Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-10993

702
Guise .
gerühmet hatte , daß er den Tod seines VaterS hatte verhindem könnm . Ebendas . 48 S . Man hat nicht vergessen , die Ungleichheit des Erfolgs , bey den Zweykämpsen zu bemerken , wo die Gerechtigkeit gleich zu seyn geschienen . Wenn der Ritter in dem ersten überwinden sollen , weil er das Blut seines Vaters zu rächen gesucht : so hätte er in dem andern überwunden werden sollen ; weil es dabey darauf angekommen , dem Soh - ne , wegen eines Menschen , Rechenschaft zu geben , den er getobtet hatte . Und gleichwohl ist ihm das Schicksal bey dem andern so günstig gewe - sen , als bey dem ersten . Ueber diese Sache haben sich viele Leute ver - wundert , und man ist sehr aufmerksam darauf gewesen . Allein über - Haupt davon zu reden , so werden dergleichen Händel gemeiniglich nach vergrößern oder geringem Geschicklichkeit , und nach derHerzhaftigkeit und Stärke der Kämpfer , oder nach dem Zusammenflusse einiger zufallt - - gen Ursachen , und nicht nach dem meisten und wichtigsten Rechte , schieden . Ich weis nicht , ob man darauf gefallen ist , zwo andere trachrungen zu machen , die sich natürlicher Weise darbierhen . Die erste ist , daß , wenn man die Sachen nach der Schärfe nimmt , der erste Kampf den Regeln der guten Ritterschaft nicht gemäß gewesen : denn wenn ein junger Mensch , der ganz frisch vom Fechtboden kömmt , und zum Zwey - kämpfe vorbereitet ist , einen Alten , der sich dessen nicht vermuthet , derben Degen lange Zeit nicht gezogen hat , und alle Lehren der Fechtschule ver - qessen , ja der , mit einem Worte , auf den Armen und Füssen schwach ist . angreift ; heißt dieses nicht fast eben so viel , als wenn zwey Mann ei - nen angreifen , oder , als wenn ein Jüngling von sechzehn Jahren über einen Knaben von zehn Jahren herfiele ? Die andere Betrachtung wird seyn , daß die Herren von Guise , unter der Regierung Heinrichs des IV und Ludwigs des XIII , sehr unrecht gehandelt , daß sie die Rache , wegen der Hinrichtung zu Blvis , wider diejenigen so hitzig verfolget , die einigen Theil daran gehabt . Diese Herren hatten eine allgenieine Vergebung aller ihrer Empörungen , und eben so viel Wohlthaten erhalten , als wenn sie ihrem Monarchen große Dienste geleistet hätten . Hätten sie sich nun »«cht auf gleiche Art gegen diejenigen bezeigen sollen , die weiter nichts gethan , als daß sie die Befehle Heinrichs des III ausgeführer , oder ihn nur nicht von einer Unternehmung abgewendet hatten , die er zur Erhaltung seiner Krone für höchst notwendig gehalten ? Hätten sie nicht dieses alles mit der allgemeinen Vergebung bedecken sollen , die ih . nen selbst so nützlich gewesen ? Es wäre noch eine Betrachtung zu ma - chen , welche diejenigen betreffen würde , die den Verlust so bitterlich be - klagen , den die Prinzen , wie sie sagen , und andere große Herren in Frankreich , wegen ihrer Gewalt , erlitten Hnbm . Die Gewalt ist allzu - fehr vereiniget , sagen sie ; sie sollte , wie vordem , getheilet seyn . Allein , warum haben sie denn die Unordnungen vergessen , denen das Königreich «usgesetzet gewesen , da der Hof , unter der Minderjährigkeit Ludwigs des XIII , so schwach war ? Wünschen sie wohl die Zurückkunst dieser ein - gebildeten glücklichen Zeit , wo ein Guise aus den Straßen zu Paris eine Standesperson ungestraft umgebracht , und nicht einmal nörhig gehabt , sich weder bey feinem Prinzen , noch bey dem Gerichte des Königreichs zu entschuldigen ? ,
