Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-4510

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Cardan .
als nöthig , gebraucht , solches keine große Beschwerlichkeit verursacht ; daß ihm nichts angenehmer gewesen , als Reden zu ren , die der Gesellschaft Verdruß erwecket ? ; daß er zu gelegener und ungelegener Zeit alles vorgebracht , was er gewußt ' ; daß er ein so großer Liebhaber der Glücksspiele gewesen , daß er auch ganze Tage zum großen Schaden seiner Familie und seines Ansehens damit zugebracht ' ; denn er hat so gar den Hausrath und das Geschmeide seiner Ehftau verspielt * ( M ) , Er erzählet diese und viele andere Dinge , mit der größten Offenherzigkeit . Gleichwohl zweifle ich nicht . wenn wir sein Leben von einem andern richtig beschrieben harten , daß wir nicht noch viele schändlichere Dinge darinnen finden sollten , als wir in diesem finden ; in welchem dennoch viele Stellen sind , aus welchen man noch klarer , als aus den bisher gelesenen , erkennen kann , daß er ein Mann von ganz besonderin Naturelle gewesen . Er redet von unzähligen Wunderwerken , durch welche er entweder wachend , oder schlafend errannt , was in Zukunft geschehen sollte . Dieß hat ihn zu glauben bewogen , daß er , wie SokrateS und einige andere große Manner , unter der Aufsicht eines besondern Schußengels stunde ( N ) . Was sollen wir von vier beson - dern Dmgen sagen , die ihm die Natur gegeben ( M ? Nämlich I , daß er in Entzückung gefallen , wenn er g^vollt ; II , daß er gesehen , was er gewollt ; III , daß er alles im Traume gesehen , was ihm begegnen sollen ; und IV . daß er solches auch aus gewissen Merkmaalen auf seinen Nageln erkannt . Man hat gezweifelt , ob er die Unsterblichkeit der Seele geglaubet \ Er ist unglücklich in seiner Familie gewesen ( P ) . Man hat ihn , wegen der Verwegenheit mit Rechte getadelt , dle er gehabt , dein Herrn Christo die Nativität zu stellen . ( ( > ) . Man giebt vor , daß seine astrologischen Prophezeiungen sehr oft durch den Aus - gang bestätiget worden Der Zusatz , den ich machen will , betrifft das Werk , Cardan . de Vita propr . pag . 12 . Edit . Parif . 1643 , in z . 4 ) Ebendas . 7 0 . i ) Ebendas . 8 S . d ) Ebendas . 13 0 . « ) Sieh« in der Anmerkung ( 8 ) etliche besondere Umstände von diesem Manne . / ) Cai - 6an . de Vita propr . pag . 14 . x ) Ebendas . 16 , 17 Seite . h ) Ebendas . 19 0 . «' ) Ebendas . t ) Ebendas . 20 0 . I ) Ebendas . 22 0 . m ) Ebendas . 21 , 22 0 . » ) Thuanus , Libr . LXII . pag . >55 . # ) Card , de vit . propr . 30 0 . f ) Ebend 32 0 . Eb»nd . 6o 0 . r ) Ebend . 61 0 . s ) Ebend . 81 0 . » ) Ebend . 94 0 . u ) 0 ! ehe die Anmerk . ( D ) , im ersten und andern Absahe . x ) Siehe die Anmerk . ( K ) . > ) 0iehe die Anmerk . ( I ) und ( K ) , des Artikels Com - meniu« . « ) Siehe in der Anmerkung ( D ) , die angeft'ihrten Stellen des SealiaerS und Thomasius , und in der Anmerkung ( OL ) , die Stelle des Naude . » * ) Cardan . in Praefat . Libri de Vita propr . U ) Naudaeus in iudido de Cardano . « ) Siehe dle An - , merkung ( X ) .
