Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-10919

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Guise .
nen , die diese große Anzahl Schmähschriften gemacht , davon Maimburg zebn große Bande gesehn haben will , die unedelsten Glieder der reformir - ten Kirche in Frankreich gewesen sind . Es sind fast lauter unbekannte Personen von schlechtem Herkommen gewesen , die sich darauf gelegt , der - gleichen Schriften zu machen , und es ist auch nicht nothig gewesen , daß es solcher Schriftsteller eine große Anzahl gegeben hat . Fünf oder sechs von Natur zur Satire aufgelegte Köpfe , die nichts anders zu thun haben , und etliche Thaler damit qewinnen , sind zureichend genug , ein ganzes großes Königreich mit ihren'Satiren zu überschwemmen . Ist es aber wohl ge - recht , einer großen Gemeinschaft den Fehler einer kleinen Anzahl solcher Leute beyzumessen ? wenn man ihren Character recht vorstellen will , so ist es nicht genug , wenn man saget , daß sie leichtgläubig sind : man muß auch noch dazu sehen , daß sie Betrüger sind ; sie geben Dinge heraus , von denen sie selbst wissen , daß sie falsch sind , denn sie selbst erfinden sie . Hier ist eine Stelle desMezerai , dergleichen Betrügereyen betreffend . ge Chronol . Tom . V , p . 200 , aiifö 1577 Jahr . „ Einige haben glauben „ wollen , daß diese Nachrichten erdichtet sind : ( nämlich des Sachwalters David , die Ausschließung der Nachkommen des Hugo Capetus , und die Wiederherstellung der Krone an die von Carln dem großen ten Guisen betreffend ) und die allerbilligsten meynen , daß sie allein von „ der schwarzei , Galle dieses Sachwalters herkommen müßten , der einen „ Schaden von Hugenotten erlitten hätte , wenn sie ja wahr wären . Es ist »»sehr wahrscheinlich , daß sie entweder die Günstlinge , oder die Hugonot - „ ten , oder die königliche Frau Mutter , lauter Todfeinde der Guisen , ge - „ schmiedet haben ; wie es gewiß ist , daß sie noch viel andre Lästerungen „ erdichtet , um sie verhaßt zu machen . Und gewiß die Gmsen haben «nicht vergessen , sie mit gleicher Münze zu bezahlen ; dieserwegen darf „ man den Schriften und Relationen derselben Zeit wenig Glauben bey - „ messen , wenn man sie wenigstens nicht sehr wohl untersuchet hat . »
( M " ) Er hat nickt geglaubt , daß die Tugend seiner Gemahlinn ohne Makel erhalten worden . ) „ Seine Todesart betreffend , so hat „ der Bischof von Riez , Carles genannt , einen sehr ungeschickten Discurs „ davon gemacht ; indem er ihn verschiedene Motte der Gottesgelahrt - „ heit brauchen , und nach der Heil . Schrift reden läßt , darein er doch nie - „ mals die Nase gesteckt hat ; allein wenn er ihn wegen andrer Dinge lo - „ bet . so thut er der Herzoginn seiner Witwe , groß Unrecht , gegen welche „ er ihn bekennen läßt , daß er nicht allzeit ein treuer EHmann gewesen : „ weswegen er sie gebethen , ihm zu vergeben , wie er ihr dergleichen auch „ vergeben . Beze , Hift . Ecclefiaft . des Eglifes Reformez , Liv . VI , pag . »70 . Hier ist dasjenige , was man in einem Werke Theodors Beza findet . Es ist nicht sehr wahrscheinlich , daß ein Bischof die letzten Worte seines Helden zum großen Nachtheile der Witwe und Kinder also ringe - richtet haben sollte . Also habe ich mich in einer An von Misttauen funden , und mich bemühet , das Buch des Lancelot Carles selbst zu Rathe zu ziehen ; weil ich es aber nicht finden können , so habe ich den Larroque gebethen , mir dießfalls Licht zu geben . Er hat die Gütigkeit gehabt , mir folgendes zu antworten : „ Es giebt drey Ausgaben , zwo ftanzosi , che und „ eine lateinische : alle drey zu Paris 156 ? gemacht , von dem Briese de - „ von Carles , Bischofs von Riez , an Charl IX wegen der letzten Stunden „ des Herzogs von Guise . Dieß ist aus dem Vorberichte an den Leser zu »beweisen , vor der andern ftanzösischen Ausgabe gedruckt , wo man erin -
