Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-11008

Guise .
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«llen diesen Begebenheiten zugegen gewesen ist . Dieß heißt indessen „ Venbvme , die Grafen von St . Aignan , und von Montreuil , und die
nicht gesagt , daß er die kleinen Umstände der Geschichte besser vorbrächte , „ Baron« de la Chastaigneray« , und von Fontaine« Ehalandrey . einander
als sie die ordentlichen Geschichtschreiber erzählen . Nein , er betriegt sich da - „ gleich gewesen , indem einjeder in drey Rennen getroffen . Dieses hat sie
bey manchmal sehr gröblich . Hier ist ein Exempel davon ; er setzet p . zoz . „ genörhiget , dreymal von neuem zu rennen , und da sie sich nochmals
nur acht Tage zwischen dem Tode des Baron von Lux , des Vaters , und „ gleich gefunden : so haben sie sich durch ihre eigne Gleichheit eben so um
dem Tode des Baron von Lux , des Sohnes . Gleichwohl aber ist es ge - „ den Preis gebracht , wie sie die andern durch ihren Vortheil um den
»iß , daß ein ganzer Monat dazwischen verflossen ist . „ Anspruch darauf gebracht hatten ; denn die Gesetze dieser Rennen über -
„ lassen , in einem solchem Falle , alles Recht detMge Dame , die den Preis
( H ) <£t hat seine GestliirkUckkeir in Sem Ritterspiele # - - „ austheilet . Da also die Rennen bis auf eine andre Zeit verschoben wor -
qneiget , und es hat wenig gefehlt , daß er nickt den Preis des »»den , so ist der Ring unter dem Ritter von Guise , dem Marquis de la Va -
Ringelrennens erhalten . ) Ich lege dieses nicht so wohl darum aus , da - „ lette , und dem Marquis von Rouillae streitig geblieben , welche alle
mit ich dasjenige , was ich vorbringe , erweise ; als damit ich Gelegenheit ha / „ drey in allen ihren Rennen getroffen , so daß sie wieder anfangen müssen :
be , ein Gesetz anzuführen , welches bey dieser Gattung von Uebungen be , „ und da der Ritter von Guise , nebst dem Marquis de la Valette , den
vbachtet wird . „ Wenn bey dem Ri> , gelrennen unter einigen Cavalieren „ Ring nur zweymal weggenommen ; so ist der 'preis dem Marquis von
„ eine gleiche Anzahl ist , die den Ring getroffen und berühret haben : so „ Rouislae geblieben , der in allen seinen Rennen getroffen hatte . , , Me -
„ streiten sie unter sich um den Preis , und fangen die Rennen so lange neftner , Traite des Tonrnois , Jouftes , Carcmfels , et autres Spedta -
„ wieder an , bis ein einziger den Vortheil hat . Wenn sie sich aber an cles public« , pag . 304 . Der Ritter Guise ist bep diesem Ritterspiele von
„ Geschicklichkeit gleich sind , und also an demselben Tage die Ehre der der ersten Bande der Renner gewesen , und hat sich den Namen Oli -
„ Rennen nicht entschieden werden kann ; so hat der ganze Trupp ein vanns von JLoto gegeben . Die Bande ist die Bande der Sonnen»
„ Recht , es ein andermal wieder anzufangen : wie man bey dem großen rirter gewesen , und hat den Prinzen von Conti zum Anführer gehabt
„ Ritterspiele des seligen Königes gethan , bey welchem der Herzog von Aus dem französischen Mereur , Tom . II . p . m . ; z6 . aufs 1613 Jahr .
