Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-11107

Oresta besucht hätte , und er will , daß dieses zu Anfange der Regierung Hadrian« geschehen wäre . Er hätte aber leicht sehen können , daß Lam - pridiuS von keiner Reise dieses Kaisers redet , und daß dasjenige , was er saget , auf die Zeit gezogen werden muß , da Antonin bereits an Kindeö statt angenommen gewesen . Nun ist dieses nur wenig Monate vor dem Tode dieses Prinzen geschehen .
( L Einige sagen , daß er seinen Tod ver großen Anzahl Aer ; te Mgeschriebc» hättet Xiphilin erzählet in Epit . Dion . Vit . Adriani , daß Hadrian unter diesen Worten seinen Geist aufgegeben : Die Menge der Aerxre hat den Monarchen umgebracht , m ) ko ) k - xuKttm . Der Geschichtschreiber sehet noch darzu : daß diese Worte zu einer Art eines SprüchwortS geworden . Plinius versichert , daß es eine Grabschrift gegeben , die einen gleichen Satz enthalten hat : Hinc illa infelicis monuxnenti infcriptio TVRBA se medicoRVM pe - ri sse . Libr . XXIX . c . I . p . m . 667 . Der P . Harduin saget hierü - der : Senarius eft , vtputant , Menandri Comici , woAKtö» Jar ? «v «7m - äc * ft itnuktat« . Ich wundere ttiich , daß EpiphaniuS diesen Umstand von den letzten Stunden Hadrians an dem Orte nicht berühret hat , wo er gesager : daß dieser Prinz alle Aerzte seines Reiches kommen lassen , und nachdem er die Unnützlichkeit ihrer HülfSmittel probieret , ihrer spottet , und auch so gar einen satirischen Brief , wider ihre Kunst und Hand - thierung , geschrieben hatte : 0 / a vo ) kii »tx^xoTtt ng ) wih «»ifw
TM itKuiffatm in' auri , u ( yjt / cvdii^ixtjv yfivfoq xkt ai / TÜv
ri%vw aäräv ahtuuhtf - j u ( ftiftev tlSvTatv t< ? 5 ^efixu / zhiK aurSt tvsxa . Cum oninem operam fine vllo firudhi poluiflent , ab impera - tore rifu ac ludibrio habiti sunt , vsque adeo vt mordaci in illosEpi - ftola profeffioneni ipfam artemque damnaret , vt quae nihil de acgri - tudine ftia extricare potuiflet . Epiphan . de Ponder . et Menf . cap . XIV . P - >70 . Wenn dieser alte Kirchenvater , wegen der Sache selbst , nicht besser unterrichtet gewesen , als wegen des Zeitumstandes , so haben wir nichts , woran wir uns halten : denn er saget , daß der Kaiser , nach fertigung dieser Satire , von Rom nach Aeqnpten gereiset ; dieß ist eine Lugen . Es ist gewiß , daß er , nachdem die Aerzte alle ihre Mittel , zur Heilung seiner Wassersucht , versucht gehabt , weiter keine Reise , als nach BajeS , gethan hat . Man kann nicht zweifeln , daß er nicht viel Ver - druß , oder viel Verachtung gegen sie gefaßt hat , weil er keine vorgeschrie - bene Ordnung mehr beobachtet , und alles gegessen hat , was ihm seine Phantasie eingab . Xiphilin . in Epit . vion . Vit . Adriani .
