Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-11043

Guise . 707
; en , und ist daselbst den 21 des^BrachmonatS 1621 gestorben . Der
dennoch eine Übertretung der canonischen
in eine Krankheit verfiel , so ließ er
Proceß " den er mit dem'Herzoge von Revers wegen einer Priorey gehabt , schlug in einen Streit wegen der Tapferkeit aus , und er zeigte sich dabey sehr geneigt , den Streit mit dem Degen in der Faust auszumachen . Man wird hier unten einige Umstände von diesem Handel sehen ( A ) . Er hat auf dem Todbette bezeugt , daß ihn Je»» ieben c . , , „ h hi« —
reue , die er dem Herzoge von f
Thaten , wo er die Hand mit ^ , -
unendlich gemeiner unter den ©etlichen ist , als die Krlegsverrtchtungen
^ " ^Uebriaens glaube ich , daß man viel Betrachtungen darüber gemacht hat , daß die Nachkommen desjenigen Prinzen von Conde die der Herzog von Guise FranciscuS von Lothringen , zu verderben^bemüht war , die Erben von den Nachkommen eben dieses Herzogs geworden sind ( C ) ; und daß eine Zwischenzeit von XXX Jahren hierzu zureichend gewesen ist .
a~ ) Unter dem Worte Ludwig . Siehe Malingre , Hift . de la Rebellion , Tom . I , pag . m . 297 , 298 , 1ml ) denVIITome duMer - c „ re Francois , pag . 515 . c ) Aulico luxu et militari licentia traduxerat vitam . Gramond . Hilt . Libr . VIII , pag . in . 407 . d ) Ebendaselbst .
sich nichts vermuthet , Muße gehabt , zum Degen zu kommen , web chen sein Edelmann Louques außer Sem Zimmer Oer Gerichts - perjon verwahrte , »'» er allein war .
Der proceß - - - schlug in einen Streit der Tapfer - keit ans . Man wird hier unten einige Umstände von diesem - Handel sehen . ] Merc . Francois , Tom . VII , pag . 570 , 57» . „ Unter „ wahrender Belageruna von St . Johann von Angely ist der Cardinal „ von Guise zu Tainctes an einem Fieber gestorben , welches er sich durch „ seine Arbeit zugezogen harre . Er ist Cardinal , aber nur DiaconuS gewe - , , sen , und hatte niemal« Messe gesunaen . Er ist ein ganz kriegerischer „ Prinz gewesen , dessen Gemürhe zur Üebung der Waffen geneigter war , „ als zu den Wissenschaften . Es haben viele von dem Streite geschrieben , „ welchen der Herzog von Nevers mit ihm wegen der Bestallung von der „ Priorey derCharite gehabt , und von demjenigen , was in dem Hause ih - „ res Referenten vorgegangen . Diejenigen , welche durch ihre bey dem „ Processe vorgebrachte Schriften diese zween Prinzen in Streit gebracht , „ sind Ursache gewesen , daß sie bis zurThatlichkeit gekommen , und daß sich „ ein jeder mit seinen Freunden außerhalb Paris begeben , um einander zu „ begegnen , und ihren Streit mit Gefahr ihres Lebens auszumachen . lein Se . Majestät haben die leichte Reiterey nachgeschickt , sich ihrer Per - „ sonen zu versichern . Derjenige , der sie anführte , und ausdrücklichen „ Befehl hatte , die Person des besagten Cardinals anzuhalten , hat den „ Befehl Sr . Majest . glücklich ausgeführt , lind ihn nach Paris gebracht , „ allwo er aus Furcht vor einem andern Ausfalle , - »veil sich der Herzog „ von Revers beständig auf dem Lande befand , eines Abends in die Ba - „ stille , und von da nach Dois de Vincennes geführt worden . , , Man merke , daß er nicht lange daselbst geblieben ; denn da der König seine Reise nach Poitou antreten wollen , so hat er ihn nach Fontaineblcau kommen „ laßen , um ihn zu begleiten . Ebend . 