Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-11159

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Hadrian der VI .
dem Fuchse , nur mit diesem Unterschiede , daß der Rabe seinen Raub we - gen der zukünftigen Lobeserhebungen verlohren , dahingegen der gute Ha - drian den seinigen wegen der Lobsprüche verlohren , die man seinem maligen Gesänge gab .
( E ) Seine tvahl - - - misfiel dem Volke ; u Rom sehr . 3 Dasjenige , wa« man in dem Conclave , die Trwahlung durch bung nennet , hat an Hadrians Glücke viel Theil gehabt . Der Cardinal von Medicis , das Haupt aller jungen Cardinale , einer Parten , die viel machtiger war , als diejenige , die man zuweilen das fliegende Gchwa - dron 'genennt hat , hatte kaum beschlossen , de» Cardinal von Tortosa zu erwählen , als er sich von allen seinen Anhängern versprechen ließ , daß sie ihm ihre Stimme alle zugleich geben wollten . Dieses ist zur Aussüh - rung gebracht worden . Da also die Eröffnung der Zettel zu erkennen gegeben , daß man einen pabstsähigen Gegenstand aus die Bahne brachte , auf welchen noch niemand die Augen geworfen zu haben schien , so verur - sachte dieses viel Verwunderung . Der Cardinal Cajetan gab ihr durch die Ermahnung einen neuen Schwung , die er an diejenige« , gethan , welch» am nächsten bey ihm waren , sich zu dieser Parten zu Allagen , weil sie> sagte er . die Partey Gottes und der Menschen wäre . Poftquam Diis ac hominibus placet . Ion . pag . 250 . So gleich sind auch verschiedene freywillig übergetreten , ich weis nicht , vermöge was für einer Religions - regung : andre , die auch den Namen des Cardinals von Tortosa nicht ein - mal gekannt , waren zweifelhaft , sind aber gleichwohl der Meynung bey - gefallen , welche die Oberhand hatte ; der Strom der Eingebung hat sie nnt fortgerissen , und alle ihre Absichten vergessen lassen . Der einzige Cardinal Ursini hat sich dieser Eingebung des Conclave widersetzt . Iu - lian von Medicis hat sich vor Freuden nicht zu lassen gewußt ; allein die andern waren in eine verdrüßliche Traurigkeit verfallen , und das Volk ist so verdrüßlich über ihre Wahl gewesen , daß es tausend Schimpfwort ? wi - der sie ausgestoßen , als sie aus dem Conclave giengen . Id populus adeo indignantcr tulit , vt quum patefaclo Conclaui Cardinales domum re - dirent , paflim malediäis incell'erenttir , qnod infantibus comitiis , non inodo vrbem Romain fuo antiftite orbatam prodidiflent , fed qnod in - faniac proxiinum videretur , Italiam etiam Poiitificatus honore fpoli - afient . Ebend . Einer von ihnen dankte dem Volke dafür , weil er be , funden , daß sie guten Kaufs davon kanien , weil man sich begnügt , ihnen Schimpfwort ? zu sagen , und sie nicht gar zu steinigen , wie sie es verdient hätten . Adaperto conclaui quum globus Cardinalium Hadriani tein efiet praeteruedhis , et opifices puerique minaeibus oculis voce - que et manibus obftreperent , nec a foedillimis probris abltinerent , Sigisnuindus Gonzaga Cardinalis renkend vultu his egit gratias , quod aduerfus extrema fupplicia mericos contumeliis efil - nt contenci , nec lapidibus publicam iniuriam vindicarent . Iouius , pag . 251 . Der derwille des Volks ist darauf gegründet gewesen , daß man nicht die ringste Acht auf den Flecken der Erbsünde gehabt , und weil es befürchtet , es möchte der neuerwählte Pabst seinen Sitz wo anders nehmen .
