Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-10966

Guise .
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werkung ( B ) bey dem Artikel Certfantes . ) und daß viele unter ihnen die Tapferkeit ihrer Anbether auf die Probe stellen ; ich will sagen , daß sie dieselben Händeln aussetzen , dadurch zu erfahren , ob sie vermögend sind , sich wohl daraus zu ziehen . Was für verwegene Thaten hat man nicht im XVI Jahrhunderte bey dem französischen Kriegsheere aus Liebe zu einer Buhlerinn unternommen , um dadurch ihre Gewogenheit zu ge - Winnen ? Brantome redet an verschiedenen Stellen davon . Man kann also die Anmerkung des Mezerai nicht in allen Stücken tadeln ; allein man kann behaupten , daß die Ursache nicht gründlich ist , worauf er sie bauet . Die Damen lieben tapfere Mannespersonen , beherzte Cavalliers , ich gebe es zu ; allein nicht darum , weil sie sich einbilden , daß sie überall brav sind : es geschieht vielmehr wegen des großen Ruhmes , der den Ruf der Tapferkeit begleitet , und der auch auf die Liebsten derer zurück fällt , die diesen glänzenden Namen erworben haben . Es ist also mehr Ruhm - redigkeit , als Unkeuschheit , bey dem Vorzuge , den die Frauenspersonen den Soldaten vor den Bürgern , und den Kriegsleuten von einer ausnehmen - den Tapferkeit vor den gemeinen Kriegsleuren geben . Sie glauben , essey mehr Ruhm dabey , eine große Herzhastigkeit , als friedfertige Herzen zu fei - seln . Der Vortheil ist von dieser Seite ganz gewiß ; alles das andere ist sehr zufällig . Es giebt Tapfere , die in dem Liebeskampfe einem Ofenhüter nicht gleich kommen . Mancher Römer , der zwanzig rühmliche und an kriegerischen Belohnungen für ihn fruchtbare Feldzüge gehalten hatte , ist wegen des andern PunctS der Tapferkeit niemals einem Ovidiu« und Horaz und hundert andern Jungfernknechtchen zu vergleichen gewesen , die sich eines Degens sehr ungeschickt bedienet haben würden . Horaz be - kennet in der VII Ode , des II B daß er die Flucht in einer Schlacht ge - nommen , und Sueton versichert in dem Leben Horazens ) daß dieser Poet ad res venereas intemperantior traditur , nam et ( peculato etc . Mir deucht nicht , daß sich der Allertapferste in Frankreich , wegen dieses Pun , ctes , mir dem Zacachrist hätte in Streit einlassen können ; noch daß der Marschall von Ranzau , der so viel rühmliche Merkmaale der Tapferkeit getragen , und weit mehr Schrammen , als der Herzog von Guise gehabt , der Stärk« des verliebten Voiture gleich gekommen wäre .
Wenn wir weiter zurücke gehen wollen , so werden wir finden , daß der Räuber der Helena nicht der tapfere Hektor ist , sondern der feige und weibische Paris : und wir werden sehen , daß der große Homer , der alle Leidenschaften so glücklich und natürlich malet , sich des Beyspiels dieses Weichlings bedienet , die unordentliche Ungeduld derer zu verschreyen , die sich ihren Frauen bey Tage nähern . In allen seinen Gedichten ist nur der einzige Paris , der es so machet . Man merke , daß er von dieser Un - geduld , mitten in der Schande selbst , entzündet worden , da er sich ganz frisch aus einem Gefechte gerettet hatte . Hat der Poet hierdurch nicht die venerischen Kräfte der feigen Memmen anzeigen wollen ? Plutarch saget es nicht ; allein , vielleicht hätte er es mit eben fo viel Gründen fa - gen können , als er in folgenden Worten gehabt hat , de audiendis Poetis , p . 18 . Ov$ ( vx yag aXkvv eevDfUtrtnv tixJfui wyxoipupivov yvvaix ) notyaas tj rdv «srÄAiwv r & f i» Sf * . 6t hi '<5 / iioya TiSf / uvoe
TÜ» toittöryv äx ? aalm . Nam quum neminem alium interdiu cum vxore rem habere commemoret , extra intcmperantem hunc et adul - terum : fatis euidenter docet , fe hoc de eo opprobrii et reprehtfn - fionis caufa referre . Ebendaf . Man sehe in dem II B . der ZliaS , die Vorwürfe , die Hektor diesemFlüchtigen machet ; und man sehe hier , »vas ihm Helena vorgestellet :
Quod bene te iadlas , et fortia fafla recenfes ;
A verbis facies diffidet ifta fuis .