CM ) Man hat erdichtet , daß er wunderbare ( Tuten gethan . ^ Spartian erzählet folgendes : Es ist eine Frau zum Hadrian men , und har zu ihm gesaget , eS fey ihr im Traume angedeutet worden , ihm vorzustellen , daß er sich ja nicht selbst daS Leben nehmen sollte , weil er wieder gesund werden sollte , daß sie das Gesicht verlohren hätte , weil sie nicht gethan , was ihr im Traume vorgeschrieben worden ; daß sie einen zweyren Befehl bekommen harre . ihm diese Dinge zu sagen , und daß man ihr die Wiedererlangung ihres Gesichtes versprochen , wenn sie seine Knie küßte . Nachdem diese Frau dem Befehle nachgekommen war , und ihre Augen mit dem Wasser eines Tempels gewaschen , so hat sie , wie zuvor gesehen . Hier ist noch ein Wunderwerk : Ein blindgebohrner Mensch ist «us dem innersten Pannonien gekommen , und har den Ha - drian angerühret , der das Fieber Hatte : nachdem dieses geschehen , ist die - ser Mensch nicht blind gewesen , und Hadrian hat das Fieber verlohren . La spar i Reids . Qnaelt . XXIV . nun , . 4 . führet den TacituS , wegen die - ser Sache an . Dieß ist ein großer Schnitzer : Spartian hat die Klug - heil gehabt , dazuzusetzen , daß . nach dem Zeugnisse des Marius Maximus , bey der ganzen Cache nichts , als Versteilung , gewesen . Wir wurden es wohl gemuthmaßet haben , weiiN wir gleich nicht wüßten , was Marius Marimus davon gesaget hat . ES ist leicht zu merken , daß AntoninuS , Hadrians angenommener Sohn , sich dieser List bedienet , um ihm einige Hoffnung zu machen , und seine Schwermüthigkeit dadurch zu vertreiben . Wie oft hat man nicht , seit derselben Zeit , diese Kunstgriffe wieder auf - gewännet , den Aberglauben , ja die Staatörotten zu unterhalten . Die Betriegereven , saget man , sind gegen Kinder und Kranke erlaubet . Dieß gilt alle Volker ; sie sind allezeit in der Kindheit ; allezeit in gewissen Absichten krank . Allein wir wollen die Betrachtungen bey Seite sehen , wo sich sehr furchtbare Leute erkennen würden , und nur ein Wort von der grammatikalischen Critik , gegen den großen Salmasius sagen . Er will nicht , daß der aus Pannonien gekommene Mensch blind gebohren , son - dern nur seit langer Zeit blind gewesen sey ; also müsse man vctns cus , anstatt natus caecus lesen . Sein Grund ist , weil man nicht glau - ben könne , daß Blindgebohrne da» Gesicht erhalten hätten , und daß es nicht so unglaublich sey , wenn dieses bey Leuten geschehen , die seit langen Jahren blind gewesen . Man merke wohl . daß er in der folgenden No - te den Casaubön widerleget , welcher durch das Wort , fimulationem , ne Zauber« ) oder . bexenkui'st verstanden hatte . Dieser Sinn steht dem Casaubön sehr übel an . Sirnulatio bedeutet an diesem Orte eine bloße Verstellung . Salmasms erkläret es auf diese Art , und trifft es wohl : allein was will er bey dieser Hypothesi mit dem Unterschiede sagen , der sich unter einem Dlindgebohrnen und einem lange Zeit Dlindgewesenen findet ? Hat er denn nicht gesehen , daß eö dem Antonin eben so leicht ge , wesen , einen falschen Blindgebohrne« . als einen falschen Blinden von dreyen Tagen abzurichten , und daß es einem solchen Blinden von dreyen Tagen eben so so leicht ist , als einem Blindgebohrnen sein Ge - ficht , durch Anrühruug eines Prinzen , der das Fieber har . wieder zu er - langen , und ihn von diesem Fieber zu gleicher Zeit zu heilen ? Allein , was ist hierbey zu thun ? Man harre in dem Maiuiseripte von Heidel - berg vettis caecus gelesen ; man hat gewußt , daß im Juvenal . veter« caeci , und im Marcellus antiqua caecitas steht : hätte man denn diese Entdeckungen , aus Furcht vor einein falschen Schlüsse , sollen verlohren gehen lassen ?
( N ) bat den Tod gesucht , und ibn nicht finden können . I Al - so ist das Geberh erhöret worden , welches Severian bey seinem Tode gethan :
Ort nh tib ici / KÜ , ? 4» , »M * <« « ? 7 , ' «» ? > aV * vS ™rir ? v
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inrniortales quos habeo innocentiae nieae teftes , hoc vnurn rogo , vt Adriani« , quarnui» mortem obire perci . piat . tarnen nonpoO . t . Xiphil . in Adriano p . m . - 65 . Euch . . t ? r unsterblichen Gotrcr , rief er aus , euch meiner Unschuld , bme . ch^nur umd . ese
einnge Gnade , daß Hadrian 5» sterben , eifrig wünfchm m^e , und gleichwobl nicht iierbcn könne . Dieser WoM schmecket sehr nach emer - ußerorden^ich - rachgierigen Seele ; kein Fluch ist jemals här - II Band .
