Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-10926

©mfe .
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der ein Ratholik wäre h . Allein als er sah , daß die Wahl nicht auf ihn fallen konnte ; denn er war verheirathet , und man wollte einen Prinzen erwählen , der sich mit der Jnfantinn von Spanien vermählen könnte : so wendete er diese Unternehmung listig ab , und zwar mit so viel^rößerer Aemsigkeit , da er erfuhr , daß der Herzog von Guise , sein Neffe , derjenige war , den man zum Könige machen wollte . Er empfand einen außerordentlichen Verdruß über diese Ernennung Die Herzoginn , seine Ge - mahlinn , hat dieselbe nidjt leiden können , und ihrem Gemahle gerathen , eher mit den , Ronige Frieden zu machen , als so niederträchtig zu iiyn , diesen kleinen jungen , für seinen Herrn und Ronic , zu erkennen ; also nennte sie seinen fen aus Verachtung . Diejenigen , die einige Aufmerksamkeit auf die Gewaltthatigkeiten der Guifen wenden , können nicht greifen , wohin der cartcsianische Philosoph , Jacob Rohault , gedacht hat ( R ) , als er die Zueignungsschrist seiner Naturlehre geschrieben .
- ) Im Christmonate «88 . i ) Er hat Morosini geheißen . O Maimbourg , Hift . de Ia Ligue , pag . - 84 . saget , daß er im 41 Iah . re seines Alters ermordet worden ; er bekriegt sich um 4 Jahre , d ) Hilar . de Cofte , Elog . des Dames illuftres , Tom . I , pag . 501 . e ) Er hat derselben 14 , aber nicht in 14Jahren , gehabt , wie VarillaS , Hift . de Henri III , Liv . XII , p . 343 versichert : denn sein Ehstand hat >i Jahre gedauret , und er hat seine Gemahlinn schwanger hinterlassen ,
6 ) Ebenb . p . 462 . i ) Ebend . 479 @ .
( A ) ( Bc besaß lHeils bofe theils gute Origensdwftett . ] Wir wollen uns der Farben bedienen , die ein neuerer Geschichtschreiber angewendet hat , ihn abzumalen . „ Es hat ihm nichts von allem denjenigen gemangelt , was „ so wohl zum Guten als Bösen alles dessen beytragen konnte , was er „ einmal fest beschlossen hatte - - - - Er ist ein Prinz gewesen , „ der - - - alle stl'öne Eigenschaften und alle Vollkommenheiten deS Lei - „ bes und des Geistes besessen , welche am vermögendsten sind , die Herzen „ zu bezaubern , und die demjenigen , der sie besitzt , eine unumschränkte „ Herrschaft über die Gemüthcr des Pöbels erwerben , welche dadurch gleich - „ sam bezaubert , und Verehrer derselben werden . Denn er ist von eiller ho - „ henund unvergleichlich - proportionirlichen Leibesgestalt gewesen , die der - «jenigen ganz ähnlich war , welche man den Helden zueignet . Alle seine „ Gesichtszüge waren vollkommen schön , seine Augen lebhast , und mit ei - „ nem gleich angenehmen , thätigen und durchdringenden Feuer angefüllt . „ Er hat eine breite , glatte , und allezeit heitere Stirn gehabt . Er war „ allezeit fteunMich , hatte ein angenehmes Lächeln de« Mundes , welches „ noch mehr , als die höflichen Worte , einnehmen konnte , die er zu allende - „ nen sagte , welche sich um ihn zu seyn bemühten : seine Hanl war leb - „ hast , weis und roth . - - - Sein Gang war ernsthaft und präch - „ tig , ohne daß sich dabey etwas hochmüthiges noch gezwungenes blicken „ ließ ; in allen seinen , Sitten hat er ein gewisses Ansehen , eine unbeschreib - „ liebe heldenmäßige . Hoheit gehabt , bey welcher sich viel Leutseligkeit , „ Kühnheit und Sprödigkeit , ohne das geringste Widerwärtige , befand : „ und welches denen , mit welchen er geredet , zugleich Liebe , Furcht und „ Ehrerbiethung einflößte . Dieses unvergleichliche äußerliche Ansehen , ist „ von einem noch weit wunderbarem innerlichen Wert he , nämlich durch „ die allerschönsten Eigenschaften , belebet worden , die eine wahrhafte große „ Seele nur besitzen kann . Denn er ist freygebig , und in allem präch - „ tig gewesen ; er hat nichts gespart , sich Anhänger zu machen , und er hat „ gesuchet , Personen von allen Gattungen des Standes , vornehmlich aber „ den Adel und die Kriegsleute zu gewinnen . Er war höflich , verbind - „ lich , leutselig , allezeit bereit , allen denjenigen Gutes zu thun , die sich zu ihm „ gewendet ; groß - und heldenmüthig , unvermögend auch seinen größten „ Feinden , anders , als durch ehrliche Wege zu schaden ; er war ungemein „ überredend , verstellt unter deck Scheine einer großen Offenherzigkeit , „ weise und klug in Rathschlägen , kühn , geschwind und tapser in Ausfüh - „ rung ; der alle Beschwerlichkeiten des Krieges ganz muthig , wie der „ geringste Soldat , ausstund ; der alles wagte , die größten ten verachtete , um dasjenige zum Ende zu bringen , was er einmal un - „ ternommen hatte . - - - Wie eS aber kein Goldbergwerk giebt , wo „ man dieses kostbare Metall rein , und ohne Vermischung mit vieler Erde „ findet : also sind auch diese großen Tugenden des Herzogs von Guise , „ durch viele Mängel und Laster vermischet und verderbet gewesen , da , „ von das vornehmste eine unersättliche Begierde nach Hoheit und Ehre , und „ entsetzliche Herrschsucht war , wozu ihm alles dienen müssen ; wobey er „ übrigens verwegen , und sehr eingebildet gewesen ; er ist nur seinem eige - „ nen Sinne gefolget , und bat der andern ihren allezeit verachtet , jedoch ohne „ daß d so geschienen ; «erstellt , listig , falsch , ein schlechter Freund , der nur „ für sich selbst gesorgt , ob er gleich der allerschmeichlerischte und dienstfer» „ tigste Mensch gewesen , der niemals andern gutes gethan , als um seine „ Absichten desto leichter zu erhalten , und der seine weitlauftigen ge allezeit unter dem scheinbaren Verwände des gemeinen Bestens , und „ der Erhaltung der wahreil Religion verborgen ; der , weil er sich allzu , „ sehr auf sein Glück verlassen , sich selbst verderbet hat , und sich selbst in „ dem Wohlstände verblendet , der ihn das gegenwärtige Gute mit so „ vielem Vergnügen empfinden ließ , daß er nicht daran gedacht , wegen des „ Zukünftigen vorsichtig zu seyn . Endlich ist er der Liebe der Weiber all - „ zusehr ergeben gewesen , deren er sich gleichwohl , ohne daß er sich durch „ dieselben von seinem Hauptgeschässte abwenden lassen , auf eine geschickte „ Art , und daß sie selbst es nicht gemerkt , zur Beförderung seiner großen „ Absicht , durch ihre Kunstgriffe , bedienet . " Maimbourg , Hift . de la Ligue , Liv . I . pag . m . 18 . u , f . Der gefährliche Kopf der Guisen . wel , chen Franciseus der I , so wohl ergründet hatte , daß er auch seinem Svh - ne anrieth , sich davor zu hüten , ist von Vater auf Sohn immer ärger gewordeil . Hoc aduerterat Rex Francifcus I , et leuia licet quae tuncab iis coepta , cauenda nihiloininus liberis suis edixerat , vt parua ex queis magnannn rerum motus orirentur : nunquam fatis fidam poten - tiara , vbi nimia eft , rebus fuij profpicerent , nec maiores domus eo« crearent , quibus mos erat vim prineipis «omple & i , noinen remittere . VtinamHenricusIIpatrisconfihum haud afpernando liberis fuis con - fuluillet , nec Gufianos rebus gerendis praefeeiflet . Vindic . fecun - duni Libertat . EccI . Gallic . p . 6 und 7 . Mail hat insonderheit davon sa , gen können , was Horaz von dem ganzen römischen Volke gesagt :
Aetas parentum , peior auis " , tulit Nosnequiores , mox daturos Progeniem vitiofiorcni ,
Od . VI . Libr . III .
