Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-11163

Hadrian der VI .
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mit der weltlichen Gewalt dermaßen verknüpft ist , daß die Erhal - tnng des einen von der Erhaltung des andern abhängt , ist es eine Thsr - heit , wenn man verlangt , daß ein Pabst , der die Schliche des Hofes , und die Kunstgriffe der Staarskunst nicht versteht . seine Pflichten erfüllen könne . Man sehe die Anmerkung ( U ) bey dem Artikel Vellarmin zu Ende . Es wäre zur Erfüllung von denProphezeyungen der Protestanten nichts mehrnöthig gewesen , als vier oder fünf solche Päbste nacheinander , wie einige , die außer diesem sehr scharfe Sittenlehrer gewesen sind . Dem sey . wie ihm wolle , so wird es nicht undienlich seyn , den Brief des von Launoy zu sehen , ( Fpift . IV , 7 ) wo er unsern Hadrian Wider den Cardinal Palla - vicini verrheidiget .
( Rj Auel ? so gar über seine Mäßigkeit hat man Spöttereien gerrieben . ] Er ist der römischen Leckerbißchen so wenig gewohnt gewe - stn . daß er dem Stockfische keinen Fisch vorgezogen hat : so'daß der Preis dieses Fisches unter seiner Regierung nicht ohne großes Gelächter der gan - zen Fischcrznnst , ansehnlich gestiegen ist . Anstatt dieses zu loben , hat PaulJovius de Pifcibus Roman , c . l die Kühnheit gehabt , zu sagen : daß er eben so wenig Geschmack wegen der Speisen , als Urlheil zur tung der Geschässte , gehabt hätte . Ich habe die Worte dieses Schriftstel , lers dermaßen geschwächet , daß es nöthig ist , sie von Wort zu Wort an - zuführen . Modo Merlucciäe plcbeio admodum pifci Hadrianus Pon - tifcx , ficuti in adminiftranda republica hebetis ingcnii vel deprauati iudicii , ita in cfculcntis infulfiflimi guftus , fupra mediocre pretium , ri - dente toto foro pifcario , iam fecerat . Der Hof zu Rom ist von einer Ausschweifung in die andre gefallen ; denn es ist niemals ein Pabst ge - wefen , dessen Tafel prächtiger und wollüstiger gewesen , als Leo des X seine . Man hat sich durch die Erfindung guter Gerichte in seine Gnade gesetzt : und es sind vier große Meister in guten Bißchen seine Lieblinge geworden . Sie haben eine A« von Würstchen erfunden , die den Hadrian in Ver - wunderung gesetzt , als er die Ausgaben seines Vorfahren untersuchte . Mire fanit Pogio feni , Pogii Hiftorici filio , itemque Moro nobili a gu - lae intemperantia . . . etBrandino Equiti , Marianoque Sannio - ni cuaillato facetiffimis helluonibus , et in omni genere popinaliuin delitiarum eruditillimis . Nam inter alia portenta infanientis eorum gulae , lncanicas concifis pauonum pulpis faröas commenti fuerant , quod obfonii genus mox fuccefibr Hadrianus , vir Batauae frugalitatis , mirabundiis expauit , quum futntiiarias rationcs Leonis infpiceret . Iouius in Vita Leonis X , p . . yi . VarillaS , Anecd , de Florence , p . 297 saget , daß diese Würstchen nur von demjenigen Fleische , welches an denen Fasanen am niedlichsten und schmackhaftesten ist . gcstopfet worden . Er nimmt ei - nen Pfau für einen Fasan . Er für seine Person hat keine solche unnütze Bediente unterhalten , und hat daS Gegentheil Leons des X so stark gezeigt , daß er täglich nicht mehr , als zwölf Thaler verthan . Die Römer ver - höhnten diese Sparsamkeit gar sehr , und sagten : daß das Batican denen Häusern ähnlich geworden , die wegen der Gespenster und Poltergeist« ? öde stehen . Familiam adeo fordidam et exigusm aiebat , vt fumtus quotidianiu dnodecim aureos non excederet . Quid plura ? Vatica - 11a domus non iam domus illa Pontificia , et ocellus vrbis , vt quondam ; fed domus aliqua , vt poStae tradunt , quae propter lemurum formidinem vacua et defcrta fit , prae folitudine videbatur . Also redet Christoph Bat - tuS davon , den ich bereits oben angeführt habe . Wir können aus den Wor - ten des Paul Joviu« schließen , daß sich Leute in Rom gefunden , die aus Ge - fälligkeit gegen den Pabst etwas aus seinem Fische gemachet haben . Man wird in dem Artikel des Kanzlers Vu prat sehen , daß dieses nicht zum erstenmal ? geschehen , daß die Großen der Welt gewisse Gattungen von Speisen zur Mode gemacht haben , die zuvor verachtet gewesen . Ue , brigens glaube ich , daß man den Vorzug , den Hadrian dem Biere dem Weine gegeben , nicht weniger durchgezogen hat , als daß er den Stockfisch hoher , als alle andere Fische gehalten . Sein ordentliches Ge - tränke ist Bier gewesen , und diesem hat man auch seine letzte Krankheit zugeschrieben . Er hat sehr für seine Gesundheit gesorgt , und sich zu einer so ordentlichen Stunde zur Tafel gesetzt , daß er aufs eilfertigste von den wichtigsten Geschafften abgebrochen , so bald man ihm meldete , daß die Ta - fel bereit seyz allein er bat wenig gegessen . Fenint Hadrianum alio - qui vegetae viridisque fencäae , contraxifle morbum affiduo Cereui - fiae potu . . . Nam per fe cibi parcilTimus erat , et in ituenda Valctudine apprime diligens et morofus , tanta horarum definitione , vt denuneiante Architriclino paratas eile cpulas , vel maximarum re - miu colloquia protinus abrumperet . Iouius in vita Hadriani pag . 2«Z .
