Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-4534

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Cardan .
( G ) Man wird das wunderliche Vewigen dieses Geistes kennen , wenn man dasjenige uncersuckl , rvas er uns silbst von seinen guten und bösen LLigenscbaften berichtet . ] Außer demjeni - gen , was ich m dem Texte des Artikels angeführt habe , will ich hier noch sagm , daß er so ungleich in seinem Gange gewesen , daß man ihn ohne Zweifel snr närrisch gehalten . Manchmal gieng er sehr sam , als ein Mann , der in einem tiefen Nachdenken war . und gleich dar - auf verdoppelte er die Schritte mit üdeleingerichteren Geberden . In . cefliis inaequalis caufa fuit cogitatio - - Abire in prouerbiiun pofl'et incefliis meus , nam eft inconfideratus , dum aliena ab hisquae prae oculis funt meditor - - - Ambulatio modo celeris , modo tarda , modo capite et humeris ere & is , modo inclinatis . Cardan . de Vita propr . cap . XXI . pag . 84 . 85 . In Bonomen hat er sich belusti - gel , auf einer Kutsche mit drey Rädern hemm zu fahren . Naudaeu» »n Iudicio de Cardano . Niemals ist ein Mensch seltsamer in seiner Kleidung gewesen , als er . Thuanus , der ihn zu Rom gesehen , bemer - kct , daß er ganz anders , als andre Leute , gekleidet gewesen . Thuan . Lib . LXII . pag . m . 154 . Ich führe seine Worte weiter unten an . Die Armuth ist Ursache an dieser wunderlichen Kleidung gewesen : denn zum Exempel , da Cardan nach Schottland gekommen , hat er sich Kleider ge - kaust , wie sie die Schvttländer getragen . Da er bey seiner Zurückkunft nach Italien keine Mittel gehabt , andre zu kaufen , und diese nicht mit allzu großem Verluste verkaufen wollen , so hat er sie zum Vertragen halten . Man kann da« wunderliche Wesen seiner Manieren nicht besser , als mit den Versen des Horaz vorstellen , die ich bald anführen werde . Er gesteht , daß sie sich vortrefflich auf ihn schicken , lind daß er sich eben derselben Verse hätte bedienen müssen , wenn er ihn hatte ab - schildern wollen . Non aliter de nie ego fentio , quam Horatius de fuo Tigellio ; quinimo Horatium dixerim tum de me fub illius perfona locutum .
Nil aequatc homini fuit illi : faepe velut qui Currebat , fugiens hoftem : perläepe velut qui Iunonis facra ferret ; habebat faepe ducentos ,
Saepe decem feruos : modo Reges atque Tetrarchas ,
Omnia magna loquens : modo fit mihi menfa tripes , et Concha falis puri , et toga» quae defendere frigus ,
Quamuis crafl'a , queat . Lib . I . Sat . III . 9 .
Quaeras caufam , imo caufas , in prointn funt , varietas primo cogi - tationum et morum : deinde vt faluti prorfus confulerem corporis : et quod cum mutauerim faepius patriam , feu habitationis locum , coachis fum etiam mutare veftes , quas neque ob iachiram vendere , nec fruftra feruare conueniebat , ob id neceffitas intulit legem . dan . de Vita propr , Cap . XX . pag . 8s . 8z . Das Gemüthe Cards nS war gleichen Ungleichheiten unterworfen . Siehe die Worte Thuans in der folgenden Anmerkung .
