Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-10816

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Guignard .
übet , und daß er noch auf dem Richtplatze bezeuget , daß dieses die wahre Beschaffenheit seines Buches fty , und daß er nicht ein einiges Wort da - rein gesetzt , das den König habe beleidigen können : Appendix Apologiae Francifci Montani pro Societate Iefu in Gallia , pag . 352 . In cubi - culo P . Ioannis Guignardi , Theologiae Profeflbris , perbreuis Traöa - tus repertus eft , quem ipfe ante annos quatuor vel quinque confcri - pferat , quo illa Quaeftio continebatur a Do & oribus in Scholis paflSm traäata et agitata : Vtrum Tyrannum , qui fe falam hoßem gerit Rei . fublicae liceatpriuato oct\dere\ De qua Quaeftione Argumenta , quae in vtramquc partem , vt folet , ad difcutiendam disquirendamque ve - ritatem , a variis Auftoribus adferuntur , ibi quoque congefta erant . Inter alia item narratione comprehenfum Luit , quid Frater Clemens , Doniinicanus Monachus , in Henricum III aufus fuiflet . Ebendaselbst 553 0 . Cum iam patibuhim a longe confpexiflet , cui appropinqua - bat , S . Andreae Apoftoli exeniplo et verbis illud pie et alacriter con - falutauit ; laeta mente ac fronte fcalas confcendit , e quibus allocutus circumftifam fpcclantium multitudinem : quod fupplicii hoc genere enecarctur , aliam non fubefie causam , quam quia ante aimos tuor vel quinque perbrcuem Tra & atum confcripfillet , nullius iniu - ria , nullius incommodo , in quem collegiflet opiniones et fententias Sanöorum Patrum , variorumque Auäorum , quos ipfi ante luonu - mentis commendauerant de hac Quaeftione : Vtrum llccat priuato bo - mini occidert manifefhtm Tyrannum ; Traftatum illum fe neque typis in lucem edituin eiiulgafie ; quin in aliorum manus euin nunquam peruenifie . Regem ibi neque verbulo Jaefum aut ofFenfuin . Qiiae Patris verba omnem circumftantem Populum in magnam commife - rationem inflexerunt .
Was für Verstellungen , oder vielmehr , was für Betrügereyen ! allein man merke , daß er unter der Decke einer Zweideutigkeit vorgeben nen , er habe nichts gesaget , was den König beleidigen könne ; denn in sei« nem Sinne hat er Heinrichen den IV , nicht für einen Konig erkamit .
Wir müssen eine sehr lange Stelle aus einem Buche anführen , welches man sehr selten findet . Dieß kann der Länge dieser Stelle zur digung dienen ; ohne zu rechnen , daß sie uns belehren wird - I . Daß Guignard eben diese Lehre aeprediget , die er in seiner Schrift behauptet frtt : II . daß man vMMbeil , es scy dich Lkhrc der alten Väter ihrer
gemäß , und eine SiitfcbciDunci der Kirche , und die SDJa ; nung alter pisten . Hier ist ein Mischmasch von Unwahrheiten und Wahrheiten . „ Allein um so viel grausamer die Aueschweifung gewesen ist , die an des „ Gnignardö Person begangen worden , um so viel geringer ist auch die „ Ursache gewesen , warum sie ihm da« Leben nehmen lassen . Nämlich „ wegen der Sammlungen und Denkschriften , die er so wohl aus den „ Vacem als Kirchensatzungen gezogen , um zu beweisen , daß es erlaubt „ sey , ketzerische und in den Dann getbane Prinzen zu bekriegen , welche „ sie in seiner Studierstube gefunden haben . Aus die absonderliche Nach - „ richr , die ihnen ein gewisser