Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-10953

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Guise .
liebte Figur , dabey gebraucht hat . Dem sey , wie ihm wolle , hier sind seine Worte :
„ Frankreich ist ganz närrisch auf diesen Menschen gewesen ; denn ver , „ liebt ist zu wenig gesaget : Man darf sich nicht verwundern , daß es sich „ von seiner Pflicht entfernet hat , wie es denn solches gerhan . Eine solche Lei - „ denschaft ist mit derAbgötterey fast in gleichem Paare gegangen ; es hat „ Leute gegeben , die ihn bey ihrem Gebethe angerufen , andere haben sei - „ nen Kupferstich in ihre Gebethbücher gelegt . Sein Bildniß ist überall „ gewesen ; einiae sind ihm auf den Straßen nachgelaufen , seinen Man - „ tel mjt ihrem'Rosenkränze zu berühren : und man hat ihm , da er eines „ Tages von einer Reise aus Champagne zurück , und durch das ThordeS „ heil . Antonius in Paris kam , nicht allein zugerufen : i£s lebe Guise ! „ sondern es haben ihn viele Personen angesungen , - Hosianna , dem „ Sohne Davids . Man hat Versammlungen , die nicht klein gewesen , „ sich in einem Augenblicke , auf seine gute Mine ergeben sehen . ES hat , - , sich kein Herz wider ihn halten können ; er hat überredet , ehe er den „ Mund aufgethan ; man hat ihm unmöglich in seiner Gegenwart gram „ seyn können . Der erste Blick , den er auf die Feinde warf , hat ihrem „ Gemüthe so gleich alle Bitterkeit benommen , die sie wider ihn hegten , „ und eine solche Bewegung in ihrem Blute , und eine so seltsame Ber - „ änderung in ihren Gemüthern gemacht , daß sie nach diesem lache Zeit „ brauchten , sich selbst wieder zu ermuntern , und den Haß wieder zu er - „ regen , den sie nicht mehr hatten ; so daß dasjenige , was ich von er - „ nen» Hosmanne derselben Regierung habe sagen hören , mir nicht übet „ gesaget zu seyn scheint : daß die - Hugonorren von ver L . igue ge - „ wesen . wenn sie den - Herzog von Guise angesehen . Ich überlasse „ der Historie , die Sachen zu erzählen , die er gethan hat , und auch die „ Neugiengkeir bis auf seine Gedanken zu treiben . Ich erkühne mich „ nicht , die Räthsel des Höfts zu entwickeln ; ich kann so weit nicht sehen . „ Ich glaube nur , ohne daß ich rächen darf , daß er ein sehr außerordent , „ licher Mann gewesen seyn muß , weil sein bloßer Name , nach seinem „ Tode , vermögend geweseii , den Krieg wider zweene große Könige fort - „ zusetzen , und daß'der größte Feldherr von Europa der andere Stifter „ dieses Staats , Heinrich der Große , glorwürdigen Gedächtnisses , weder „ Städte noch ffeldschlachten gewonnen , als um einen Menschen umsein „ ? lnsehen zu bringen , der nicht inehr war . Ich will ein Wort nicht ver , „ gessen , das man nicht ungern hören wird . Es ist von dem Lobspruche „ abgesondert , und man eignet es der Frau Marschallinn von Rais zu . „ Diese Prinzen von Lothringen , hat sie gesaget , hatten eine sogute „ Mine , daß die andern Prinzen lauter Pobel zu feyn schienen . „ Diese Redensart ist ein wenig kühn , und ein gewissenhafter Sprachleh - „ rer würde gesaget haben , sie schienen Bürger zu seyn : allein der Hof „ ist über die Schule weg ; und erkennet eben so wenig , als die Kirche , „ die Gerichtsbarkeit der Grammatik . „ Balzac , Entretien XXIV . pag . m . 260 .
