Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-4529

Cardan .
55
S
ler und die Tafel bey Hofe gehabt : allein er hat diese Vortheile , unter andern Ursachen , darum ausgeschlagen , weil er nach der Mode in die , fem Lande den katholischen Glauben hätte verlassen müssen . Oblata eft eonditio D . CCC . Coroiiatorum in fingulos anno« a rege Daniae , quam reciperc nolui , cum etiam vidlus impenfam fuppeditaret , non folum ob regionis intemperiem , fed quod alio facrorum modo con - fueuiflent , vt vel ibi male acceptus futurus eflem , vel patriam legem meam maiorumque relinquere coaftus . Ebendaselbst IV Cap . 21 0 . siehe auch das XXXU Cap . 139 Seite . Die Sachen nach dem De - griffe zu urtheilen , den man sich anfänglich von der Religion Cardan« gebildet har , so sollte man nicht sagen , daß er so gewissenhaft gewesen wäre . Allein man muß den übereilten Meinungen nicht zuviel trauen , die man von den Leuten nach den Vorurtheilen , und beym ersten blicke fasset , sondern zu den Quellen gehen . Ich für meine Person be , bey Durchlesung des Buches , welches Cardan de Vita propria , gesetzt , darinnen mehr die Eigenschaft eines abergläubischen Atenschen , als eines Freygeistes , gefunden . Ich gestehe eö , er bekennt , daß er nicht ar zu andächtig gewesen , parum pius ; ebendas . XIII Cap . 59 Seite , lifein er versichert auf der vorhergehenden Seite , daß , ob er gleich von Natur sehr rachgierig sey , ( vltionis defiderium vltra vires nedutn prona voluntas , vt illud placeat quod multi damnant verbo faltem . At vindifta bonum vita iurundius ipfa . Ebendas . 57 Seite . ) er noch unterlassen , sich zu rächen , wenn sich die Gelegenheit darzu ereignet ; er hat es unterlassen , sage ich , aus Ehrerbiethung gegen den gütigen Gott : Oei ob venerationem , et quod omnia haec vana quantum fint dignofco , occafiones oblatas vltionum etiam confulto negli - go . Ebendas . 5» Seite . Kein Gebeth , kein fleißige« Kirchengehen kömmt dem Dienste gleich , den man Gott auf diese Art leistet ; ich will sagen , wenn man seinem Gesetze aus Ehrfurcht , gegen ihn und wider seine stärkste Neigung der Natur , gehorchet . Man bedienet sich also eines allzuheftigm Ausdrucks , wenn man saget , daß Cardan nach sei - mm eignen Bekenntnisse ein Gottloser gewesen . Teiffier , EIog . Tom . I . pag . 496 . Siehe unten die Anmerkung ( V ) . Er rühmet sich , eine gu , te Summe von dem Könige in England ausgeschlagen zu haben , weil er ihm die Titel nicht geben wollen , die ihm der Pabsi genommen hatte . Reiuii quingentos , certe aliqui dicunt mille ( veritatem fcirc non potui , ) quodtitulo ipfius regb , in Pontificis praeiudicium fubftri - Dere noluerim . Cardanus , de Vita propria , cap . XXXI . pag . 107 . Er meynet den König Eduard , welchem er im - » - Jahre in London aufzu - warten die Ehre gehabt . Er erzählet , er habe in einer Sammlung von seinem Vater gesunden , daß die Gebethe , welche den ersten Tag des Aprilmonats früh nm acht Uhr an die Zungfrau Maria gethan würden , von wunderbarer Kraft wären , wenn man ein Vater unser , und einen englischen Gruß darzu fügte ; daß er diese Andacht in seinen dringend - sten Nöthen geübet , und sich ungemein wohl darbey befunden hätte . Ebendas XXXVI Cap . 166 Seite . Er eifert wider den PolybiuS , wel - cher die Erscheinung der Geister , und andre dergleichen Lehren der Heid - tuschen Religion geleugnet . Enolich kann man nichts gründlichers , nichts vernünfcigers sehen , als die Betrachtungen , welche er in seinem XXII Eapitel machet , wo er seine Gottesfurcht und seine Religion erkläret . Schmecket etwan der Grund , den er angiebt , warum er die Einsamkeit liebet , nach der Gottlosigkeit ? Wenn ich allem bin , saget er , so befinde ich mich weit besser mit denjenigen , die ich liebe , als zu aller andern Zeit , nämlich mit Gott und meinem guten Engel . Diligo folitudinem , nunquam enim magis fum cum his , quos vehementer diligo , quam cum folus fum : diligo autern Deum , et Spiritum bonum : hos dum folus fiim contemplor , immenfum bonum , fapientiam aeternam , lu - cis purae principium et autorem , gaudium verum in nobis , vbi pe - riculum non eft , ne nos deferat , veritatis fundamentum , amoremvo - luntaii'im , autorem omnium , qui beatus eft in feipfo , et beatorum omni . : tutela et defiderium : Iuftitia profundiflima feu altiffima , xnortuos curans , et viuentium 11011 oblitus . Spiritus autem man - dato illius me defendens , mifericors , confultor bonus , et in aduerfis auxiliator , et conlolator . Ebendas . LIIl Cap . Zl ; S .
