Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-11174

720 Hadrian
tonfluxerat , dumnonminora de Hadriano fibi quisqtic pollicetur , ecce adeft mufarum et eloquentiae totiusque nitoris hoftis acerri - nnis , qui litteratis omnibus inhnicitias minitaretur , quoniam vt ipfe diftitabat , Terentiani eflent ; quos cum odifle , atque etiam perfequi coepifiet , voluntarium alii exilium , alias atque alias alii latebras quae - rcntes , tamdiu latuere , quoad Dei beneficio altero Imperii anno decef - iit , qui fi aliquando diutius vixiflet , Gottica illa tempora aduerfus bonas litteras videbatur fiifcitaturus . De Litterat . Infelicitate , Üb . II , pag . m . 90 .
( Y ) Er hat die großen Misbraucbe auf eine sehr che Art in dem Unterrichte bekannt , d^n er dem Nuntius gegeben , der in feinem Namen auf dem Reichstage zu Nürnberg reden sollte . ] Dieser Nuntius hat Kraneifeus Cheregat geheißen . Hier ist ein Stück aus seinem Verhaltungsbefehle : Dices nos ingenue fateri , quodDeus hanc perfecutionein a Lutheranis illatam , ecclefiae fuae in - ferri permittit , propter peccata hominum , facerdotum maxime , et ec - clefiae praelatorum , Clamant Scripturae peccata populi deriuari a peccatis facerdotum , proptereaque , vt ait Chryfoftoinus , Saluator no - fter curaturus infirmam ciuitatein Ierufalem , ingreflus eft prius tem - plum , vt peccata facerdotum prime caftigaret , inltar boni medici , qui niorbum a radice curat . Seimus in hac fanfta fedc aliquot iam an - nis multa abominanda fuifle , abufus in fpiritualibus , excelliis in man . datis , et omnia denique in peruerfum nnitata : nec mirum , fi aegritu - do a capite in membra , a fummis Pontificibus in alios inferiores praelatos defeendit . Omnes nos praelati , videlicet eccleliaftici decli - nauimus , vniisquisque in via« fuas , nec fiiit iam diu , qui faceret bo - num , non fuit vsque ad vnuin . Ein protestantischer Scribenr giebt vor , daß die Cardinäle eine so lebhafte Empfindlichkeit darüber gefaßt , weil dieser Pabst den römischen Hof auf dem Reichstage so verunehrt , und weil er einen Menschen wegen Sodcmiterev hatte verbrennen lassen , daß sie das Leben dieses Pabstes verkürzet . Nec tarnen tarn foelicibus ad perfe & um Papatum rudimenti» profecit , quo minus illi purpura - tae Parcae offenfae , quod comitiis Noi'ibergenfibus dedecoraflet rem Romanam , et quod quendam , iumento Aio pro luv arbitratu vfum , honio Batauus et ad Papalem venerem frigidns , creinafl'ct : filum iL lud diu regnandi et viuendi , abrumperent . Nouor . Epifcop . Belgic . l ) iuil>o , p . 79 , Ausgabe »0111570 .
