Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-11118

7i4 Hadrian .
der Schießkunst geschrieben , und daß des Urbicius Werk über diese terie , bis auf des Urbicius Zusätze vom Hadrian , sey . Rigaut hat ein übriggebliebenes Stück davon herausgegeben .
( ? ) Ich übergehe - - - seine unmäßige Neubegierde . ] Ich wurde sie also betiteln können , wenn er auch nicht so eifrig schet hätte , das Zukünftige zu ergründen , als er sdlches so wohl durch die Srerndeutkunst , als Magie thun wollen . Er hat ohne dicß für einen sehr neugierigen Kopf gelten können . Er wird vom Tertullian , in loget . cap . V . curiofitatum omnium explorator ; und vom Ammian Mareellin , futurorum scilcitationi nimiae deditus , genennet . Ich will nicht untersuchen , ob es einem Prinzen anständig sey , die Dinge als ein Zuschauer selbst zu erkennen , die er in den Büä>ern von den »er - schiedenen Ländern der Welt antrifft . Peregrinationis ita cupidus , vt omnia , quae legerat de locis orbis terrarum , praefens vellet addifcere .
Spartian . p . m . 163 . Die Reisen , die er unternommen , sich in diesem Stücke zu vergnügen , sind den Provinzen nicht unnühlich geivesen ; also wollen'wir deswegen keinen leeren Zank mir ihm anfangen : wir wol - len leiden , daß er auf den Berg Aetna geht , zu sehen , ob die Sonne bey ihrem Aufgange eben dieselben Farben hat , als wie der Regenbogen ;
Aetnam montem confcendit , vt folis ortum videret arcus fpecie , vt dicitur , variutn . Ebendas . 124 @ . Dieß heißt , nach dem Tillemont , v . 41z . um daselbst , sager man , die Sonne wie einen Vogen aufge« hen zu sehen : er hätte sagen sollen , Regenbogen . Wir wollen leiden , daß er auf das Gebirge Caßius steigt , den Aufgang desselben Gestirnes zu sehen ; ( ebendas . >z - S ) allein , wer konnte es ihm wohl verzeihen , daß er unzählige Spionen unterhalten , die ihm alle Geheimnisse der milien ; was eine Frau an ihren Ehmann geschrieben , und was ein Eh - mann zu seiner Frau gesaget , hinterbracht haben ? Erat curiofus non folum domus fuae , fed etiam amicortim , ita vt per frumentarios oc - «ulta omnia exploraret , nec aduerteretit airici , fciri ab Imperatore fuam vitani , priiisquam ipfe hoc Imperator ortender« . Ebend . ios S . Man darf nicht zweifeln , daß die Nachrichten , die ihm seine Kundschaf - ter dargebothen , seine LiebeSunternehmungen nicht erleichtert hätten ; denn er hat in diesem Stücke seine Freunde so wenig geschonet , als gleichgültige Leute . So wollte ick diese Worte Sparrians , p . 169 . gern verstehen : Et hoc quidem vitiofiffinwm putant ( er redet von der Spionerey , ) atque huic adiungunt , quae de adultorum amore ac nu - ptarum adulteriis , quibus Adrianus laborafle dicitur , aflerunt , iun - gentes quod ne amicis quidem fernauerit fidem . Die Monarchen ben so viele andere Wege , sich furchtbar zu machen , daß sie diese den Schmarutzern überlassen sollten : Scire volunt fecreta domus , atque
inde timeri : ( Imrenal . Sat . III . v . - riz . ) und nichts destoweniger sieht man in allen Jahrhunderten , daß sie nichts ersparen , von allem genaue Kundschaft zu erhalten , was in den Häusern geredet wird . Hadrians . Neugierigkeit ist ohne Zweifel Ursache gewesen , daß fast alle seine groß - ten Freunde , und diejenigen , die er zu den höchsten Würden erhoben , in seine Feindschaft gefallen sind . Er hat alles begierig gehöret , was man «hm von seinen Freunden hinterbrachte : Facile de amicis quidquid infufurrabatur audiuit . Spart , p . 146 . UebrigenS will ich dieje Anmer - kung , weit ich ihn darinnen , als eine» neugierigen Reisenden , betrachtet habe , damit beschließen : daß er , wie ein gemeiner Soldat ? zu Fuße gangen , ( ebendas . 84 S . Aurel . Vift . Epit . Libr . V . ) und daß er sich niemals das Haupt bedeckt , das Wetter mochte auch seyn , wie eS woll - re . Spart , p . 163 . 200 . Endlich aber hat er sich übel dabey befunden . Ebendas . 201 S .