( Btltfc r ( Heinrich von Lothringen , Herzog von ) der Sohn des vorhergehenden , war den 4 August 1614 gebohren und einer von den artigsten und vollkommensten Herren in Frankreich . Er war wohl gewachsen , in allen Arten der Uebungen ge - schickt , und voller Geist und Herchaftigkeit . Man darf seiner Historie nicht viele Erfindungen beysügen , um sie einem Romane ahnlich zu machen . Er ward zum geistlichen Stande bestimmt , und mit einer großen Anzahl Abteyen versehen ( A ) , auch zum Lrzbischofchume von Reims . ernennet , , da er sich aber in eine Heirathsversprechung mit der Prinzeßinn Anna von Man - „ tua eingelassen hatte ( B ) , so fand der - - - Cardinal von Richelieu die Mittel , ihn aller seiner Pftündm zu berauben : „ welches ihn veranlassete sich nach Brüssel zu begeben , wo er die Gräfin , , von Boss» geheirathet ( C ) , welche er kurz darauf ver - „ ließ , und nach Frankreich zurück kam : nachdem er in eine zweyte Ungnade gefallen , so begab er sich nach Rom , wo er an seiner „ Ehscheidung arbeiten ließ . Von da ist er nach Neapolis gegangen , um daselbst das Krieasheerr des Volkes zu commandiren , „ wobey er kurz darauf zum Gefangenen gemacht , und nach Spanien geführt worden c . „ Dieß wird in einem Buche von ihm gesager , welches 1657JU Paris gedruckt worden . Diese Erzählung brauchet eine Ergänzung : denn man muß noch dazu setzen^ daß der Herzog von Guise , auch an dem Vertrage Theil gehabt , den der Gras von Soissonö , der HerZo> ; von Bouillon . und et - liche andre MlSvergnügte mit Spanien geschlossen d ; daß er zur größern Sicherheit dieses Vertrags , eine öffentliche Reise nach Brüssel gethan ; daß er als ein Missethäter vor Gericht gestellet worden ; daß er wegen seines Außenbleibens , den 6 des Herbst« monatS 1641 sein Strafurtheil erhalten , und daß er seinen Vergleich im Monate August 164z gemacht - ; daß er nach Verlauf einiger Monate sich in einem Zweykampse , mit dem Grafen von Coligni , geschlagen ( D ) ; und daß dieser Streit von einer rung hergekommen , worein die Frau von Longueville , die Tochter des Prinzen von Conde , auch mit verwickelt war . Er ist haft aus diesem Kampfe gekommen , und hat sich vor den Folgen desselben nicht sehr gefürchtet , obgleich diese That ein cher Zweykampf gewesen , der auch mitten auf dem königlichen Schloßplatz ? vorgegangen ist ; und ob er gleich eine Partey von Prinzen vom Geblüte wider sich gehabt . Diese Umstände und viele andre , nebst den Erkundigungen , die das Parlement von Pa - ris , auf die Vorstellung von dem königlichen Generalprocurator , anfangen lassen f , haben nicht gehindert , daß sich der Herzog von Guise nicht öffentlich gezeiget , und im folgenden Jahre s dem Feldzuge , bey der Belagerung von Gravelingen , unter dem Herzoge von Orleans , beygewohnet hätte . Gleichwohl darf man nicht zweifeln , daß diese Begebenheit nicht die vornehmste Ur - fache derjenigen Reise gewesen , die er einige Zeit darauf über die Alpen gethan . Er befand sich in Rom , als sich die Neapvlita - ner empöreten , und ihn zum Haupte verlangten . Er hat ihre Vorschläge angenommen , und ist den 13 des Wintermonacs 1047 abgereist h . Die Hindernisse , die er übersteigen müssen , in Neapolis zu kommen ' , sind von solcher Art gewesen , daß weder Calprenede , noch Scuderi vielleicht jemals etwas erfunden haben , welches einem Romanhelden anständiger wäre . Dieser Her - zog ist von dem Volke zu Neapolis , mit einer außerordentlichen Freude , empfangen worden , und man hat den 17 des Wintern , » natö verordnet , daß er oberster Feldherr der Armeen , und ein vcrrheidiger der Freiheit ? enenner'werden sollte , nur eben denselben Ehrenbezeigungen , die der Prinz von ( Dramen in Holland , unter dem Schutze des allerchrisilichjten Ron^e . noß * . Er hat bey der Bekleidung seiner neuen Würde , viele Schwierigkeiten gefunden , und viele Proben seines Verstandes und seiner Herzhaftigkeit gegeben ; allein das Glück war ihm zuwider . Als ihm der französische Hof nicht beystehen konnte oder wollte , so hat er sich selbst nlcht erhalten können , und sich also genöthiget gesehen , gefahrlict>dachen zu wagen , wobey er den Kür - zern gezogen , und seine Freyheit verlohren . Er ist in die Hände der Feinde gefallen , die ihn nach Spanien geführt , wo er lich lange als ein Gefangener gehalten worden . Er hat feine Freyheit im Monate August 1652 1 , auf