Gleichwohl will ich weder verneinen noch bejahen , was ich in dem Martin del Rio gelesen habe . Dieser Schriftsteller versichert , daß Car - dan ein Buch von der Sterblichkeit der Seele gemacht , welches er nen guten Freunden manchmal gewiesen hätte , vel Rio , Disquifit . Magicar . Tom . I . Libr . II . Quaeftion . XXVI . Seft . II . pag . m . 255 . Dieses Buch ist niemals gedruckt worden : hingegen hat die Welt ein Werk CardanS von der Unsterblichkeit der Seele gesehen , worinnen ei - «ige übel nehmen , daß er gesaget : es verböthen ihn , die Klugheit und das Schicksal , nicht alles zusagen , was er von dieser Materie dachte . Dieß ist ein Zeichen , sagen sie , daß er diese« Buch nur au« Politik her - ausgegeben , und alles sein Gift im Herzen behalten habe . Cum eo ipfo Opcre { de Animurum Immtrtalitate ) cap . XIII . pag . 280 . aper - te prodat , fato fe ac monitis prohiberi reliqua dicere , quae de Ani - nia fentiret , fufpicio eft hunc Polypum ad eam feriptionem metu in - famiae adadhim , vere anterius tale quid feripfifle contra Animae Immortalitatem , quäle nonnulli referunt , idque doftrinae venenum eius in pectore etiam poft editum ernn quem retuli Libroni , deli - tiiiilc . Theodorus Raynaudus , Erotem . IV . de bonis ac malis Li - bris , mim . 44 . Ich glaube , man bekriegt sich , Doetor Parker , welcher die Torheiten und Unanständigkeiten CardanS sehr glücklich vorstellt , bält ihn mehr für einen Schwärmer , als für einen Gottesverleuzner . Ich glaube , daß er Recht hat . Man sehe seinen Traetat , de Deo , auf der 77 S - Deswegen kann man nicht leugnen , daß sich in den Du - chern CardanS nicht hin und wieder sehr böse Lehren finden sollten . Der P . THeophiws Raynaud , hat einige davon am erst angezogenen Orte bemerkt , und auf die Verdammung der Bücher dieses ÄrztS geschlossen , deS Ämiptö , saget er , der Gotteöverleugner von der andern Ordnung , Jiomo nullius relieionis ac fidei , et inter clancularios Atheos fecun -
di Ordinis aeuo fiw facile prineeps
Sealiger der Vater , erzählet einige Worte aus dem Werke CardanS , von der Unsterblichkeit der Seele , welche die pure Gottlosigkeit de« Averrboes find . Cardan behauptet , daß nur ein Verstand IN den genden unter dem Monde ist , und>daßbiefec Verstand , welcher nicht menschlich ist , als in so weit die Materie de« Menschen semer fth'g ist , in den Menschen gehe , welches verursachet , daß er vernünftige lungen hervor bringt ; das ; er sich auch denThieren nähere , und sie um , gebe , aber wegen der Ungleichheit ihrer Materie nicht in dieselben ein , gehe ; dieserwegen erleuchtet er die Menschen von innen , und bescralec
nur die Thiere von außen . Siehe Scaliger . Exercit . CCCVII . n . zv .