CO . ) iL3 ist nicht wahrscheinlich , daß er Jesu Christo die Tempel bestimmet hätte , die er gebauer : und man weis nicht , rvoher Lampridius dasjenige genommen , was er davon let . ] Dem sey , wie ihm wolle ; hier sind die Worte des Lampridius , in Alexandra Seuero , p . m . 993 : CHRISTO templum facere vo - luit ( Alexander Severus ) eumque inter Deos recipere , quod et Adria - mis cogitafl'e fertur , qui templa in omnibus ciuitatibus fine fitmila - cris iuflerat fieri , qui hodie idcirco , quia non habent numina , dicun - tur Adriani , quae ille ad hoc parallc dicebatur : Ted prohibitus ert ab iis , qui confulentes l'acra repererant omnes Chriftianos futuros , fi id optato eueniflet , et templa reliqua deferenda . Ohne Zweifel hat Ca« saubon nicht Unrecht , dieses als fabelhaft zu verwerfen . Das Wahr - scheinliche , was ick ) dabey finde , ist die Furcht der Heiden , daß ihre Re - ligion verlassen werden würde , wenn man das Christenthum öffentlich dulden sollte . Dieß machet dem christlichen Glauben mehr Ehre , als die Unruhen , die in den Schriften eines geflüchteten Predigers erschie - nen sind , ( Tableau du Socinian . p . 519 . 1690 gedruckt ) welcher bey Bestreitung der Religionsduldung , unter andern Dingen , gesaget : man stelle einen mahomeranischen , einen socinianischen , einen papisti« schcn und einen protestantischen Prediger in eine Stadt ; ohne daß die Obrigkeit durch ihre Gewalt , noch Gott durch seinen Geist und durch sein« Wunderwerke dazwischen kömmt : so wird man gar bald die Wahrheit völlig unterliegen sehen . Hier sind Leute , die sich befürchten , nur den Wänden und Danken zu predigen , wenn sie nicht wenigstens allein in einer Stadt sind . Zch verwundere mich also nicht , daß sie sich der Religionsduldung so sehr widersetzet ha - ben . Man ziehe zu Rache , was in der Anmerkung ( E ) , bey dem kel ^ . ubienielzki gesager wird .
, Cardinalpriester , von dem Titel des heil . CHrysostomus a , war gebürtig von Cornetto , im Toscanischen ( A> Er ist Nuntius vom Innocentius dem VIII in Schottland ( B ) , und darauf in Frankreich gewesen , und ist , nachdem er Schrei - her und Schatzmeister der apostolischen Kammer gewesen , mir dem Cardinalshute , vom Pabste Alexander dein Vl ' beehret worden , dessen Secretar er gewesen war c . Das Leben dieses Cardinals ist ein Schauplatz wunderlicher Veränderungen gewo - sen , davon das Ende nichts weniger , als rühmlich war . Er kam an demselben Tage gut davon , da sich Alexander der Vl ans Versehen vergeben hat ( C ) . Hierauf ist er solchergestalt in die Feindschaft Julius des II gefallen , daß er auch gezwungen war , sich in dem Gebirge von Tridenr , vor den scharfen Befehlen dieses Pabstes , zu verbergen 3 . Nachdem er vom Leo dem X wie . der zurück berufen worden , hat er eine so schlechte Erkenntlichkeit wegen dieser Wohlthat gezeiaet , daß er sich in eine rung wider ihn eingelassen ( D ) . Dieser Pabst vergab ihm diesen Fehler , und ließ ihm die Begnadigungsbriefe ausfertigen < ; allein der Cardinal Hadrian traute darauf nicht ( E ) , oder hatte nicht so viel Stärke , die Vorwürfe des Gewissens aüözusts - hen , welche die Gegenwart der Gegenstande noch heftiger machen konnte' ; so daß er sich des Nachts aus dem Staube gemacht , und man niemals gewiß erfahren können , wo er hingekommen fey ( F ) . Er ist einer von den ersten gewesen , welche die Hand an die Verbesserung des Lateins mit einer guten Art geleget haben . Er hat den Cicero mit einem sehr großen Vortbeile studieret , und eine Menge vortrefflicher Entdeckungen , die Reinigkeit dieser Sprache betreffend , gemacher . Die Abhandlung , die er de
machen gemenget ( H ) .
a ) Pier . Valerian , de Litterat . infelicit . 6 ) Oldoinu» , Athen . Roman , pag . 303 . c ) Pier , de Valer . Litterat . Infelicit . < / ) Acerbiflimis percufl'us ediöis annos aliquot in Gennanicis Rhaetiorum Alpibus obfcura et Ibrdida peregrinatione delituit . Ebendas . , ) Ebendas . f ) Oldoinns Athen . Rom . p . 303 .
