Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-11026

Guise .
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„ einer widerwärtigen Mine gethan , daß die Königinn sehr darüber er - „ zürnt geworden / und ihr , da sie in den königlichen Pallast zurück ge - „ kommen war , durch den Staatssecretär , Guenegaud , einen Befehl drin - „ gen lassen , sich unverzüglich auf ihr Landhaus , Rochefort , zu begeben „ Dieser Streit schien also durch die Entfernung der Herzogin» geendi - „ get zu seyn ; allein Coligni , der noch dafür nicht gerächet zu seyn glaubte ,
»daß man ihn mit dem Hause von Vourbon in einen Stteil verwickeln
„ wollen , mir welche» , er doch verschwägere zu seyn die Ehre hatte , hat „ den Herzog von Guise . durch den Marquis von Estrades , herausfordern „ lassen : der Herzog nahm die Ausforderung an , und erwählte zu seinem „ Beystande den Marquis von Bridien . Dieser Kampf ist auf dem kö - „ nigliche» Schloßplatze geschehen , und der völlige Vortheil dem Herzoge „ von Guise geblieben ; der seinen Feind , nachdem er ihn gefährlich ver - „ wundet , entwaffner , und darauf die Beystände auseinander gebracht hat , „ welche sich mit vieler Herzhaftigkeit geschlagen hatten , ohne daß einer „ über den andern den geringsten Vortheil erhalten . Dieser Kampf „ hat dem Herzoge von Guise viel Ruhm erworben , und würde die Hoch - „ achtung noch vermehrt haben , die seine Liebste bereit« gegen ihn hatte , „ wenn er in dieser Verbindung beständig geblieben wäre ; allein sein Herz „ hat sich kurz darauf durch andre Reizungen fangen lassen . „ Intrigues galantes de la Cour de France , Tom . II . p . 228 . u . f . Er will sagen , daß sich der Herzog von Guise , in das Fräulein von Pens , der Königin« StaatSfräulein , verliebt hat .
Man merke , daß Labardäus diesen Zweykamps ins 1Ä44 Jahr sehet , und versichert , daß die Heyden Beystände einander tüchtig verwundet ha - ben . Eftrada atque Brideus , qiii vna cum his alter alteri focius de - certabant , anAo vulnerati grauiter , eorurn , qui his interuenere , oj>e - ra quominus alter alterum necaret , prohibiti funt . De Reb . Galiic . pag . 74 . Allein Sarravius versichert in einem Briefe , den er wenig Tage nach dieser Begebenheit geschrieben , daß Destrades nicht verwundet wor - den , und daß dieß Gefechte den 12 des Chnstmonats 1643 geschehen . So . Iiis Stradius inuulneratus recefllt . Epift . LV . pag . 53 . Utrecht . Ausg . Sein Brief ist unterschrieben , Paris den >8 desChristmonals 1643 . Gro - tius kömmt , die Zeit betreffend , mit ihm überein ; denn er erzählet in nem von Paris den 19 des Christmonats 1647 geschriebenen Briefe , ( es ist der 1630 im II Th . p . 719 . ) daß sich der Herzog von Guise , und der Graf von Coligni vor «cht Tagen im Zweykampfe geschlagen . Er be - vbachtet einen Umstand , den Sarravius ausgelassen hat , nämlich daß der Graf von Coligni entwaffnet worden . Es ist zu verwundern , daß Sar - ravius dieses ausgelassen hat : kann wohl eine Nachricht von dieser Art , und die ein solches Aufsehen gemachet . beschrieben werden , ohne daß man sie mit einem so wesentlichen'Umstände begleitet , als dieser ist , welcher zu erkennen giebr , ob einer von den Kämpfenden den andern überwun - den habe ; oder ob sie auseinander gebracht worden sind , ohne daß es ei - - nein davon schlimmer ergangen ist , als dem andern ? Man mnß hier die Wirkung der Leidenschaften erkennen . Sarravius hat , als ein guter Protestant , viel Verdruß über den Sieg des Herzogs von Guise gehabt . Der Graf von Coligni , der älteste Sohn des Marschalls von Chatillon , stammte in gerader Linie von dem Admirale von Coligni ab ; er war re - formirr , und es schien sein Streit gleichsam eine Erneuerung