Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-10975

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Guise .
noch nicht alle Begriffe von der Pflicht der Philosophen verlohren hat , und wenn er eine vollkommene grobe Lügen vorgebracht , so sey solches nicht aus einer niederträchtigen Schmeichelet ? , sondern aus einer Umvis - senheitssünde geschehener ist vermuthlich einer von denen Philosophen und Marhematikkundigen gewesen , die nur bloß an der schaft und am Euklides'einen Geschmack haben , und die , mit Verachtung alle« übrigen , es nicht einmal der Mühe werth halten , sich nach der Hi - srorie ihres Landes zu erkundigen . Vielleicht hat ihm auch der Fleiß , Erfah - rungen wider den leeren Raum , über die Eigenschaften deS Magnets , über die verschiedenen Brechungen des Lichtes u . s . w . zu machen , nicht Muße genug gelassen , den Thuanus oder den Mezerai zu lesen ; und also hat er die Historie der Guisen nicht weiter , als unter diesem allgemeinen Begriffe , gekannt , daß sie sich dem Auftuhre der Hugonotten stark wider - setzet haben . Er ist also gewissermaßen ehrlich gewesen . Wir wollen aber ja nicht versichern , daß ihn seine Unwissenheit entschuldiger ; sie ist nicht unüberwindlich gewesen : er hat sich im Gegentheile ganz leicht von derselben befteyen können ; ja es Härte ihm ein jeder Schüler die Tharen der ( Luisen , widerHeinrichen den III und Heinrichen den IV , erzählen kön - nen , und der kleinste Gesetzkundige oder der kleinste Jurist härte ihm sagen können , daß dieses Gewaltthaten gewesen sind , die den Gesetzen des König - reichs gerade zuwider gelaufen , und die eine gänzliche Umkehrung der wesentlichsten Grundsätze der französische ! , Monarchie , und eine beständl - ge Folge der ärgsten Verbrechen gegen die Lehnspflicht und der beleidig - ten Majestät gewesen . Wenn er also darinnen nicht strafbar ist , daß er wider sein Gewissen geredet , so verdienet er doch zum wenigsten unsern Tadel darinnen , daß er so nachlaßig gewesen , und sich nicht nach denen Sachen erkundiget , davon er geredet hat . Mir deucht , daß dieses sein ganzer Fehler ist ; und ich kann nickt glauben , daß er darum seine Ein - ficht verrathen hätte , um sich zum Schmeichler aufzuwerfen ; denn wen» er nur den mindesten Begriff von der Historie des XVI Jahrhunderts und von der politischen Verfassung der Franzosen gehabt hätte , so hätte er sich nimmermehr unterstehen können , sich des Weihrauchs zu bedienen , den er für den Helden seines Werkes gebrauchet hat ? Würde er sich wohl erkühnet haben , ihn darum zu loben , daß er bereit sey , seinen Vor - fahren nachzuahmen , wenn sich die Gelegenheit darzu angebothen hätte ? Heißt dieses nicht wirklich sagen : eure Hoheit wird im Nothfalle allezeit geneigt feyn , einen Aufruhr in pari» ; u erregend Sie werden öafelbf ? die Vcrfperrungen bis ans JLouvve treiben ; sie werden den Ronig zur Ergreifung der Flucht zwingen , ihn durd ) die allcrhcftigsien Halterungen der Prediger schimpfen lassen ; sie werden einen proccß bey den , parlemente zu Paris wider ihn anstellen , um ihn ab ) ufencn , und ihn durch einen Mönch ermor - den lassen , um den Dauphin und alle Prinzen vom Geblüre von der Erbfolge auszuschliefien , das spanische Rriegsvolk in das Ronigreich führen , uni jene an der 2>eha«pttiiig ihres guten Recbrs zu verhindern , u . s . w . Wir müssen schließen , daß Rohaulr kei - ne Sprache geführet haben würde , die alle diese Sätze bedeutet , wenn er gewußt hätte , daß seine Worte dieses wirklich bedeuteten . Wenn man ihm also diesen Fehler verzeihen muß , so geschieht es darum , weil er nicht wußte , was er sagte .
Uebrigens haben nicht nur allein die protestantischen Scribenten eine nachtheilige Beschreibung von den Thaten und Absichten der Guisen ge - macht : es haben auch gute Katholiken aus gleichem Tone geredet . Man lese nur eine Schrift , die man dem Ludwig Servin , Generalsachwalter bey dem Parlemente zu Paris , zugeeignet . Sie ist betitelt : Vindi - ciac fcciindiini Libertateni Ecclefiae Gallicanae , et Regii Status lo - Francor um . Ich bediene mich der Ausgabe von 159z . in 8 .
