Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-10908

Guise .
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«habt , der nicht nach der gänzlichen Ausrottung der Secte durch die ( H ) <5s wäre zu wünschen , daß die Protestanten nicht so viel Schn»ahschriften und - - Satiren , wider Viesen - Herzog und - - - seinen Bruder hatten drucken lassen . ) In der sammlung der Vornehmen , davon ich oben geredet habe , hat der Cardinal von Lothringen ruhmsüchtiger weise gesagt : daß er sich aus dem - se und den - Heftigkeiten der - Hugonotten eine Ehre mache daß man in Paris und von Paris , in alle Provinzen , eine unzählige Menge L . asterschriften habe herumfliegen lassen , die mir den al - lerheftigsten Schimpfworten und wütenden Drohungen , wider ihn und den - Herzog von Guise , seinen Bruder , angefüller waren : daß er aber derselben für seine Person bis zwey und zwanzig sorgfältig aufHobe , und dieselben , als so viele sehr herrliche Merk - maale ihres Eifers für die Religion , und ihrer unverletzlichen Treue im Dienste des Roniges mit Vergnügen zeige , welchem es gefallen , sie zu seinen Sraatsbedienten zu erwählen . Mnimbourg . Hirt , du Calvin , p . 15 , . Hier sind seine Anführungen , vupleix , fous Frangois II , p . 619 . Spondan . aufs 1560 Jahr , Num . 16 . Mezerai , Tom . II , p . 785 . Aus des Popelin . L . VI , p . J04und desBelcar . L . 2fc , pag . 946 . Ich sage es noch einmal , es wäre zu wünschen , daß man keine so große Anzahl satirischer Schriften ans Licht gestellt hätte : Sie schaden noch heutiges Tages durch die Betrachtungen , die sie den Bekehrern dar - biethen . Zum Exempel , Maimburg hat incht ermangelt , über . dasjenige , was der Cardinal von diesen Schmähschriften gesagt hatte , boshafte und stachlichte Betrachtungen anzubringen . „ Und gewiß , es ist ganz offen - „ bar , daß es die gewöhnliche Schreibart der Hugonotten zur leiben Zeit „ gewesen , alle diejenigen durch tausend ärgerliche Pasquille und unver - „ schämte Satiren erbärmlich zu lästern , die ihnen nicht gewogen waren , „ ohne daß sie weder Verdienst , noch Stand , weder Könige , noch Prinzen , „ weder Prälaten noch alles dasjenige geschont , was unter den Menschen „ am unverletzlichsten und heiligsten ist . Ich für meine Person kannver - „ sichern . daß ich eine große Sammlung vvn zehn Foliobänden gesehen „ habe , die alle mit dergleichen boshaften Stucken angefüllet sind , welche „ die Hugonotten damals wider die Könige Heinrich den II und Franci - „ scus den II , wider die Königinn Carharina , wenn sie nicht Lust hatte , ih - „ nen zu helfen , wider den König von Navarra , seit dem er sich mit den „ Katholiken vereiniget hatte , und insonderheit wider den Herzog von „ Guise , und den Cardinal von Lothringen , Erzbischof von Reims , gemacht ; „ worinnen das allerschandlichste , was die Lästerung und Bosheit jenials „ von erdichteten Verbrechen , heftigen Schimpsworten und Lästerungen „ erfunden haben , auf eine unvernünftige Art ohne UrtheilSkrast und Witz „ anSgestrenet ist . ( Memoires de Caßelnau . ) So daß man , so wenig „ Ehre und gesunde Vernunft man auch hat , diese thörichten und unver , „ schämten Schriften nicht ohne die äußerste Verachtung , nebst einem ge« „ rechten Widerwillen gegen ihre unverschämten Urheber , auch nur einige „ Minuten ansehen kann . Maimbourg , Hift . du Calvin , pag . iji , >52 . Dieß sind Maimbonrgs verhaßte Betrachtungen . Diejenigen , die auf sei» ne . Historie des Calvinismus geantwortet , haben nicht vergessen , sie zu widerlegen . Er setzet pag . 