Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-4547

Cardan .
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fängniß setzen . ( ebeiidäs . ) und ihm das Ohr abschneiden zulassen , ( Nau , daeus in ludicio de Cardano , ) und ihn endlich fortzujagen und zu ent - erben . Card . de Vita propr . pag . 100 . Die Tochter CardanS hat ihm nur zwo Verdrießlichkeiten verursachet : die eine , da er ihr ihm , Braut - >chal ; bezahlen müssen ; a fola filia praeter dotis 5 Uli tum nihil 1110 - lefti perpefl'us Ann . Ebendaselbst . Die andre , daß sie keine Kinder ge - zeugt . Er hat sich über den kläglichen Tod seines ältesten Sohnes der» maßen betrübt , daß er vor Herzeleid fast gestorben wäre ; und es haben sich Richter gefunden , die den Sohn nur darum verurtheilt , weil sie hofft , es sollte dieses de» Vater ums Lebe« , oder um den Verstand brin - gen . Confefli Amt qiiidam e Senat» , ( fed puto non defeipfis intelli - gi volnifle , ) ea fpe damnaile illum , vt dolore interirem , aut infani - rem , ab vnoque quam partim abfuerim , fupcri norunt , . . . . fed non fuccefüt . Ebendas . X Cap . 45 S - Das seltsamste hierbey ist , daß Cardan , welcher nicht geleugnet , daß sein Sohn seine Frau vergif - tet hätte , und daß er solches den Richtern nicht endlich bekannt , ( das . 170 S . ) geglaubt , daß die göttliche Gerechtigkeit , sie wegen ihres ungerechten Unheils verfolgt hätte , und daß verschiedene davon Unglück - licher Weise umgekommen wären . Ebendaselbst XLI Cap - 15 . 216 S . Er hat vorgegeben , daß sein Sohn , welcher m seiner Heirath betrogen worden ; angesehen seine Frau weder Vermögen noch Ehre gehabt , und ihn zu einem armen Hahnrey gemacht , nicht zu strafen gewesen wäre , daß er sie umgebracht hätte .
diäte liaud iinniiti qui Principe , iufl'a Senatus ,
Exemplo infando vcterum tarn dira tulifti :
Crimina fallacis properas dum tollere inoechae .
Coniugibus noftris iam tuto infultet adulter ,
Pleftitur egregii iuuenis fi dextera vindex .
Ebend . 299 S . siehe auch die 46 und 47 S .
( QJ Vßan hat die Verwegenheit mit Recht getadelt , die er gehabt , dem - Herrn Christo die Natwirac ; u stellen . ] Gabriel Naude bemerket zwo Dinge bey dieser Sache . I . Tadelt er den seph Scaliger , daß er geglaubt , es habe niemand vor dem Cardan der - - gleichen unternommen . II . Beobachtet er , daß Cardan die Eitelkeit ge - habt , lieber sur den Erfinder gehalten zu werden , als sich mit den Bey - spielen derer zu rechtfertigen , die ihm in dieser frechen Unternehmung vorgegangen sind .