( M ) Er ist den 30 August ) » Rom angekommen . ] Franciscu« Swertiuö , Athen . Belg . p . $> ? , saget , daß DidacuS Stunica^ eine bung von dieser Reise gemacht hat . Ich zweifle sehr daran ; denn Ni - eolas Antonio saget nichts davon , ob er gleich von einer andern Reisebe - schreib , mg redet , die dieser Schriftsteller gemacht hat , und die von gerin - gerer Wichtigkeit ist , als diese seyn würde . Swertius hat vermuthlich eine mit der andern verwechselt . Die von dem Nicolaus Antonio ange - führte , ist diejenige Reisebeschreibung , die Srunica 1520 zu Rom gemacht , welche Schottus seiner Bibliothek von Spanien am Ende mit einverlei - bet hat . Anstatt des DidacuS Stunica sollte man den Blasius Ortitz nennen ; denn dieser ist es , welcher eine Beschreibung der Reise Hadrians des VI herausgegeben hat . Sie wurde zu Toledo 1548 gedruckt . Der Verfasser hat die Reise aus Spanien nach Rom mir diesem Pabste ge - rhan . Nicolaus Antonio Biblioth . Hifpan . Tom . I , pag . 179 .
( N ) Lr hatte sehr wenig Vergnügen von der dreifachen Rro - ne . Z Dieses weist die Unterschrift . die er aus sein Grab haben wollen . Adrianus VI hic Titus eft , qui nihil fibi infelicius in vita duxit , quam quod iniperaret . P . Labbe de Script . Ecclef . Tom . I , pag . 415 , saget , daß diese Überschrift in der Kirche der h . Maria delÄnima wirklich auf sein Grab gesetzt worden sey , aber er irrer sich . Der Cardinal , »velcher ihm in dieser Kirche ein Grabmahl aufgerichtet , ließ eine weit längere und prächtigere Überschrift darüber setzen , als diese . Man findet solche in unzählig vielen Schriftstellern . Die andere ist nur auf das Grab gegra - den gewesen , worinnen er unterdessen in der St . Pererskirche beygejetzt worden . Man sehe den Paul Jovins zu Ende , von dem Leben dieses PabsteS . Man darf sich nicht verwundern , daß die päbstliche Krone Ha - drian dem VI beschwerlich vorgekommen ; >enn die allgemeinen genheiten der Christenheit waren unter seiner Regierung in der größten Unordnung , und er war der Gemuthsart der Italiener nicht kundig , so daß er in tausend Dingen ihr Missallen hätte vermeiden können . Die neuen Zeitungen , welche er täglich von den Türken , ihren erlangten Vor - theilen und Drohungen erhalten , und seine wenige Erfahrung in den ita - lienischen Angelegenheiten verwirrten ihm dergestalt den Kopf , daß ihm die Worte entfuhren , er habe mehr Vergnügen gefunden , die hohe le zu Löwen , als die ganze christliche Kirche zu regieren . Necefie erat Pontificem rcrum Italicarum penitus ignarum , et tum primum vr - bium fuarum et protiinciarum regulorumque nomina perdifeentem , in omnibus Confiliis vehementiflime conturbari , adeo vt quum his curarinn fludlibus iactaretur , aliquando diceret : fibi iueundius fuifie Louanii Gymnafium cum ftudiorum laude moderari , quam Komae pontiiieia in fede , chriltianam rempublicam adminiltrare . Iouius , pag . 262 . Wenn er nickt fähig gewesen wäre , von sich selbst zu nen , daß seine Unschlüßigkeit und Langsamkeit vieles Uebel und widri - geS Murmeln verursacht , so hätte er es aus den Vorwürsen abnehmen können , welche ihm der Abgesandte Ferdinands ins Gesicht that , welcher seine Rede also angefangen : Fabius Maximus , fancullinie Pater , rem Ronianam cun & ando reftituit , tii vero paritcr cun & ando rem Ro - manam fimulque Europam perdere contendis . Dieser Anfang machte den Pabst so bestürzt , daß die Cardinäle , die ihm ohnedieß nicht geneigt waren , bald überlaut gelacht hätten . Ebend . 276 S .