, f ) Maimbourg , Hift . de la Ligue , pag . 456 . g ) Ebend . pag . 460 .
„ che dieser Scribent der Länge nach anführet , als wenn er bey dieser lan - > „ gen Unterredung gegenwärtig gewesen wäre , und alles ohne ein Wort „ zu vergessen , gehöret hatte , was der König zu diesem Cardinale gesagt , „ dessen , politische Betrachtungen und Antwort , die er aus diesen großen „ Discurs des Königes gegeben , er uns zu wissen thut . Denn er saget , „ er habe diesen Prinzen , um seine Zuneigung gegen den h . Stuhl nicht „ zu erkälten , versichert , daß der Pabst - 5 - Er sehet dazu , es habe „ ihm der König mit einem Eidschwure versichert , - - , daß er in „ seinem Königreiche keine andere Religion , als die römischkatholijche , er« „ lauben wolle . Daß es der Legale nach diesem Eide nicht für rathsam „ gehalten , in dieser Unterredung weiter zu gehen ; er habe also mit ihm „ vertraulicher , als jemals , zu reden angefangen , doch ohne damals zuin „ Vortheile der gefangenen Prälaten etwas zu jägeN . E« sagen auch ei - „ nige ( D'Aubigne' ) daß man aus der freyen und ungezwungenen Art , „ die man ihn gegen den König gebrauchen sehen , indem er ihm etliche - „ mal ins Ohr geredet , und mit ihm gelachet , geschlossen : es hätte dieser „ Prinz mir Genehmhaltung des römischen Hofes gehandelt ; und sie ihen mir dem Davila dazu , daß dieses dem Könige Anlaß gegeben , weiter „ zu gehen , und auch den Cardinal von Guis« niedermachen zu lassen ; da „ er gesehen , daß man sich so wenig um die Gefangennehniung der Carbi - „ näse bekümmert . Diese« haben diese Schriftsteller sehr ernsthaft , als „ eine unleugbare Wahrheit geschrieben ; indem , wie sie sagen , diese Unter - „ redung , im Angesichte aller Welt , auf dem Hofe des Schlosses Blois ge - „ schehen wäre . Unterdessen ist doch nichts fälschet , als bieg ; und alles , „ was uns Davila davon saget , ist eine von denen Fabeln , welche die Poeten „ allein Macht haben , zu erdichten ; der Beweis davon ist handgreif - „ lich und unwiderfprechlich . Wir haben gedruckte Nachrichten von dem „ Leben des Cardinal« Morosini , die vom Monsiqnor Stephans Cosmi , „ Erzbijchose von Spalato , sehr zierlich und nachdrücklich italienisch ge - „ schrieben sind , der mir die Ehre erwiesen , dieselben vor drey Jahren nach „ Venedig zu schicken . Man sieht ( Memor . dcl Vita de Card . Morof . „ Lib . III , c . 16 , 17 , >8 ) aus den Briefen dieses Cardinallegaten an den „ Cardinal Montalto , desPabstes Sixtus des V Neffen , worinnen er eine „ genaue Rechenschaft von allem ableget , was den - z de« Christmonats „ und die folgenden Tage vorgegangen ist : daß man ihm . ungeachtet des „ Anhaltens , welches er auf Bitte der Frau von Nemours gethan , den „ Morgen darauf bey dem Könige Gehör zu erlangen , so gar den Eintritt „ ins Schloß verweigert ; so sehr er sich auch an dem Thore bemühet , hin - „ ein zu kommen , und daß er dieses Gehör nicht eher , als den sechs und „ zwanzigsten , drey Tage nach dem Tode des Cardinals erhalten können . „ Was wird aus allen diesen schönen Gesprächen , und diesen be - „ sondern Umstanden