( L ) Varillas hat etwas sehr seltsames wegen dieser - Heirarh erzählet . ] Er saget , Hift . de Henri III , Livr . XIII , pag . 542 . daß der Herzog von Guise , da er «fahren , daß ihn Carl der IX hat wollen hin - richten lassen , die Herzoginn von Nemours , seine Mutter , um Rath ge - stagt , welche ihm geantwortet , daß er dem gedroheren Unglücke nickr anders enrqehen könne , als wenn er sick nock dieselbe Nackt vermählte ( * ) ; und daß sie es über sick nehmen wollte , ihm eine Gemahlinn zu verschaffen . Sie hat um die Prinzeßinn von porcien angehalten ; die es nickt für rarbsam gefunden , diese an - geborhene Partie auszuscklagen . Also iff die - Heirath gen , abgehandelt , gescklosien und vollzogen worden , und die - Her - zoginn hat sick mit einem Sohne sckwanger befunden , der nack diesem Oer vierte - Herzog von Guise gervrsen ; und alles dieses hat sick in einer Zeil von vier Stunden zugetragen . Nachdem es der Ronig bev seinem Erwacken erfahren , so har er den Se - fehl widerrufen , den er zu Tour - Gondy gegeben harre . Es sollte mich Wunder nehmen , daß diese Sache , wenn sie wahr wäre , dem La - boureur nicht bekannt gewesen . Er hat ganz besondere Dinge , diese Herzogin» von Guise betreffend , gewußt . Er erzahlet uns , Addit . aux Memoiresde Caftelnau Tom . I , p . Z90 . es habe der Prinz von Porcien . kurz vor seinem Absterben , seine Gemahlinn gebethen , den - Herzog von Guise nickt zu heirathen . bey welcher er einige Zuneigung gegen ihn vcrmurher . Ihr seyd jung . har er zu ihr gesager , , hr seyd sckon , ihr seyd reick , und diese Eigenschaften , nebf ? einer durck - laucktiqcn Abkunft . werden euck viele Freywerber verschaffen . Ich billige eure N ? iederverheirathung , ick laste euck auck die N ? ah ! der Partien , und von allen in dem ganzen Königreiche nehme ick nur einen einzigen Menschen aus . Dieß ist der Herzog von Gmse : dieß ist der Mensch , den ick am meisten in der tt>elr hasse , und ick bitte euck auf das inständigste , daß mein größter Feind nickt der Ärbe desscnige Gutes werde , was ick auf dcrlvclt am liebsten gehabt habe . ( * ) Man muß wissen , daß ihn Carl der IX deswegen hat wollen hm - richten lassen , weil e» ihn für verliebt in die Prinzeßinn Margaretha ge - halten . Man sehe die romanhafte Historie des Herzogs von Guise , , 694 zu Paris gedruckt ; wo diese Prinzeßinn so verliebt m den Herzog von Guise vorgestellet wird : daß es allen Wohlstand des Romans , aber nicht die Wahrscheinlichkeit übersteigt ; als wenn man voraus setzet , daß sich die Liebhaber bey den «llervortheilhaftesten Gelegenheiren de« Ge , Misses allezeit ohne - - - entfernen u . s . w .
( M ) - - - Die eheliche Untreue ist gegenseitig gewesen . ) Die Duhlereyen des Herzogs von Guise sind bekannt genug : sie finden sich in der Abschilderung , die Maimburg von ihm gemachet hat , wie man hier unten sehen wird . . . Er hatte die Nacht vor seiner Ermordung mit „ einer Dame auS der Köuiginn Hause zugebracht , welches die Ursache ge - „ wesen , daß er sich viel später , als die andern in dem Rache einfand : und „ man hat auch geglaubt , daß das Nasenbluten , welches ihn in dem Raths - „ saale überfallen , und ihn genöthiger . einige Confituren zu verlangen , da - „ her gekommen ; weil er seine Kräfte bey dieser Frauensperson allzusehr „ erschöpft gehabt . Wenn man mir hierinnen nicht glauben will , so glaub«
„ man zum wenigsten dem Thuanus . daraus ich die Worte hierunttn an» „ führe ( * ) , und bewundere die Ungerechtigkeit dieses Herzogs . Unter „ allen Untreuen , die er seiner Gemahlinn erwiesen , hat er nicht leiden „ wollen , daß sie ihrer seit« dergleichen begienge ; denn er hat einen schö - „ nen jungen Edelmann , Namens S . Maigrin , einen von des Könige« Lieb - „ lingen , grausamer Weise ermorden lassen , weil gewisse Gerüchte von „ ihm und der Frau von Guise herum gegangen . ( Journal de Henri III , ai Julliet . 157kl . ) „ Der König von Navarra , welcher seine Ursachen „ hatte , die Züchtigung des S . Maigrin zu billigen , sage , wa« er will ,
siehe hierunren ) , so ist doch diese That des Herzogs von Guise eine „ große Sünde gewesen . , . Critique Generale de l'Hiftoire du Calvi , nifrne , Livr . III , pag . 41 .
