Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-10882

antworten . Du PleßiS führet nicht allein die Bündnisft an , die der König von Spanien mit den protestantischen Prinzen unterhalten , son - dern auch dasjenige , welches durch die Herren von Gui>e geschlossen wor . den . „ Wir wollen nicht weiter gehen , als unsre Lizuisten ; wie vielmal „ hat sich der Herzog von Guise bemüht , mit dem Könige von Navarra , „ und denen von seiner Partey zu unterhandeln ? An wie viel hngonot - „ tische Edelleute hat er nicht geschrieben ? Sie mögen hier seine Schreib , , . art erkennen . Mein Freund , ich will weder deiner Religion , „ noch deiner predigt ZU K . eibe ; wenn du an einem Prediger „ nicht genug hast , so nimm derselben zween . Und wer weis das viel - „ fällige hin und wieder reisen des Unterseneschalls , von Montelimart „ nach Rochelle , im Namen des Herzogs von Mayenne , nicht ; die Vor - „ schlüge , die er ihm thnn lassen , daß er sein Diener seyn wolle , daß er „ nichts wider seine Religion habe , daß ihm seine Mutter diese erste Nah - „ rung gegeben , daß man Mittel finden würde , die Sachen zu verglei - „ chen , daß er ihn aufsein Wort mit vier Pferden besuchen wolle , daß „ er ihm seine Kinder und Gemahlinn zu Geisseln seiner Treue geben „ wolle ? jedoch zu der Zeit , da er von Castillon zurück kam ; zu der Zeit , „ da sie von nichts , als Andachten und Eifer der Kirche , Rühmens mach - „ teil . Er hat sich auch kein Gewissen gemacht , sich lutherifch« Reiter zu „ bedienen , welche man öffentlich in seinem Lager das Nachtmahl hat „ halten sehen ; und die Briefe , die er noch ganz neulich an seine Agenten „ geschrieben , sind noch zu sehen ; daß er sich gewaffnet , die in der Lehre „ vom heiligen Abendmahle irrgläubigen Hugenotten auszurotten , aber „ nicht die von dem augspurgischen Glaubensbekenntnisse , die er im Ge - „ gentheile lieben und erhalten will , die nicht weniger , als die andern von „ dem Pabste verdammt sind , diejenigen , die der römischen Kirche den „ ersten Stoß gegeben haben . , , Memoire« de Du PleffisMornai , Tom . I . fag . 922 . 923 .
( B ) Man will , daß sie Vorhabens qewesen , die vornehmsten Prinzen vom Geblüte , hinrichten zu lassen . ^ . . Man kann nicht „ ohne Entsetzen lesen , was zu derselben Zeit gesaget ( * ) , und nach diesem „ geschrieben worden ist . Daß die Guisen , welche sich vor den Ahndun - „ gen de« Könige« von Navarra gefürchter , und überdieß geurtheilt , daß „ ihre Gewalt niemals ruhig und sicher feyn würde , so lange ein Prinz „ vom Geblüte übrig wäre , dieselbe zu bestreiten , Vorhabens gnvesen , den - » . selben aus dem Wege zu räumen ; allein durch ein Mittel , welches , wenn „ es ein glücklicher Erfolg begleitete , wenigstens das ganze königliche Haus „ durch sich selbst aufreiben müßte . Daß der König , dem sie begreiflich „ gemacht , wie viel daran gelegen wäre , einen Prinzen nicht leben zu „ lassen , der den Tod deS Prinzen von Conde rächen könnte , den König „ von Navarra in sein Zimmer kommen lassen sollte . Daß er ihm , mit „ den anzüglichsten Worten , die Verbrechen seine« Bruders , und die ge - » . rechten Ursachen vorwerfen sollte , die er wider ihn selbst zu klagen hät - „ te ; daß der Prinz verwegen leugnen , oder sich wenigstens mit allzu - „ vieler Hitze vertheidigen würde , und darauf durch diejenigen Leute nie - „ dergestoßen werden sollte , denen der König da« Zeichen geben würde , „ und die sich schon daselbst verborgen halten sollten . Man setzet „ dazu , daß dieser Prinz , vor der ihm gedroheten Gefahr , gewarnet „ worden , und sich , nachdem er lange Zeit zweifelhaft gewesen , was er „ thun sollen , entschlossen habe , den Ausgang dem Glücke anzubefehlen ; „ und sich gegen einen von seinen vertrautesten Hausgenossen , also erkla - „ ret habe , da er im Begriffe gestanden , in des Königes Zimmer zu treten : „ Sollte es geschehen , sagte er zu ihnen , Saß icb der Menge und „ der Verrarherey meiner Feinde , unterliegen müßte , so nehmet „ mein blutiges - Hemde ; bringer es meiner Gemahlinn , und mei - „ nem Sohne : sie werden in meinem Blute lesen , was sie rhun „ sollen , mich zu rächen . Daß er sich hierauf zu dem Könige bege - »ben , der sich die abgeredete Losung zu geben , entweder nicht getraut , oder „ nicht gewollt ; und daß der über diese fehlgeschlagene Unternehmung , «verdrießliche Guise denjenigen , die bey ihm gewesen , zugerufen : was „ haben wir für einen armseligen Prinzen ! Vie duDuc de Guife , zu Paris 1681 gedruckt , 78 S . Holl . " Ausg .
