Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-10802

Guignard .
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Eudämon Johannes in seiner Antwort auf den Anti , Coton hat geleug - net , daß Guignard in das Märtvrerbuch der Jesuiten gcsetzet worden ; und führet an , daß die Kupferstiche ihrer Mattyrervon Leuten gemacht , und feil gebothen worden , die nichts als zeitlichen G ? wmn gesucht , und nicht zu den Jesuiten geHort hätten . Confut . Anticotoni c . II , p . ; i . Verebaris nimirum , ne prolatis Martyrum noftrorum Catalogis , lin . pudentiflimi mendacii conuincerere , quae te caufa lmpulit , vt frigi - dam hanc Catalogorum varietatem dignam plane ftupore ifto amnu fomniares . Nam neque mendacium tegis et vecordiatn tuam prodis : Martyrum enim noftrorum effigies 11011 a nobis , fed ab exteris lucri fui caufa typis excufae , venales per orbem palam expofitae ab iis funt vt in noftra poteftate nullo modo fuerit quis Martyrum Catalo - gus 'aut a Gallis emeretur , aut in Galliam ab emtoribus importare - tur . ' Neque vero ita ftolidos quisquatn Iefuitas exiftimaturus eft , vt cum rem eam aggrederentur , non viderent fieri non pofif« , ne Gig - nardus quoque cum caeteris Martyribug vel ab amicis , vel ab inimi - cis in Galliam mitteretur . Mirum vero eft , fi cum vtrisque generis Catalogi vcnderentur , non nifi vnus in Galliam , isque ad tuas vnius manus venerit , in quo Gignardus legeretur : quem fi apud te habes , proferfodes ; fi non habes , indica , apud quem inueniri pollit . Nam
nos quidem Romae nunquam Gignardum adfcriptum Societatia tyribus vidiinus : nunquam inMartyres retulimus .
( L ) - - - sie haben sich bemüht , die - Heftigkeit seiner Lehr - saye ; u vcrgrinqern . und ihn durch Sie große Anzahl von nen , ; u cnr>cl ) uldigen , Sie Vamals gleiche Maximen gehabt . 1 Man sehe Guignards Lehre in der Anmerkung ( , A ) ; sie ist abscheulich . Man har - 602 ein kleines Buch gedruckt , welches betitelt ist : Sie fceye' und wahre Anrede an den Ronig , wegen der verlangten - Herste ! - lung der Jesuiten . Wir finden unrer andern Dingen darinnen ; daß , wenn dervabst die - Hand an den Zeprer verRomge . unv ihroelt - liehe« legen kann , wie die Jesuiten sagen : so folget ohne Schwierig - keir . daß , wenn seine - Hciligteicden Ronig indenBann rhut , er fetzt und eine Privatperson bleibt , daß er rem Romg mehr , und wenn er zu reqieren fortfahrt , ein Tyrann ist . Jedermann , der den ersten San ; ugiebr . wird mir Gewalt auf Ven letzten gezo , gen roerdcn Also hat das von der eignen - Hand Oes Jesuiten Io - Hann Guignard« geschriebene Nückelcben , und was er m vollem parlemente bey versammleren beiden Ramniern erkannt har , eben diese zween auf eine unerlaubte Art geschriebene Saye enr - halten : denn e« ist unter andern Dingen darinnen gewesen ; daß der Nero u s . w . - - - daß , wenn man den Biarner nicht ohne Krieg absetzen könne , man kriegen ; und wenn man nicht Krieg führen könne , ihn hinrichten solle . Eure Majestät kann da« Original se - hen , es verdienet es wohl . Franc , et veritable Difcours , pag . zr . Hicr ist es , was die Jesuiten durch die Feder des Richeome , Plainte apologetique , p . IZZ , 136 , darauf geantwortet haben . „ Sire . ich will „ hier niemand anklagen . noch diesen Verstorbenen rechtfertigen , ( er ist „ nunmehr außer alleii Gerichten und Processen ) noch so wenig , als er , „ Rache fordern ; da ich glaube , daß er im Gimmel für seine Feinde bittet : „ Ich sage nur , daß Eure Majestät alles dasjenige vergeben haben , wa« „ von dergleichen vorgegangen ist . und diese« sehr weislich'und königlich , „ nach dein Vorbilde des Kaisers Oetavians ( * ) der alle Schuldverschrei - „ bunqen verbrennen lassen , die zu Verleumdungen und Zänkereyen An - . laß gaben ; und des Kaisers Constantins des großen ( Conftantm . Sozom . L i c . 