§ . 00 Baptista le Groin saget im VI B . seiner Decade des Köni< ge« Heinrichs des großen , rauenischer Ausgabe , von >6zz , wenn er von den» Herzoge von Majenne reder , mir deutlichen Worten : es habe dieser Her - zog , ob er gleich das Haupt der Ligue gewesen , dennoch niemals zugege , ben , daß man ein Loch in die Grundgesetze des Staats machte : und der Befehl von Folembrai , den n Jenner , 1596 , ( Mcm . de la Ligue , Tom . VI . pag . 576 . Ausgabe von 1599 . ) lobet eben diesen Herzog , wegen der Neigung , die er gezeigt hat , das Ronigreich ganz zu erkalten , des , sen Zergliederung er weder angestiftet , noch zugegeben , da ihm der Wohlstand seiner Sachen einiges Mittel dazu zu ge - ben geschienen : wie er auch nichr liernacbmals gethan , da es geschwächt war - - - Vermuthlich hat Rohault , der ein besserer Philosoph , als Genealogist , gewesen , diesen Herzog von Guise , dem er sei - ne Naturlehre , >6ji , zugeschrieben , für einen von dessen Nachkommen ge , halten . Crit . Anm .
©UifC t ( Carl von Lothringen , Herzog von ) der älteste Sohn des vorhergehenden , war den 20 August , 1571 , gebohren .
andern am Tage der Hinrichtung zu Blois in VerHaft genommen , und ist bis in den Monat Auauff . i«n
r - . r . j . o - „ rrs : . , t . s . ' s * '
Er wurde mit vielen 1
gefangen geblieben Damals hat er sich von . dem Schlosse Tours gerettet > Die Lique hat deoweqen ÜberaUsZ . XX fcucr angcstellet , und der pabsi hat Gott öffentlich dafür aedanket Dieser Drin« ist in QW . s mit £ t , i psangm worden und es lst 'hm eine große Menge , nicht allein von dem Volke , fondern auch von dem Adel dc^Äue ! nt ! ? ' gen gelaufen . Er hat sich sehr genau m . t der Partey der Sechzehner verbunden : allein , alle diese ^
nichts , als zum llntergange der Parrey , aedienet , und dieses wegen der Eifersucht die sie ben dem ® iU
ten . Ich habe in dem vorhergehenden Artikel davon geredet . Man saget : daß sich die Herioamn vm . tZP' jungen Herzog von Guise , ch - cn Neffen , verliebt gehabt ( A ) . Dieser hat die Ligue eines von i & en indem er den braven St . Pol mit seiner eigenen Hand getödtet ( ö ) . Er hat die Stattbaltersch^> I ^uten beraubet ,
er ( ich Heinrichen dein IV , 1594 , unterwarf Er Hat unter Ludwigen dem XIII einige Bedienunaen w ? a
habt ^ ; allein man hat ihn gehindert , allzuhoch zu fliegen , und ihn so gar genöthiget , Frankreich u v^l / sse^
Wirkung der weisen Staatskunst des Cardinals Richelieu gewesen ( C ) . Er bat sich narfi Vmlm f , A r / K H'eß ist die in dem Eienesischen , den des Herbstmonats , 1640 , gesto ? ben ErhatteM , 6u mit SS e . Ä < unb UV - CmT^nf von Ioyeuse Marschals von Frankreich , und Äitwe Heinric ! ^ von Bomch ! n
pensler , vermahlet / . Er hat verschiedene Kinder mit ihr gezeuget ( O ) . Der Marsches / rfiS l Vi0nt *
Herzogs von Chevreuse , des Bruders dieses Herzogs von ( Ais ? ( U und noch^^ re , über den Ritter von Guise , machen ( F ) , der auch sein Bruder gewesen , und in kuner 3rft die Barons Z KÄ 5 ohne dap er deswegen der geringsten Verwirrung ausgesetzt gewesen ( 6 ) . Er hat seine Geschicklichkeit^ lim Si<« - ch>Ä . des . 6 . 2 ^ - hrK g . Mg« , md « ha - wcnig gM . - , daß - r mVd - n Preis i« NnS - m««N W
„ chen Leuten von unsträflichen Leben und Sittm zu besetzen , welch ? dem „ Range anständig sind , den sie nach unferm Willen habm sollen . Und da „ uns hierüber vorgesteiler worden , und wir erkannt haben , daß es höchst nö - „ thig gewesen , den Würden und Aemtern der Präsidenten von dem „ Parlementshose zn Paris vorzusehen , damit , in Ermangelung bersel - „ ben , der Lauf der Gerechtigkeit nicht unterlassen und unterbrochen wer - „ de , wie seit einiger Zeit geschehen : als haben wir beschlossen , derselben an „ der Anzahl viere zu ernennen und einzusetzen , damit so wohl die große „ Gerichtskammer , als die Kammer der Tournelle , nicht ohne Häupter bleu . , ben : wir thun also zu wissen , daß , nachdem wir diesen Tag dm Herren von „ besagtem Parlemente , bey versammleren Kammern , unsern Willen und „ unsere Meynung eröffnet , und die vier Personen ernennet , die wir geschickt , „ würdig , und vennögend zu diesen Aemtern gehalten , welche sie sehr wil - „ lig angenommen , wie aus der Acre und dein Beschlüsse von besagtem „ Tage erhellet , der unter dem Gegensiegel beygesüget ist ; so haben wir , „ in Betrachtung der guten und angenehmen Dienste u . s . w . Dieß ist „ unser Wille . Zu Urkund dessen haben wir gegenwärtiges mit dem Sie - „ gel de« Königreichs Frankreichs bedrucken lassen . Gegeben zu Paris , „ den 2 des Christmonats , 1591 . Unterzeichnet Carl von Lothringen , „ und weiter unten , auf gnädigsten Befehl , pcricard .