( * ) Nämlich zur Zeit , da die Stande de« Königreich« zu Orleans , un - ter Franeijcu« dem II , im >560 Jahre gehalten worden . Der Prinz von Cynde ist bey seiner Ankunft inhaftiert , und wenig Tage darauf , nachdem ihm die von dem Könige ernennten Bevollmächtigren der Proeeß gemacht , verdammt worden , enthauptet zu werden . Der Verfasser von dem Leben de« Franciscus von Lothringen , Herzog« von Guise , zu Pari« >68« gedruckt , saget hierauf dasjenige , was ich oben bereits angeführer habe .
( C ) XDie sie bey der Versammlung der Vornehmen gerban harren . ^ Sie ist zu Fontainebleau im Augustmonate 1560 gehalten worden . Siehe Maimbourg , Hift . du Calvinisme , 14s u . f . S - Der Admiral hat darauf eine Bittschrift , im Namen aller Protestanten von Frankreich , übergeben , worinnen sie um Erlaubniß gebethen , zur öffent - lichen Uebung ihrer Religion Kirchen zu haben . Der Bischof von Valencia , Johann von Monluc , hat auf eine vortheilhafte Arr für den Admiral gestimmet ; allein der Herzog von Guise , und der Cardinal , sein Bruder , haben sich dieser Bittschrift mit solcher Heftigkeit widersetzet , daß man sie verworfen . Es hat wenig daran gefehlet , daß sie nicht da« Ketzergericht in Frankreich elngeführet : ( ebendaf . 144 S ) sie haben au« allen ihren Kräften daran gearbeitet , und der Kanzler hat , zu Abwendung dieses Streiches , dem Könige den sehr scharfen Befehl von Romorantin , wider die Reformisten , vorschlagen müssen . Also kann man diesen zween Brüdern alle die Drangsale der bürgerlichen Kriege , der damaligen Zeit beymessen . Sie haben sich der Gewissensfteyheit der Prorestanren wi» dersetzet , sie haben die Verfolgung genährt , und in dem Königreiche den blutdürstigen Geist wider da« wesentlichste und unveräußerlichste Recht unterhalten , da« ein Mensch genießen kann , und welche« die Regenten , als da« unverletzlichste ansehen sollen .
( D ) Die allerschmeichlerischsten - Historienschreiber bekennen Sa« chen , woraus man schließen muß . daß das Blutbad zu Vaßi , «ine übecleare Sacke gewesen . ^ Varillas bekennet , Hift . de les ix . Tom . L p . Mi . Holl . Ausg . I . Daß der Herzog von Guise , und der Cardinal von Lothringen , welche nicht gezweifelt , daß Öte lichen Kriege baldden Anfang nehmen , und die katholische Partey den Sieg davon tragen würde , in so fern s . ch d , e Protestanten «»» Deutschland nicht in den Streu nuschren , sich zu Saverne in Kim mit dem Herzoge von Würtemberg besprochen haben " - Daß sie nicht« vergessen haben , was dienlich gewesen , bey den Lutheranern wegen des Fortgangs der cftlvmischkn Aehre , ime JJifepfucht jw
II Band .