reformirter Prediger , der einige Jahre zu - „ vor besagten Guignard zu Vourqes über diese Materie harte predigen , , hören , gegeben hatte , sie zu durchsuchen , und dieselben zu diesem Be - „ Hufe zu gebrauchen . Denn wenn man , wegen scholastischer Sammlun - „ gen zum Tode verurtheilen muß , was ist dieß für ein Vorurcheil wider „ die Väter , daraus sie gezogen sind ? Wenn dergleichen Nachrichten ver - ^dammenSwürdig sind , wie Wirdes denn denen gehen , daraus siegenom , „ wen sind ? Und wie wird der heil . Hilarius , das Licht der Franzosen , „ und Lueifer , Bischof von Sardinien , gerettet werten , die zu ihren Zei - „ ten so lebhaft über diese Materie wider den Kaiser Constantius ben , und ihm ihre Bücher zugeschickt haben : imgleichen auch der h . Cy - „ rillus , und der heil . Gregorius von Na : ianz , wider Julian den Abtrüiu „ tilgen ? Wenn dieses Dinge sind , darüber vor undenklicher Zeit gestrit - „ ten , die durch den Beyfall der Alten erduldet , von der Kirche , ivelcher „ die Entscheidung solcher Wahrheiten allein zukömmt , bestätiget , und „ darauf in den Schulen der Weltweisheit und Gottesgelahrtheit einge - „ führt worden : wo sind denn diese Splitterrichter hergekommen , welche „ sie so öffentlich tadeln ? Welche den heil . Geist verdammen ; und sich „ von Farben zu urtheilen unterstehen , wobey sie wahre Blinde und rer anderer Blinden sind ? Und wenn dergleichen Sammlungen vcr - „ dämmt und so scharf gestraft werden müssen , warum »Verden denn der „ Ketzer ihre geduldet ? Wie , ihre Bücher und giftigen Schriften , ihre „ Sätze und Grundlehren , ob sie gleich von der Kirche und dem Parle , „ mente in Frankreich verurtheilt nnd verdammt worden ? Warum wer - „ den ihre Predigten und Gotteslästerungen wider die Kirche und wider „ Gott geduldet ? Ja durch Befehl gebilliget und durch fie bekräftiget ? „ Und wenn es nicht erlaubt ist , einen ketzerischen Prinzen zu bekriegen , „ wie ist es denn einem Ketzer erlaubt , einen katholischen Prinzen zu be - „ kriegen ? Und wo ist die Rechtfertigung für diesen , der als Haupt der „ Ketzer seine ganze Lebenszeit wider die katholischen Könige von Frank - „ reich Krieg gefuhret hat ? Dieß ist alles , womit er sich breit gemachet „ hat , und warum er verdammt worden , und den sie für ihren Prin - „ zen erkennen ? Warum sollte dasjenige nicht wider ihn erlaubt seyn , dcu „ von er , außer der Gewalt der Kirchensatzungen selbst das Beyspiel ge . „ geben hat ? Hiernächst ist dieses ganz und gar nicht zu verdammen ge - „ wesen , weil es ein scholastischer nnd allgemeiner Sab und lediglich von „ der Lebre der Kirche ist . Und allenfalls gehöret er überhaupt zur Par - „ tey und ist folglich , so wohl durch den Befehl von der Verrätherey zu „ Paris , als durch denjenigen beschützt , der nach diesem kund gemacht „ worden . Denn wenn man anf diefe Art verfahren wollte , so würde „ kein einziger , nicht allein von besagter Gesellschaft , sondern auch kein „ eifriger Geistlicher , ja kein einziger Katholik zu finden feyn , der nicht . . dieselbe Strafe ausstehen müßte . „ Apologie pour Jean ChaßeL Part . V , chap . IX , 234 u . f . S -
