Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-11186

reformationein promifit . Notior . Epifcop . Belgic . Diuifio , p . 78 , 79 . Ich bilde mir «in , daß der wallonische Prediger , den ich anführen will , folgende Anmerkung aus diesen lateinischen Worten genommen hat : Jeremie de Pours , Melodie du S . Pfalmifte , pag . 85 ? . „ Der Pabst „ Hadrian der VI , ist ihm vorgegangen . ES haben sich viele gewundert , „ zu sehen , daß er wider eine gewisse Rede gehandelt , die er als Maßitter „ notter zu Löwen gemacht , worinnen er die Vermehrung vieler Psrün - «den und die Häufung derselbigen auf ein einzige« Haupt miSbilliget ; „ da er doch als Pabst solches , und vornehmlich bey den geistlichenAem - „ lern der Niederlande gelhan . Er hat ihnen geantwortet , was der „ heil , PanluS gesaget , da ick cm Rind rvar , redete ick als ein Rind . , . l Cor . XIII . , , Man erwähnet dieses in den Nouvellen der Republik der Gelehrten »684 im Wintermonate VI Artikel , p . 93« .
( KS ) Sr hat die Verschwendung - - - bey der - Hciligma - ckung verbothen . ( Sin großer gelehrter Jesuit hat sick wegen AnfüKrung dieser Sacke in großer Verwirrung befunden . ] Er ist öffentlich deswegen angeklagt worden , weil er behauptet , daß die Un - kosten der Heiligmachung , der Reiniqkeir und Heiligkeit dieser Handlung zuwider wären . Sein Ankläger heißt Sebastian von S . Paul : er ist Professor der GotteSgelahrtheit zu Löwen , und zweymal Provineial der Carmeliter in den Niederlanden gewesen . Der Jesuit hat sich folgen - dergestalt verrheidiget . Er hat gesaget , l , daß er dasjenige nur erzählet , was er in dem Blasius Ortizius , einem Domherrn von Toledo und Haus - genossen Hadrian« des VI gelesen . II . Daß , da er diese« mit andern 'Buchstaben angeführet , und seinen Schriftsteller genennt , er Ursgche habe , sich zu beklagen , daß er von seinem Richter gelästert worden , der diese Umstände unterdruckt hat ; denn eine Anklage ist nicht allein unge - recht , wenn man Unrichtigkeiten vorbringt , sondern auch , wenn man die Wahrheiten mit Stillschweigen übergeht . An ignoras , certam esse apud Theologos fententiain , quod accufatio esse poffit grauiter iniufta , non tantum ex falfi impofitione , fed etiain ex reticentia veri . Daniel Pa - pebrochins RefponC ad Exhibitionem Erroruw , pag . 6» . III . Daß daraus , weil er eine solche Sache als rühmlich für den Pabst Hadrian de» VI angeführet , nicht folge , daß er die andern Päbste eines Zrrrhums beschuldige , welche die großen Unkosten der Heiligmachung billigen oder anordnen , I V . Daß er den Hadrian als einen Pabst gelobt , der von einem guten Eifer angetrieben worden , und nach den Trieben des Gewissens ge - handelt hat , dessen unschuldigen Zrrthum man bey verschiedenen Gele - genhciten löblicher Weise nachahmen könnte , ja zuweilen sollte . Laudo Adrianum VI , quia id fecit zelo bono et fecnndum confcientiam quam inculpabiliter errantem fequi cum laude possumus , et faepe debemus . Ebendas . 62 S . V . Daß er diesen« Bewegungsgrunde Hadrians keinen Bevfall gegeben , daß nämlich die Unkosten von der Heiligkeit und Reinig - keit der Canonifation entfernet sind . VI . Daß er nicht zweifle , daß die - selbe verschiedene wichtige Ursachen zum Grunde habe , VII , Daß sich Hadrian der VI , als ein Privat - Doetor , ohne Nachtheil der Unfehl - barkeit der Päbste , bekriegen könne , dir ex cathedra sprechen . VIII . Daß Daronius viel merkwürdigere Jrrthümer von einigen Päbsten erzähle , ohne daß man ihm Schuld geben könne , den apostolischen Stuhl dadurch beschimpft zu haben .
Wer sieht hier nicht die kläglichen Merkmaale der Verbindlichkeit ? Ein Römischkatholischer hat einen wahrhaften sklavischen Geist . Es giebt tausend Vorfälle , wo er die schönen Thoren nicht loben darf . Ist es nicht handgreiflich , daß Hadrian in Ansehung dessen , was er gethan hat , und in Ansehung der Ursache , warum er es gethan hat , Beysall verdienet ? Nichts destoweniger ist hier ein Jesuit , der , da er ihn nicht loben können , ohne daß seine Lobsprüche der unmittelbare Tadel der andern Päbste ge - wesen , sich gezwungen sieht , bey seiner vorhabenden Rechtfertigung über Dornen hinzugehen ; und er kann sich nicht anders , als durch das
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geben aus der Sacke helfen , daß sich unser Hadrian betrogen Hat . daß ihn aber seine mit einer guten Absicht begleiteten Jrrthümer entschuldigen . Dieß ist der ganze Ruhm , den sich ein Pabst , als ein Verbesserer der Misbräuche versprechen kann . Man wird ihn wegen seiner Gewissens - irrthümer entschuldigen und sagen , daß er nicht al« Pabst , sondern alt ein Privatdoctor irre . Großen Dank !