( » ) Diese einzige Offenherzigkeit ist ein Beweis , daß seine Seele von gan ; besonderer Art gewesen . ^ ThuanuS hat sie im LXII B . »64 S . als eine sehr seltsame Sache bemener : Vana eius vita , saget er , et mores ; pluraque ipfa de fe INAVDITA in viro litteras profeflb funplicitate feu übertäte fcripfit , quam curioius quisquam a me exigat . Er setzet dazu , daß er sich verwundert , ihn so weit unter seinem großen Ruhme zu finden . Dieserwegen hat er das Unheil bewundert , daß Julius Cäsar Scaliger von ihm gefallt : lich , daß Cardan in gewinn Dingen weit über den menschlichen Ber - stand weg sey , in vielen andern aber weit unter dem Verstände der kleinsten Kinder sey . Romae enira diuerfo ab aliis cultu inceden - tem paucis ante obitum annis confpicati et adlocuti , ac faepius ad - mirati ( umus , cum celeberrimi tot fcriptis hominis recordatio fubi - ret ; neque tarnen quidquam in eo quod tantac famae refponderet animaduerteremus : eoque magis Iulii Caefaris Scaligeri acerrinuim iudicium fufpeximus , qui diuinum ingenium fuum in opere de fub - tilitate exagitando , praecipue exercuit inaequalitate illius vbique di - ligenter notata , qui in quibusdam interdum plus homine fapere , in pluribus minus pueris intelligere videatur . Ebendaselbst . Wir den in der Anmerkung ( T ) sehen , daß man geglaubt , er sey einigen An - fällen des Wahnwitzes unterworfen gewesen .
( I ) Xvenn ihn die Natur keine Schmerzen empfinden ließ , U . s . w . ] Man bewundert dieses weniger , weil man die Ursache davon weis : er hat solches aus keiner andern Ursache gethan , als ein größer ltebel zu vermeiden : daß er nämlich , wenn er ohne Schmerz gewesen , solche heftige und verdrießliche Unruhen und Bewegungen de« Geiste« empfunden , die ihm unerträglicher , als der Schmerz selbst , gnvesn , . Dieß muß man bewundern , und dieß ist fast unglaublich . Fuit mihi mos ( de quo plures admirabantur ) vt caufas doloris fi non habe - rem quaererein , vt dixi de podagra : vnde plerumque caufis mor - bific'is obuiam ibam ( vt folum deuitarem quantum poflem vigilias ) auod arbiträrer voluptatein confiftere in dolore praecedenti fedato : fi ergo voluntarius fit dolor , facile fedari potorit : et quoniam ex - perior , me nunquani pofle prorfus carere dolore , et fi modo contin - gat , fubit in animum impetus quidam adeo moleftus , vt nihil poflit esse grauius , vt multo minus malus fit dolor , aut doloris caufa , in qua nulla prorfus ineft turpitudo , periculumue . Itaque ob hoc morfum labii , et digitorum diftorfionem , et compreflionem cutis , ac tenuis mufculi brachii finiftri vsque ad lachrymas excogitauir . Cardan . de Vita propr . cap . VI . pag . 30 . Er saget an einem andern Orte , daß er sich bey seinem größten Verdruß ? , derbe Ruthenstreicke ge - geben , und sich in den linken Arm gebissen : In maximis animi doio - ribus crura verberarem virga , finiftrum brachium mordebam acri - ter , ieiunabam , leuabar fletu multum , vbi contigisset fleri , fed per - faepe non poteram . Ebendas . XV Cap . 6j . 66 @ .
( K ) tkr hat sicb etlicbemal selbst entleiben wollen ] Er net dieses eine Heldenliebe , und er glaubet , daß viele andre d . ivon ange - gegriffen worden , ob sie e« gleich nicht bekannt hätten . Laboraui in - terdum etiam amore Heroico , vt me ipfum trucidare cogitarem , verum talia etiam aliis aecidere fufpicor , licet hi in libros nan refe - rant . Ebendas . VI Cap . z , S .
( L ) Sic hat in den Wollüsten der Liebe nickt ansgesckrvei - ftr . ] Hier sind seine Worte : Vener» nequv immoderate incubui , nec ex fuperfluo vfu multum Iacfus fum , nunc tarnen mwifcfto
ventriculum labefaftat . Man merke , daß er in dem Titel zu dem vierten Capitel saget , er hab . > seine Historie bis aus den erstens Wein - monats 1575 aufgesetzt ; weil er nun darauf saget , itzo schwächet mir der Gebrauch der Frauen den Magen sehr ; also muß er in einem Alter von vier und siebenzig Jahren sich mit diesem Spiele noch manch - mal ein Vergnügen gemacht haben . Er hat sich also wegen der zehn Jahr schadlos halten können , die er so sehr beklagt ; denn vielleicht hätte er dieselben so iibcl anwenden können , daß er sein Alter nicht aus sechzig Jahre gebracht hätte .