der alten Feindschaft der Guisen und ChatillonS zu seyn . Alles dieses ist Ursache gewesen , daß Sarravius den Vortheil dieses Gefechtes diesem Grafen von ganzen Herzen gewünschet hat . Er hat seine Einbuße mit dem größ - tem Verdrusse gesehen : er hätte sie gern vor sich selbst verborgen ; und weil er solches nicht konnte , so wollte er sie doch wenigstens vor andern verheelen . Dieß ist die Ursache , warum er in d . m Briefe , den er an den Salmasius geschrieben , nicht davon geredet hat . So drehet sich das menschliche Herz ben den unangenehmen Nackrichten . Man thut alles , was man kann , dieselben nicht zu glauben , und wenn man nicht stark ge - nug ist , sich selbst zu bekriegen , noch zu behaupten , daß sie falsch sind : so verschonet man sich zum wenigsten mit der Gewalt , die man sich anthun müßte , sie rundheraus zu bekennen , oder sie andern zu melden , denen sie noch unbekannt sind . Sarravius hat einige Tage darauf an seinen Freund geschrieben , daß der Prinz Conde durchaus gewollt , daß der Her - zog von Enguien , der diesem Grafen einen Aufenthalt in seinem Hause gegeben , denselben wegschaffen sollen , und daß sich dieser arme Graf zu einem reformirten Prediger begeben habe . Epift . LVII . p . Er ist vor Verdruß , fünf Monate nach dem Gefechte , zu Ende des Mayes 1644 , ge - starben . Anleime , Hift . des grands Offkiers , p . 244 . Collinitis moe - rore et taedio vitam finiuit . Priolus , Lib . II . cap . IX .
Man kann keine gründliche Betrachtungen über diesen Zweykamps machen , ohne der Klugheit große Lobsprücl>e beyzulegen , mit welcher der große Cardinal Richelieu , die Herzoginn von Chevrense außer Landes ge - schafft hat . Die Damen , welche ihre Schönheit und ihren Witz , in den Staatsstreich« , , darein sie sick mischen , misbrauchen , sind eine wahre Pest des Hofes ; man kann dieselben nicht geschwind genug auf die Sei - re schaffen : man muß sie , so bald als man kann , fremden Ländern zur Zierde dienen lassen . Wenn die Herzoginn , davon ich rede , nach der Ver - schwörung des Chalais , ihres angenehmsten Liebhabers , noch länger in Pa - ris geblieben wäre , so würde sie neue Verschwörungen geschmiedet haben . Siehe le Miniftere du Cardinal de Richelieu , Tom . I . p . 310 . Und 317 . imgleichen die Historie desselben Cardinals , zu Amsterdam 1694 gedruckt , Tom . I . pag . 303 . Wir sehen , daß sie gleich nach ihrer Zurückkunft in Frankreich , den Grund zu diesem unglücklichen Zweyönnpfe gelegt , der den Grafen von Coligni ums Leben gebracht hat ; einen jungen Herrn , der der Krone noch viel Dienste hätte leisten können : auch zu dem Ge - fechte Anlaß gegeben , worinnen Destrades das Leben hätte einbüßen kön - nen , dessen Degen und Verstand vermögend gewesen , zum gemeinen Besten des Königsreichs gebraucht zu werden ; wie sich solches in der Fol - ge . so wohl im Kriege , als im Cabinette , durch kriegerisch« Thaten , und wichtige Gesandtschaften gezeiget hat . Man folge diesem Zweykamps« des Herzogs von Guise auf der Spur nach , so wird man die Quelle da - von , in der Ehrsucht der . Herzogin« , von Chevreuse , finden , welche die fersucht einer andern Herzogin» , zu ihrem Werkzeuge angewendet hat . Diese zwo Damen die in einem vollkommenen Verständnisse gelebt , ob , gleich die eine der andern Stiefmutter war , ( Nouerca , Stiefmutter , ein noch viel größerer Feindschaftstitel , als foerus , ) haben eine Erzählung geschmiedet , die den mite« Leumund einer Pnnzeßim» von Geblnte be - stecket . Dieß ist der Ursprung dieses Zweykampfs . Eine Rotte , die eine solche Folge gehabt , würde schon genugAbscheu erwecken . wenn man da - Key weiter auch nichts , als dieses zu betrachten hatte . Allein wenn man II Band .