( S ) Die Freude , die man über seinen Tod bezeugt , ist im Grun , de ein großes Hob für ihn . ] Darum , daß ihn nichts verhaßter c'r' ) Ich bann nicbt eigentlich sagen , - - - dienerstvor - gegeben , Saß er erlaubt , den Gottheiten des ^e . demhums M opfern , 'damit d . epestaufbören sollet Ich habe noch n . cht Zeit gehabt , weiter zu gehen , und die Quelle von dieser Lügen zu erforschen . Ich bin noch bey einem »Amsterdam . 66 . gedruckten Buche . Lompend .
Uifl - ni« SitCS . , f . ^ r» " ; , r\\
zu Fran - ckkr ; wo ich dich Mtt -
gelesen habe : ( Aärianns VI ) nd auertendam peftem , quat grawßime in vrbe faeuicbat , Mago Demetrio Graeco conceflit fylueftrem taurum Diis Gentilium ad plaeanda . n eorum iram nia^lare , ceffauitjue lucs . Der Verfasser führet den PaulJovius , im XXI B . seiner Historie an ; allein man mich , seine Ehre zu retten , und aus christlichem Mitleiden , glauben , daß er diesen Historienschreiber nicht gelesen hat . Wir wollea sehen , was PaulJovius saget ; die Stelle verdienet angeführt zu werden . . Man saget nur von diesem Pabste , daß er den Umgang mit den verpeste - ten Häusern nicht scharf verbothen , und daß dieses von den Gebräuchen Italiens so entfernte Verfahren , den Ted einer unzähligen 'Menge Menschen verursachet habe . Man läßt ihn den Zauberern die Verwilli - gung nicht geben , dieses Opfer zu thun : may saget überhaupt , daß sich nie , mand unterstanden , sich diesem Demetrius zu widersetzen , den , der Pöbel ge - wogen gewesen ; »nd überdieß saget man nicht , daß dieser Mensch den Stier den heidnischen Gottheiten opfern wollen . und wegen des Erfolgs saget man nur , daß diePest etwas nachgelassen hätte . Wo denken also diejenigen hin , die uns den Paul Iovius anführen , wenn sie viele Um - stände vorbringen , die er nid>t saget ? Exorta cft in vrbc peftilentiae Ines , quae quum feueris legibus more noftro Pontifici minime coher - cenda videretur , contadhi aegroruin ita exarfit , vt multa funera in compitis viferentur , appareretque vaftari vrbem , haud nn . lto dierutn fpatio ; nifi Graeeulm quidam nomine Demetrius Spartanus , fedandae peftilentiae , fauenti ei turba hominimi , negotium fufcepifTet , nemine fuperftitionem vetare anfo . Nam ferum taurum , ctii dimidium cor - nu diflecarat , magico carminc dextram in aurem prolato repente ita manfucfaftum readiderat , vt inieöo tenui filo ad integrum cornu , quo vellet perducejis , peftilentiae , placando ntimini ad Amphithea - trum iinniolaret . Nec credulae multitndinis fpem ex toto fefellit , quum ab ca inanis facrificii profpera litatione , mitefcere morbus coe - pifl'et . Lib . XXI , fol . m . «f .
( U ) Nl ? ir müssen nicbt vergessen , daß dieser pabst ein Scbrist , steller gtnnftn . ] Seine Quaeftiones et Expofitiones über das vierte Buch des Magiftri Sententiarum , sind i ; i - zu Paris in Folio und 1516 , ( es giebt noch andre Ausgaben davon ) und seine Quaeftiones quodlibe . ticae duodeciin , zu Löwen in » , 1515 . und zu Paris im folgenden Jahr» in Folio gedruckt worden . Bey seinem Aufenthalte in Spanien hat er geschrieben : Computum hominis agonizantis , et Sermonem de facculo pertufo . Seit seiner Pabstw . irde , hat er Regulas Cancellariac Apofto - iicae herausgegeben , und viele Briefe an die Fürsten in Deutschland u . a . m . geschrieben , die zu den Coneilien oder anderswo gedruckt worden sind .