„ nett wird , daß dasjenige , wa< vor dieser Ausgabe gedruckt worden , ntw „ eine doppelte üble Verbesserung gewesen , die man von dem er - „ sten Entwürfe genommen , denOer gegenwärtige Verfasser , der
„ sagen , ob dasjenige darinnen enthalten ist , was ihr anderwärts gelesen „ habet . In der andern steht nichts davon : denn der Herzog saget dar - „ innen , indem er feine Gemahlin anredet , folgendes : 5Vir sind lange „ Zeit durch das heil . Band der Ehe und Freundschaft , mir einer „ vollkommenen Gemeinschaft aller Dinge verbunden gervcsen . „ Ihr wisset , daß ich euch allezeit so sehr geliebt und hock gehab „ ren habe , als eine Frau gelieber rverden rann ; ohne daß unsere „ Freundscbaft wahrender ganzen Zeit unser« Ehstandes die ge - „ ringste Verminderung erlitten hätte ; da ick meiner pflickt ge , „ maß euck dieselbe zu erkennen gegeben , rvie ihr mir ; indem rvir „ einander alles Vergnügen gemackt , was rvir gekonnt haben . „ Ick will nickt leugnen , daß mick die Rathscklage und Gebrecli - „ lickkeiren der Jugend manckmal ; u Dingen verführet , die euck „ haben beleidigen können , und ick bitte euch , mir dießfalls zu ver - „ geben und zu verzeihen . Jck will zwar sagen , daß ick in die - „ fem puncre nickt von den größten , nock von den kleinsten Sün - . , dern bin , ob ick mick gleich gegen Gort für den strafbarsten be - „ kenne . Allein seir einigen Iahren wisset ihr wohl , mir was für „ Ehrerbiethung ick mit euck umgegangen bin , da ick euck alle „ Gelegenheiten entzogen , nickt das geringste Misvergnügen zu . - empfinden . Pag . 84 , 85 , 86 , 87 . Johann le Vieux , der lateinische Ue - „ bersetzer , hat dieses so gegeben : Kos enirn aräifliino matrinionii vin . „ culo coniugati et confociati fumus , vt indiuiduam non bonorum „ duntaxat , fed etiain confiliorum et voluntatum , llne vlla exceptione , „ communitatem ) focietatemqiieferiiaremiis . Et certe vt nihil mihi o . „ ptabilius , aut antiquius adhuc fuit , quam vt noduin illum amabilifli - „ mum fan & e conftriäum tenerem : fic me vieiflim inuiolabili obftr - „ uantia et officio coluifti . Pag . 50 .
Da Larroque kein Exemplar von der ersten Ausgabe finden können , fö kann ich weder für noch wider den Theodor Beza einen Ausspruch thun ; ich kann nur die Wahrscheinlichst mmkmaßen , daß er den Bischof von Riez nicht verleumdet hat : denn der Vorbericht , den man vor der an» dem Ausgabe sieht , giebt zur Gnüge zu erkennen , daß die erste in einer großen Unordnung gewesen , und daß man verschiedene Stellen davon entweder auslassen , oder anders einrichten müssen . Weil sich aber der lateinische Dolmetscher verbunden gehalten , dasjenige von der andern aus< zulassen , was darinnen von den Liebeshändeln des Herzogs von Guise zu - rück geblieben war , so ist es wahrscheinlich , daß Lancelot CarleS dasjenige in der ersten ausgelassen hat , was sich von den Buhlereyen wegen der Herzoginn hinein geschlichen hatte . Man kann aus die'em Beyspiel» lernen , wie viel daran gelegen ist , die ersten Ausgaben zu bewahren , und den Uebersetzern nicht zu ttauen . Hier istJohann le Vieux , oder Johann le Vieil ( * ) , welcher alles kühnlich unterdrücket , was das Original , die Ehbrüche des Herzogs von Guise betreffend , enthalten hat .
( * ) 2a Croix du Maine gedenket p . 227 eines Johann le Vieil / der wohl eben dieser seyn könnte .