Hadrian . 71^
ter gewesen , als dieser : zum Zeugnisse^dienen diese Worte , im 6 Ver« , des IX Cap . der Offenb . Johannes : In denselbigcn Tagen werden die Menschen den Tod suchen , und nicht finden ; sie werden be - gehren ni sterben , und der Tod wird vor ihnen fliehen . Wenn wir den Brief hätten , worinnen Hadrian vorgestellet . wie beklagenswür - dig der Zustand eines Menschen ist , der nicht sterben kanii , wenn er eS gleich wünschet , ( ebendaselbst ) : so würden wir etwas sehr klägliches se , hen ; denn mit einer so beredten und gelehrten Feder , wie die Seinige , geht es einem sehr wohl von statten , die Widerwärtigkeiten zu beschrei - ben . die man empfindet . Er hat denjenigen , die ihm das Leben nehmen wollten . die Straflosigkeit , ja gar eine Belohnung versprochen : und da er niemand gefunden , der ihm diesen Liebesdienst erweisen wollen , so hat er wie ein Kind darüber geweinet , daß er sich nicht selbst umzubringen vermögend sey , da er andere noch hinrichten lasten könnte . Ebend . Man vergleiche hiermit die Klagen des Nero , in des SuetoniuS XLVII u . f . Cap . Sein Verdruß und fein Argwohn haben ihn verleitet , verschiede - ne Personen aus der Welt zu schaffen ; und vielleicht bat er bey dieser Geleqenheit wahrgenommen , daß das gemeine Wesen die Billigkeit sei - nes Misrrauens nicht erkannt , da er gesaget : daß die Fürsten sehr zu be - klagen wären ; man glaubet ? niemals , daß meuchelmörderische Anschläge wider ihr Leben gemacht werden , als bis sie ermordet worden waren . Lei« ipfe , quid auus tiius Adrianus dixerit : niifera conditio imperatoriirn , qnibus de affectata tyrannide nifi oeeifit non poteft credi . Eins au - tem exenipluni ponere quam Domitian ! , qui hoc primus dixifle fer - ttir ( * ) , malui ; tyrannornm enim etiain bona di & a , non habent tan . tum au & oritatis qiiantnm debent . Marc . Anreliiis ad Verum , beym Vulcat . Gallican . in Vita Auidii Calfii .
( * ) Conditionem prineipmn miferrimam aiebat , quibns de coniiu ratione comperta , non crederetur nifi oeeifis . Sueton . in Dornig cap . XXI .
( Oj Er har verschiedene Bücher gemacht . ] Er hat in Versen und in Prosa geschrieben . Wir haben noch einige Stücke von seinen la - leinischen Poesien übrig , in den Cataleft . Virgil , et aliorum , und im Sparti . in , und von seinen griechis . Versen stehen einige in der Anthologie . Man findet im Casaubon uud Salmasius , Comment . in Spartian . Adrian , p . >89 . die Grabschrift feines Jagdpferdeö , Borysthenes genannt : sie ist in lateinischen Versen . Dieser Kaiser hat dieses Pferd so unge - mein lieb gehabt , daß er ihm ein Grabmaal aufbauen lassen . Dio , in dessen Leben . Stephan von Byzanz führet ein Gedicht , Alexandreis titelt , zweymal an , davon der Urheber den Namen Adrian gehabt . Es geben nicht alle Leute zu , daß es ein Werk von unserm Kaiser wäre . Er hat eine Menge Verse über seine Liebeshändel gemacht . De Alis dile - 6tis niulta verfibus compofuit . Spartian . p . 145 . Apuleius Apoloeia . Er hat auch einige zum Lobe der Plotiua , seiner Wohlthäterinn , ge - macht . Xiphilin in Adriano . Man weis nicht eigentlich , ob eine Samm - luug von seinen aufgeweckten Sprüchen erschiene» ist : denn diese Wort» SpartianS : loca eins plurirna extant , nani fuit etiam dicaculus , p - »87 - können nur diesen Verstand Haben , daß man sich vieler von sei - nen lustigen Sprüchen erinnere , allein es ist gewiß , daß er etliche Dis - cnrse uud Reden Herausgegeben Hot : PHotius redet p . 