Apta magis Veneri , quam fint tua corpora Marti .
Bella gerant fortes : tu , Pari , femper ama .
Heflora , quem laudas , pro te pugnare iubeto ;
Militia eft operis altera digna tuis .
Ouid . Epift . Helen , ad Parid . V . S51 . p . m . 74 .
( P ) Der - Herzog von Majenne - - - bat eine Gewalt aus - fleubct , die roenig von der königlichen untersckiedcn roar . Es lag nur an ihm , den Namen Ronig anzunehmen . ] Er hat den Tod des Herzogs und Cardinals von Guise zu Lioi , erfahren , und sich unver - rüqlich nach Burgund begeben , wo er Statthalter war . Mamibourg , Hift de Ia Ligue , p . 294 . Er hat das Kriegsvolk versammlet , und ist damit nach Paris aufgebrochen . Er ist zu Troyes mit eben denftl - den Ehrenbezeigungen empfangen worden , die man dcnRomgen erweist . * £v hat daselbst als Beherrscher gehandelt , indem er von da Verordnungen an die Creaturen des - Herzogs von Gusse und vornehmlich an den Rosne und St . Paul geschickt . welchen er die Befehle ausfertigen lassen , in Champagne und Brie zu commandiren . Ebendaf . z> ; S . Er hat den 12 Honiung , 1S89 , ? ris seinen Einzug gehalten . ( In Loyselsgeschriebenem Tagebuche . ) „ allwo „ man , als wenn man den Herzog von Guise in seiner Person wieder auf - , , erwecket gesehen , die öffentliche Freude mit so vieler Ausschweifung und „ Uebermaaß ausbrechen lassen , daß man auch fo gar seinBildniß mit „ einer geschlossenen Krone anfgestellet , und ihm einen königlichen Thron „ aufgerichtet ; ( Journal de Henri III . ) und wenn er Ehrgeiz und heit genug gehabt hätte , sich darauf zu setzen , so würde er vielleicht Leute ge - „ nug gefunden haben , die ihn für einen König erkannt hätten , um Statthal - „ rerschaften unter ihm zu erhalten , die er ihnen unter dem Titel der Her - zogthümer und Grafschaften zur Lehn gegeben hatte , wie Hugo Cape - „ tus gethan hat . , , Maimb . Hift . de la Ligue , p . Z15 . Allein er hat sich aeweiaert , diese Ehre anzunehmen , und in der Folge nicht gewollt , daß sie ein anderer besäße . Er hat anfänglich seine Gewalt nur fest setzen wollen indem er sich zum stärksten in dem Rathe der Ligue gema< Ebendas . z>6 S . Kr hat daselbst , wider Nvillen der Seckzehner , alles durckqetrieben , roas er gewollt , und sick darinnen in der Tbat ein solches Ansehen geschafft , welcke« der unumschränkten Gewalt der Ränige sehr nahe kam . Denn der erste Schluß in 8 - ÄneuenRache war , daß er zum Merkmaale dieser fast un - umsckrankten und hocksten Gewalt , die man , hn nehmen ließ , oderdie man ihm anb , hinfort , bis zu der Versammlung der Stande ^n aan ? außerordentlicken Titel , wovon man noch fein dnSfSffjeines Generalverwesers , nickt des R6 - niges , ( denn die JLigne erkannte knnen , ) sondern
des Staats und der Rrone Lrankreick fuhren sollte t - - * Ebendas . 3 , 7 S Er hat wegen dieser neuen und wunderltcken ZVürde ( nach Loysels , geschriebenem Tagebuche , ) den >z Xnmi »m II Band .