die Fürbitte des Prinzen von Conde schalten ; und man glaubet , daß der spanische Hos um so viel leichter darein gewilliget habe , weil er gehofft , daß der Herzog von Guise bey seiner Zurückkunft in Frankreich daselbst , allerley Verwirrungen und Rotten erregen würde Die qanze Welt hat geglaubet , daß ihm der französische Hof darinnen nicht beygestanden : weil er nicht gewünscht , daß er seine Ge - walr in dem Königreiche Neapolis befestigen möchte , und weil er geurtheilt , es sey ihm nützlicher , daß die Einwohner dieses Lan - des in der Gewalt der Spanier blieben , als daß sie Unterthanen des Hauses Lothringen würden . Der Herzog von Guise hat nach seiner Zurückkunft in Frankreich an nichts weniger , als an heimliche Anschlage gedacht , welche die Sachen des Prinzen von Conde zurecht bringen konnten : er hat sich vielmehr mit Buhlereyen befchäffiigel : und wenn er einen Kriegszug unternommen , sich dadurch in Neapolis wieder herzustellen ( E ) , so ist solches vielmehr eine Prahlsucht , als ein gründlicher Anschlag gewesen . Es lief endlich auf nichts hinaus . Man hat lhm das Amt eines Oberkammerherrn gegeben , welches seit dem Tode des Herzogs von Ioyeuse , seines Bruders , nicht besetzt gewesen Er ist löz^erkiest worden , der Königin , , von Schweden entgegen zu ge - hen , die nach Frankreich kam . Man hätte keine scharfsinnigere Wahl treffen können ; denn niemals ist ein Mensch ju chen Verrichtungen , und zu allen den Dingen , wobey viel Pracht und ein großer Staat erfordert wird , geschickter gewesen , als er . Er hat sich 1662 bey den berufenen Ritterspiele , , außerordentlich hervor gethan . Er ist dabey der Anführer von der Quadrille der Mohren gewesen . Er war zu dergleichen Lustbarkeiten undSchauspielen gleichsam als gebohren . und hatte mehr als irgend ein andrer verdienet , daß er zur Zeit der Turniere , und in dem Jahrhunderte der irrenden Ritter gelebt hatte . Man erzählet ei - nen sehr seltsamen Umstand von der Gabe , die er gehabt , sich bey den Frauenspersonen beliebt zu machen . Man saget , es hätten diejenigen , die ihn geliebet , an der Bewegung ihres Herzens , und ohne ihn zu sehen , erkennen können , ob er gegenwärtig gewe - se „ ( F ) . Er lst an einer Krankheit , den 2 des Brachmonats - 664 , zu Paris gestorben t , und nach Iomville in das Grabmaal seiner Vorfahren , gebracht worden ( G ) . Er hat keine Kinder hinterlassen : alle seiner Bruder waren bereits gestorben ; und seine beyden Schwestern sind nach diesem unvermahlt gestorben ( : H ) . Man hat 1668 seine Nachrichten herausgegeben . Der Abt le Galloi , hat dessen Lob gemacht 1 . Man sehe den Artikel ( terisanteo .
ä ) Anfeline , Hift . des grands Officiers , p . 460 . S ) Ebendas . c ) L'Eftat d ? la France , p . 53 . paris . Ausg . VON 1657 . <0 Memoi - res de Montrefor , p . 369 . e ) Anfelme , Hift . des grands Officiers , p . 460 / ) Sorravigs , Epift . LV . p . m . >z , g~ ) Im 1644 Jahre .
> Galeazzo Gualdo Priorato , Hiftoire des Revolutions de Naples , Livr . II . p . m . 7 - . oEbendaselbst ? ; u . f . Seite . 'k ) Ebeudas . 74S . i\ Anfelme , Hift . des grands Officiers , p . 460 . m ) Siehe die Anmerkung ( E ) . « ) Siehe ebendieselbe Anmerkung^ v ) Im 1654 Jahre / > ) Anfelme , Hift . de grands Officiers , p . 460 . q ) In dem Tagebuche der Gelehrten , den 12 be« Wintermonats 166s .
( A> ittf < - - mit einer sehr großen Anz - ahl Abteyen reichs . 5z S . >657 gedruckt , glauben darf . Man merke , daß er noch ein
verleben " , Wthm Abteyen „ von St . Dein« in Frankreich , von St . Kind gewesen , . als diese erstaunlichen Einkünfte , die der Raub zwee -
„ Remy zu ^ ms von St . NlcafiuS , des h . Petrus zu Corbie , zu ner reichen Cardinale waren , anfingen , ihm zuzufallen . Er hat . 6 . 5 die
«Fescamp , des Beraes St Michael , des h . Martins von Ponto . se , von Erbschaft des Cardmals von Ioyeuse . des Vetters seiner Mutter , nnd
. . Oreamv , tmS , ™ l von Moutirande . „ Anfelme , Hift . de 1621 , die von den , Cardmale Guise , seinem Better . erhalten . Dieses
grands Officiers STo ff ? Lt fünfmal hundert taufend Pfund Einkunft habe ich in des Präsidenten Gramond . Hiitor . Galliac , Lib . VIII . PP - .
tt an Pfründen Wim - « man dem Urheber von dem Staate Frank , W . 407 . aufs . 6» . Jahr gelesen , welcher beobachtet , daß der Cardinal

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