( O ) Vielleicht hat diese» ! Ni«r>ergnügen «t feinen Be^eigunqen Anlast gegeben , die ihn für einen Mcnlckenfeind Kaden sen . ^ Pierius Valeri / nms Hieroglvph . Libr . XIX , steller ihn ais einen Menschen vor , der die menschliche Gestlllchaft geflohen . und der in den öffentlichen Cavaleaden , so viel ihm nur möglich gewesen , sich von den
Hofleuten entfernt hatEr hat , einem Pferde sogleich die Spornen gege - ben , sobald er gesehen , daß andre nahe zu ihm kamen . Um die hohm - scheu Durchziehuugen dieses Schriftstellers in ihrer Vollkommenheit zu sehen , muß man gewisse Auflagen wählen ; denn man findet einige da - von , welche bey diesem Umstände etwas uberhin gegangen sind . Die von Basel 157 ; ist nicht von der Zahl , wie es P . THeopbiluS Raynaud Ho - plotheca pag . 346 angemerket , welche die Partey dieses PabsteS wider die
Sprachgelehrren der damaligen Zeiten genommen hat .
Ich rede nicht vom Capitolo des Bernia wider diesen Pabst ; ich will nur sagen , daß man diese Stelle nicht nach den Buchstaben nehmen muß .
Bafta ch' egli hanno fatto Uli Papa fanto ,
Che dice ogni mattina la fuaMefia ,
E non s' el tocca mai fe non col guanto .
Dieß ist eine kurzweilige , gemeine und auch SprichwortsmäßigeHyper - bole unter den Italienern . Gli hipoeriti , saget Aretin , Giorn . I della II Parte , che non fei toccano mai fe non col guanto . Ich habe diese Be - cbachtung dem Herrn de la Monnoie zu danken .
( P ) Die Italiener haben heftige Schmähungen wider ihn be - kannt gemacht . ^ Man hat ihn nicht nur eines entsetzlichen Geizes be - schuldiger ; man hat auch ausgespreuget , daß man endlich entdecket hätte , warum er sich alle Tage in einen verborgenen Ort des Vaticans begeben , wohin er niemand gelassen ; und daß er solches nicht , wie Numa gethan , um von oben herab die Kunst wohl zu regieren , zu erlernen , sondern da - selbst ein schönes Frauenzimmer zu umarmen , welches seine Nymphe Egeria gewesen . Poftea compertum est , illic muliercm forma egregia clam habuifle , cuius amoris caufa eo tarn frequenter itaffe creditur , eins amplexü frui folitum . Battus , beym WolfiuS , Le<ä . meinorab . Tom . II , p . 192 . Man hat dazugejetzr , daß die Krankheit , daran er ge - sterben ist , von den , allzuöftern Gebrauche der Venuslust hergekommen : Laborauit per multum antequam e vita excederet et ftranguria et tonninibus , inquas aegritudines plerumque incidere folent , qui co - itu immodico vtuntur . ( Ebend . ) Und daß er sich nicht allein mit Frauenspersonen vergnügt , sondern auch schöne Knaben hätte haben müs - sei , . Datum eft hoc inftiper crimini , quod puerorum amoribus dele - öaretur , quia inter caeteros Miniftros , nonnullos tenellae aetatis et eximiae formae habebat . Dieß ist noch nicht alles gewesen : man hat ausgesprengt , daß er ein Zauberer gewesen , und daß seine Freunde , welche die Beweise vernichten wollen , die man , ich weis nicht , aus wie vielen ma - gischen Instrumenten gezogen , welche man nach seinem Tode in seinem Zimmer gefunden , gesagt hätten : daß er an dem Steine der Weisen gear - beiret habe . Wie man nicht leugnen können , daß er in seinem äußerli - che» Wesen einen redlichen Mann und einen Liebhaber der Verbesserung und Gerechtigkeit gezeiget : so hat man vorgegeben , daß er ein bloßer Tar - ruffe gewesen , und daß dieser Fehler in Deutschland viel gemeiner sey , als man denke . Man sehe über dieses alles einen Brief des Christoph Bat - tus an den Hiernnymus Sauliti« , in dem zweyten Bande des WolfiuS . Man hat in die Zusätze von der Chronike des AbtS von Ursperg gesetzet , ( siehe Jean Crefpin , Etat de l'Eglife aufs Jahr ) daß man unter den geheimen Schriften dieses Pabsteö , einige magische Bücher gesunden , und daß einige vorgegeben , er sey durch diese gottlose Kunst zur päbstlichen Würde gekommen .