( Z ) ( Sc hat an Verböserung der Sitten gearbeitet , da er - - , Dechant gewesen , allein die Unnünlicbkeir seiner Bemühungen hatte ihn genotbiger , seine Unternehmung fabren ; u lasten . ^ »So bald er sich zum St . Peter« Deeanat in Löwen erhoben gesehen , welches eine sehr ansehnliche und mit schonen Verzügen versehene Wurde ist , so hat er sich mehr als jemals angelegen seyn lassen . durch Erempel zu pre - digen ; denn er wußte sehr wohl , daß seine vorhabende : : Beltrebunqen , feine Amtsgenossen auf den rechten Weg - » drinqen , viel wirksamer seyn würden , wenn er die Pflichten der Mäßigkeit selbst ausübte . Er hat sparsam zu leben fortgefahrenes ist mehr Nettigkeit als Ueberfiuß bey ftmerTflitl gewesen ; und wenn er ein Gastgeborh gegeben , so hat er nie - mand zum Trinken genöthiget , und niemals dergleichen Gejundheit gebracht , welche alle Gäste verbunden harte , dasselbe Glas auszuleeren . Er hat auch nicht gelitten , daß man ihm dergleichen zubrachte , und ist über diese eingebildete deutsche Höflichkeit weg gewesen . Seine Gast - mahle haben nur eine Stunde gedauert , und er hat einen Theil von die - fer Zeit einige Stellen aus dem Worte Gottes lesen lasse» . Er würde die ganze Mahlzeit über haben lesen lassen , wenn er nicht befürchtet hat - te , ei " em oder dem andern von den Gasten zu misfallen . Neque re vltra horam accumbebat , etiamfi conuiuas magnos haberet , atque Interim fere adhibito leciore , qui aliquid e littcris facris recitaret , vt non minus mente , quam ventre conuiuae deleäarentur , fed id tan - tum ad tempus , ne leftio longior cuiquam fortaflis moleftiae eilet . Gerardus Moringus , in Vita Hadriani VI . Er hat auch sehr keusch zu leben fortgefahren : Man hat nichts geiles weder in seinen Geberden noch in seinen Gesprächen gemerket ; und er hat nicht geduldet , daß man Unfläkhereyen in femer Gegenwart vorgebracht , ob er gleich sonst Gefal - len gehabt , ehrbare Scherze vorzubringen und anzuhören . Er hat nicht nur die wirkliche Unreinigkeit vermieden , er hat auch den Schein und Verdacht derselben mit Sorgfalt geflohen . Er hat sich eine ganz be - fondre Pflicht daraus gemacht , feinen Amtsgenessen eben dieselbe sche Sittenlehre einzuprägen . Er hat sie in denen Reden , die er brp den Eapitularversammlungen gehalten , nachdrücklich darzu ermabnt . und die - jenigen scharf gestraft' , die er als Weinsäufer und Spieler gekannt , und insonderheit diejenigen , die eine Kebsfrau unterhielten . Arguebat gra - tiiter , fi quos malae frugis , bibaces , aleones feiret , et praefertim , qui amicas domi prope vxorum loco haberent , quos dirimere viribus omnibus contendebat . Ebend . Er hat nichts vergessen , sie zu vermö - gen , diesen schändlichen Umgang aufzuheben . Allein er hat so viele Hin - dernisse gefunden , daß er endlich von seinem Vorhaben abgestanden , weil sich einige von den Aelteflen und Mächtigsten denselben widersetzten . Es hat wenig gefehlt , daß ihm sein Eifer nicht das Leben gekostet ; er wurde am Gifte gestorben feyn . wenn sein Arzt nicht ein gutes Hülfsmir - tel wider das Arfenicum gefunden hätte . Man glaubet , daß die Bey - fchläferinn eines Domherrn diesen Streich begangen hat . der ihn znr Mittagsmahlzeit gebethen hatte . Sed in re longe honeftiflima tantum difficultatis habuit , obnitentibus quibusdam c fenioribus ac potentio - ribus , et praefertim non fuppetente auxilio , fine quo huiusmodi non temere confici queunt , vt negotium magna ex parte infeöum relin - quere debuerit . Quinimo parum abfuit , quin per eam ipfam cau - fam , veneno perierit . Id concubina vnius e Canonicis , a quo ad prandiuni jocatus erat , holufculo eins , quod primum omnium men - fae inferri folenne eft , indidifle putabatur . Ebend . Da er gesehen , daß die Verbesserung der Sitten nicht zu hoffen war , und daß ihm seine Bemühungen viele Feinde zuzogen , so ist er gänzlich davon abgestanden , und hat erklärt , daß die Dechanten dcr Capitel diese Unordnungen weniger zu verantivorten hätten . als die Bischöfe ; denn die Dechantm müßten Leute annehmen , deren Verderbnisse eine eingewurzelte KrÄ'kbeit waren ; allein die Bischöfe oder ihre Viearien verbände nicl'ts , liederlichen Leuten die Orden oder geistliche Aemter zu ertheilen , wie sie tbäten Dum fpem nullarn fruftus confpicercf , nihilque aliud fibi . quani odiuni et male - uolentiam quaeri intelligeret , in totum conatu fuperfedet , fatis ba - bens , fignificafle fibi difplicere , poftquain aliud praeferea non poflet praedican« tarnen , culpam eam non tarn Decanis Collegiortwn , qui -
der VI .
iam obftinatos et in fordibtts illis iniieteratos «teiperent , quam Epff -
copis , eorumque vicariis praeftandam , qui quoscunque fine delcdhi , quantumuis probrofos et infames , ad ordines et beneiieia admitterentf nulla aut exigua , in retroa & am vitam inquifitione facta . Ebendaselbst . Alles dieses ist aus einem Buche genommen , welches ein katholischer Prie ster gemacht hat . Man bleibe also mit dem Einwurfe zurück , daß es von den Protestanten erfundene Verleumdungen wären .
