondern zum sechszehnten Buche . ) Er überhäuft den Cardan mit Lobeserhebungen ; er bezeuget eine außerordentliche Reue , daß er eine» Sieg erhalten , welcher der Republik der Gelehrten einen so großen Mann gekostet u . d . m . Die Wahrheit ist , daß Cardan den Scaliger 15 oder - 0 Jahre überlebet hat , und aus der andern Anmer« kung des Naude , kau» man erkennen , ob Scaligers Buch fähig gewesen , den ; Cardan viel Verdruß zu erwecken .
( V ) Der Zuiay , den ich machen will , betrifft das V ? erk de S»bdlitate , welches Scaliger wiederlegt bftt . ] Cardan hat nur 8 Mo - nate zu dessen Verfertigung angewendet , und es dem Johann PetrejuS , Buchhändlern zu Nürnberg , zu drucken gegeben . Er hat es Ferdinanden von Gonzaga , Sladrhairern von «Liayland . zugeschrieben . Die erste Ausgabe ist in Folio , und bemerket da« Jahr 1550 : ( Epitome Biblioth . Gefn . p . 346 . ) Gleichwohl saget der Verfasser in einer Zuschrift , welche den 21 April »552 , zu Paris unterschrieben ist , daß er seit der ersten Ausgabe drey Jahre auf die Verbesserung und Vermehrung des Werkes verwendet habe . Quos o & o menfium fpatio abfolueram , perpetuo triennio einendati atque au & i in publicum fub nomine tuo prodirent . Diese Zuschrift ist bey der andern Ausgabe und an eben denselben Ferdinand von Gon» zaga gerichtet . Ich verstehe durch die andre Ausgabe diejenige , welche nach der ersten Uebersehung dieses Buchs gemacht worden ; ich verstehe , sage ich , diejenige , ivelche zu Anfange des 1554 Jahres ans Licht getreten . Cardani Aft . in Calumniat . pag . m . 1019 . Man hatte die von berg bereits zu Lion nachgedruckt . Scaligers Buch wider jenes ist in» Jahre 1557 erschienen , und gleichwohl wirft Cardan diesem Widersacher vor , daß er fast neun Jahre angewendet , ihn zu beurtheilen . Ebendaselbst iv - 8 S . Er hat eine z»veyte Uebersehung seine« Werkes gemacht . und es nnt neuen Verbesserungen und Ansätze» einem Buchhändler zu Basel , Namei , « Heinrich Peni , zu drucken gegeben , und seine Antwort an den Scaliger beygefügt . Sie ist berittelt , Hieronymi Cardani in Calum - niatorem Librorum de Subtilitate Actio prima , und ist gar nicht ständlich ; e« ist nur eine allgemeine Antwort . Weil Ferdinand von Gonzaga nicht mehr am Leben war , so hat sich der Verfasser einen neuen Gönner gesucht . Er hat diese dritte Ausgabe dem Don Gonfales Fer - rand von Cordua . Herzoge von Suesse zu geschrieben . Er hat keine Zeit unter seine Zuschrift gesetzt . Allein ich glaube , daß sie 1560 geschrieben ist . Unterdessen habe ich die Zuschrift der andern Ausgabe in einem Exemplare gesehen , welches zu Basel in Folio , ex Officina Petrina im Jahre ijfto gedruckt worden . Die Aftio prima in Calumniatorem findet sich zu Ende dieses Exemplars . Mich dünkt nickt , daß Cardan lein Werk seit dieser Zeit von neuem übersehen hat : ich finde in der Au« - gäbe Heii ? richs Petri von 15m , in g . nicht die geringste Svur von ei - ner dritten Uebersehung . GeSner« Auszug bemerket diese Aufgabe in« , nicht , sondern nur die in Folio . Ich habe eine Ausgabe von Lion , apud Bartbolomaeum Honoratum 1580 in 8 , welche nach der ersten Ueberse - hnng ist . Die Aftio in Calumniatorem ist nicht darbey ; und dieß ist eine außerordentliche Nachlaßigkeit bey der Aufführung dieses Buchhand» lers von Lion : er hat nicht gewußt , daß seit - 0 Jahren eine viel bessere Ausgabe erschienen war , als diejenige , die er nachgedruckt Man hat eine ftanzösische Uebersehung von diesem Buche Cardans , welche von Richard le Plane gemacht , und zu Paris im Jahre . 556 in 4 gedruckt worden ist . Du Verdier , Biblioth . Fraiicoife , pag . 1222
Carlen ( Johann ) Professor der Mathematik auf der hohen Schule zu Frankfurt an der Oder , er war zu Buetickhekm in Deutschland gebohren Er hat Tagebucher herausgegeben , die sich vom Jahre i«6 bis 1550 erstrecken . Er hat ein ander Buch herausgeaeben , Pradh'cae Aftrologicae berittelt h . Diese zwey Werke haben ibm nicht viel Ehre verschafft ; allein er ist durch eine Chronike berühmt geworden , die er nicht gemacht hat ( A ) , und von welcher die Protestanten viel gehal - ten ( B ) . Er ist im Jahre ^g , zu Berlin gestorbenc . Moreri hat emen recl ) t kindischen Schnitzer begangen ( C ) . Ich werde etwas wider andere Schriftsteller zu beobachten haben ( D ) .
« ) Gesner . in Biblioth . folio 399 . t ) Melch . Adam in Vitis Philofophor . pag . 104 . t ) Ebendas . , 05 S .
( A ) Er ist vurch eine Chronike berühmt gnvorven , Vie er nickt geniaebr bat . ] Sie ist unendlichemal gedruckt , und in verschiedene Sprachen übersetzet worden . Hier ist die Historie davon . Canon hatte eine Cyronike gemacht , und wollte sie zu Wittenberg drucken lassen ; al - lein er hat darbey verlangt , daß sie Melanchchon verbessern möchte .
Melanchthon hak , anstatt sie zu ver bessern , eine andere gemacht , und die . selbe zu Wittenberg unter CarionS Namen herausgegeben . Er hat sie deutsch geschrieben . . Sie ist im Jahre 1538 , vom Hermann BonnuS .
Predigei ii } u Lübeck , und Aufsehern der Schule , ins Lateinische überscher
. 104 .
worden . Melanchth . in Epift . deilicat . Chronic . Carionis Ausgabe von 15« . Melanchthon . welcher den großen Abgang dieses Buchs gesehen , hat eine neue lateinische Uebersetzung davon gemacht . welckeer im Jahre 1558 herausgegeben , nachdem er das'Werk von neuem übersehen , und ei - nige Zustitze eimjcfcKtltet hatte . Ebendas . ZweyJahre darauf bat er sie mit dem andern Theile Vernich« , heranSg - geben . Damals hat da« Werk aus drey Büchern bestanden : die zwey ersten gehören zum ersten Theile , und erstrecken sich vom Anfange der Welt bis auf unfern . Weiland Jeium Christum . Da« dritte Buch machet dm ganzen andern Tbeil
aus ,

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