der erdichteten Unterredung des drey und zwanzig , „ sten , und aus dieser so freundlichen und gelassenen , oder vielmehr aufge - „ räumten Art werden . mil welcher der Cardinal dem Könige ins Ohr ge - „ redet , und von ganzem Herzen gelachet hat ? wo bleibt dasjenige , welches „ den Leuren zu glauben Anlaß gegeben , daß er »lach den Verordnungen „ von Rom mit dem Könige in einem Verständnisse gestanden , der bey diesen „ Umständen beschlossen , weiter zu gehen , und sich noch deS Cardinals von „ Guise zu entledigen ? Dieß heißt eine Historie nach seiner Erfindung „ machen , nämlich eine Fabel , wie an diesen , Orte zween protestantische „ Scribenten gethan haben , Aubigne , ( Tom . II , L . II , ch . 15 , Mem . de la „ Ligue , Toni . III , p . 161 ) und der Verfasser des Discurjes desjenigen , „ was ju Blois bis an den Tod des - Herzogs Guise vorqcqanaen „ ist , und unsre katholischen Historienschreiber , die ihnen gefolar smd . in - „ dem sie sich durch diese Hugenotten bekriegen lassen , und ihre Leser gleich - „ falls betrogen haben . . , Maimbourg , Hift . de la Ligue , p 279U f ( t ) Wenn man sich bey Geschichten von dieser Art so gröblich betrogen hat ; was kann man denn auf tausend andre Dinge für Staat machen , die viel schwerer zu entdecken sind , und davon dennoch die Geschichtschreiber mit so großem Vertrauen reden ? Man merke , daß man noch fortfährt , diese Lügen vorzugeben , die Maimburg widerleget hat : ich habe sie kürzlich in einer romanhaften Historie des Herzogs von Guise , 1694 gedruckt , gelesen .
( * ) Nämlich , nachdem er der Catharina von Medicis die Zeitung von dem Tode des Herzogs von Guise selbst überbracht , und nachdem er den Cardinal von Gondi zu dein Legaten geschickt hatte , ihm von der geschehenen Sache und denen Ursache» , die ihn dazu vermocht , Nachricht zu geben , und nachdem er die Wesse gehört hatte .
( tj Herr Bayle erzählet eine lange Stelle aus dem Maimburg . wo dieser Verfasser zweene protestantische Schriftsteller anführet , wovon der eine D'Aubigne ist , als wenn sie gewisse Begebenheiten erzählt hätten , die er widerleger . Herr Bayle hatte hier den Maimburg zurechte weisen sollen , welcher solches dein D'Aubigne aufbürdet . I . Die Anführung ses Jesuiten ist nicht richtiq . Es wird nicht in dem andern , sondern in dem III Th . II Buche XV Cap . des D'Aubigne von demjenigen geredet» wovon hier die Frage ist . II . Redet D'Aubiane von keiner Zusammen - kunft vom - z des Christinen . Er benennet den Tag nicht ; welches Maim - burgs Beweis zu Nichte machet . III . Anstatt daß der protestantische Geschichtschreiber zu verstehen geben sollte , daß sich der römische Hof mit dem Könige , wegen der Ermordung des Herzog« von Guise , verstanden habe : so saget er ausdrücklich , daß der König deswegen mit schönen Wor« ten bezahlte , und daß diesen die Furcht dahin vermocht , daß er sich gestel - let , als wenn er völlig vergnügt sey . IV . D'Aubigne schreibt eben die - fem Bewegungsgrunde , nämlich dem Schrecken , wovon der Legat geruh -
rer

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