Man merke die Beobachtung des Gerhard Moringus , daß dieser Pabst , da er erfahre» , daß die Italiener einen bösen Verdacht darüber ge - fasset , daß er etliche juuge Leute mit sich aus Spanien gebracht , sie ohne Anstand in ihr Land zurückgeschickt hätte . Si quando antea , tum ma . xime fpeciem ouinem impudicitiae amoidt . Eoque cum adolefcen - tes aliquot honeftae tum indolis tum ftirpi» in gratiam parentum in familiam afeitos , ex Hifpaniis fecum in vrbem duxiflet , intellexidet - que , Italos ex conuichi illorum , nefcio quae abominanda , noftratibus inufitata fufpicari , ßatim inHifpanias remifit , in academia Salmanti - cenfi plenius litteris imbuendos , quibus antea domi ipfius a pio fimul et erudito viro Theodorico Hezio , Secretario ipfius , vtcunque imbuti fuerant co iubente . Ger . Moring . in Vita Hadriani VI . Eben dieser Scribent bezeuget einen außerordentlichen Widerwillen gegen den Ver - fasser deö Briefes , daraus ich etwas angezogen habe , und welchen fiuS dem II Bande seiner Leclionen eingefthallet hat . Battus quidam Parmenfis quandam de eius defuneti reli<5\a faina epiflolam edidit , Latinam quidem illam ac terfam , fed adeo iinpudenter mendacem , vt ipfa mentiendi impudentia , dicam an infeitia , vel apud maleuolos fi - dem fibi abroget . Qiiid os impurum eo impulerit , nihil efl'e aliud reor , quam ld quod Comicus habet : Mala mens , malus aniiuus . Ebend . in der Vorrede .
( QJ Diejenigen selbst - - ? die seinen Eifer zugestehen müs - sen , haben gesagt , daß er nicht geschickt gewesen , pabst ; u sevn . Z ES werden wem^ Leute diese Stelle lesen , die nicht wahrnehmen sollten , wie dieselbe auf den Cardinal Pallavicini gerichtet ist , und da - bey an das neue Evangelium denken sollten , wo man viele Grundsatze sei - ner Historie von der Kirchenversammlung zu Tridenr so grausam gestrie - gelt har . Hadrian der VI «st , nach dem Zeugnisse dieses Cardinals , ein sehr guter Geistlicher , aber ein mittelmäßiger Pabst gewesen . Tu Ecclefiaftico ottiino , Pontefice in verita medioere . Pallav . Lib . II , c . 9 . Er hat sich auch noch weiter bis auf einen pöbelhaften Geist herunter gelassen , der die Sachen nur nach dem Ausgange beurtheilet ; denn , zu Folge des bösen Fortgang - , seiner Regierung , ist er für einen Pabst gehalten worden , der noch wem - ger als mittelmäßig gewesen . Ebend . Dieser ehrliche Flamänder , da er in Italien die Redlichkeit und Offenherzigkeit nicht antraf , darinnen er erzogen worden war , ist in ein allgemeines Mistrauen gefallen ; er hat geglaubt , daß man ihm überall Fallstricke legte ; und fich nicht erkühnt , sich jemanden zu vertrauen , als seinen Landesleuten : und diese haben ihm mit ihrer Offenherzigkeit ohne Erfahrung , mehr Schaden gethan , als ihm die Italiener niemals mit ihrer Verstellung gethan haben würden . Der Ianfeniste , der das neue Evangelium gemacht hat , hat sich alles dasjeni - ge auf eine sehr boshafte Weise zu Nutze aemacht . was der Cardinal Pal - lavicini von den guten Eigenschaften die>Ä Pabstes bekennet : allein im Grunde hat dieser Cardinal so Unreä ? t nicht , ais man wohl denken möch - re . Es ist wahr , daß , wenn die christliche Kirche dasjenige wqre , was sie seyn sollte , eben dieselben Tugenden , die fiir einen guten Gciftlicl>en ge - nug sind , auch für die Päbste zureichend seyn wurden : allein in dem Zu - stände , ( siehe Pallav . Lib . II , c . 7 , p . ni . 206 ) darinnen sich die römische Kirche seit langer Zeit unter einem Oberhaupte befindet , dejjen geistliche Macht

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