378 davon ; man findet noch angeführte Stellen daraus . Man findet im Sosipater , daß er in den , ersten seiner Gespräche gesaget hat : es sey AngustuS nicht sehr gelehrt gewesen : Tarnetfi Auguftus non pereriiditus homo fnerit , vt ld aduerbiuin ( obiter ) ex vfu potins quam ratione protulerit Bey - laufig wollen wir sagen : daß hier ein Zeugniß für diejenigen ist , die in der Materie von Sprachen nicht zugeben wollen , daß der Gebranch über die Vernunft die Oberhand hat . Hier ist auch ein großes Beyspiel für diejenigen , die ihre ernsthaftesten Studien auf die Untersuchung ihrer Muttersprache wenden ; denn eö erhellet aus Sosipaters Stelle : daß unser Kaiser im Lateinischen dasjenige gewesen , was Vaugelae im Fran - zösischen gewesen . Man betrachte seine Disputation mit dem Favorin im Spartian , p . 150 . AuluS Gellius führet im XVI B . XIII Cap . die Rede an , die Hadrian vor dem Rache für die Einwohner in Jtaliea , dem Geburtsorte seines Vaters , gehalten hat . Allein daS vornehmste Werk dieses Kaiser« ist ohne Zweifel die Historie von seinem Leben . Er hat eS lieber unter dem Namen eines andern ans Licht wollen treten lassen , und ist vermnthlich au« keiner andern Ursache also verfahren , als daß er mehrere Freyheit haben wollen , sich zu loben . PHIegon . einer von feinen Freygelassenen , ein gelehrter Mann , har seinen Namen zu diesem Werke seines Herrn gegeben . Spart . Pag . 150 . Hadrian Hat , nach dem Borbilde des Antimachus , eines griechischen Dichter« , Bücher gemacher , dessen großer Bewunderer er gewesen ist . Catacriaiios librbs obfenrif . ( imos , Antirnachiim imitando , feripfit . Spartian . p . , ; z . Diese Bücher sind sehr dunkel gewesen . Spartian har den Titel davon erhalten ; al - lein , man weis nicht , ob die Manuskripte davon erhalten worden , wie es seyn sollen ; so , daß auchderTitel dieses Werks ein Chaos und eine Marter für die Kunstrichter ist . Salmasius hat sich aus hundert Seiten herum gedrehet , ehe er eine Partey erwählet ; und nachdem er seine Lesart fest - gesehet , die er einzig und allein für gut hält , so ist er so klug , wie zuvor : Solam cani efle veranj ( itflionem ) mihi perfuadeo : quomodo tarnen explicanda fit , iuxta cum ignariflimis feio . Salmaf . in Spartian . Adrian , p . m . 152 . Wenn dieses Werk Hadrians bis ans uns harte kominen sol - len , so würde man Recht gehabt haben , zu dem Urheber zu sagen , als er daran gearbeitet : Ihr werdet
Dem künftige» Galmas die Folter »übereilen ;
der bloße Titel wird ihn demüchigen und ) ur Streckunq des Ge , wehr« zwingen . Es ist keine entschiedene Sache . ob Hadrian von der Krieaskunst geschrieben har . Man zweifelt nicht , das ; er nicht gute Ver - ordnnngen gemachet hat : ( Dio saget , daß sie noch die Gewalt des Gese - des hätten . Man sehe den Brief Valeria»« , beym VopiscuS , im Pro - buS . Lafaub . Lomment . in Spart , p . 83 . ) und daß er unter seinen Sol - daten nicht eine unvergleichliche Zucht eingesübret hätte VegetiiiS ge - steht . daß er sich Hadrians Verordnungen bedienet hat ; allein , da er auch eben dasselbe , wegen der Verordnungen TrajanS und Augusts , be - kennet , ohne daß man deswegen ein Recht hätte . vorzuaeben ; daß diese zweei , Kai , er Bucher von dieser Materie geschrieben haben , so sieht ein jeder , daß GeSner , wegen dieser Stelle des VeqetiuS , mit Unrecht saget : es habe Hadrian von der Kriegskunst geschrieben . VoßiuS , von den griechischen Geschichtschreibern , p . 215 . decket diesen Fehler beym GeS - ner auf . Einige , als Salmasius in Spartian . p . gz . wollen , daß er von Xx xx der

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