Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-10827

Guillemete . Guimene . Guindan» .
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Guillemete , aus Böhmen , war das Haupt einer schändlichen Secte , die im XIII Jahrhunderte in Italien erschie -
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deren sie sich bedient hatte ; ihren Korper wieder ausgegraben und ihn izoo verbrannt , tote war 1281 gestorben , und man hatte sie in Mayland auf dem Gottesacker St . Petrus vom Garten begraben , ^echs Monate darauf hat man sie in das Kloster von Caravalle gebracht a , wo man ihr ein Grabmaal aufgerichtet , davon die Ueberbleibfel noch auf dein Gottes - » acker der Mönche zu sehen sind . Zween gelehrte Manner , Puricelluö ^uiid Boßius , haben von dieser Secte geschrieben , und sind nicht in allem einig . Boßius ist der erste gewesen , der diese feccte wegen der Befleckungen des Fleisches gelästert hat ( A ) ; allein Puricellus hat behauptet , daß die Unordnung nicht von dem Geiste zum Körper übergangen ist , und daß Guillemete und ihre AnHanger nur einer abscheulichen Schwärmerei ) schuldig gewesen , welches er durch die Registraturen des Ketzergerichts beweiset h ( B ) . Das Fest der Guillemette ist dreymal im Jahre bey ihrem Grave gefeyerr worden : am Bartholomaustage , der ihr Sterbetag gewesen ; am Tage der Ueberbringung ihres Körpers nach Caravalla , und am Pfingsttage < . Ihre Träumereyen sind mcht auf ewig ausgerottet worden ( C ) .
Es ist Cistertienserordens zwo Meilen von Mayland . Man nennet es durch Misbrauch Claraeuallis . Mabillon , Mufceum Italic , b ) Aus dem Muf . ltal . des P . Mabillon I Theile >9 , 20 S . f ) Ebendaselbst .
( A ) Boßius ist der erste gewesen , Oer Viese Secte wegen der Befleckungen de« Fleisches gelästert hat . ] Man hat dieser Secte eine Aufführung beygemessen , deren viel andere verdächtigeBerjammlun - gen zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Oertern beschuldiget worden sind . Man hat gesaget , daß sich der Guillemete Anbanger des Nichts in einer Höle versammlet , und nachdem sie einige Geberher herge - saget , die Lichter ausgelöscht , sich auf «in Gerathewohl Mann und Weib mit einander gepaart harren . Quos ipfi in quadam Synagoga fiibter - ranea conuentibus antelucanis coneregantes , cum ad moduin Presby - terorum induti certas orationes ad altare fudifl'ent , extindio aut fub modio ablcondito luinine , ad fortuitos concubitus bortari confiieue - rant . Spondanus , wie unten . Man setzet dazu , daß ein reicher Kauf - mann , der mit einer Frau verheirathet gewesen , die öfters verstvhlner weise in diese Hole gieng , derselben einsmals ingeheim nachgeschlichen , mit ihr zu thun gehabt , und sie durch einen Ring uberzeugt hatte , bener ihr vom Finger genommen . Er har sich zum Angeber wider diese Secte aufgeworfelt . Aus dem Spondanus aufs noo Jahr , Num . 10 . Wir haben bey dem ^tratciceüi gesehen , daß ma» eben dieses Von den
Fratricellen gesager hat . Ich glaube , daß bey Vergleichen Brschuldigun -
gen manchmal eine Verleumdung mit unterlauft . Allein ohne Zwei - fei sind bey dergleichen Zusammenkünften sehr öfters vielfältige Un - keuschheiten getrieben worden ; und ich wundere mich nicht , daß so viele Ehmänner die Ergebenheit ihrer Ehfrauen gegen gewisse Andachtsver - sammlimgen misbilligen : denn die Liebe mischet sich über kurz oder lang mit ein , und man kann die Gelehrigkeit des weiblichen Geschlechts , in Absicht auf die der Keuschheit am allerentgegengesehtesten Lehren nicht genugsam bewundern . Siehe den Artikel Fratricelli in der Anmer - kung ( A ) . Daß man dasselbe in dem alten Heidenthume zur Unzucht überreden können , darüber verwundere ich mich so sehr nicht ; es ist , sagte man , eine Art des Gottesdienstes . und auf diese Art hat man die Göttin» Venus verehret ; allein dieß ist erstaunenswürdig , daß mitten in dem Christenthume , nach aller gegen die Natur angewendeter Borsicht , und ungeachtet der weisen Einrathungen der Mütter und der Nachdruck - liehen Ermahnungen der Prediger , der erste Heuchler , der nur kömmt , zu tausend und aber tausend Abfcheulichkeiten verleiten kann . Er Inge nur , wie der heil . Aldhttm , in dem Artikel