pag . m . 987 . Dieß ist der ganze Unterschied , den Cardan unter den , Verstände der Menschen uud der Thiere zuläßt . Es folget hieraus fenbar , daß die Seele der Menschen nicht vollkommener ist , als der Thiere ihre , und daß sie bloß in Ansehung der Materie geringer sind , als der Mensch ; woraus folget , daß unsre Seele eben so sterblich ist , als die Seele eines Hundes . Wenn man andre Grundsätze in dem Werke Cardans findet , so darf inan sich nicht wundern ; denn es ist eine bloße Zusammenschmelzung verschiedener Stücke , die er hin und wieder , bey Lesung der Bücher des Pomponarius , des Augustin Niphus , u . a . m . zusammen gestohlen hat . Ne vero tibi placeas in illis tuis Commen - tariis ( de Immort alitat e Animae ) quos confufos dixiriius : nihil enim aliud funt , quam farrago praeeeptorum meorum , Pomponatii , Suefläni , Dominici deFlandria : quae ttia feeifti ridiculis fcbelli» declamatoriis . Ebendas . 31 Num . 988 Seite . Seinen Diebstahl zu bedecken , so mischet er Strafreden unter die Lehren , die er aus den Schrif - ten dieser Philosophen genommen . Thomasiue hatte diese Worte Sea - ligers , mit denen verbinden können , die er ans dem Naude genommen hat , und welche in der Anmerkung ( QJ angeführet sind , um zu zeigen , daß Cardan ein gelehrter Dieb gewesen . Thomas , de Plagio Littera - rio , num . 376 . pag . m . 165 .
( E ) f£t tbat im 15 ; - Jahre eine Reise nach Schottlands Er saget , daß ihn der Erzbischof von S . Andreas , ( . er nennet ihn Ämul , thon , er sollte sagen - Hamilton . ) Primas des Königreichs , erfordert , nachdem er vorher bey den Leibärzten des Königes von Frankreich , uud nach diesem , bey des Kaisers feinen vergeblich Hülfe gesucht . Cardan . de Vita propria , cap . XL . pag . 192 . imgleichen cap . XXLX . Dieser Prälat hat die Kosten dieser Reise sehr wohl bezahlt . Cardan hat b . v dieser Gelegenheit viele Länder gesehen : er gieng in der Hinreise durch Frankreich , und bey der Rückreise durch die Niederlande und Deutsch - land , langst dem Rheine . Ebendas . XXIX Cap . Bey dieser Gelegen« heil ist er nach London gegangen , und hat dem Könige Eduard die Na - tivität gestellt , wovon ich vielleicht in einem andern Artikel reden wer - de . Wir wollen noch dazu setzen , daß dieser Erzbischof , welcher damals zwey und vierzig Jahre alt war , seit zehn Zähren unpaß gewesen . Eben - das . XL Cap . 192 S - Seine Kranweit hat in einem schweren Athen , , holen bestanden , welches seit zwey Jahren alle acht Tage wiederkam : ( ebendas . XXIX Cap . 104 S . ) die Zwischenzeit harte zuvor viel langer gewahrt . Der Kranke befand sich besser , so bald ihn Cardan unter ne Cur genommen . Ebendas XL Cap . 193 S . Dieser Arzt har nach 7 ; Tagen Urlaub von ihm genommen , und ihm Verordnungen hinter - lassen , die ihn in zwey Jahren geheilet . Ebendaselbst . Dies ; 'ist es alles , was er von dieser Reise erzählet : er rühmet sich der Weissagung nicht , die ich gleich anführen will : „ Dieser Erzbischof krankeire an einer „ Wassersucht , welche die Aerzte für unheilbar gehalten ; allein er ist vom „ Cardan daran geheilet worden . - - - Wenn man dasjenige glau - „ ben darf , was un5 die Historie von diesem berufenen Sterndeuter sa - „ gel , so har er dem Erzbischofe , den er geheilt , eine entsetzliche Probe von „ seiner Wissenschaft gegeben , da er beym Abschiede diese Rede an ifm „ gehalten : Daß er ibn wohl von seiner Rrankheir hatte heilen „ können ; daß