Dieser Ritter ist zu Baur , in Provence , ungefähr ein Jahr hernach , gestorben . D'Audiguier , Ufage desDuels , p . s$o . 55 - P . Anjfltn , Hiß . des grands Officiers , p . 437 . setzet seinen Tod auf den i des Brachmo - nats , >614 . Er hat in Person eine Tanone losgebrannr , welche sprungen ist , und durch ein Stücke den halben Rorper nommen . t' , ' . - . Da er den Tag nach seinem Tode in die Sradr Arles gebracht worden , so bat das Volk , rvelcbes auf eine außerordenrliche Art geschrieen und gcwehklager , die Nagel aus feinem Sarge gezogen , da - ; Tuch , darein er gewickelt gewesen , aufgetrenner , und , da es nicbr die geringste Veränderung in sei - nem Gesichte gefunden , ein Bildniß darnach malen lasien , ches auf das Rathbaus gestellct worden , den lebendigenzur Erinnerung , ibn ju beklagen ; und den Nachkommen zur mahnung , sein Andenken jtt bewahren . Allein dieses ist noch weit mehrzu bewundern , daß die beyden vornehmsten Sradte der vence , Aix und Arles , welche wegen ferner Asche in Elfersucht gcrierben , und darüber stritten , welche von ihnen die iSbre ben sollte , ihr ein Grabmaal zu geben , wegen des vorgeschlage - nen Mittels , der einen das - Her ; , und der andern den Rörper zu geben , nid« einmal haben verglichen werden können . ! £r ist auf gleiche XVeise bey - Hofe , nicht allein von seinen Anverwand - ten , sondern auch von dem Rönige und der Roniginn , seiner Mutter , bedauert worden , die den - Herrn von Guise so gar in seinem pallaste besuchet und getroster haben . Allein , vor allen ist die - Herzogin» von Conti , seine Schwester , dermaßen darüber detrübt gewesen , daß sich die winigsten Ropfe derselben Zeit be« mühet haben , sie zu rrosten . D'Audiguier Ufage des Duels , p . 551 . Man sieht hier einen großen Ueberrest der Abgötterey . worein die Ka - tholiken in Frankreich , wegen des Namens Guife , gefallen waren . ren diejenigen , welche diesen Namen , die Geißel der ^Hugonotten , gelie - bet hatten , nur Personen gewesen , die mit einer beständig . « Wacbsamkeirge - arbeitet christlich zu leben , so würde die Verwunderung eines Philosophen geringer seyn ; allein , was für Leute sind die größten Götzendiener in dieser Art gewesen ? Diejenigen , die dem gemeinen Lause des Lebens , der Unkeuschheit , dem Weine , dem Spiele , dem Geize , der Lügen , der Lästerung , dem Neide am meisten ergeben waren , Dieß sind die Leute , die zur Erhaltung der zeitlichen Gluckseligkeit ihrer Religion , und zur Ausrottung desjenigen , was sie Ketzerey nennen , den Elfer über alle Grenzen treiben . , _
( * ) Der Fortsetzer des Thuanus , im VI B . zu Anfange der z - 7 S . und der französische Mercur , Tom . III . p . 48 . sagen , daß er in einer Kutsche gewesen .