1 fi ) der gleichfalls alle Zankschristen ins Feuer werfen lasien . „ Und gewiß , wenn man wider alle diejenigen von der Ligue hatte Unter - „ suchungen anstellen sollen , die geschrieben und geredet haw , so wurde „ man niemals das Ende der Unruhen und Feindschaften gefunden haben : . . und es find zur selben Zeit tausend und tausend Franzosen gewesen , die „ ärgere Schriften in ihren Häusern gehabt , als diese , die dieser Mensch - „ erdichtet und hier anführet , die nichts destoweniger eure getreuesten Die - „ ner und Untertbanen geblieben sind : warum führet man denn diese „ Schnfr wider das Geseke der Vergessenheit und wider einen Abgelebten „ an ? Wenn bey demselben ein ganz strafbarer Fehler gewesen , ist er „ denn nicht durch die Todesstrafe zur Gnnge verbüßet worden ? Mnß . man denjenigen nach acht Jahren dem Processi wieder unterwerfen und . 'noch einmal verdammen , der so viel Jahre zuvor sein Todesurtheil ausge - „ standen hat ? Ich sage weiter , daß diese Schrift ( diese untergeschobene „ Schrift ) nicht von diesem Gottesgelehrten gewesen , es ist eine Erdich - „ tung des Widersachers . „ Man merke wobl . daß sie vorgegeben , es sey nicht wahr , daß Johann Guignards Schrift so beschassen gewesen , wie ihre Gegner vorgegeben hätten . Die Beobachtungen des Richeome pag . * 36 , 137 , dieses zu beweisen , sind die schwächsten von der Welt : allein wenn Heinrich der I V , auf diese falsche Anzeige , die Vorzeigung des nals nicht verlanget , und den Feinden der Jesuiten nicht anbefohlen hat , auf eine unumstößliche Art zu beweisen : daß die Satze , die sie dem Gm - guard beimessen . wirklich in seinem Buche gestanden ; so ist er einer «ußercrdenilichen Nachläßigkeit , oder einer aewissen Behutsamkeit schul - big gewesen , die für eine Furchtsamkeit angesehen werden könnte . Dem sey , wie ihm wolle , so hat der Urheber des Äntieotvn . der ohne Zweifel ge - ivußt , daß die Jesuiten dasjenige öffentlich geleugnet hatten , was man ihren Mitbrüdern Schuld gab , ihnen gleichwohl eben dieselben Satze vor - geworfen , wie die fteye und aufrichtige Anrede gethan . nnd gesagt , daß sie «iiS GuignardsMannseripte gezoqen worden , welche« sich annoch in der Scbrcibcrcy de« - Hofts befindet . Anticoton pag . 15 . Man hat ihm geantwortet , daß dieses sein Sagen eines von denen Dingen sen . die man der Freybeit der Zungen und der Widerwärtigkeit der Zeit zuschreiben müsse , und hat geleugnet , daß sich in der Schreibers des - Hofes diese Yyw'tc . wen» man nicht krieqen kann , so lasse man ihn hinrichten , fan -
? en dm^SaftVo^0 ? G'fte deiner Verleumdung bey ^allein ll Sand .
ist es sehr billig , zu glauben , daß sich dieser Satz in der Schrift des P . Guignards befunden hat . Vielerley Gründe überzeugen mich dessen .
( * ) Cäsar Oetavian ließ alle Schriften verbrennen , die nur zum Schmähen dienten . Suet . in Oäau . c . 32 .