lise . 691
erwecken , und sie zu überreden , daß man dieselbe in Frankreich nur darum angreifen wolle , ( man merke diese Worte wohl , denn sie zeigen , daß der Anschlag bereit« gefaßt gewesen , die Feindselikeiten anzu - fangen , ) um nach diesem zu arbeiten , die Lutheraner mit dem h . Stuhle , durch gelinde XDege wieder zu vereinigen . Ebendaselbst , 2 - S . III . Daß sie , nachdem sie von den deutschen Prinzen da« Wort erhalten , seine Dienste bey denen von seiner partey anzuwenden , un , sie zum Verfalle zu vermögen , daß man auf alle Arr verhin - derte , daß die calvinistische Aehre keine XVurze ! in Frankreich faßte , nach Ioinville zurück gekehret , wo sie Millens gewesen , sich einige Tage über zu belustigen . Ebendas . 1 - 4 T . IV . Daß die Verwitwete von Guise , ihre Mutter , die zu Joinville in einer ge» naucn Einsamkeit gelebt , ( ebendaselbst 124 S . ) alles ihr Ansehen bey ihnen angewendet , sie zu vermögen , daß sie die Rircke zu Vaßi nicht so nahe bey ihnen leiden sollten , d . ren Gift gar bald nach Joinville kommen würde . V . Daß der - Herzog von Guise , mit dem Entschlüsse , dasjenige , was er konnte , dem Anhalten sei« ner Mutter ohne Verlenung der befehle zuzugestehen , mit den , Lardinale von Guise , seinem jüngsten Bruder durch Vaßi ge - gangen . Ebendaselbst 126 S . VI . Daß seine Absicht von der Gcwaltthatigkeit weit entfernt gewesen , weil er voraus geftnet , daß seine bloße Gegenwart zureichend seyn würde , überall , w» er sich befinden würde , die Versammlungen der Calvinisten zu zerstreuen . VIl . Daß er den erstenMarz , 562 in die Stadt Vaßi gekommen , und , da er sein Geberh unter wahrender Messe un» rerbrechen müssen , weil die Calvinisten , deren Rirche sehr nahe war , zu gleicher Zeit ihre Psalmen angestimmer - - * dieselben nur eine Viertelstunde stille zu schweigen^ ersuchen las - sei : , und sie versichert , daß sie nach diesem ibre Gesänge in Frey« heit fortsetzen könnten , wenn die Messe , die er gehört , geendiget wäre .
Mir sind zwo Betrachtungen über diese Sachen zureichend . Die er - ste ist , daß sie ganz deutlich bemerken , daß der Herzog von Gui e selbst , an Aufhebung'des Befehls gearbeitet , daß er Anstalt gemacht , die Hu - gonorren anzugreifen , und außer dieser allgemeinen Neigung , nicht eher durch Vaßi gegangen , al« bis er seiner Mutter versprochen , daß er ihrer eifri» gen Begier de , daß die Ketzer daselbst nicht predigen sollten . Genüge thun wollen . Es ist also nicht wahrscheinlich , daß er ohne eine überlegre Absicht nach Vaßi gegangen wäre , daselbst wider die Resormirten Gewalt zu ge - brauchen . Meine andre Betrachtung ist , daß Vaullas die Sachen nicht ander« verheelen können , als durch die Vermischung widerspreche» der Sachen . Denn zum ersten , wie hat der Herzog von Guise seiner Mutter Wort gehalten , wenn er Willens gewesen , die Ealvinisten ihre Gesänge in ffreyheit fortsetzen zu lassen , so bald nur die Messe geendi - get seyn würde , die er hörte ? Dieß ist widersprechend : so daß man un« bekennen muß , entweder , daß er die Calvinisten niemals versichere lassen , sie in ihren Andachtsübuiigen nicht zu stören ; oder daß er nicht »ach Vaßi gegangen , um sich zu bemühen . der Verwitweten von Guise ein Genü - ge zu rhun ; oder daß er eine falsche Dochschaft sagen lassen . D e le' . te von diesen dreyen Sachen ist einem ehrlichen Manne allzuunanstandig , als daß man sie dem Herzoge von Guise beymessen sollte , wenn man ihn rechtfertigen will . Also muß man sich auf die Seite der bevden ersrern stellen , welche den Vanllas alle beyde Lügen strafen , und also kann man