vollends entdecket hat , ans was für Bewegungsgründen der Rache diese Maschine gemacht worden , so überfällt einen noch ein ärgerer Schauer . Hat man etwa aus Zärtlichkeit gegen ihren Gemahl , oder sich wegen ei - ner Beschimpfung zu rächen , die er an seiner Ehre erlitten hatte , eine der Herzoginn von Longueville nachtheilige Erzählung ausgestrenet ? Ach nein : es ist wegen einer ganz andern Rachbegierde geschehe , , ; die Ehre
de« ChmannS hat dabey vielmehr gelitten , als daß sie hätte ersehet WM
den sollen . Eine verheirathete Dame hat sich deswegen rächen wollen , weil diese Herzogin» , durch die Vermählung mit dem Herzoge von Lon - gueville , sie ihres Buhlers beraubet hatte . Um sich nun wegen dieser Beleidigung zu rächen , hat man Reden geführt , die unter andern Folgen einen beruffenen Zweykamps gehabt , womit sich die Historie belasti - gel ; und dieß ist der Ort , wo sich die Stiefmutter und Stieftochter die Unsterblichkeit erworben haben ; denn man wird ihre Aufführung solange lesen , als die Schriften der französischen Geschichtschreiber , von der Re - gierung Ludwigs des XIV dauren werde» . Viele Leute glauben , daß das wahrhafte Verdienst einer Frauensperson darinnen bestehe , daß sie ihre größten Eigenschaften unter der Decke der Sittsamkeit so weislich verberge , daß sie weder den Schriftstellern , noch den Unterredungen zum Stoffe dienen können . Siehe die Anmerkung ( D ) des Artikels dith . Diese Sittenlehre ist zu hart , und vielleicht allzuhart , und eS entsteht nichts böses daraus , wenn man sie lindert , und e« erduldet - daß eine Dame den Ehrgeiz habe , in den Ehrentempel , und in die Schriften eines Historienschreibers gesetzt zu werden . Allein man mußte nur das Augenmerk auf diejenigen Schriftsteller richten , die , wie Valerius Maxi - muS , ein Verzeichniß der allergrößten Vorbilder der Gottesfurcht , der Keuschheit , der ehlichen Liebe , der Mildrhätigkeit , der Beständigkeit , u . s . w . ausmachen . Hierdurch könnte man rechtmäßiger weise nach ei - nem Platze streben : allein eine Aufführung , die nichts als einen bösen Nachruf in irgend einem Winkel der Historie , oder in den größten Capi . kein der schandbaren Chronike zuwege bringen kann , dieß ist in Wahrheit eine Unordnung , die allen Haß verdienet , den da« menschliche Herz zu fassen nnr fähig ist .