571S . Der Präsident Gramont erzählet noch etliche andere merkwürdige Sachen ; nämlich daß der Carbi - nal Guise , da er den Herzog von NeverS in dem Hause derjenigen Ge - richtsperson angetroffen , die den Vortrag des Processe« hatte , einige an - zügliche Worte zu ihm gesagt , welche beherzt beantwortet worden , und daß er ihm hierauf in Gegenwart der Gerichtsperson einen Faustschlag gegeben . Der Prinz von Joinville , dieses Cardinals Bruder , hat sogleich den Degen ergriffen , » nd dem Marescot , Reketenmeister , einige Schläge mit der Fläche gegeben , der mit Erlaubniß des Königes , die Sachen des Her - zogS von NeverS besorgte . Nachdem der König erfahren , daß dieser Her - zog mit dem Prinzen von Joinville einen Zweykampf halten wollen : so hat er seine Gewalt darzwischen gelegt , sie zu vergleichen , und den Carbi - nal genöthiget , den Herzog um Verzeihung zu bitten . Die Beschim - pfung betreffend , die dem Reketmeister erwiesen war , so ist sie auf folgen - de Art ersetzt worden : Der Prinz von Joinville hat sich dieser Worte vor den Schiedsrichtern bedienen müssen . - Herr Marescot , es lhur mir in Ansehung des - Herzogs von Nevers leid , daß ich euch ge - schlagen habe : icb bitte euch , solcheszu vergessen und zu glauben , daß ich aus Hiebe gegen den Herzog von IJevets euer Freund feyn werde . Der Präsident Gramond machet eine sehr gründliche An - merkung über die Unordnung derselben Zeiten , wo ein Reketmeister unge - straft hat können geschlagen werden . Diese Anordnung ist von nichts , als von der Bergringerunfl der königlichen Gewalt hergekommen , und hat so aleich aufgehört , so bald der Cardinal Richelieu die Prinzen und großen Herren zu dem Fuße des Throne« Ludwigs des gerechten erniedriget hat , die sich einen sehr wichtigen Theil der obersten Gewalt unrechtmäßiger Weise angemaßt hatten . Ist dieses nicht eine Sache , die nach der Anarchie schmecket , wenn in einem Lande , welches den Titel eines König , reichs führet , diejenigen , die eine vornehme obrigkeitliche Person geschlagen haben , nicht verbunden sind , zu bekennen : daß eS ihnen wegen des Scan - des dieser obrigkeitlichen Person selbst , sondern nur aus Liebe gegen den großen Herrn leid sey , dem sie gedient hat ? Man betrachte diese Worte des Präsidenten Gramond wohl . Principum per ea tempora fumraa erat ratio , affedtabantque diftineui ab omni ordine , praerogatiua fan . gninis . Per iniuriam Ioinuilliiis pereuflerat magiftratum , et ait , do - lere fe ex perfona Niuerni , qnod pereuflerit ; quafi adeo infra poli - tns in quem collata offenfa , vt gratis caedi poflet . Erat haec labes eins aetatis , qua a Principibus Rex parum diftinguebatur : quo iure vtimur hodie , nempe anno M . D . C . XLII . quo haec feribo , externi prineipes parum aRegni primoribus , parum hi a nobilibus differunt , vno ferme ordfne habemur omnes ; eoque ventum , vt nemo publice , nemo prinatim peccarc poflit , fine vltore , quod eius fapientiae et ae - quitati debitum , qui aetate noftra fummain reruin tenet in Callia . Hiftor . Libr . VIII , zu Ende , pag . m . 408 .
Der Abt von Marolles wird uns noch etliche andre Umstände darbie - then . Au Anfange des ^Vinters 1620 , saget er , Memoir . p . 4 ; und 46 , hat der Herr von Nevers einen großen Streit wegen der rey derCharite , die unter die Abtey Cltmy gehört , mir dem dmal Guise gehabt ; denn da man an dem Hofe zu Rom den Prinzen von Tvmeraye , seinen andern Sohn , damit versehen lasten , auf einen Brief oder eine Versprechung des Cardinals von Guise , Abts zu Cltmv ; und dieser Cardinal sich von derselbenzum Besten nes seiner Sohne lossagen wollen , die er mit der Frau vonEssar» gehabt harre : so ist dieses die Ursache zu einem großen Processe und der Theiluna aller Personen von Stande bey Hofe gewesen .
- - - Diese Unruhen sind schwer zu besanfttgen gewesen , we»l
es von beiden Theilen zu Schlägen gekommen war ; ohne daß der Herr von Nevers , der zuerst beleidiget wordenwar , weil er II Band . ' ■ ■ .