153 dazu , „ daß der Cardinal von Lothringen , „ der eine hohe Seele ! und viel Verstand gehabt , sich weiter durch nichts „ an diesen Pasquillanten rächen wollen , als durch eine großmüthige Verach - „ tung ihrer ohnmächtigen Wuth ; welches gleichwohl nicht verhindert , „ daß die Obrigkeit nach ihrer Pflicht sich nickt einiger derselben bemäch - „ tiget hatte , wider welche man nach alier Schärfe der Gesetze , welche sie „ als öffentliche Giftmischer zu halten verordnen , verfahren . In der „ Thar findet es sich , daß zween davon gehangen worden ( * ) , deren einer „ derUrheber , ( dieses ist falsch , siehe die folgende Anmerkung ) und der an - „ dre der Verkäufer einer boshaften Pasquille , der Tiger genannt , ge - „ wesen . „
( * ) Memoires de Caftelnau , L . I , c . 7 . Worauf man einen Buch - drucker inhastirt , der ein Buch , der Tiger betitelt , gedruckt hatte , davon der Urheber und Verkäufer gehenket worden .
( I ) - t - Diese Schriften reizen einen sehr mächtigen Feind immer mehr und mehr . ] Maimburg sager mir Unrecht , daß die Ho - heit der Seele des Cardinals vvn Lothringen ihn bewogen , sich an den pasquillanten weiter durch nichts , als durch eine großmüthige Verachtung , zu rächen ; denn kann man auch eine ausgela»enere und ungerechtere Rache sehen , als die er angewendet hat ? Er hat sich frey - lich nicht die Mühe genommen , die besondern Urheber dieser Lasterschris - ten aufzusuchen , und dieß ist alles , was Maimburg vorgeben kann , al - lein er hat so viel , als es ihm möglich gewesen , die ganze Gemeinschaft der Resormirten ausgerottet ; er ist der große Beförderer der Strafgesetze . und der Todesstrafe wider sie gewesen ; er hat daran gearbeitet , . sie dem grausamen ^oche des Ketzergerichts zu unterwerfen . ' Hieß sich dieses nicht weit qrausamer rächen , als wenn er seinen Widerwillen in fung der einzelnen Url>eber dieser Satiren eingeschränkt hatte ? Wir wer - den die Umvahrheit sehen , daß er seine Nachbegierde gegen diese Gattung von Scribenten gemäßiget hätte .
Castelnau , der vom Mainiburg L . I , c . 7 angeführet wird , ( er sollte an - führen L 2 ) machet diese Anmerkung : Die - Hugonotten haben bey len Gelegenheiten wider da» - Haus von Guise schimpfliche Schrif - ten drucken lassen . - Hierauf bar man eine« Buchdrucker inhaft tirr , der ein kleines Buch gedruckt hatte , der Tiger betitelt , darüber der vermeinte Urheber und cm Raufmann ge - Henker worden . Diese Erzählung ist nicht richtig ; sie berichtet nicht» was dem Buchdrucker geschehen , und man giebt darinnen fälschlich vor , daß die Person aehenket worden , die man wegen der Verfertigung dieser Schmähschrift im Verdachte gehabt . Er hätte sagen sollen , wie es de la Planche qemachet hat daß man den Buchdrucker und «nen Kaufmann gedenket hätte ; allein weder der eine nochM - andre ist der vermuth - liche Urheber gewesen ^ch will die eignen Worte dieses Geschichr - schreibcrs anführen . La Planche , Hiftoire de France fous Francis II ,
p . ni . 3b> . Der parkmem»hof hat große wivtp
diejenigen angestellt , welche die Schriften , die man wider die Guiftn ausgestreut , gedruckt tmd feil gebothen haben . Hierin - nen sind einige Tage auf eine so verschmitzte Art verstrichen , bis sie endlich erfahren , daß ein gewisses sehr beißendes Buch , der Tvger betitelt , gedrrrckt worden war . Die Sache wurde einem Rarhe , Namens du & ion , aufgetragen , der sie wegen des chen ? ; einer präsidenrensielle bey dem parlemenre zu Bsurdeaux , wobey er , nach seinem Gefallen , Geld schneiden konnte7 willig über sich genommen . Nachdem man L . eute ausgeschickt , si> hat man es bey einem Buchdrucker . Martin £ . ' - Homniet genannt , ge * funven , den man gefangen genommen . Auf Befragen , wer es