Bey dem ersten Puncte machet er den Anfang mit Anführung der eignen Worte SealigerS . Hier sind sie : Audi fubtilitatem noftri faeculi , extitit ante xliv annos cymbalum genethliacorum , qui Do - niini noftri lefu Chrifti thema edidit , et omnia quae illi acciderunt , ex positu ftellarum , neceilärio illi contigiil'e ratiocinatur : impiam die am magis an iocularein audaciam , quae et DQminuin ftellarum ftellis fubiecerit , et natum eo tempore putaret , quod adhuc in lite pofitum eft , vt vanitas cum impietate certaret . Scaliger . in Pro - legom . ad Manilium . Hierauf nennet Naude vier Schriftsteller , wel - che lange Zeil vor dem Cardan an der Nativität des Herrn Christi ge - arbeitet haben . Der allerneueste ist Tiberius Rußilianus Sextus aus Calabrien , der unter der Regierung des Pabstes Leo des X gelebt hat . Er hat unternommen zu Bononien , Florenz und Padua , öffentlich 400 Satze zu vercheidigcn : die Mönche verwarfen zwölfe darunter , als ob sie der Kederey nahe kämen : dieser war einer von den vornehmsten , den sie verdammten . Chriftuin quoad corporis conipaginern elernentariain aftris luppofituin , eiusque geniniram , et Prophetain magnum , et ea quae circa corpus euererunt , praefertim violentum eius mortis ge - nus , nuntiant non inconuenit . Der Urheber der Sätze , den diese Verwerfung verdrossen , hat ein Buch herausgegeben , Apologeticus ad - nerfus cucullatos , betitelt , worinnen er die Himmelsstellung bey der Geburt unsers Heilandes , unter drey verschiedenen Figuren vorstellet : Tria Chrifti genefeos themata , lecundiim tres rationabiles dilferen - timn , doctorum opiniones lucuienter enarrauit . Naudaeus in iudi - cio Cardano . Vor ihm hat sich Peter von Alliaeo , Cardinal und Bischof von Cambrai , der unter der Regierung des Pabstes , Martins des V , ge - starben , nicht begnügt , zu behaupten , daß man von der Geburt Jesu Christi , nach den Beobachtungen der Sterndeuterkunst urlheilen könne , sondern er hat auch eine Figur von dieser Nativität vorgetragen . Prae - terquain contendit Chrifti natiuitatem praenofei potuifle ex gene - thliacis , ciusdem infuper natiuitatis fcheina coelefte propofuit in elucidario Aftronomicae concordiae . Ebendaselbst . bertus der große , hatte vor dem Peter von Alliaeo behauptet , daß die Re , geln der Srerndeuterkunst bey der Nativitätsstellung unsers Heilandes Platz hätten . Albumasar , der viel alter , als Albertus der große , ist , hat von Jesu Christo , viele Dinge nach astrologischen Grundsätzen beob - achter . Dieß sind die vier vom Naude angeführten Schriftsteller : ei - nige davon sind vom Roger Baeon , vom Picus von Mirandola , und vom Robert . 'dolkot angeführt worden : woraus er schließt , daß Thua - nus , welcher im LXII B . 195 0 - saget : Extremae ainentiae fuit , imo impiae audaciae aftroruin cominentitiis legibus aftrorum Dominum welle fubiieere , quod ille tarnen exarata Seruatoris noftri genitura fecit , und Sealiger Unrecht gehabt , zu glauben , daß Cardan hierinnen die Schande der Erfindung verdiene : Vnde mirari fatis non poflüm , illos non vifos , nec auditos vnquam fuift'e duobus illis eruditomm Coryphaeis Thuano et Scaligero , qui faltem ex Bacchone , Pico Mi - randulano , aut Coinmentariis Roberti Holkot in Sapientiatn Salo - inonis , difeere potuiflent , erratum a nonnullis ante Cardanum hune errorem AiilTe , vt Chriftum falfis , et commentitiis aftrorum ima - ginibus fubmitterent : neepropterea aequum e ( Te , vt Cardanus , quaii sceleris iftius primus opifex fuerit , tarn acerbe ab illis vapulet . Naudaeus in ludicio de Cardano . Ohne daß man so weit zurück ge - hen darf , könnte man ihnen sagen : daß sie dasjenige in dem Sirtus von Siena hätten sehen können , was derCardinal vonAlliaeo über diese terie für Gedanken gehabt . Siehe oben die angeführte Stelle in dem Artikel Ailli .