( ^ ) Sc war den - 4 des - Herbstmonat» , , 501 , gebohren . ] Ich habe mich auf dasjenige nicht verlassen wollen , was ich im U Cap . seines Lebens gelesen habe . Ortus futn an . M . D . VIII . Calend . Oöobris . Ich will die üble Ordnung dieser Worte nicht beurtheilen , ob sie gleich die Leser in Ungewißheit setzet , ob Cardan den > des Weinmonat« , 1508 , oder den 24 des HerbstmonatS , i ; co , gebohren worden . Ich will mich bey andern Dingen aufhalten . Cardan erzählet , daß er zu Anfange sei« nes 8 Jahres eine Krankheit gehabt , davon er zu sterben vermeynet , ( Cardan . de Vita propr . cap . IV . pag . >4 . pariser Ausgabe , , 64z . ) und daß er wieder gesund geworden , als die Franzosen Freudenbezeigungen wegen des Sieges angestellt , den sie über die Venetianer bey der Adda erhalten hatten . Conualui , dum Galli , deuiäis in Abduae confiniis Venetif , celebrabant iriumphum . Cardant« , ebendas . Es ist gewiß , daß dieser Sieg > ; < - 9 erhalten worden , und e« ist sehr wahrscheinlich , daß Cardan zu Ende deS Herbstmonats , > ; v8 , krank geworden : nun war er damals in sein 8 Jahr getreten , und also war er zu Ende de» Herbstmonat« , , joi , gebohren . Wenn sich jemand mit diesem Beweise nicht begnügt , unter dem Verwände , daß Cardan« Krankheit im Herbst - monate , 1507 , angefangen haben könnte , der sehe , auf was für Art Car - dan auf der 19 und - 0 0 . fein fünf und dreyßigste« Jahr in« Jahr , 536 fallen läßt . Baillet hat Recht gehabt im I Th . der Anti , auf der , 6 u . f . 0 . zu beobachten , daß die Schriftsteller , wegen der eigentlichen Zeit des Tode« und der Geburt Cardan« , mit Veränderungen und Ver - wirrungen angefüllet sind . Siehe die Anmerkung ( F ) .
( B ) Seine tNutter war nicht verheirathet . ] Sie hat Clara Mjchena geheißen . Cardan . de Vita propr . pag . 6 . Ich habe nicht ge . funden , daß ihr Sohn förmlich bekannt , daß sie uiwerheirachet gewesen : er saget wohl , daß sie sich bemühet , ihre Frucht abzutreiben , und daß sein Vater nicht bey ihr gewohnt hätte ; allein dieß sind zwo Dinge , welche die ieircth nicht ausschließen . Es giebt verheirathete Frauen , welche Arzney gebrauchen , eine Fehlgeburt zu besörden : die Bücher der Casuisten bezeugen solches zurGnüge , und die Beichtväter wissen viel davon zu sagen Ueberdieß ereignet es sich sehr oft , daß sich rathete Personen von Tisch und Bette scheiden . Wo ist also der Grund , der mich bewegt , zu bejahen , daß Cardan ein Hurkind gewesen ? Hier ist er . Die zwo von mir angeführten Sachen , von welchen ich geiaget ha - be . daß sie die Heirath nicht ausschließen . sind gleichwohl gemeindlich ein Zeichen der unehlichen Geburt . Wenn sie solche« , in Ansehung Cardan« , nicht gewesen wären , so hätte er solche« mit ausdrücklichen Wortm erkläret ; denn es ist ihm die Folgerung nicht unbekannt gewesen , die man mtür - licher Weise aus seinem Bekenntnisse ziehen müßte . Weil er also nicht von der Heirath seiner Mutter redet , nachdem er von den zwo Sachen geredet , darauf ich mich gründe : so ist keine Ursache zu zweifeln , daß er nicht au« einem verbothenen Umgänge gebohren seyn sollte . Nach dem Alter von sieben Jahren , ist er bey seinem Vater erzogen worden , und damals haben seine Mutter , und eine Schwester von seiner Mutter , bey seinem Vater gewöhnet . Dieß ist kein Beweis der Heirath : denn dieß kommt auch einer bloßen Kebsfrau zu . Ich habe bev dem La Mothe Ie Vayer , Tom . X . Lettre XLIII . pag . 34 * . gelesen , es habe Cardan de confolatione , Libr . III . cap . 2 . bekannt , daß ihn das Colleqium der Aerzte yu Mavland nicht einnehmen wollen , weil er in dem Verdachte einer unehlichen Geburt gelebt . Da« Wort ,