( * ) Vltimus comparuit Guifius , quem ea nofte fecurum Veneri furtiuae , cum quadam Gynäecei matrona , quam perdite deperibat , in - dulfifle , eoque tardius furrexifle , conftans rumor fuit . - - - Dul - ciaria quaedam Cubieulariis regiis ad refocillandas vires petiit , quod tarnen ab aiiis non tarn pauori quam lallitudini , ex contubernio femi - nae illius , cum qüa concubuer . it , contraöac allignatum eil . Thuanus , Libr . XCIII .
Wir werden bald einen Schriftsteller hören , der uns sagen wird , daß der Herzog vonGuift keinen Theil an dem Meuchelmorde des S . Maigrin gehabt . Gleichwohl hat man ihn an dem französischen Hofe für den Urheber desselben gehalten ; ( Siehe das Tagebuch Heinrichs des III , pag . m . ZI . ) und der König von Navarra ist so überzeugt davon gewesen , daß er gesaget hat . Ick weis es dem - Herzoge von Guist , meinem Vetter , großen Dank , daß er es nickt gelitten hat . daß ihn so ein Gelbscknabel . rvie S . Maigrin , zum - Hahnrey gemackr . So soll» te man allen den «nvern kleinen 2duh>lern Oes - Hofes begegnen , die sick den Prinzeßinnen nähern uns mir ihnen verliebt thun len . Ebendaselbst . Allein der Schriftiieller , den ich anführen will . leug , «et die Liebeshändel der Herzogin« nicht Es ist auch wahr , daß er sie erzählet , ohne daß er für die Wahrheit Bürge feyn will .
( N ) Er hat nurseiner Gemahlinn ein außcrordenrlickes cken eingeiaget . ] „ Caussade S . Maigrin , ein Edelmann aus Bour« . jdelois , war wegen , des einzigen Bortheils seiner Schönheit , de« Könige« „ Heinrichs des III , Liebling geworden . - - - Er ist so unverschämt „ gewesen , zu sagen , daß die Herzogin» von Guise mit ihm zu thun ge - „ habt . ( In den Memoires de Boifl'y . Sie sind in der Bibliothek de« „ von Meömes . ) W>e der Herzog von Guise am weiligsten fähig gewe - „ sen , gegen die Frauenspersonen eifersüchtig zu werden : so hat man sich „ ansänglid ) nicht an ihn gemacht , ihm die närrische Ruhmredigkeit des „ S . Maigrin zu vertrauen . Man hat nur mit seinen nächsten Anver - „ ivandten , und mit seinen besten Freunden davon geredet ; und beyder , „ seitS haben ihm so inständig angelegen , daß er ihnen , ihres UeberlausenS „ los zu werden versprochen , sich erstlich an seiner Gemahlinn , und dann „ an dem vorgegebenen Liebhaber zu rächen . Er hat sich auch in der „ That wider seine Gewohnheit die folgende Nacht enthalten , bey ihr zu „ schlafen ; und ist den Morgen darauf , ftüh um vier Uhr , mit einem „ Dolche in der rechten , und einem silbernen Löffel vcll schwärzlichten <Äaf - „ tes , in der linken Hand , in ihr Schlafgemach getreten . Er har die Her - „ zoginn aufgeweckt , die in einem tiefen Schlafe lag : er hat ihr ihre lliv „ treue mir wenig Worten vorgeworfen , und mit einem Gesichte und ei» „ ner Stimme , worinnen sie alle Anfälle der Wuth und Verzweiflung „ entdecken können , zu ihr gesaget : daß er ihr die Wahl ließe , entweder „ durch den Dolch , oder durch das zubereitete Gift in dem Lössel , zu ster - „ ben . „ Varillas , Hiftoire de Henri III , Livr . XII , pag . 