ihm überlieft« , hat er geantwortet , daß es ein unbekannter Mensch gewesen , und endlich viele Personen angegeben , die es ge - sehen und gelesen hatten , wider welche Untersuchungen angestellet
worden ; allein sie haben sich aus dem Staube gemachet . Da man also diesen Blichdrucker zum Galgen geführt , so hat sich eis wohlbemittelrer und angesehener Kaufmann von Rouen dabey bv funden , welcher , da er das Volk zu Paris sehr erbittert wider diesen armen Sünder gesellen , nur zu ibnen gejagt : und wie , mei - ne Freunde , ist es nicht genug , daß er sterben muß i Äasjct den Scharfrichter machen . Xvarum wollet ihr ihn noch mehr martern , als sein Urtheil enthalti ( Nun hat er nicht gewußt , warum man ihn hinrichten ließ / und war kaum in einem barten Xvirthshause abgestiegen . ) Auf dieses A ? ort haben sid> einige Priester an ihn gemacht , und ihn einen - Hugonotten und Tameraden dieses Menschen genennt , und kaum war dieser Streit erreget worden , so siel der Pobel über seinen Mantelsack her , und zerprügelre ihn erbarmlick . Bey diesem Carmen haben sich die , enigen genähert , Sie man die Gerichte nennet , und ihn zur Minderung in das Gefangniß des parlements ge , führt ; wo er kaum angekommen war , als ihn du Äion wegen der Sache des Tygers , und wegen seiner gegen das Volk gefübr - ten KPorte . summarisch befragt hat . Dieser arme Kaufmann hat geschworen , daß er nichts davon wüßte , daß er es niemals hen , noch von den - Herren von Guise reden hären ; er hat gesagt , daß er ein Kaufmann wäre , der sich nur um seine Geschaffte kümmere . Er hat verheuert , daß ihm der zum G'richte geführt« Mensch gänzlich unbekannt wäre ; daß er aber zum Mitleiden bewogen worden , und das Volk ermahnt hätte . dem Scharfrichter nicht in» - Handwerk zu fallen . Lr hat gebethen , daß man sich nach sei - nein L . eben und Umgange erkundigen sollte , daß er sich dem Ur - theile der ganzen Welt unterwürfe . JLion hat odne weitern pro« ceß seinen Bericht an das varlement , oder die von demselben be , vollmachtigteu Richter erstattet , welche ihn verurtheilt , auf dem Plane Maubert gehenkt und erwürgt zu werden , und zwar eben an dem Grre , wo dieser Buchdrucker war aufgeknüpft worven . Einige Tage drauf hat du . Üion , Oer sich bey einer großen Ge - sellschaft zur Abrndmahlzeit befanO . über diesen armen Rauft mann kurzweilen wollen . Man hat ibm die Unbilligkeit de» Urtbeils aus seinen eignen Worten vorgestellt - XPsa wollet che ; bat er gesagt , man mußte wohl dem Cardinale Guise durch etwas eine Gnüge thun , weil wir den Urheber nicht haben fan - gen können ; denn sonst würde er uns nimmermehr Rübe gelasi sin haben . Nun urteile man hieraus , ob die Guisen in Ansehung ner Satire unempfindlich gewesen . Brantome wird uns den Augenblick ihre außerordentliche Empfindlichkeit berichten . „ Es hat unter Franci» „ scus dem II eine Menge Lästerschriften wider die Regenten des Reiche« „ gegeben ; allein keine einzige ist beißender und beleidigender gewesen , als „ eine Schmähschrift , der Tyger betitelt , nachdem Beyspiele der ersten „ Rede des Cicero wider den Catilina , ) zumal da sie von den Liebeshäm „ deln einer sehr vornehmen und schönen Dame , mit einem ihrer Anver - „ wandten geredet : wenn der listige Urheber ergriffen worden wäre , so „ hätte er hunderttausend Leben verlieren müssen , wenn er sie gehabt hat - „ te ; denn sowohl der Große , als die Große sind so böse darüber gewor» „ den , daß sie vor Verzweiflung hätten bersten mögen . Danies tes , Toni . II , p . m . 374 . Ich sage in der Anmerkung ( N ) bey dem kel - Hotmann , daß Franciscue Hotmann für dm Urheber dieser Sarire gehalten worden .