Lranciscus von AßisiS , An« merkung ( C ) , zu einer von seinen Andächtigen : Rommer , leger euch 5« mir , ich will sehen , ob ihr in den - Händen des Satans em js mächtiges U ? crk5eug ferd , daß ich der Versuchung unterliegen muß , so wird sie es thun ! Er sage , wie gewisse Ketzer , die das Ketzer - geeicht zu Toulouse gezüchtiget : Übervollen uns nackend neben und auf einander legen ; wir wollen uns kksien , und kützeln : hierdurch werden wir Beweise r>on unserer geistlichen Stärke geben ; so wird man gehorsamen ! Nonne eft bene inagnurn nicrituui , quod fic ftenuis ofculando , aniplexando , tangendo , et tarnen non confcntia - nnis in perpetratione carnalis peccati ? In dem Proeesse des Kehcrge - richts zu Toulouse , gedruckt zu Amsterdam 1692 , p . z8 - . Erat opinis aliquoruni , quod non debebat reputari honio vel nnilier virtuofus vel virtuofa , nifi fe poflent ponere nudus cum nuda in vno ledto , et tamen non perficerent a<5tum czrnalem . Ebendas . zi ? S . Kann man wohl eine größere Gelehrigkeit sehen ? Sollte man nicht noch mehr thun , wenn e« verlangt »vürde ? ^st man nicht in den geheimen Zusammen - künsten der Brüderschaft , nach ausgelöschten Lichtern , bey verschiedeneu Vorfallen der Verordnung nachgekommen , sich mit dem ersten dem be - sten , zu vermischen ?
Wir wollen von einer andern Gelehrigkeit reden , die nicht so strafbar , aber eben so seltsam ist . Findet man schwache Mannspersonen , die eini - ge Ersetzung der natürlichen Hitze nöthig haben , so werden sich auch junge Mägdchen oder Frauen finden , die sich zu ihnen legen würden , um ihnen diesen guten Dienst zu erweisen . Ein Lobredner des weiblichen Ge - schlechtes wird mir dießfalls eine sehr merkwürdige Stelle darbiethen .
Die Aerzte können nicht verheelen , saget Billon , Fort inexpugnablc de
l'Honneur du Sexe feminin , fo ! . 112 . „ daß die gelinde Wärme von „ der Brust einer jungen Frauen , an den Magen einer alten Person ge , » . fügt , bey ihm mcht die naturliche Lebenswärme beleben , unterhalten und „ vermehren sollte . Eine Sache , die auch dem königlichen Propheten „ David nicht unbekannt gnvesen , der die schöne Sunamirinn erwählt har , ( z B . der Könige I Cap . ) „ damit sie ihm auf diese Art die Kälte seines Alter« „ erwärmen sollte ; und welchem Beyspiele zu Folge wahrscheinlicher Weise „ der Großvater des letztverstorbenen Königes vonNavarra , NamensHerr „ von Albert , in einem 120 jährigen Alter , zwo Frauenspersonen zu dieser „ Wirkung unterhalten hat : von deren Milch er lange Zeit ohne einigen „ andern Unterhalt , gelebt ; und er hat , mitten zwischen beyden gelegen , „ weswegen sie auch in seinem Hause , als Prinzeßinnen geehret worden . „ Es ist gewiß , daß man in diesem Stücke nicht allen Mannespersonen „ recht trauen darf , weil sich dasjenige öfters zutragen könnte , was sich „ einsmals mit einem öffentlichen Schreiber des Chatelers zu Paris zuge - „ tragen , der Martin Maupin geheißen . Dieser hat sich diese Historien „ wohl zu Nutzen gemacht , indem er bey Lebzeiten seine eifersüchtige Fra« „ beschwatzet , daß er sich öfters von Davids Krankheit befallen fände , damit „ sie ihm die Verlegung ihrer Kammerfrau erlauben sollen , seinen Magen
„ ein wenig zu erwärmen , worinnen sich die arme Frau vielmal Hintere Licht „ führen lassen . „ Beylaufig will ich sagen , daß es der hell . Hieronymus nicht billiget , wenn man die Historie der Sunamirinn nach dem Buch , staben nimmt . Er nimmt zur Allegorie Zuflucht , und will , man solle dadurch verstehen , daß sich David in seinen alten Tagen viel genauer mit der Weisheit vereiniget habe . Man kann den buchstäblichen Sinn mit keiner großem Verächtlichkeit verwerfen , als ihn dieser große Lehrer der Kirche verwirft . Npnne tibi videtur , fi occidentcm fequaris litte - ram , vel figmentum efie de mimo , vel Ätellanarum ludicra ? - - . Quae eft igitur ifta Sunamitis , vxor et virgo , tarn feruens , vt frigi . dum calefaceret , tarn fanöa , vt calentem ad libidinem non prouoca - ret ? Exponat fapientißimus Salonion patris fui delicias , et pacificus bellatoris viri narret amplexus . Poffide fapientiain , polfide intelli - gentiam etc . Epift . ad Nepotianum , p . m . 207 .