Es ist gewiß , daß unser Dechant die Ursache des Uebels bemerket hat : die Nachlaßigkeit der Bischöfe oder ihrer Bitarien ist die Quelle der Un - Ordnung gewesen . Sie haben sich nicht erkundiget , ob diejenigen wohl gelebt , und gute Beweise von einem Temperamente gegeben Hatten , da« gegen die Enthaltung von den Wollüsten des Leibes nicht widerspänstig war , die zu geistlichen Aemtern zugelassen wurden . Dieser Mangel der Untersuchung ist eine Thüre gewesen , wodurch unzählige Leute in die Kir , che eingegangen , die sich bereits der Sinnlichkeit ergeben hatten . Dieß ist eine Neigung , die man schwerlich ablegt , und die von Tage zu Tage zunimmt : fle wird zur Gewohnheit ; welches eine fast unheilbare Krank - heil ist . Dieß ist die Ursache , warum die Ermahnungen unsers Ha - drians keine Wirknng bey denen Capitularen gehabt , die sich seit langer Zeit der Schwelgerey und den Wollüsten des Beyschlafs ergeben hatten . Sie hatten sich dermaßen an diese Lebensart gewöhnt , daß sie nicht be - «rissen , wie es möglich wäre , ohne dieselbe zu leben . Man hat unend - lich mehr Mühe , einen Junggesellen von fünf >md vierzig oder fünfzig Jahren zur Heirakh zu bewegen , als einen Witwer von stchszigen , der seine Ehftau vcrlohren hat . So groß ist die Gewalt der Gewohnheit . Der Kebsftau kommt es ihrerseits eben so schwer an , ihren Domherrn zu verlassen , mit dem sie so viele Jahre einen Heerd und ein Bette ge , habt . Wo soll ich hingehen ? saget sie , was soll ich machen ? Wo werde ich ein so gureS Bette , eine so gute Tafel , und ein so gutes Fener finden ? Also ist sie mit ihren Gespielinnen sehr geneigt , sich den Absickten eines Verbesserers zu widersetzen . Es wäre dem St . Peters Dechantcn zu Löwen ein viel unerschrockener Muth nüthig gewesen : denn das Gift dieser Beyfchläferinnen ist nicht weniger zu fürchten gewesen , als der Dolch der Banditen . Da er nun keinen Beruf zum Märtyrerthume bey sich empfunden , so hat er die Sachen lieber lassen wollen , wie sie waren ; als sich durch die vorgenommene Verbesserung derselben dem Hasse und dem Tode selbst aussetzen . Ohne Zweifel hat er gesaget : Ii» magnis vo - liiiflc fat eft .