( K ) * t und gaben ihm Vorwand , seinen - Haß zu nähren , und die Verfolgring zu verdoppeln . Z Man mag die Guisen so bos - Haft machen , als man will , so bleibt es doch beständig wahr , daß man ih - nen in den Schmähschriften hundert Dinge beygemessen hat . die sie nicht gethan haben . Dieß ist em unvermeidliches SÄcksal für alle dinenigen , die sich Ms Schreiben mischen , d>ne daß sieTheil an ern Geschafften selbst gehabt , oder gute Schriften zu Rathe gezogen haben : es ist , sage ich , für sie ein unvermeidliches Schicksal , tausend Liiqen vorzugeben , wenn man wider Leuten schreiben soll , von denen man übles erlitten hat . Man will sich rächen , - und man freuet sich , wenn man die Verfolger ehrlos machen kann . Bey dieser Neigung glauber man alles , was man sagen Hörer , und wenn man es auch nicht glaubte , so hält man sich doch sür berechtiger . es bekannt zu machen , weil man es hat sagen hören . Wem , nun diesen ! - aen , die in diesen Pasquillen gelästert worden , betrachten , daß man ihnen solche Verbrechen beymißr , davon sie sich ganz unschuldig wissen : so stellen sie sich die Urheber solcher Schmähschriften , und alle die denselben Bevsall geben , als ehr - und gewissenlose Leute vor ; sie halten sie alles ihres ßajv ses würdig ; sie bilden sich ein , man thue nichts Böses , wenn man der - gleichen Lästerer , oderGönner der Lästerung ausrottet . Es ist also qewiß , daß diejenigen , die diese Gattung von kleinen Schmähbiichem herausqe - ben , entweder ihren Verdruß ausschütten , oder ihrem Eifer'mir allzuvie - lcmUnverstande den Lauf lassen . Und dieses kömmt hernach der aanzen Partey gar zu theuer zu stehen .
( L ) <£s wäre ungerecht , der ganzen Gemeinschaft die Ungeduld einiger Privatpersonen , und ihren allzugroßen Rünel xpm schrei - den , beizumessen . ] Man kann von dem XVI ^ahrdündeite nach der gegenwärtigen Zeit urtheilen , ( dieß ist 1695 geschrieben ) . Wir wissen , daß diejenigen , die alle Tage eine Menge ungenannte Pasquille herausfliegen lassen , nicht die geringste Figur in der Welt n , ache „ . Sie leben in einet solchen Dunkelheit , daß sie auch den schlauesten Nachforschern enttvsschenl und wenn man ja den Namen irgend eines von diesen Scribenten e „ t> decken kann , so findet man sehr oft , daß er iveder ein guter Christ , noch ein ehrlicher Mann ist . Ich bin überzeuget , dah der meiste The

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