Herr Marais , Sachwalter bey dem Parlemente zu Paris , ist so gü - tig gewesen , mir die Abschrift von dieser Acte zu schicken . - Er hat mir auch Beobachtungen über mein Wörterbuch mitgetheilet , die mir einen hohen Begriff von seinem Verstände und von seiner Gelehrsamkeit machen .
( QJ Diejenigen , die einige Aufmerksamkeit auf die Gewalt , thätigkeitcn derGuifen wenden , können nicht begreifen , wohin der cartesianischc rveltweise , Jacob Rohault , gedacht har . ^ Er hat seine Naturlehre 1671 , herausgegeben , und dem Herzoge von Guise zuge - schrieben , den er mit diesem Eomplimentebeehret : „ Wenn es mir frey „ gestanden hätte , über die Wahl zu rathschlagen , waS für einen bessern „ Schutz hatte ich den natürlichen Wahrheiten verschaffen können , die „ ick ) ans Licht gebe , als den Schirm eines Namens , der von allen Zeiten „ bestimmt gewesen , die allergrößten Wahrheiten der Welt zu behaupten ? „ Eure Ahnen haben dl» göttlichen Wahrheiten des Glaubens , gegen „ die geschwornen Feinde derselben , mit einer Gottesfurcht verrheidiget , „ die würdig ist , zum ewigen Beyfpiele vorgestellet zu werden : diese „ durchlauchtigen Helden haben mit Verlust ihres Blute« und ihres Le - „ bens , die politischen Wahrheiten behauptet ; ich will sagen : die Grund - „ gesetze des Staats und die »mveränderlichen Rechte unserer BeHerr - „ scher OO , wider die äußerlichen Angriffe , und wider die innerliche „ Wuth der Empörungen . Und Eure Hoheit sind »och über das alles „ vorbehalten worden , der Beschützer der Narurwahrbeiten zu seyn , nach - „ dem sie im übrigen allen edlen Regungen ihrer Ahnen gefolget sind . „ Wir würden auch nach ihrem Beyfpiele noch heuriges Tages eben densel - „ ben Eifer in der Person Ew . Hoheit , nebst einem gleichen Feuer sehen , „ wenn nicht der Mangel der Gelegenheit demselben , unter der rühmli - „ chen Regierung des allergrößten und weisesten Monarchen von der „ Welt , einen Anstand gäbe . „ Wenn ein Poet dergleichen Dinge , auch in den fchönstm Versen vorbrächte , so würde man dennoch Ursache ha - ben , vorzugeben ; daß er sie , wegen seiner Sünden , und zur Verbüßung eines großen Verbrechens , hätte machen müssen : man würde diesen danken des Horaz auf ihn anwenden können :
N ? c fatis apparet cur verfus fa & itet , vtnim Minxerit in patrios cineres , an trifte bidental Mouerit inceftus : certe furit .
Horat . de Arte Poet . v . 470 .
Was soll man denn von einem berühmten Philosophen und guten Ma - thematikkundigen sagen , dem solche Thorheiten entwischt sind ? Muß er nicht eine abscheuliche That begangen haben , welche verdiente , daß man lhN " einem so verkehrten Sinne uberließe ? Ich will gelinder reden : Hat er nicht seinen Eharaeter durch die Bejahung und durch eine so handgreifliche Lügen verunehret ? Indessen wollen wir seinen Carresia - nismus entschuldigen , so viel als wir können ; wir wollen deswegen vor - aussehen , daß Rohault seine Zueignungsschrift nicht als ein Philosoph geschrieben : er hatte diese Person bis aufS Hemde abqcleget , und er hatte siä ) , durch die unglücklichen Verbindungen , welche die Schriftsteller zu einer Zucignmigsschrift nörhigen , mit der Person eines Lobredners bekleidet . Eine schöne Lehre , einen jeden guten Philosophen von dergleichen Vorha - ben abzuwenden ? Wir müssen weiter gehen und sagen , daß dieser hier , ob er gleich mit der Liberey einer ftemden Person bekleidet gewesen , doch
( A ) Ma "

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