( 6 ) - - - Ohne daß er sich deswegen der geringsten Ver - wirrung ausgefttzer gesehen . ] Dieß erhellet handgreiflich aus der Erzählung , die ich aus dem Buche , von dem wahren und alten Gebrau - che der Zweykämpfe gezogen habe . Allein ich will dieses Zeugniß nicht misbrauchen . ohne zu untersuchen , was man ben dem Bassomvierre fin - det . Memoir . Tom . I . p . 274 . - 75 . Die Roniginn war ungemein darüber erzürnet , daß der Ritter von Guise den Scroti von Lur leibet hatte . Ich gieng gleicher Zeit ins L . ouvre , wo ich sie weinend antraf , und wo sie die Prinzen und Sraarsbedienten ru - fen ließ , um über diese Sache Rath zu halten , die ihr unendlich zu - Herzen gieng . Sie sagte alsdann zu mir : ihr scher , Das ! sompierre , wie man mit mir umgeht ; ihr sehet das tapfere Ver ,
fahren , einen alten ( Edelmann , ohne Vercheidigung und ohne ein * mal zu sagen : - Hütet euch , zu entleiben . Allein , so machen es die Guiftn ! Dieß ist eine Nackschilderung des St . Paul Man »be davon die Anmerkung ( B ) ) . Der Rath war in dem andern Saale versammlet , wohin ich die Rom - ginn an der - Hand begleitete , weil ich mich bey ihr befand . Man murrre sehr über diese Thal , und jedermann ärgerte sich , als man sie Zeitung brachte , daß sich eine große Anzahl des Adels in dem pallasie von Guise versammlet harre , und daß der 'Herr von Guiso die Roniginn in einer guten Begleitung bald besuchen würde . - Hierauf gab man der Roniginn den Rath , den - Herrn von Chasieau «vieux an besagten Herrn von Guise zu schicken , und ihm zu verbierhen , nicht eher vor der Roniginn zu erscheinen , als bis sie ihn fordern würde , und dem ganzen Adel , der sich bey ihm eingefunden hatte , im Namen der Roniginn zu befehlen , sie sollten sich wegbegeben - - Ebendas . > ? 5S . - Herr von Thareau - vieux that , was ihm befohlen war , und sagte be / der Zurückkunfr , daß einige erwas schwierig gewesen waren , sich wegzubegeben ; daß aber der - Herr von Guise selbst sie gebethen , wegzugeben , weil es die Roniginn so befohlen hatte . Als ihn nun die Roniginn fragte : wer denn diese Xvcigernden gewesen , so nennre er dreye oder viere , und unter andern den - Herrn - von Ro - chefoucaur . - Hieraufreizte man die Romginn wider ihn , da er sich als^ Rleiderbewahrer des Roniges noch weniger , als die an - Sern , hatte weigern sollen , zu gehorchen ; und hierauf wurde be , schlössen , ibn vom - Hofe zu jagen . Es wurde auch beschlossen , Saß vlese Sache dem Parlemenre übergeben werden sollte , die« selbe zu untersuchen . Zvie Roniginn war keinesweges durch den geschwinden Gehorsam des Herrn von Guise besänftiget ; noch dadurch , daß der - Herr von Guise , da der Ritter , nach der ! Lnt - leibung des Barons , in den pallast von Guise gekommen war , ihn daraus fortgeschafft , sich so lange auf dem Lande aufzuhal - ten . Der Marschall von Bassompierre setzet darzu : daß der - Herr von Guise gegen die Roniginn mit solcher Unterchänigkeir und Ehr - furcht geredet , daß sie sich ein wenig beruhiget ; daß aber die Frau von Guise , seine Murrer , so rroyig gegen die Roniginn sprochen : Saß sie sich von neuem erzürnet , Saß Ver Herr von Roche - foucaur Befehl bekommen , sich fortzupacken . Ebendas . 277 S . daß sich der Herr von Guise zu der Partey des Prinzen von Conde geschlagen , und da er vom Rochesoucaut gesprochen , gesaget : „ Ja , bey Gott ! er „ soll wieder zurück kommen , und ich will es der Königinn nicht einmal „ Dank wissen , Ebendas . - 81 , - 82 S . daß die Königinn über die Ver - einigung des Herzogs von Guise , mir dem Prinzen von Conde so unru - hig geworden , daß sie dem Bassompierre aufgetragen , diesem Herzoge Sie Summe von 100000 Thalern baar Geld , sie Gencralverweser - stelle der Provence für seinen Bruder , den Ritter , die schaft auf die Abrey von Sr . Germain für die Prinzeßinn von Conti , seine Schwester , und die Zurückkunft des Rochefoucaur an - zubiethen ; ( ebendas 284 S . ) daß der Herzog von Guise diese Anerbie» lhungen angenommen , und versprochen hätte , die Partey zu verlassen Ebendas . 