( A ) Im Toscanischen . ) Ich rede , in Ansehung der alten Einthei - lung Italiens , also ; denn heuriges Tages liegt Cornetto in dem cke , das man päbstliches Gebiethe nennet .
( B ) f & v ist Nuntius - - - in Schottland gewesen . Z Ich finde nicht , daß er Nuntius in England gewesen ; allein gleichwohl iir es ganz gewiß , daß er sich bey dem Könige , Heinrich dem VII , sehr beliebt gemachet hat . Daher ist e« gekommen , daß er Bischof zu Herford , zu Bath und zu Wels geworden . Epifcopus Erfbrdienfis , Bathonienlis et Vuellcnfis , saget P . Oldoini , der sehr unrichtig in seiner Rechrschrei - bung ist , Athen . Rom . p . 303 .
( C ) Gr kam an demselben Tage gut davon , da sich Alexander der VI aus Versehen vergebens Es . st bey dieser Begebenheit etwa - seltsames . Hier ist sie , wie sie Mezerai erzählet : Abrege chronolog . 1 - om . IV . p . m . 434 : Der Bastard Aleranders des V I , welcher gerne den Raub des Cardinals Adrian Corner gehaot hatte , ( jo nennet man denjenigen , oder vielmehr von Cornetto , wegen >eines Va - terlandes , von dem dieser Artikel handelt , ) hat mit dem pabste eine Lustfahrt angestellet , bey ihm in feinem Weinberge des Abends , u speisen , und etliche Flaschen vortrefflichen wein dahin tragen lassen , die aber vermischt waren , um ihren tPicrh 5» vergeben . Allein es hat sich zugetragen , daß Varer und Sohn sehr zeitig , und wegen des heißen Wetters , sehr durstig hinkamen , und zu trinken forderten : und daß ihnen , da der Diener , der um das Geheimniß wußte , irgend« wohin gegangen war . ein anderer von diesem weine gebracht . Der Vater , der ibn lauter ken , ist noch desselben Tages , den 17 August , 150 ; . daran gestorben . Allein der Sohn , der viel starker war , und ihn mir Waster ge - Mischer hatte , hat so viel Zeit gehabt . - Hülfsmirrel zu gebrau - chen . und ist , nachdem er sich in eine aufgeschnittene Mauleselinn wickeln laßen , davon gekommen ; hat aber eine solche Mattigkeit deHaken , die ihm nicht erlaubet , etwas in seiner größten x ? oth -
wendigkeit zu thun . Hadrian war nur zween oder drey Monate zu - vor zur Cardinalswürde erhohen worden . Guleeiardin verdienet im IV B . p . 161 . wegen diese« Tode« des Pabste« , nachgelesen zu werden .
o hat er die Deutung auf sich gemachet . nnd dadurch alle seine Ehre und die Ruhe seines Lebens verlohren . Man kann kuhnlich sagen : daß keine großem Pesten des menschlichen G« - sa ) lechtes sind , als diejenigen , die sich darauf legen , zukünftige Dinge wahrzusagen : denn sie finden schwache und unruhige Geister geiniq , die sie in unglückliche Unternehmungen verwickeln . Ein wohlgesitteter Staat sollte dergleichen Leute nicht dulden : sie mögen sich rühmen , wie sie wollen , den Himmel entweder durch Sterne , oder durch die Offenbarung um Rath geftaget zu haben . Die meisten davon sind Betrüger , welche keinen andern Endzweck haben , als die öffentliche Ruhe zu stören . Derje - nige , der den Cardinal von Cornetto betrogen , war ein Hexenmeister in den apennifchen Gebirgen , wie Varillas saget , der diese Abentheuer , der Länge nach , erzählet . Man sehe'die - 76 S . seiner Anekdoten von Flo - renz . Allein Paul Jovius saget , daß es eine Zauberinn gewesen : Cer - tam fpem adipifeendi Pontificatus conceperat ex oractilo fatidi - cae mulieris . Also redet er zu Anfange de« IV Buches , der Historie Leo des X .
( * ) Siehe den Moreri , im Artikel Castellesi ; so nennet er unsern Cardinal : im Artikel Adrian von Cornetto , hatte er auf Castelles verwiesen . Er hätte besser gelban , wenn er dabey geblieben wäre , was Ol - doini saget , Hadrianu« Castellensis .
( E ) iL f

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