diesen Herzog nichr rechtfertigen , ohne daß man die Geschichtschreiber ? ü - gen strafen muß , die am vorteilhaftesten für ihn sind . Zum andern scheint e« höchst falsch zu seyn , daß der Herzog von Guise voraus gesetzet habe . e« würde seine Gegenwart zureichend seyn , die Versammlung der Rewr - Wirten zu zerstreuen . Er hat allzuwohl gewußt , daß Leute , die so begie - rig nach den Predigten waren , al« sie damals gewesen . und welche , ver - mittelst so vieler Verfolgung und Todesstrafen , die Erlaubniß zu predigen erhalten hatten , ihren» Vorrechte wegen seiner Gegenwart nickt ablagen würden . Zum dritten , wem , dieser Herzog voraus gefri er hatte . saß seine Gegenwart ihre Versammlungen zerstreuen würde , so hatte er sich daselbst ohne Uebemerung der königlichen Befehle nicht zeigen können , woraus augenscheinlich folget , daß er sich im Varilias selbst widerspricht , wenn er voraus setzet , daß seine bloße Gegenwart die Versammlung zu Vaßi zerstreuen werde , und gleichwohl seine Mutter in so weit vergnügen will , als er solches ohne Verletzung der Befehle thun könne . Es ist unmög« lich , daß er feiner Mutter ohne Zerstreuung dieser Versammlung ein Ge - nügen thun wollen , und man bekennet aufs allerwenigste , daß er , solche durch seine Gegewart zu zerstreuen , Anstalt gemacht . Und überdieß ist es unmöglich , daß er sie ohne Uebertretung des . letzten Befehls zerstreuen können . Man läßt ihn also widersprechende Gedanken haben . Dieß ist fast allezeit das äußerste , wohin man die Geschichtschreiber bringen kann , die sich bemühen , offenbare Wahrheiten zu verdunkeln .
Man konnte viele Sachen bemerken ( * ) , welcl ) e augenscheinlich an , zeigen , daß die Absicht de« . Herzog« von Guise gewesen , den Befehl vom Jenner zu vernichten ; allein e« ist genug , sein eigene« Bekenntnis in Betrachtung zu ziehen , so wie es Davila vorbnnat . Nachdem der Tu . mult zu Vaßi gestillet war , hat der Herzog von Guise , den Richter de« Orts vor sich fordern lassen , und ihm einen starken Verweis gegeben : daß er den Hugonotten eine fo gefährliche ffreyheir , sich zu verfammlen , er - laubet hätte . Der Richter hat sich deswegen mit dem Befehle de« Kö - niges entschuldiget , der ihnen die öffentlichen Versammlungen erlaubte . Der Herzog , der sich sowohl über diese Antwort , als über die Sache selbst geärgert , hat die Hand an seinen Degen gelegt , und gesaget : Die Scharfe von diesem , soll diesen so fest verknüpften Befehl , gar bald zerschneiden . Es ist die Natur , die bey dieser Gelegenheit redet , und dieß ist nicht das erste Beyspiel einer Regung des Zorns , die die al« lergrößten Verstellinigen verrathen hat . Dieß Wort'ist nichr auf die Erde g^allen : man hat sich desselben , al« eines starken Beweises der ge - waltsamen Anschläge deS Herzogs von Guise , bedienet Davila , der diese Beobachtung machet , saget : Finito il tumulto , il Duca di Guifa , chiamato a fe I' ufficiale del luogo , comincio con gravi parole a ri . prenderlo , che permettefie in danno de pailäggieri quefta perniciofa licenza : et ifeufando egü di non poterle impedirc per la permiffione delP editto di Gennaio , che concedeva le radunanze publiche a gli Ugonotti , il Duca fdegnato non meno della rispofta , che del fatto , meila la mano su la fpada , replicö pieno di colera , che 1'editto cosi ftrettamente legato , prefto fi troncarebbe con il filo di quella : dalle quali parole dette nell' ardore dcll' ira , e non trafeurate da quelli ch'certa« prefenti , molti poi I'arguireno per autore , et per machi .
Ss s natorc

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.