Bey dem andern Puncte versichert Naude , daß . da sich Cardan bey der Unterdrückung von den Namen derer Schriftsteller wohl befunden , woraus er diese Nativität Jesu Christi entlehnet , ( denn durch dieses Mittel ist er für den ersten Erfinder gehalten worden , ) er niemals diese Namen habe entdecken wollen , da er sich nach diesem , wegen dieser Na - tivitätstellung verfolget gesehen . Patet inde , quam vafer Cardanus fuerit , nam cum certo certius exploratuin haberet , themata Chrifti
II Sand .
natalitia ab Alliatenfi , et Tiberio Rufliliano exarata fuiffe , nec iL lum latere poilent , quae Picus , Albumafar , et Bacchonus de illis di - xerant , noluit tarnen eorum vnquam meminifle , vt vulgo litterato - rum , inuentum iftud fuum fühle , perfuaderet ; quod ei poftquam ex voto cedit , non fecus ac in igne contigerat , quem nulluni esse Aib concauo Lunae , poft Laurentium Vallam , fed illius tarnen fup . presso nomine , primus asseruit ; noluit deineeps quantumuis ab ae - mulis vrgeretur , et in difcriinen capitis veniret , vel minimam de lis audtoribus mentionem iniieere , maluitque de fua impietate tot rumores difleminari , quam ex opinione tarn audacis faäi , partam gloriam amittere . Naudaeus in ludicio de Cardan .
( R ) Man giebt vor , daß seine astrologischen propbeceyun , gen febe oft durcl ) den Ausgang beffatiget worden . ] ThuanuS berichtet , daß Carcau die Srerndeuterkunst durch das Gluck in Ansehen gebracht , das er in seinen Nativitätsstelluugen gehabt . Iudiciariae quam vocant fidem apud multos adftruxit , dum ccrtiora per eam quam ex arte poflint plerumque promeret . Thuan . Lib . LXlI v . 15 ; Allein Naude will die Sache nicht selbst gestehen ; er verweist uns auf den Scaliger , und den Alexander von Angelis , welche erzählet haben , daß die vornehmsten Nativitäten Cardans , dem Ausgange gerade ent - gegen gewesen sind . Naud . in ludicio de Cardano . Cardan bekennet selbst , er habe sich durch leine Erkenntniß in der Srerndeuterkunst zeugt , daß er nicht über vierzig Jahre , oder aufs höchste fünf und vier - zig Jahre leben wurde , und daß dieses die Meynung aller derer sey , die ihn kennten . Er setzet dazu , daß ihm dieser Glaube sehr nachtheilig ge - wesen . Aftrologiae ccgnmo quam tum habebam , et vt mihi vide - batur , et omnes aiebant , nie non excefliiriim XL vitae annuin certe non ad XLV p^ruenturum , multuin obfuit . Cardan . in Vita pro - pria , cap . X . pag . 43 . 44 . Siehe auch die 184 S . wo er saget : Quod ad Aftrologiam quae praedicere docet , operam dedi , et nimis quam debui , fidi quoque in perniciem meam . Siehe auch de Prudentia Ciuili , cap . CXXX .
( S ) ( Sc enthielt fidi der Speise , damit er seine Weissagung durch seinen Tod bestätigen rooUte . ] Tbuanu« erzählet im LXII Buche aus der «5 Seite , daß man dieses geglaubet habe . Cum tribus diebus minus feptuagelimum quintum annuin impleuisset eodem quo praedixerat , anno et die' videlicet XI Kaiend . O & obris deteert ob id , ne fallcret , mortem fua media accelerafle ereditus . SeaUaer giebt dieses sur eine gewisse Sache aus : ich will seine Worte a«sul>ren wenn ich zuvor beobachtet , daß Cardans Vater im . 5 - 4 ^al>re . auf eben diese Art gestorben . Er hat sich alle Speise entzogen , und auf diese Art neun Tage gelebt . Cardan . de Vita propria , pag . 17 Dieser MlNiN hat Katzenaugen gehabt , die des Nachts gesehen , und hat niemals eine Brille gebraucht . Ebendas . 10 S Nunmehro wollen wir die Worte SealigerS ansehen : Idem Genethliacus , quummultis ante anuis rtiem et horara mortis fuae determinasset , et appetentc tempore nihilomi - nus bene valeret , quanquam iam oetogenario niaior , ne artem con - tumeliae exponeret , inedia conftituit mori . Qiiod nefcio feri . is an citius ante conftitutum ab eo tempus contigerit . Res nota eft • ne - que noftrum eft mentiri . ^ Omnino fecit , quod ille in Epigrammal te , ai^uvS« ? »rro'ffifi» uir^xro . Lege totum Epigrammat Nihil melius huius Gencthliaci exitum exprefTerit . Nam idem mimug rei fuit . Scalig . Ptolegoinen . ad Manilium .