( B ) A>er Präsident von Gramond verdammet ihn wegen dieser kriegerischen Thaten - - - aber er scbonec ihn we , gen der Rebsweiberey . ) Hier ist der Gegensatz , dessen er sich Hiftor . Lib . VIII , p . 407 , bedient : Militiam afteöabat impatiens fui ; non miles , quia Cardinalis ; non item Cardinalis , 0 gar Kinder hervor gebracht . Die Chromke der Lieblinge , die >622 gedruckt worden , setzet auf der 14S voraus , daß zwischen dem Cärdinale vonGuise und dem Herzoge von Maine ein Streit eiltstan - den , welcher von Heyden am ersten in Charonö Nachen treten sollen . Der Cardinal hat gesagt , daß er zuerst gestorben wäre , und also vorge - hen müße . Der Herzog hat das Gegentheil nicht verfochten , aber vorgestellt , daß er den Vorzug verdiene , weil er im Diensrc des Ro - niges getodter worden , Oer andre aber nur an einer Rrankheit ge« storben ware . Der Cardinal har erwidert , daß er für die Ehre Gottes Frau und Rinder verlassen hatte , weswegen er keinen an - dern Zeugen , als den Herrn von Nevers verlange , und daß er von «Uem - diesem nichts hinterlassen habe . Die ganze Welt hat zu der . selbigen Zeil gewußt , daß dieser Cardinal eine von den Beischläferinnen Heinrichs des IV unterhalten hat , ich will sagen , Charlotten von Essars . Das Andenken davon ist um so viel leichter erhalten worden , da diese Frau so glücklich gewesen , einen großen Herrn zu Heirathen , ungeachtet des öffentlichen Schandflecks , damit sie beschmuhet war , da sie einenKö - nig von Frankreich und nach diesem einen Erzbischos von Rheims , mit Kindern beschenket hatte . P . Anselm pag . 144 des Palais de l'Honneur saget ; daß der Cardinal Guise von Charlotten von Essars drey Sölme und zwo Töchter hinterlassen ; daß der älteste von den Söhnen , Bischof zu Condom gewesen , daß der andere Graf von Romorantin , aufCandia , in den Diensten der Benetianer , geblieben , und der Marquisim , von Aey Vater gewesen ist . Ich übergehe , was er von dem dritten Sohne und von den Töchtern saget . Du Hallier , der es vielleicht für keine stände - mäßige Heirath gehalten hätte , Charlotten von Essars zu ehlichen . wenn sie in einem vollkommen guten Rufe gestanden hätte , hat keine Schwie - rigkeit gemacht , sie zu heirathen , da sie ihren guten Namen völlig verloh« reu gehabt . Er ist vornehm und der Bruder eines Marschall« von Frankreich , des Nicolas von Hospital , . Marquis und nachmaligen zogs von Vitri , gewesen . Er ist Ritter von dem Orden des heil . Geiste« ,
hat er sich in l
rechtmäßigen Ehe mit dem Ueberreste eines Cardinals begnügt . Die Welt hat nicht vergessen , auf diese große Zärtlichkeit aufmerksam zu seyn ; Die Gelegenheit , dergleichen Beyspiele anzuführen , kömmt so oft , daß dergleicl>en Abentheuer nicht leicht in Vergessenheit gerathen . Allein da man vielleicht nicht mehr daran zu gedenken angefangen , so haben sich Prätendenten aus die Erbschaft der Prinzeßinn Guise aufgeworfen , die diesen Gegenstand wieder belebt haben . Man lese folgendes : ich neh - me e« aus dem historischen und politischen Mercur , des Aprilmonats , »68« . „ Die Marquisinn von Acy , des jüngern Grafen von Gamache , „ Ritters von den Orden de« Königes , Gemahlinn , machet itzo die Erb - „ schast des Hauses von Guise streitig , und zwar kraft einer gewissen „ Schachtel , die ihr von einer unbekannten Person gekrackt worden ; in „ welcher sie eine Ehverbindung des Cardinals Guise mit Mademoisellen „ von Essars , der Mutter de« Grafen von Romorantm , ihres Vaters , ge« „ funden , der allezeit für einen Bastard des Cardinals gehalten worden . „ Diese Ehverbindnng ist mit einer förmlichen Trauung , und was noch „ mehr ist , mit einem Ablasse des Pabste« bestärket , welcher diesem Cardi - „ nale erlaubt , die geistlichen Aemter . ungeachtet seiner Heirath , zu besi - „ hen ; kurz dem Scheine nach mangelt nicht« dabey . al« eine machti» „ ge Stütze , eine so große Erbschaft denjenigen streitig zu machen , die „ Theil daran Habel , . Unterdessen mag diese Schachtel hergekommen „ seyn , woher sie wolle , so machet sie doch um so vielmehr beym Parle - „ menre ein großes Auflehen , da sie »ich in den Händen einer Dame be - „ findet , die lange Lehrjahre in den Rechtshändeln ausgestanden bar , al« „ wenn sie gewußt hätte , was ihr einmal nöthig seyn würde . Sie hat „ seit dieser glücklichen Entdeckung den Balken wegnehmen lassen , den sie „ iii ihrem Wapen zum Zeichen ihrer unehlichen Geburt geführt . Allein e« „ ist für sie zu befürchten , daß sie bald genöthiget seyn wird , denselben „ wieder hinein zu setzen : sie hat mit dem Prinzen von Conde zu thun , „ welcher der Haupterbe dieses Hauses seyn will , wegen der Prinzeßinn „ von Conde , seiner Gemahlinn ; und wie zwischen beyden sehr wenig „ Gleichheit ist , so könnte die Schachtel mit der Zeit gar wohl für unter« „ geschoben gehalten werden . „ Man merke , daß der Urheber de« Mer - curs pag . 386 , 387 voraus gesetzt hat , daß dieser Cardinal Guise derjenige gewesen , der zu Bloi« ermorde» worden . Dieß aber ist ein Irr - rhum .
Uuuui ( C ) Dieß

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