343 . Da die Herzoginn durd ) ihr Bitten l , id ) ts zu erhalten vermocht , so bar sie das vermeynre Gift genommen und verschluckt , und sid ) vor ihren Beth« stuhl auf die Kniee gelegt , in Erwartung der Minute ihres Todes : allein wie das vermcynte Gift der beste Saft war , den man verfertigen konnte , so hat sie nickt das geringste Uebel davon empfunden ; und eine gute Stunde daraufist ihr Gemahl wiedergekommen , der ihr gemeldet , aus was für Art man in ihn gedrungen hätte , sick ih - rer zu entledigen ? und den Spaß , womit er den Rath bestraft» wollen , den man ihm gegeben harre . Die Anverwandten und Freunde des - Herzogs von Guise , die nack dieser Erfahrung nickt mehr hofften , sein Gemüthe wider seine Gemahlinn auszubrin - gen , sind einzig darauf bedackt gewesen , den S . Maigrin zu ten . i£s haben . zwanzig Kavaliers an der Zahl , um Miller - nackt , da er aus dem L . ouvre gegangen . auf ihn gewartet , und ihm drey und dreyßig Kunden mit dem Degen oder Pisiol gege , ben , die fast alle todtlick gewesen . Der Konig hat nicl ? tS darüber gefaget : weil man ihm hinterbrackte . daß man unter den Mordern einen Menscken bemerket zu haben glaubte , der wegen seiner außerordentlichen / Länge und seiner wie Sckopssckulrern gestal - tetm - Hände , der - Her , og von Maiennc zu seyn geschienen bälre .
Man merke , daß diese Herzogin» von Gmse reformirr gewesen ist , so lange als ihr erster Gemahl gelebt ; allein nach seinem Tode , isi sie auf Anhalten der Roniginn Cacharina von Medicis . ihrer Parke , in der Capelle zu S . Germain cn ILaye , katholisch geworden . Hilarion de Cofte , Vies des Dames illuftres , Tom . I , p . 2j>j .
( O ) . Man har ibn milder Sckramme zugenamt . Z Ein berühm - ter Gesd ) id ) tsd>reiber machet eine Anmerkung , die mir nicht richtig vor - kommt . Der - Herzog von Guise , saget Mezerai , Afcrege Chronol . Tom . V , pag . 207 . auf« 1575 Jahr , Sradlbalrer von Champagne hat die Reiter angegriffen , und sie bev' Chareau Tbierry gc gen . ! Lr isk dabey auf der linken Sacke von einem Musketen« sckusie verwunder worden , wovon er seine ganze Lebenszeit die Sckramme behalten hat , ( dieserwezen hat man ihn mit der Scl'ram - me genennl ) zum großen Ruhme bev den Racholiken , und Vor - theile bey den Damen , welcke glauben , daß dicsenigen , die rapftr sind , es überall sind . Er hat einigermaßen Red ) t , zu sagen , daß die Merkmaale der Tapferkeit , bey dem weiblichen Gesd>led ) te zu einer tigen Anpreisung dienen . Die Sendern hat in einem Bande derClelia ge» saget : daß , obgleick die Tapferkeit keine Tugend des Frauenzim - mers wäre , es glei'ckwohl beständig wahr sey , öaß es dieselbe liebte , und es auck zuweilen andern guten »Ligensckaften , zum Vorrheile dieser , Ungerecktigkeit erwiese , indem es solcke Acute ; die nur brav rvären . andern vorzöge , Sie versckiedene Tugenden starr einer besässen . ES ist gewiß , daß ein Cavalier , wcIcker der Groß - sptecherey verdächtig ist , »in Spott derDamen wird , ( Siehe oben die An .
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