( B ) Durch die Registraturen des Renergerichts . ) Diese im " iahre 1300 errichtete Acte enthält , daß Andreas Saramita . und Mayfreda P . ro , vana , die vornehmsten AnHanger der Guillemete . behauptet - sie wäre der heil . Geist >n weiblicher Gestalt , und von der Constantia . des Königes von Böhmen Gemahlinn gebohren ; sie sey nur dem Fleische nach gestorben ; sie wurde vor der allgemeinen Auferstehung wieder anferste - hen und im Gesichte ihrer Schüler gen Himmel fahren ; daß sie zu ihrer Stattyalterinn auf Erden die Mayfreda Pirovana , eine Nonne von dem Orden der Gedemüthigten , hinterlassen ; daß diese Nonne auf den . Grabe der GnillemeteMesse lesen würde ; »nd daß sie endlich zu RoM den h lischen Stuhl besitzen sollte ; daß sie die Cardinäle daran« verjagen und vier Doctoren haben würde , die vier neue Evangelien machen würden . Puri - cellus handelt alle diese abscheulichen Gottlosigkeiten weitläuftig ab Sein Buch ist noch nicht gedruckt worden , und man weis nicht , ob es iemals herauskommen wird . Es scheint nicht , daß sich Guillemete dieser teten Menschwerdung gerühmt hat ; es scheint auch , daß sie tick aus tiJt falschen Sittsamkeit verstellet har , als wenn sie nicht dam t u r . den ae . Wesen . Mabillon . in Muf . Itai . Part . I , p . 10 . frieden ge .
( C ) Ihre Träumereyen sind nicht auf ewiq ausctersttet mot , den - 1 Der Fortsetzer der Lhronike von Nangis erzählet m - ter dem . 306
^wisserDulcm . usvon Vercel dergleichen Lehren wegen des heil . Geistes vorgebracht habe . Ebendas . Postel und seine Mutter Johanna , haben nicht geringere Ausschweifungen begangen . Und eS wäre leicht , zu bewe> , en . daß diese Gattung von Sckwarmereyen von Zeit zu Zeit wieder aufkaume . Es scheint , es sey eine Rotte unter den feln gemachet worden , die Religion auf die Spindel zu bringen , und daß sie sich den Übeln Fortgang einer großen Anzaht von Versuchen nicht ab - schrecken lassen , sondern dieselben von Zeit zu Zeit an verschiedenen Oer , lern wieder angefangen haben .
Guimene ( die Prinzeßinn von ) Colomies hat sie unter die Frauenspersonen qeseht , welche die hebraische Sprache der - standen haben ( A ) . Menage erzählet etwas sehr kurzweiliges , welches hiermit Verwandtschaft hat ( ö ) .
rvandrsthast hat . 1 . . Als der Prinz von Guimene den des Vallees mit „ ganz zerrissenen Hosen alle Morgen in das Zimmer der Primeßinn „ von Guimene gehen sehen , so hat er sie eines Tages aeftaat' was „ er da zu thun hätte ? Sie hat ihm gesaget - Er weist m . r da - He , Gallia Oricntal . p . 261 . M6rÄifd ) f . Lt f ) fit iot' geantwortet ; Madame , er wird euch ehestens den rvelcbes hiermit Ver - „ Hindern weisen . „ ^lensßlana . paA . der ersten holländ . Ausgabe .
dolomtes hat sie unter vieLrauenspersonen gescnt . welche d»e hebräische Sprache verstanden haben . ] Hier sind seine Worte : Lutetiae apud D . Hardy huius Principis horas ( vt vocant ) vidi He - braiee et Gallice exeufas , vnde colligo ipfani ftiifle Hebraici ldioma -
tis haud ignarani . Claruit circa A . 1625 . ( L ) Menage erzählet etwas , - -
Guindauo lein Prinzen bat keine Cl
zürnt jahlen .
Er war über einen so uneintraglichen Empfang dermaßen er - wenn er so reich gewesen wäre , die Druckcrkoften zu be - allein da die Armmh , die ihn drückte , ihm nicht 'erlau - Rr rr z het .

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