„ „ welckes dieselbe durck Briefe be - kraftigte , die mit den neuen Siegeln besiegelt waren , die man statt de« königlichen hatte Macken lassen , welckes zerschmissen worden war . Nm nun die Verwaltung seines Amts mit einer unumschränkten - Handlung anzufangen , ( ^Cayet , Tom . I . ) hat er ohne Anstand neue Gcsene kund mackcn lassen , welcke XXI Artikel enthielten , um alle diejenigen Städte , die sick bereits in die K . igue begeben hatten , und nock begeben würden , deren zahl in kurzer Feit sehr groß geworden , unter einer Regierung« - forme zu vereinigen . Maimb . Hift . de la Ligue , pag . z , z . chr hat sich ins Feld begeben , und die Armee des Königes mehr als einmal an - gegriffen ; er hat spanische Kriegsvölker ins Königreich geführet , und wenn er den Anschlag der Ligue . einen Konig zu machen , der sich mir der ^n - fanrinn von Spanien vermählen sollte , hintertrieben ; so ist es aussei - Ner andern Ursache geschehen , als weil diese Benennung ihn , weil er ver - heirathet war . nicht treffen konnte , und nur dem Herzoge von Guise , sei - rem Neffen , bestimmet war . Er ist so halsstarrig in seinem Aufrühre gewesen , daß er den Krieg wider Heinrich den IV noch fortgefeket . da sich die Stadt Paris diesem Prinzen , der sich wieder in dem Schocke der Kirche eingefunden hatte , bereits unterworfen hatte . Er hatsich nicht eher zum Ziele geleget , als bis man ihm , von Seiten des Königes , so vor - ' theilhafte Anerbierhungen gethan , daß er sich schwerlich so viel Güter von einem Prinzen hätte versprechen können , der ihm die äußersten bindlichkeiten qehabt hätte . Ebendas . 518 S Der zu seinem Vortheile gemachte Befehl ist zu Folembrai , den n Ienner , , 596 , unterzeichnet Ebendas . 5 , 9 S .
( Q . ) Ick will eine Acte anführen , die man in den Registern des Parlaments zu Paris ausstreichen lassen . ^ Ich habe eine Ab - schrift davon , die nach dem vom Tillet unterschriebenen Originale ge , macht worden . Hier ist der Inhalt davon :
Auszug aus den Registern des Parlements .
„ Diesen Tag hat der Herzog von Majenne , Generalverweser des kö - „ niglichen Staats und der Krone von Frankreich , bey versammleren mern , und in Gegenwart der königlichen Fiscäle , nachdem er demPar - „ lemente die Ursachen vorgestellet , die ihn genöthigtt , den Wea nach „ dieser Stadt zu nehme» , und eine große Armee zu verlassen und „ da seit dem 14 des vorigen Monats , besagtes Parlement sich nicht sammlet ( * ) , und gegenwärtig keinen einzigen Präsidenten hätte es „ sur nvthig gehalten , deswegen mit demselben Rath zu pflegen , und ihm „ zu eröffnen , viere derselben zu bestellen , damit diese große Kammer und „ die Kammer der Tournelle nicht ohne Häupter blieben , und daß er de - „ nen , die erwählet werden würden , die Bestallungsbriefe darzu ausser - „ tigen lassen wolle , weil er für sich keinen einzigen ernennen wollen , und also „ dem besagten Parlemente alles überlasse : nachdem er hierüber das Par - „ lement ausrufen lassen , dieselben zu ernennen , und die königlichen Fiseä - „ le gehöret , so ist ihm darauf durch den Herrn Matthäus Chartier , De - „ chanten und ältesten Rath , vorgestellet worden , baß bey ereigneter gung besagter Stellen das Parlement gewohnt gewesen , den Köni - „ gen einige zu benennen , davon sie einen oder zween erwählet , die damit „ versehen worden ; daß aber itzo , da kein König wäre , und in Ansehung „ des Zustandes der Stadt , dasselbe Parlement sich