( ? ) Das ganze Königreich war mir aufrührischen Predigern angefüllt . ] Das lltbei hat durch die Lossprechung nicht aufgehört , die der Pabst dem Konige Heinrich dem IV , den >6 des HerbstmonatS 15^5 zugestund . Man lese diese Worte des Cardinals Ossär : sie sind au« einem Briefe , den er aus Rom an denVilleroi den uMapirfoi ben hat . Jdy habe nach diesem mit dem pabste davon qercder , was der Ronig verlanget , daß seine - Heiligkeit Sem neuen tius befehlen möchten , dafür ; u sorgen : daß die Prediger m reich mir der gehörigen Bescheidenheit und Mäßigung predig - ten , ohne sich in die Sraatsgeschaffte zu mischen , davon sie die
Bewegungsursachen nickt wüßten ; nock auf Aufruhr zielende Satze zu behaupten : und ick habe chm auck ein schriftliches R ? e - morial davon gelassen , von welchem ihr nebst dem gegenwärtig gen die Absckrist haben sollet . Seine - Heiligkeit haben mir ge - saget , , daß sie es dem neuen Nuntius also befehlen wollten . D'Oflät , Lettre CCLXXIII , pag . 369 , 370 . des II Th . pariser Ausgabe von 1698 . Amelot de la Houssaie hat dies« Stelle des Eardinal« Ossat unvergleichlich ausgelegt . „ Es steht den Predigern nicht besser an , uget er , von den Sachen der politischen Regierung zu reden , davon die „ meisten nichts verstehen , als den Staatsleutcn , Glaubens - und Reli< - „ gionssachen zu entscheiden . Die Staatsgeschäffte sind so zärtlich und „ so kützlich , daß es allezeit gefährlich ist , vor dem Volke davon zu reden , „ welches fast niemals mit der Regierung zufrieden ist . Omni populo , „ saget Plutorch , ineft rnalignuni quiddam et queriilum in ves . Alle Prediger haben einen guten Eifer , ich gebe es zu ; wie aber „ dieser Eifer nicht allezeit von der Wissenschaft und Klugheit begleitet „ wird : so erfordert der öffentliche Nutzen , daß diejenigen , welche geschickt „ sind , sich aus Sitsamkeit enthalten , dergleichen Materien in ihre Pre - „ digten einzumischen , und den andern die Notwendigkeit auferlegen , sich „ in den Schranken der evangelischen Lehre zu halten , welche hauptsächlich „ den Frieden und Gehorsam anpreist . In den letzten Jahren der gierung Heinrichs des III , und in den ersten Heinrichs des IV , hatten „ die Doctoren Aubry , Boucher , Pelletier , Lineester . Rose , Feuardent und „ viele andere von diesem Gelichter , das Amt des Wortes dermaßen ent - „ heiliget , daß der Lehrstuhl der Wahrheit in Frantreich die Bühne de« „ Betrugs und der Verleumdung gnvvrden war , und daß das Volk , wel - „ ches das Gift durch die Ohren eingesogen , weiter kein anderes Kreuz , als „ da« lothringische , angebethet hat . Dieserwegen ist eS unumgänglich nö - „ thig gewesen , diese pharisäische Ungebundenheit zu unterdrücken und die „ Zucht in dem Predigtamte wieder herzustellen , welche der Geist de« „ Aufruhr« in den Dienst der Bosheit verkehrt hatte . , .
Wenn sich der päbstliche Gesandte seiner Verrichtung wohl entlediget , so hat er gleichwohl die größte Unordnung nicht gehoben . Man ist fort , gefahren , aufrühriscb zu predigen und zu reden , und dadurch reyen wider das Leben Heinrichs des I V zu erwecken . Siehe daS lII Cap . des Antidoten . Die wahrhaften Franzosen , Gönner der königlich»«
Unabhängigkeit und die den monarchischen GrundsRhcn deö Staat« erge»
ben sind , haben vornehmlich den Jesuiten dieses republikaiiisäx' und lta .