( CC ) Seine Nachfolger Kaden bey der - Heiligmachung die rvelt« licke prackr bi» ; ur Ausschrveifung zugelassen , worüber dasge , meine Volk sick geärgert har . ^ Jedermann ist im 16 - 2 Jahre zu Pa , ris geärgert worden , die Pracht zu sehen , mit welcher die Carmeliterbar - füßer daselbst die Heiligmachung der heil . Theresia gefeyert haben . Es ist in eben demselben Jahre ein kleines Buch erschienen , worinnen man vorgiebr , daß etliche gute Frauen im rechten Ernste darüber gemurret ha - ben . Eine hat sich darinnen beklagt , daß sie dabey verbrannt worden : " Wiel meine Muhme . antwortet eine jungeVerheirarhete , seyd ihr bcy diesem Feuer gewesen i id , habe niemals dergleichen Unord , nung , und eine solcke Verwüstung gesehen : einer von meinen Drudern dar auck öabey das ganze Gesiebte verlohren , und man zweifelt nock an seiner Genesung . Allein wozu nutzer aller die - ser Ueberfluß 1 saget ein altes Mürrercken ohne Zähne darauf : in meinen jungen Jahren bade ick niemals von einer solcken Cano - nisanon der - Heiligen reden hören , dieß heißt sie ja vielmehr ca - noniren , als canonisiren . Sackte meine Muhme , saget eine Rauftnannsfrau von der Straße S . Den^s . man bar zu Rom wohl nock mehr gethan ; dieß sind öffemlicke Freudenbezeigun , gen , es iff keine Gefahr Öabey , dergleichen Verschwendunze» , manchmal zu lhun , wenn man aus einer reinen und aufrichtigen Neigung dazu gereizt wird ; und überdieß , so »ff dasjenige , was die LarmelirerbarfKßer dießfalls gethan haben , auf bloßen fehl der Röniginn gesckehen , welcke die Unkosten hergegeben , weil die heil . Theresia aus Spanien gewesen . Daran liegt nickt« , sager eine Bürgerinn bey S . Leu , man hat Gott dadurck mal mehr beleidiget , als man ihm Ehre erwiesen hat ; id ) stecke euch , daß ick für meine Person diese Sacken keineswege« billige . Lvie viel denket ihr wohl , daß dabey Magdcken entführet worden sind' ! alle« Gerreyde in derselben Gegend ist zertreten und verbrannt worden , ? « hat den Monat August eher gefunden , als den - Heumonat . Ich für meine Person , sager die Frau eines Sackwalters von dem großen Rache , wäre der Meinung gewe - ftn , sie sollten allen diesen Ueberfluß zur Auszierung ihrer Rircke angewendet haben ; zum wenigsten wäre ihnen dieses alles ge - blieben , und harre sie in größere Hochachtung gesetzt , ohne daß man so viel Reickrhümer im Rauche aufgehen lassen : dieses hatte das Feuer der Andackt in den - Herzen derjenigen erwecket , die sie bejucket harren ; da hingegen die ganze benachbarte & . uft und die Felder in derselben Gegend von ihren Raketen in Brand geste - cket worden . Jck habe nock einen fünffachen Rragen , der ganz verderbet ifk : wenn man nock das Feuer um ackr Uhr angezün , der hatte , so würde man nickt so viel Mantel i>abey verlohren haben , alle Scküler sind dabez , indenXvaffen gewesen . Siehe das Buch , Le Caquet de l' Accouchee , pag . 5 des II Tage« . Nach allem dieftm muß man hier , wie bey verschiedenen andern Fallen , sagen : es sey nichts , das nicht zu etwas gut wäre ; die größten Misbräuche haben eine schöne Seite . Wenn die Heiligmachungen ohne sehr große Unkosten ge - schehen könnten , so würden sie viel gemeiner seyn : es ist gut , daß die Un , Möglichkeit , die Unkosten anzuschaffen , der Gierigkeit der geistlichen Orden zum Schlagbaume dienen . Es würde niemals an Gegenständen der Heiligmachung fehlen : jede Gemeinschaft würde derselben so viele haben wollen , als die andern ; und wenn es nicht viel kostete , so würde man die andern Maschinen leichtlich fertig machen .