Guise ( Heinrich von Lothringen , Herzog von ) der älteste Sohn des vorhergehenden , besaß theils gute , theils böse Ei» Henschaften ( A ) , die ihn geschickt gemacht« , einen Staat umzukehren . Er war eines theilö geschickt genug , die Mittel darzu
zu erfinden , und andern theils so boshaft , sie auch auszuführen . Er hat sich dermaßen durch sein herrschsüchtiges Gemüthe ßen lassen , daß er , nachdem er dem ganzen Königreiche tausenderley Drangsale verursachet , sich selbst in den Abgrund gestürzt hat . Er trieb die Sachen dermaßen aufö äußerste , daß man kein ander Mittel fand , seinen Gewalttbaten Einhalt zu thun , als seine Ermordung . Die Art , mit welcher Heinrich der III ihn und den Cardinal von Guise uuter wahrender Versammlung der Stände » . auf dem Schlosse Blois , aus dem Wege geräumt , ist der ganzen Welt so bekannt , daß ich nicht das geringste davon erwähnen werde . Ich will nur sagen , das ; verschiedene Historienschreiber eine Fabel vorgebracht , wenn sie gesagt , daß kurz nach der Hinrichtung des Herzogs von Guise , der Legats des Pabstes , mit dem Könige so unbewegt , oder vielmehr so aufgeräumt geredet ( B ) , daß man geglaubt , es wäre alles zwischen diesem Prinzen und dem Hofe zu Rom so abgeredet gewe - sen . Man kann sagen , daß der gewaltsame Entschluß , den der französische Hof bey dieser Gelegenheit ergriffen hat , einer von denjenigen Staatsstreichen gewesen , die nicht anders , als mit dieser Ursache , entschuldiget werden können , daß sie dem gen , einen
oa - ß honnmon» , man den Herzog von Guise hätte leben lassen , so würden die Stände des König -
han haben , was man zu andern Zeiten für den Pipinus und den Hugo Cape -
mttrh * im YVT wit> (
daß sie i
Frankreich wird niemals an mit der königlichen Gewalt zogen mit Wuth wider den mußte ( F ) . Das Voss wohl zu bedienen^ewußt aemaa Todes „
zacs Unterredungen findet , , _
von Cleve , der andern Tochter des Franctscus von Cleve ' " ~en Jahre ihres Alters zu Paris gestorben
mte die Wuth der Prediger nach ist gewesen , daß die Sorbonne selbst
achtzigsten Jahre ihres Alters zu Paris gestorven " . narmas y führt ( L ) , die ehliche Untreue dabey ist gegenseitig gewesen ( M ) : ist es nicht der Gemahl gewesen , der sich an dem Buhler seiner Gei ; —1 ^ Er hat viel Kinder hinterlassen '
Witwe des Herzogs von Guise angenommen , die wegen des - ^ch werde einen Lobspruch anführen , den man in Bal - hristmonats 1550 gebohren Er hat sich 1570 mit Catharinen JS von Revers , vermahlt , welche den 11 May 1633 , im fünf und
• Z yciiuuyu , Iveicye oen IIMay It ) 33 , «m für
\i eine sehr seltsame Sache wegen dieser Vermählung ange - . - >r . wenn man diesein Geschichtschreiber darinnen glaubet / so seiner Gemahltnn gerachet ; er hat ihm nur eine außerordentliche Furc
cingejaget ( N ) .
Man hat ihn den Guise mit der 04>ramme zugenamt ( v ) , wegen einer Wunde , die er 1575 in einem Gefechte aus dem Backen erhalten hatte . Der Herzog von Maienne , sein Bruder , hat sich zum Haupte der tigue erklärt , und unter diesem Titel eine solche Go» walt auögeübet , die wenig von der königlichen unterschieden war . Es lag nur an ihm , den Namen König anzunehmen ( ? ) ; allein er
walt ausaeuocr , vie wema von oer romgncyen u . .
hat ohne Zweifel seine Ursachen gehabt . sich mit dem Titel eines Generalvermefers deo Staats und der Nrone Frankreich zu begnügen , der mit einer fast unumschränkten Gewalt verknüpft gewesen . Er und die Ligue erklärten den Thron für erlediget , . ^ t . . . . - r . . . - - - - . beg Königreichs um . Ich will eine Acte anführen , die man in den R -
fchälle von Frankreich ernennt Er hat darauf erklätt , daß man ftfjglj# versa , nnilet u ? are
die Er - Stände des Mar -
einen Röntg zu erwählen , her

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