f A A ) Man kann ihm vorwerfen , daß er den schonen Lehren ntdw nachgekommc . " . , vis . au« stiner Fever wider die Besitzung vieler Pfründen geflogen sind . ] D« ? r noch Professor zu Löwen ge - Wesen , hat er behauptet , daß diese Vielheit böft wäre , und daß ein MeMch , der einmal zu einer Pfründe gelanget , davon er ehrlich leben könnte , sich damit begnügen und bey derselbe» bleiben solle . Allein maii hat gesehen , daß er , d« kr sich «n dem Hofe Carls von Oesterreich befunden , verlchie« dene Würden angenommen , und wenig an feine Lehre gedacht hat . Die - fe Unbeständigkeit ist für einige Personen ein Aergerniß gewesen . Ho - nores et facerdotia quaedam magnifica accefftre , non fine admiratia - ne , et fortaflis otFenfione aliqtiorum , qui cum diuerfum facere ineu - fabant , atque aliquando doeuiflet . DocuifTe quippe , nort ffle fa» cui - quam multa habere beneficia , fed vno aliquo ad honeftam munaSJU - que ftiftentationem vitae fufficiente , quictum ac contentum efle debe - re . Moringus in Vita Hadriani VI . Der Schriftsteller , dem ich dieft Worte abborge , saget , er wolle nicht untersuchen , ob man Recht oder Un< recht habe , diese Aufführung zu tadeln ; in quo meritone eum , an im . merito ciilparint , equidem non haheo dicere , cum hiftorici perfonain hic potius quam cenforis asani ; Ebend . allein gleichwohl unternimmt er dessen Red , tsertigung . und bedienet sich der allerscheinbarsten Mittel , die man bey einer solchen Materie zum voraus sehen kann . Er saget unter andern , man müsse sich nicht befremden lassen , daß Hadrian dasjenige in seiner Person für billig gehalten , welches bey andern Perscnen unbillig gewesen , die keine so vortrefflichen Eigenschaften , noch Bedienungen bey Hofe besessen , als er . Die großen Gaben , die Gott einem Priester mit - theilet , sind der Kirche viel nützlicher , wenn sie mit einem großen Ein - kommen begleitet werden ; und man kann nicht leugnen , daß ein Geist - licher , der bey einem Köniae Aemter hat , nicht nothwendiger Weise mehr Aufwand haben müsse . Der Verfasser füget diesem noch viele andere Gründe von gleicher Gattung bey , welche alle den Fehler haben , daß sie sehr geschickt zu einer Schuhschrift für solche Casuisten sind , die dem P . Pirot gleichen ; ich will sagen , daß sie alle zur Rechtfertigung derer ange« wendet werden können , welche , weil sie in großen Posten stehen , alle er - ledigre Aemter auf ihren Kopf zusammen häufen . Kami man nicht zu ihrer Red ) tfertigung sagen , daß sie dieselben besser zu gebrauchen wissen würden , als andere geihan hätten , und daß sie nöthig wären ; damit sie ihre großen Eigenschaften nach ihrem ganzen Umfange , zum Nutzen und Frommen des Staats anwenden könnten ? Der Verfasser setzet dazu , es sey eine Unrichtigkeit , daß Hadrian weder in feinen Vorlesungen noch in seinen Werken die Besitzung vieler Pfründen bestritten . Er hat dieselbe vielmehr gebilliger , fährt er fort , und dieses erhellet aus seiner Auslegung über den Lombard» ? . Neque vero ipfe Hadrianus vfquam diuerfum aut doeuit , aut feripfit , vt ei falfo intendunt , fed potius contra . gat eum qui velit , in quartum Petri Lombardi feribentem , vbi dere - ftitutione agens , quaeftionem illam ex profeflb diflerit . Ebendaselbst . Alles dasjenige , was der Verfasser hierauf aus dieser Auslegung ansühret , dienet nicht viel zu seinem Zwecke . Wenn man dasjenige darausschließen könnte , was er vorgiebt , so geschähe es nur vermittelst einer sehr entfern - ten und sehr mittelbaren Folgerung : und er saget nichts von der quod - libetanischen Rede , die Hadrian , wie man versichert , wider die Besitzung vieler Pfründen hat drucken lassen . Wir wollen einen protestantischen Seribenten anziehen , der eine Antwort anführet , die dieser Pabst denen gegeben , die ihn gefragt , warum er einen Misbrauch nicht abtchoffti' , den er doch so sehr verdammt hätte . Imo cum Louanii olim edidiilet Qiiod - libeticam orationem contra pluralitatem beneficiorum , monentibus cur ipfe , qui iam poteftatem tollcndi haberet , quod ante reprthen - dere tantum potuillet , omnia beneficia , maxime ex Inferiore nia fupplitantibus intereiperet , refpondit : cum paruuli eflcinus , ! " * quebamur , fapiebamus , faciebanius vt paruuli ; nuncautem , poftmjam viri fafli funiiis , reliquinuis ea , quaefunt paruuli . Sic hoir . o Tra - iefti non folum ex vilifliniis parentibus onus , verum etiam vfquead ipfuni magifteriuin , mendicitate , et eleeuiofinariis fumtibus educatus , ad infuetac fortunae prnritum exiliit , fic in illa fede proinouit , banc

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