Hadnan ( Cornelius von ) auf Holländisch Hadriansen ein berühmter flamändischer Prediger des XVI derts , war von Dordrecht . Er wurde ein Franciscaner , und ist Gordian des Klosters und Leser der Gotresgelahrtheic ge - wesen k . Er hat das Lateinische , Griechische und Hebräische sehr gut verstanden , und diese drey Sprachen öffentlich ge - lehrt c . Er hat dreyßig Jahre zu Brügges geprediget , und sich niemals über die Verleumdungen gewundert , die man wider ihn ausgesprengt . Er ist zu Brügges im sechzigsten Jahre seines Alters den 14 des Heumonats 158' gestorben . Er hat einen Tractat von den sieben Sacramenten verfertiget . Johann Lernutius hat verschiedene sehr gelehrte Predigten dieses FranciscanerS im Manuscripte gesehen d . Die Werke , die nach seinem Tode , unter seinem Namen herausgekommen , sind mit Pickelheringspossen und unehrbaren Zoten angesüllet . Sanderus giebt vor , daß die Ketzer dieselben hineingeflicket , um den Nachruhm dieses ehrlichen und unschuldigen Mönchs zu lästern c . Allein man muß Beweise davon haben , oder es nicht sagen . Die Protestanten reden von diesem Franciscaner , als von einem hitzigen Strafprediger f ; und es sind Bücher er - schienen , welche uns belehren , daß er unter den Frauenspersonen eine neue Art der Andacht eingeführt hat ; daß er nämlich ge - wisse Tage bestimmt , an welchen sie sich ganz nackend vor ihm ausziehen müssen ( A ) , damit er ihnen , zur Verbüßunach - rer Fehler , eine gelinde Disciplin geben können s . Es ist nichts , worzu diese Leute das Frauenvolk , unter dem schönen Vor - wände der Andacht ( B ) nicht überreden können , wenn sie ein fertiges Maul haben , und durch ihre Predigten berühmt ge - worden sind .
Ich habe irgendswo gelesen , daß George Cassander , der die schönen Wissenschaften zu Brügges gelehrt , da Cornelius von Hadrian die Gotresgelehrsamkeit daselbst gelehrt , 1555 genöthiget gewesen , sich selbst zu verbannen ( C ) , um den Ver - leumdungen dieses Amtögenossen auszuweichen .
a ) Dieß heißt , der Sohn Hadrians . b~ ) Swert . Athen . Belg . - 7 ) Valer . Andr . Biblioth . Belg . ä ) Swert . Athen . Belg . e ) Beym Val . Andr . Bibl . Belg . / ) Tempore , quo caninam fuam eloquentiam celebratilfimi nominis , Cornelius Adriani , . . . exercebat . Schoockius , Exercit . Sacr . p . 53g . g ) Siehe Voetiu» , Polit . Ecclef . Tom . I , p . 686 .
( A ) Seine Andächtigen mußten sick gan» nackend vor ihm aus , liehen . ) Wenn der Grundsatz des Gyges wahr ist , daß eil» Frauens , person , die ihre Kleider ableget , auch ihre Schaamhaftigkeit ableget ,
( Herodot . Libr . I , cap . VIII . ) so waren die Sachen unserS Hadrians nicht in allzubösen Umstanden gewesen , wenn man voraus setzet , daß er kein allzugroßer Traumer gewesen ; der sich im rechten Ernste eingebildet , daß etliche Rutheustreiche von seiner Hand auf den bloßen Leib seiner Bußfertigen eine absonderliche Kraft , zur Versöhnung ihrer Sünden , hätten . Man ist so geneigt , allen Dingen eine böse Auslegung zu geben , daß wenig Leute die Aufführung dieses FraneiieanerS einem andern Grunde zuschreiben werden , als demjenigen , den einige die Neubegierde nach derer Vergnügungen nennen . " £<» * « 1 TS «■<>« * »Sc
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AavSavovtm» Tm4 Videtur adulterium curiofa in altcrius vo -
Juptatem efli inquifitio eorumque indagatio , quac abfconduntur et II Sand .
plerosque latent . Plut . de Curiof . pag . 519 . Wenn es wahr ist , wie einige Gelehrte behauptet haben : ( Iofeph . Vicecomes de Ritibus Bap - tifmi , VofTius , in Thcfib . de Baptifmo . ) daß in der ersten Kirche , die« jenigen Personen , die man getauft hat . von tvcis sür Alter und Geschlecht sie auch waren , so nackend gewesen , als wie sie von Mutterleibe gekom - men : so würde man desto besser begreifen , wie dieser Mensch seine Andäch - tigen durch sein schönes Geschwätze , und durch den Schein einer großen Andacht zu seinem Zwecke gebracht hat . DasSaerament der Buße , l>at er ohne Zweifel , u ihnen gesaget , mußebensogehaildhabetwerden . alswle ehmalS die Taufe : nun machet die Strafe der Ruthe , wozu ich euch ver - dämme , einen Theil des SaeramentS aus ; also muß u , s . w . Meteren im VIII B . der Historie von den Niederlanden , pag . haager Aus - «be von 1618 . erzählet dasjenige so weitläustig und mit so vielen Um , änden . was die Beichttöchter diese» Franciscaner« betrifft , daß man es für wahr halten kann ,
Dy yy Heinrich

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