( »4 ) Er verspielte seinen - Hansrath , und das Geschmeide sei - ner ÜEfcfcau . ] Alea aduerfa oppigneratis crnamentis vxoris et fup - pelle & ile . Cardan . de Vita propr . cap . XXV . pag . 94 . Er bemerket , daß ihn das Elend , darinnen er versetzt worden , nicht vermocht , Dinge zu thuu , die seiner Geburt und Tugend schimpflich gewesen , und daß er sich unter andern Mitteln zu seiner Unterhaltung des Kalenderwochen« bedient habe , Ephemerides fcribebam . Ebendas . 95 S . Er erzählet , daß er , da er zu Venedig alle sein Geld gegen einen Menschen vcrloh - ren , der ihn betrogen , ihm einen Stoß mit einem Dolche ins Gesicht gegeben , sein Geld nebst seines verwundeten Wirths seinem genommen , und sich die Thüre aufmachen lassen . Er hat auch seine Ringe und Kleider verspielt ; allein er hat sie wieder gewonnen . Ebend . XXX Cap . in . i>2 S . Wir müssen nicht vergessen , daß er in Ansehung ter Wuifc de , die er seinem Betrüger beygebracht , ein Theil von dem Gelde auf die Erde geworfen , das er ihm genommen gehabt . Dieß sind Dinge , die seinem Nachruhme nicht viel Ehre bringen , eben so wenig , als seine Erzählung , daß ihn der Professor Cnrtius wegen Diebstals angrklaget ; weil ihm Cardan dasjenige nicht wiedergeben wollen , was er ihm zum Pfände gegeben hatte : er hat zum Grunde angeführt , daß er dasselbe behalten 'wollte , angesehen CmtinS Bürge geblieben , weil er keine Jen - gen dabey gehabt . Ab eodem Curtio de furto accufati , quod pignu» retinerem pro fponfione pecuniarum , quam fine kelle fecerat . ( Iben - das . XIV Cap . 67 S . Was für ein Leben ! Sind dieß nicht Gelehrte , die als Türken und Mohren mit einander umgehen ?
( N ) glaubte , unter der Aufsicht eines besondern engels zu stehen . ] Ich wollte nicht zweifeln , daß er nicht Recht hät , le , wenn ich glaubte , daß alles wahr wäre , was er erzählet ; denn mich dünkt nicht , daß man dieses , nach den allgemeinen Gesetzen der Verei - nigung des Leibes und der Seele , allein erklären könne . Dem sey wie ihm wolle , so finden sich Leute , welche wollen , daß er sehr nnschlnßig wegen dieser Materie gewesen sey . „ Er redet so verschiedentlich von „ seinem Schutzengel , daß er , nachdem er ausdrücklich in eincm Gesprä - „ che , Terim betitelt , gesaget harre , daß er einen hätte , der venerisch wä - „ re , mit dem Saturnus und «Diercur vermischet z und in seinem Buche , de „ libris propriis , daß er ihm im Traume erschiene , an eben derselben „ Stelle zweifelt , ob er wirklich einen hätte , oder ob es die Vortrefflich - „ keit feiner Natur wäre . Sentiebam , saget er , feu ex Genio mihi „ praefeSo , feu quod natura mea in extremitate humanae fubftan - „ tiae conditionisque et in confinio immortalium pofita eilet etc . „ und schließt endlich in seinem Buche , de Rerum Varietate , daß er kei - „ nen habe , indem er treuherzig bekennet : Ego certe nulluni Daemo - „ nem aut Geniuni mihi adefle cognofco . „ Naude Apol . das grand» Hommes , chap . XIV . p . m . 348 . Man sehe dasjenige , was eben dieser Naude in seinem Iudicio de Cardano , von dieser Materie , gesaget hat , welche« mir dem Leben dieses Arztes gedruckt worden .