dießsalls auf ihn ver , „ ließe , und ihn bäthe , dieselben zu ernennen : und endlich hat er nach „ verschiedenen Entschuldigungen gesaget , weil es besagtem Parlemente „ gefiele , daß er , nach dem diesen Morgen zu Gott und dem heil . Geiste „ gehaltenen Gebethe , daß dieses Geschaffte mit aller Redlichkeit aefuhret „ werden mochte . Sch ossen hatte , zum ersten Präsidenten denöerrn „ Chartier , ältesten Rath , der bereits durch das Parlement zum Präsiden - „ ten ernennet gewesen , zu ernennen ; dessen Tugenden , Redlichkeit und „ Fähigkeit , einem jeden zur Gnüge bekannt wären ; und zum andern „ den Herrn Hacqueville , Präfidenren bey dem großen Rathe ; zum dritten , „ den Herrn von Nulli , ersten Präsidenten bey der Rentkammer , und der „ ehmals mit einem von besagten Aemtern versehen gewesen ; »nd zum ten , den Herrn le Maitre , Sachwalter des Königes : da er die gedachten „ Herren Chartier und le Maitre , soviel er sich erinnern könnte , nie gese - „ hen hätte , ober einige andere Mitglieder , die besagtes Parlement billi - „ gen würde ; so ist die Materie in Berathschlagung gebracht , und unae - „ achtet der Entschuldigungen und Vorstellungen des besagten Herrn Cbar , „ tier , wegen seinesAlters , von 79 Jahren , wegen seiner bekannten Kränk - „ lichkeit , und weil er nur erst kurzlich von einer großen Krankheit wie - „ der hergestellet worden , und weil dieses Alter viel eher Ruhe als solche „ Arbeit , verlange , die ein solches Amt erforderte , beschlossen worden daß
gL * & ^bTn'in b - Wem ^avlemente ö & legrn „ sollte . Nach gerichtlicher Bestätigung , und nachdem er geschworen : „ daß er hierzu zu gelangen , weder Gold , Silber oder etwas dergleichen „ gegeben , oder durch andere geben zu lassen versprochen , und überdieß „ besagtes Amt und Wurde de« ersten Präsidenten , wohl und pflicht - „ mäßig verwalten wolle , so ist er ausgenommen worden , und bat den Eid „ der Treue in die Hände des Herrn Stephan Zleun , ältesten Rathes , ab - „ geleget . Geschehen im Parlemente , den 2 de« Christmonats , 1591 , „ nach vorheriger Gegeneinanderhaltung . Unterzeichnet
Du Tillet»
( * ) Man muß wissen , daß , nachdem die Sechzehner den Präsidenten Bris - son harten hängen lassen , das Parlement nicht mehr zusammen kommen wollen . Dieses hat den Herzog von Majenne genöthiget , sich wegen der Sache , davon die Frage ist . nach Paris zu begeben .
lemache ? Bestallungöformular , zu Folge obstehenden Beschlusses .
„ Carl von Lothringen , Herzog von Majenne , Generalverweser des „ Staats und der Krone von Frankreich , allen denen , die gegenwärtige „ Briese sehen , Heil . Das vornehmste Merkmaal der Gewalt und des „ heil . Willens dem , welche die Staaten regieret haben , und was ihnen „ am meisten die Hochachtung ihrer Unterthanen . und die Be>vunderu>ig „ der Fremden erworben , ist gewesen , wenn sie Sorge getragen haben , „ die zween Pfeiler , auf welche die Erhaltung aller Monarchien gegrün - „ der ist , die Gottesfurcht und die Gerechtigkeit zu erheben und zu Hand - „ haben . Dielerwegen ist unsere vornehmste Absicht , da es Gott gefal - „ lett , uns zu der Führung der Geschäffte dieses Königreiches zu berufen , „ nachdem wir so gut , als es uns möglich gewesen , die nöthigen ten lind Verordnungen zur Beförderung der Ehre Gottes gemacht , da - „ hingegangen , die Stelle der vornehmsten Gerichtsbediencen mit redli - Tt t t 2 „ chen

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