Ich habe etwas wegen seines Werkes über den Xiagiftrum rum zu beobachten . König , Kibl . vet . et nou . der von denjenigen betro - gen worden , die gesagt haben : in IV sententiarum quaeftiones et expo . fttiones , als SwertiuS , Atben . Belg , und Valerius Andreas , Bibl Belg , versickert daß unser Hadrian Fragen über die vier Bücher der Tente» - tien herausgegeben habe . Dieß ist ein neuer Beweis von demjenigen , was ich in der ersten Anmerkung dieses Artikels gesagt habe : daß man nur ein wenig von der Richtigkeit abgehen darf , um einen S6 ) ristj ? eller zum Lügen zu bringen . Hatte man nicht lieber sagen sollen , in quartum fententiarum , oder in IV librum fententiarum , als daß man sich der i^ahl IV bedient hat , welche sowohl quatuor , als quartus bedeutet ? P . Oldoini , Athen . Rom . p . 306 , hat eben denselben Fehler begangen , wie König . Es ist dienlich , den Varillas über dieses Werk Hadrians zu hö - ren . LNan bar , saget er in der Vorrede der Pratique de l'Edtication , seine Auslegungen über den Magister der Sententien bewundert ? und gewiß , wenn dieses Bucl ? unter drc ) ? hundcrten von gleicker Arr . die sich in den Bibliotheken befinden , nicht das scharfsinnig - ste ist , so ist es doch ; um wenigsten das deutlichste und ordenr , lichste . Der Verfasser hatte behauptet , ( Traue de l Eglife de Rome , p . l ? 8 ) und ; war auf die alleremscheidendste Act , daß der s ? adst auch in solchen Dingen irren könne , die den Glauben beträfen : und man will , daß er'seine Meynung nicht geändert , nachdem er selbst Pabst geworden , wie Pius der II gethan ; denn er hat nichts in dieser Stelle seines Buches bey der Ausgabe geändert , die unter seiner rung zu Rom gemacht worden .
( X ) ! Ls ist seltsam * - > - daß er den aufgeweckten Röpsen so rven . g gewogen gewesen^ Man hat in der Anmerkung ( D ) seme Gedanke» über die Poeten qesehen . Man könnte ihm dieses eher ben , als die Einziehung der Capita>ien , die zum Unterhalte derjenigen Ge - lehrten gedient hatten , welche aus Griechenland nach Italien kamen , iu , d denen die Abendländer die Auferweckung der schönen Wissenschaften zu verdanken haben . Der Cardinal Bessarion hat , u Rom einen Theil dieser großen Geister erhalten lassen , und eine Akademie für sie in dem Vatican aufgerichtet . Allein die größte ? ahl hat von den Lreygebigkeiren des Pabstes Nicolas V gelebt . . . - Notaein Phranzarn , p . - 75 . Piatina , den Guillet . Hift . Mahom . IL Tom . I , p . - 55 anführet . Unter allen seinen Nachfolgern hat keiner diese Begn^ . digung eingebogen , als Hadrian Oer VI . ans tincc 0parfcm£cit , die seinem Andenken wenig iShre machet . Theodor . Spandug . bey eben demselben Guillet angeführt . Ein anderer Schriftsteller Hat bemer - ket . La Mothe le Vayer , Tom . XI , pag . 436 . Alle Gelehrte seiner „ Zeit haben sich bey seiner Gelangung zur^ pabstlichen Würde Beförde - „ rung versprochen , weil er den Wissenschaften seine Erhöhung und sein „ ganzes Glücke zu verdanken hatte . Gleichwohl sind sie m große Ver - „ wunderung gerathen , da sie gesehen , daß er voller Widerwillen gegen „ diejenigen war . welche an den schönen Wissenschaste» Geschmack gehabt . „ sie Terentianer genen . it : und bey dieser denselben erwiesenen'Bege - „ gnung hat mau geglaubt , daß er die Wissenschaften wieder völlig bar - „ barisch gemaä>t haben wurde , wenn er nicht im zweyten ^ , ahre seiner „ höchsten Würde gestorben wäre . Paul Iovius ( 7 de Pifc . Rom . es „ sollte heißen . und nicht ? ) läget auf eine artige Art , daß er sich gegen die „ geschicktesten Kopse seiner Zeit dieser harten Begegnung mit eben der „ Vernunft und demUrtheile gebrauchet , mit welchen er den niederländi - „ schen Stockfisch aller andern Speise und den besten Fischen vorgezogen , „ die in Italien gegessen werden . , . Es ist nicht wahr , daß Paul Iovius dieses saget ; Man sehe seinen Text in der Anmerkung ( R> Man wird nicht ungern sehen , wo la Mothe le Vayer dasjenige hergenommen hat . was er erzählet . Dieserwegen will ich eine schöne Stelle des Pierius Va lerianus hersetze» . Fuit et fiib Hadriano VI par bonarum omnium litterarutn infortunium . Nam cum is Leoni Decimo fufteflus eflet , ad quem vt pote littcrarum Principeiu tnagnus litteratorum numerus

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