( 0 ) XDas sollen wir von den vier besondern Dingen sagen , die ihm die Namr gegeben hat . 1 Die Art , mit welcher er davon reder , ist so unbedingt , daß man die Redensarten wissen muß , deren er sich bedienet hat : Quatuor mihi indita funt a Natura . quae quani aperire volui , et omnia ( meo iudicio ) admiratione digna . Quorum primum hoc eft , quod quoties volo , extra fenfum quafi in ecftalim tranfeo . . . Sentio dum eam ineo , ac ( vt verius dicamj facio , iuxta cor quandam feparationem , quafi anima abfce - deret , totique corpori res haec communicatur , quafi oftiolum qtiod - dam aperiretur . Et initium huius eft a capite , maximc cerebello , ditfunditurque per totam dorfi fpinam , vi magna continetur : hocque folum fentio , quod fum extra meipfum : magnaque quadam vi pau - Iulum me contineo . Secunduni eft , quod , cum volo , video , quae volo , oculis , non vi mentis • velut imagines iilas , de quibus dixi , cum infans eilem , me vidisse . Sednunc credo ob occupationes , nec diu , necper - feäas , nec omnino femper cum volo , nec tarnen iiifi velim . Mouentur autem perpetuo quae videntur imagines . Itaque video lucos , ani - malia , orbes , ac quaecunque cupio . Credo caufam eile , vim virtu - tis iniaginatricis , vifusque fubtilitatem . Tertium eft , quod omnium , quae mihi Ventura funt , imaginem video per fotnnum . Neque vn - quam aufim ferme dicere , vere autem dicere pofiiim , nieminisse , quod quicquam boni aut mali vcl mediocris mihi cuenerit , de quo prius et raro ante multum , non fuerim per foinnium praemonitus . Quartum eft , quod eorum , quae mihi euentura funt , quanquam fint perexigua , veftigia in vnguibus apparent . Nigra et liuida malo - rum in medio digito , feJicium alba : et ad honores in pollice , ad dnutias in indice , ad ftudia et res maioris momenti in anmilari , ad exiguas inuentiones in minimo : coafta , res firmas - fi fint veluti ftellae , res minus conftantes , et magis publkas verbisque plenas . Cardan . de Kerum Var . Lib . VIII . cap . XL III . Man merke , daß er miter diesen freywilligen Entzückungen , die allzuheftigen Schmerzen der Gicht nicke empfunden , und wenn man nahe bei , ihm geredet hat , er den Schall der Worte ein wenig gehört , aber ihre Bedeutung nicht ver - standen Uebrigens hat er sich dieser vier Seltsamkeiten niemals rüh - men wollen . Endlich hat lhndieftsgroße Geheimniß so sehr gedruckt , daß er es der Welt in einem Werke offenbaret hat .
( ? ) Tr war unglüeklich in seiner Familie . ] Sein ältester Sohn , der , , ch in ein Magdchen verliebt , die nichts hatte , ha : sie qP ( , ci= rathkt , und seinen Fehler zu spät bereuet . An statt daß er denselben da es einmal geschehen war . ganz geduldig hätte ertragen sollen : so bat er zu höchststra , baren Mitteln gegriffen , und seine Frau mit Gifte verge - den . Er ist deswegen nach Verdienst gestraft worden . Die Gerecktia - keit hat ihm dm Kopf abgesprochen , und dieses Unheil ist auch zu Mit - ternacht , ( Cardan . de Vita propr . cap . XXXVII . pag , 169 ) in seinem Gefängnisse an ihm vollstreckt worden . Ebendas XXVII . C . 99 . 100 Sei» te . Der andre Sohn ist ein Spitzbube und Bösewicht gewesen ; sein eigner Vater hat sich gezwungen gesehen , ihn mehr als einmal ins Ge -
fängniß

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