* - ( P Z« " e 2lrmuth trug M dieser Menge Schriften bey . wo d . c Ausschweifungen und Dunkelheit den Lesern öfter« zu Steü nen des Anstoßes werden . 1 Die Leser finden in seinen Büchcrm was sie nimmermehr vermurhet hatten : in seiner Rechenkunst finden sie verschiedene Dlscurse über die Bewegung der Planeten , die Sckö - pfung und den Thurm zu Babel . In seiner Vernunftlehre finden sie ein Urtheil uber dieGeschichrschreiber , und über diejenige " , welche Briefe schrieben haben . Er bekennet , daß er Ausschweifungen gemacht , damit der Bogen desto eher voll werden sollte ; denn er hatte mit dem Buch - Händler nach dem Bogen geyandelt , und gearbeitet , so wohl Brodr zu erwerben , als Ruhm zu erlangen . Vt missos faciam ( txcurfus j quos de rebus Alis frequentiflimos habet : eo tantum fine , quemadmodum alieubi fatetur , vt plura folia Typographis mitteret , qiiibuscura an tea de illomm pretio pepigerat ; atque hoc modo fami , non fecu« ac famae fenberet . Naudaeus jn ludicio de Cardano Die
Um betreffend , so giebt der von mir angeführte Schriftsteller an d steetnigeUrlr«chen , und unter andern diese an : nämlich
es hätte sich Cardan eingebildet , daß viele Dinge , die ihm be annt ge - we . en , unnöchm wären zu sagen ; und überbieg hätte ihn sein hafter Geist geschwind von einem Orte zum andern gehen lassen so daß er sich nicht die Muhe genommen zu erklären . worinnen das Mittel und die Verbindung dieser Ausschweifungen bestanden . Er ist nicht der einzige Scribent gewesen , der in diesen Fehler verfallen ist .
( V ) Naude hat sich nicht enthalten können , n» sagen , daß Cardan ein Narr gewesen . ] Der Gedanke , welchen Seneea de tranquillitate animi , dem Aristoteles zueignet , daß sich beständig etwas Narrheit bey dem Character der großen Geister befinde ; millum gnum ingenium fine mixtura dementiae , ist in Betrachtung CardanS nicht richtig ; denn von ihm muß man nicht sagen , daß die Narrheit mir einem großen Geiste vermischt ist : man muß die Sache in einem andern Verstände nehmen und sagen , der große Geist ist mit der heit vermischet ; man muß den großen Geist nur als einen Anhang und ein zufälliges Wesen der Narrheit ansehen . Diejenigen , welche dafür halten möchten , daß ich die Sache vergrößere , mögen sich dießfalls , wenn es . ihnen gefällt , an b«S Naude Meynunq halten , ich bin es zu stieben ; er giebt denen Beyfall welche gesaget haben : es habe nicht viel gefehlt , daß Cardan nicht als ein Unsinniger gelebet hätte . Vtmit . tarn aliorum etiam grauiiimiorum virortim iudicia , qui Cardamun miras de feipfo fabulas concitafle , et infanienti proximum vixifle non perperam aflerunt . Naudaeus , in ludicio de Cardano . Es , st ein gewisses Merkmal , sehet er darzu , daß Cardan nicht allezeit seine au funbe Vernunft gehabt , wenn man die erstaunlichen Widersprechunae» ansieht , die m seinen Büchern sind . Man kann sie weder einem Man - gel des Gedächtnisses , noch einem Betrüge , zuschreiben : die wenige wandtschaft , die unter seinen Veränderungen ist , ist eine Folge der ver - schiedenen Zufälle des Wahnwitzes , die ihn überfallen . Enim veronon feinper cum Ali compotem fuiffe , fed aeftu qiiodara raptum indicio H ' eft

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