Uebrigens finden sich einige Veränderungen wegen der Art , mit wel - cher der französische Hof bey dem Handel des ChalaiS , seine keit gegen die Herzog»» , von Chevreuse bezeiget hat . Einige sagen , man habe diese Herzoginn nach Lothringen verwiesen . Dieß ist der Ausdruck , dessen sich der Urheber von der Historie de« Cardinals Richelieu bedient , die zu Amsterdam >694 gedruckt worden , 0 . 303 . 1 Band aufs 1626Jahr . Siehe auch le Minifte're du Cardinal de Richelieu , Tom . I . pag . 319 . Der Präsident Gramond saget nur , daß diese Dame ihre Sicherheit durch die Flucht gesuchet , und daß die Erwägung ihres Geschlecht« ge - hindert , daß man sie nicht gefangen gesetzt . Er sehet darzu , daß man durch ihre Gefangennchmung , dem gemeinen Wesen so wohl innerhalb , als außerhalb des Königreichs , einen sehr großen Dienst erwiesen haben würde , weil sie fast alle Höfe in Europa verwirret . Fuga item confulit tibi Ducifia Caprufii nuiltis rea nominibus : fexus fragilitas , et vene - ratio inhibuerant ntiper , quo minus et ipfa in carcerem traheretur : certe magnun , erat Galliac , magmin , prineipibus externii ab ea de . tentione beneficium , auftrice paflim in res nouas , intra et extra Gal - liam ea foemina , aularumque ferme tota Europa omnium perturba - trice , quod fuo infra loco reddemus . Hirtor . Galliae , Libr . XVI . P . 70 . . aufs 1626 Jahr Nach den wahren Umständen muß man sagen , daß man ihr anfänglich besohlen , sich vom Hofe zu entfernen , und sie zwar nach diesem bewachen lassen , aber doch nicht so genau , daß sie nicht Mit - tel finden können , aus dem Königreiche zu kommen . Per difficilia Regi - nae tempora hanc dihgentiffime coluerat , atque obferuauerat ( Robana Mombafona ) atque ea caufa et Ludouico XIII et Richelio inuifa , Aula pulfa , in cuffodiam conieöa , poftremo fuga fibi confulere , atque in Hifpania , et Belgio exulare coacta fiierat . Labardaeus , Hift . de bus Gall . Libr . II . init . pag . 71 . Labardäus , der dieses saget , bemerket mit Recht , daß sie Ludwigen dem XIII , verhaßt geworden : den» man liest in den Nachrichtt» des Rochefoucault , pag . 14 . daß die Ursachen , welche die Königinn zu der Zurückkunft der Frau von Chevrense , un - schlnßig gemacht , eine absondcrlicw Claustl der tLrklZrung , unv ein außeroro - mlicker XviScrwille gewesen , den der Rönig auf sei , nem Tovbene rviver sie bezeiget .
Diese Dame ist im August , 679 in ihrem 79 Jahre gestorben , Merc . Galant . August 1679 , 121 S . Holl . Ausg .
hat sich zum Meister von Castelmare gemacht , und es kurz darauf ver - lohren . Anselme , Hift . des grands Officicrs , pag . 461 . Wir wollen ne Stelle des Priolo anführen , die uns belehren wird , daß die Freyheit des Herzogs von Guise , so wohl den Spaniern , als dem Prinzen von Conde zu nichts gedienet hat . Guiiius ante paueos annos dux eledhis Reipublicae Neapolitanae , et inter faeuos tumultus captus ac de - duftus in Hifpaniam , nunc übertäte donatur , id maxime pröcurante Condaeo . Iberica fuit vafrities Guifiuin Galliae redonare , et Con - daeo concedere ; vt , qui auorum non immemor , poflet rurfus moliri noua , et eiere turbas . At oblitus donatae libertatis , et Condaei nc - gligens , choreas et haftiludia cogitauit . Rurfus ab eo tentatum iter Neapolitanum oftentui fuit , renouaturum in animo leui fpes aeeifas per vanum ludibrium . Nullus niortalium tarn vana concepit , editus atauis , qui tarn grandia , tarn folida captabant . Lib . VIIL cap . V . p ! m . 312 . Labardäus erzählet , haß die königliche Frau Mutter in die Auswechselung gewilliget , welche die Spanier vorgeschlagen litten . Sie hatten sicher - bothen , den Herzog von Guise in Frenheit zu stellen , wenn ihnen Frank - reich alle die Gefangenen von ihrer Partey wieder gäbe Sie hatten kurz darauf ihre Meynung geändert , und in der Hoffnung , baß der Her - zog von Guise , unter den Händen de« Prinzen von Conde ein mächtiges Werkzeug feyn würde , viele Unruhen in dem Königreiche zu nähren , ihn auf die einzige Fürbitte de« Prinzen freygelassm . Allein sobald der . Her - zog wieder in Frankreich war . so hat er sich erkläret , daß er wegen der harten Begegnung von den Spaniern nicht« z» ihrem Vortheile thun , noch dem Prinzen seine Erkenntlichkeit erzeigen würde , so lange er ihn auf ihrer Seite sähe ; dahingegen , wenn er dieselbe verließe , nichts in der Welt wäre , das er nicht zu seinem Dienste rhu» wollte . Ueberdieß hat er der königlichen Frau Mutter sehr verbunden zu seyn geglaubet , welche 11« hu chw

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