dacht , ist merkwürdig : es beweist offenbar , daß die Welt nicht ge» wüßt , ob der Vater und die Mutter unser« Cardan« wirklich mit eiiu ander verheirathet gewesen . Dem sey , wie ihm wolle , so bedient sich der von mir angeführte neuere Schriftsteller eines sehr uneiaemlichen Ausdrucks , wenn er saget : daß sich Cardan gan ; deutlich für ei - nen ^urensohn ausgegeben , da er das Buch von seinem eigne» ILcbcnmit der Chat feiner Mutter anfangt , vermöge welcher fit ihn abtreiben wollen . La Mothe le Vayer , Tom . XI . Lettre LXIII . pag . 38 . Das Wort - Hure ist hier ganz ungeschickt ; nicht allein , weil Cardan nicht bekennet , daß seine Mutter eine Beyschläfeiinn gewesen ; sondern auch darum , daß , wenn er es auch gleich mit klaren und demlr - chen Worven bekannt hatte , man daraus nicht schließen müsse , daß er seiner Mutter so schimpflich begegnet wäre . Eine Beyschlaftrinn und eine Hure sind gemeiniglich zwo sehr unterschiedene Personen . Eft enim meretrix , quae ( vt loquitur Imp . in 1 . 22 . C . ad L . Iul . de adult . ) pudorem fuum vulgi libicünibus profternit , quae paflim venalem formam habet , et quaeftum inde facit . Murquurdut Fr eher us de ma , Libr . II . cap . XI . p . m . 211 .
( C ) <£x hat sich im Jahre 1531 verheirathet . Kr war die zehn vorhergehenden Jahre unvermögend gewesen , mit einer Frau ju thun ; u Haben . ] Er schreibt dieses dem bvsen Einflüsse des Gestirnes zu , unter welchem er aus die Welt gekommenist . Die zween bösen Planeten , » , die Sonne , Venns und MereuriuS haben in menschlichen Zeichen gestanden ; dieserwegen , saget er , habe ich von der menschlichen Gestalt nicht abwei - djeti können ; und weil Jupiter im Aufsteigen und VenuS die Herrsche« rinn über die ganze Figur gewesen , so habe ich nur an den GeburtSglie» 6m» gelitten , fährt er fort ; also habe ich von , ein und zwanzigsten Jahre an , bis in da« ein und dreißigste , keine Frau genießen können : welches mich gezwungen , mein Schicksal zu beweinen , und aller andern Menschen ihres zu beneiden . Cum Sol et maleikae ambae et Venu» et Mercuriu« eflent in fignis humanis , ideo non dedinaui a forma humana : fed cumlupiter eilet in afcendente , et Venus totiu« figurae domina , non fuioblaefus nifi in genitalibus , vt a XX anno ad XXXI . nonpotuerim concumbere cum mulieribus , et faepius dcfterem fortem meam , cuiqiie alten propriam inuidens . Cardanus , de Vita propria , c . II . p . 8 . Wenn er die größten Widerwärtigkeiten durch die Musterung gehen laßt , die «Hm in feinem Leben begegnet sind , so sindet er derselben viere . davon d . e erste nach seiner Rechnung ist , daß er sich nicht mir dem andern Geschlechte vergnügen können ; die andre ist der klaqliche Tod seines ältesten Sohnes gewesen ; die dritte seine Gefangenschaft ; die vierte das unordentliche Leben seine« jüngsten Sohnes . Totidem ma . xima dctrimenta et unpedimenta , primum concubitus , fecundum mortis faeuae filn , tertium carceris , quartum improbitatis filii natu minoris . Ebendas . XXX Cap . 116 S . An einem andern Orte giebt er eine viel umständlichere Beschreibung seiner Unglücksfälle , und vergißt dabey fein Unvermögen nicht . Infelicitatis funt mors filiorum maxime faeua , aut ftultifia vel fterilitas : impotentia ad congref . fum midienim : paupertas perpetua , pugna , accufationes , incom . moda , morbi , pericula , carcer , iniuria in pracferendo immerito« tot et toties . Ebendas XL VI Cap . 259 S .
( D ) Die Luft und Religion in Dänemark bewegten ihn , daselbst keine Bedienung anzunehmen . ] Andrea« VesaliuS , sein Freund , hat ihm diese Bedienung verschaffen wollen . Cardan halte alle Jahr 800 Tba ?
ler

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