Uemsche Wesen beygemessen . Nicht daß man sie als die ersten Urheber desselben betrachtet : man hat sie nur als die feste Stütze desselben ange - sehen ; man ziehe die Anmerkung ( 8 ) bey dem Artikel Jlo / ola zu Rache . Dieß erinnert mich einer Anmerkung , die in einem Buche erschienen ist , »velches 1701 gedruckt worden , und zum Titel hat : L' Etat prefent de la Faculte' de The'ologie de Louvain , oii I on traitte de la Conduit« de quelques un» de fes The'ologicns , et de ieurs Sentimens contre la Souverainete et la furete des Rois , et contrc Ics IV ArticlesduClerg^ de France . Dieß sind drey Briefe eines Domherrn von Tournai an ei« nen Doctor der Sorbonne . Es geht vor ihnen ein Brief dieses Doetor« her , in welchem man aus dem 4 Bl . diese Worte sieht : Mein woher kommt es , daß ihr in euren Briefen , da ihr die Meinungen de - rer Gonesgelehrren anführet , welche lehren , daß auch die Roni , ge zum Gehorsame verbunden sind , sie von dem Eide der Treue lossprechen , nur von einigen Privardoctoren zu Äotvcn , von etli , chm Augustinern , von etlichen Recollectcn , und fast von keinem Jesuiten redet i XVifiit ibr denn nicht , daß eben sie vie Quelle ler dieser abscheulichen Meinungen sind i Nicht , daß sie die er , sten waren , die sie behauptet hätten : viele Tanonisten , etliche Gottesgelehrren , vornehmlich die Italiener , vie Oem pabste unrer - thänig sinO , harren sie schon vor ihnen gelehrt ; allein ihre Sckrif , len hauen Sock so wenig zu sagen , daß sie von sick selbst über den - Haufen fielen und mehr dazu dienten , diese Meinungen zu ver - schrtym , als ihnen den Schwung zu geben . Allein die Jesuiten haben sie in die - Hohe und in Ansehen zu bringen gesucher .
( G ) Dieß ist - - , eine von den Ursachen gewesen , die 20v laß gegeben , alle die Jesuiten von Frankreich in die Sache de» Johann Chastcl und Johann Guignards zu verwickeln . ^ E« hat Leute gegeben , die sich verwundert , daß man . da man anf« höchste nur Vermuthungen gehabt , daß die Jesuiten dcm Johann Ebastel den von ihm vollführten Meuchelmord angerathen halten , sie gleichwohl durch eben denselben Rechtsspruch aus dem Köniareiche verbannet worden , der diesen Königsmörder vcrurtheilet hat . Die Aufführung des ParlementS zu Pari« hierinnen zu rechtfertigen , muß man beobachten , daß die That dieses jun , gen Menschen nicht der Grund der Vcrbaunuiig gewesen , zu welcher die Jesuiten verdammt worden ; es ist nur eine Gelegenheit gewesen , eine Sache zu entscheiden , die etliche Monate zuvor gerichtlich getrieben wer« den war . Diese Sache ist ein Proceß geivesen , der von der Universität zu Paris wider die Jesuiten war angestellt worden . Anton Arnold , welcher für diese Universität rechtete , hatte beschlossen , daß es dem - Hofe , zu Folge der Bittschrift von der Universität , gefallen möchte , zu verordnen , daß alle d>e Jesuiten in Frankreich , das Ronigreich und alle Lander Gr . N tasestar in vierzehn Tagen räumen und verlassen sollten ; nachdem ihnen solches in ihren - Häusern ange , deutet , und mit einem von ihnen anstatt aller andern gereder worden . Alias , und in Entstehung desien , und wenn einer davon nach besagter Seit noch in Frankreick gefunden werden sollte , daß derselbe stehenden Fuße« und ohne die geringste Form des pro ? cesi'es , als ein - Hauptverbrecher der beleidigten Majestät , und der wider das Leben des Roniges einen Anschlag gemacht , verdammt werden sollte . Cayet , chronol . Novenaire , aufS >594 Jahr folio 387 verfo . Da« Urtheil dieser Sache ist bis aus eine andere Zeit ver - schoben worden ; allein bey Gelegenheit der Sache Johann EHastels hat man nach der Bittschrift der Universität und nach denen Mitteln chen . deren sich Anton Arnauld bedient hatte . Einige andere Pariemen» ter sind dem zu Pari« nachgefolgt : allein das Parlemeut zu Toulouse , und das Parlement zu Boiirdeäiix haben sich geweigert , sich denselben gemäß zu bezeigen , ( Mezerai , Abrege' chronol . Tom . VI , p . m . 124 . ) und also haben sich die Jesuiten in Languedoe und in Guienne bis zu ih« rer Zurückrufung noch erhalten . Sie haben dieselbe erstlich zu Anfange de« 1604 Jahre« erlanget .
Giuiüemett

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