es aber nickt in seinem Vermögen stünde , sein „ Schicksal zu verändern , noch zu verhindern , daß er nicht ge - „ henkt würde . Seine We ! ssagung ist durch den Ausgang bestätiget , - . und dieser Pralat achtzehn Jahre darauf von den bevollmächtigten „ Richtern , der Koniginn Maria , Regentinn von Schottland , verdammt „ worden , gehenkt zu werden ; welches Urlheil man auch an ihm voll - „ streckt , ( im 1570 ^ahre . ) Man darf sich nach diesem nicht verwun - „ dem , wenn einige Schriftsteller , vornehmlich die Schottländer , den „ Cardan für einen Hexenmeister gehalten haben . Larrey Hift . d'An . gleterre , Tom . I . pag . 711 . aufs Jahr 1551 . Mick bewegen zwo Ursa , chen , zu zweifeln , daß diesem Erzbischofe eine solche Weissagung angedeu - tet worden . I . Die erste ist , daß Cardan ein allzueigenmilMer , und in den astrologischen Markschreyereyen , allzu bewanderter Mann gewesen , als daß er gegen einen Prälaten , von solchem Ansehen , als dieser , der - gleichen Drohungen vorgebracht haben sollte . Man siebt die Stern - deuter nicht leichllich zu einem großen Herrn sagen , daß er durch sei» Gestirn zu einem schimpflichen Ende verdammt ist ; sie verspreei>en ihm dasjenige , was er , nach ihrer Einbildung , am begierigsten nmnschet . und erschnappen auf diese Art einige Pistölen . Daher kcmmtes , daß eu , großer Herr , der nicht bettogen seyn will , gemeiniglich dergleichen Leute um Rath fraget , ohne daß er sich zu erkennen giebr . I l . Meine andre Ursache ist , daß , wennCardan diese Provhezeyung angekündiaet hätte , er sich derselben in dem Werke gerühmt haben wurde , wo er erzählet , daß er diesen Erzbischof geheilt hat : denn zur Zeit , da er dieses Back macht , hatte dieser Prälat das Schicksal schon vor einigen Jahren über , standen , womit er ihn , wie man vorgicht , bedroht babeii soll . Man ur - theile , ob Cardan bey einer Gelegenheit geschwiegen haben würde , die für seine Sterndeuterkunst so vortheilhaft war .
Man findet in den Nachrichten Melvils , daß Johann Hamilton , Erzbischof von S . Andreas , und Bruder von dem Regenten des König - reichs , in eine so gefährliche Krankheit gefallen . daß er einige Seit sprachlos gelegen , und niemand geglaubt harte , daß er davon kommen würde , und daß er die Sprache und Gesundheit durch - Hülfe eine« italienischen Schwarzkünstlers , Namen» CariXui , wieder erhalten habe . Memoires de Melvil . p . haagischer gabe von 1694 .
( F ) lEc iff den 2i de« - Herbstmonats 1575 zu Rom gestor» ben , wenn wir dem Tbuanus darinnen glauben , welcher viel - leicht nicht allzu richtig gewesen . ^ Wenn Cardan den 21 de« Herbstmonats 1575 gestorben wäre , so hatte er fast vier und sieben» iig Jahre und drey Tage gelebt ; und also hätte ihm ThuanuS ein Jahr mehr gegeben , als er thun sollen . Cum tribus diebus minus feptuagefimum quintum annnm impleuiflet . Thuan . Libr . XLII . pag . , 55 . Ueberdieß erhellet aus verschiedenen Stellen der Historie Car - daii« , baß er im 1575 Jahre daran gearbeitet hat . Naude hat sie nicht weiter als auf den * 8 April 1576 fortgeführt gefunden ; er hat also nicht auf die i ; 8 Seite Acht gegeben , wo man den 1 des Weinmonats 157k det . Teftamenta plura condidi ad hanevsque diem , quae eftCalen - darum menfis Oäobris anni M . l ) . LXXVI . Wenn diese Ziffer richtig bemerkt ist , so betriezt sich ThuanuS , so wohl was dm Tag als das Jahr
( G ) Man

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.