292 S . Wir wollen mit folgenden Worten des Marschalls von Bassompierre beschließen : „ Wenig Tage darauf ließ der junge Ba - „ ron von Lux den Ritter von Guise herausfordern , der ihn getödter Ich „ habe »och eine sehr seltsame Sache von den Veränderungen des HofeS „ gesehen : daß die Königinn den Herrn von Guise , die dem Parlemen - „ te , weil er den Vater entleibet halte , anbefohlen , darüber zu erkennen , „ Unrersuchung deswegen anzustellen , und ihm seinen Proeeß zu machen „ und zu endigen ; in weniger , als achtTagen , da er noch über dieses den „ Sohn des besagten Barons von Lux auch entleibet hatte , besuchen und „ sich erkundigen lassen , wie er sich an seinen Wunden befände , nachdem „ er aus diesem Zweykämpfe zurück gekommen war ? „
Die Erzählung dieses Marschalls scheint demjenigen zuwider zu seyn was ich in der vorhergehenden Anmerkung gesaget habe , da ich mich auf die Erzählung des Audiguier gegründet , in welcher man nichts sieht welches zu erkennen gäbe , weder daß sich die Obrigkeit gereget hätte , noch daß der Ritter von Guise einige Ursache zur Unruhe gehabt hätte : allein , in , Grunde kann man diese Erzählungen leicht verglei - chen . Alles , was man aus des Bassompierre Erzählung schließen kann , ist 1 , daß der Rath der Königinn die Verordnung an das Parle , ment ergehen lassen , diese Sache gerichtlich zu untersuchen ; - , daß diese Verordnung so lange bestanden , bis sich der Herzog von Guise zur Par - tey des Prinzen von Conde geschlagen . Nun ist diese Zwischenzeit so kurz gewesen , daß entweder das Versahren des Parlements noch nicht angefangen , oder so wenig gefördert gewesen , daß fast niemand davon hat reden Horm ; daher Audiguier gar wohl zu entschuldigen ist , wenn er des - selben mit keinem Worte gedacht hat . Er setzet voraus , daß der Ritter beständig in dem Pallaste von Guise geschlafen habe , und gleichwohl ver - sichert Bassompierre , daß ihn der Herzog aufö Land geschicker hat Ich glaube , es hat der Herzog die Königinn versichert , daß er diese Aussiih - rung , in Ansehung des Ritters , gehalten habe ; allein , ich bilde mir den - noch ein , daß sich Audiguier nicht betriegt . Der Herzog hat wohl ge - wüßt . daß man keine Abgeordnete zu ihm schicken würde , die Wahrheit davon zu erkundigen , ob der Ritter noch bey ibm wäre , oder nicht ? Und man merke , wie alle Schriftsteller darinnen einig sind , daß der Ausfor - derungsbrief des jungen Barons von Lux , dem Ritter vors Bette , in dem Pallaste von Guise , gebracht worden . Also hat dieser letztere da - selbst gefchlasen . und folglich ist feine Abwesenheit sehr kurz gewesen , ge - setzt , daß er auch wirklich aufs Land geschickt worden wäre , wie der Herzog von Guise versichert hat . Allein , dieses verdienet , noch mehr Aufmerksamkeit , daß die Erzählungen des Bassompierre die abfcheuli - chen Verwirruiigen und entsetzlichen Unordnungen noch viel deutlicher erklären , als des Audiguier seine , dazu Frankreich gebracht gewesen ; als der Hof nicht so viel Gewalt gehabt , sich furchtbar zu machen . Dieß ist das wahrhafte Mittel , die deinokratifchen Schriftsteller zu widerlegen , die bey allen Gelegenheiten lehren , daß diejenigen glückseligen Zeiten vor - bey sind , da die Gewalt unter dem Monarchen und den Großen deS Reiches qetheilt gewesen . L> ! der schönen^ goldenen Zeit , da der Ritter
. T — . . - ^ . rfolgungen
der königlichen Gerichte einen plötzlichen Einhalt zu thun , und sich noch »benein bezahlen zu lassen ! Man merke noch , daß Bassompierre bey
allen

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.