I . Zum ersten enthalt das Parlementsurtheil ( Pafquier , Catechifme des Jefuites , I^ivr . lll . cti . 18 , p . m . 447 , qq8 ) daß nach vollfuhrtem lichen processe - - - wider den »Johann Guignard - - - weil man verschiedene Bücher bey ihm gefunden , welche unter andern Dingen , den Verfall de« grausamsten und sten Meuchelmordes des sel . Roniges , dem Gott gnädig sey , und Verführungen enthalten , den itztregierenden König umbringen zu las - sen - - - als wird kund gemacht , daß das parlemem besacr - tenGuignard des Verbrechen« der beleidigten Majestät schuld . » und überzeugt erkannt hat und erkennet ; imgleichen , daß er be - sagte Sucher verfertiget und geschrieben , welche viele falsche lind aufrubrische Mittel enthalten , xu beweisen , daß es löblich aewe - ftn , besagten Rsmgsmord , u begehen , und Saß es erlaubt wäre den itztregierenden König Heinrich den IV zu tödten . Es ist kein Zweifel daß die in dem Spruche hier mit ordentlichen Littern gedruckten Worte' sich nicht auf diejenigen gründen sollten , die nach dem Urbeber de« - x „ h - coton in Guignards Buche enthalten gewesen .
II . Wer sollte außer diesem zweifeln , daß Thuanus , der Präsident de< ParlementS , das Buch dieses Jesuiten nicht gelesen hätte ? Nun verss - - chert er so vollkommen , als eine unzählige Menge anderer Scribenten daß man diese Worte , davon die Frage ist , darinnen gefunden hat . 8 ? fine bello deponi non poffit , bellum cum eo gerendum . Si bellum geri non poffit , de medio quauis ratione tollendum . Thuanus üb XVII , p . 653 , col . 2 .
III . Zum dritten , haben die Jefuiten niemals bewiefen , daß die Sätze die man ihnen , als aus diesem Manuseriote gezogen , vorgeworfen , sich nicht darinnen gefunden hätten . Sie haben nur geleugnet , daß sich der letztere in den Registern des Parlements befände , wovon die Fraae gar nicht war , und wegen der andern haben sie nur schwache lichkeiten angeführet . Sie haben sich niemals gerühmt , dieses Buch ae - sehen zu haben ; also haben sie nur in den Wind davon aeredet und dem Könige niemals angebothen . wie ihre Widersacher gethan . ihm diese« oder' jenes in dem Manujeripte zu zeigen , welches in der Schreiberen des Dar - lements verwahret würde . Wenn sie hätten hoffen können , ihre Heinde der Verleumdung zu überfuhren , so würden sie bey dem Könige oder bei»' dem Parlemente angehalten haben , daß dieses Buch in ihrer Geaenwart solchen Bevollmächtigten zur Untersuchung aegeben werden möchte die mau erwählen würde . Ist es nicht außer allem Streite , daß' d» sie diesen Weg nicht erwählet , sie dadurch zu erkennen gegeben , daß fit dem Bucheselber nicht traueren ; und daß , wenn sie die Sätze . welche ihre Ge< gner davon anführen , als erdichtet angeben , es lediglich nach Art der Zungendrescher sey ? Man weis mehr als zu wohl , daß alle Parteyen , die' vor Gerichte Händel haben , dasjenige , was in ihrenKram nicht dienet , lange als es immer möglich ist , für falsch ansschreyen . Ich weis nicht , ob die Gegner derJesuiten es auch so gemachet haben , das ist , das Parle - " ment um Gevollmächiigte zu bitten , die das Manuscript in Gegenwart der daran Theilhabenden untersuchen möchten . Ein gutes rechtliches' Verfahren über diese Sacke wurde auf ewig auch den hartnäckigsten be - " trüglichsten Griffen gewehret haben . Aber ohne alle diese Umstäi'de bat man hinlänglich gute Ursachen zu glauben , daß Guignard in seinem Du - che die Satze angesnhret habe , die man ihm benmißt .
Dieses fest gesetzt , muß man sich sehr über die falsche Abbilduna ver - wundern , wich ? seine Vertheidiger davon machen . Wir wollen den Ri - cheome anführen . „ Er saget . Refponce de Rene de la Fon pour Jer „ Religieux de laCompagnie de Jefus , chap . XIV , pag . 72 , 73 , dasjenige , „ was bey dem Johann Guignard in seiner Kammer gefunden . und wo - „ rauf er zum Tode verdammt worden , war eine Frage , die er , abgehandelt „ hatte , da er über die GotteSaelahrtheit gelesen , und bestund darinnen : „ Ob e« loblich sey , einen Tyrannen u» tödten ; eine Frage , die alle „ Canonisten und Sittenlehrer in ihren Abhandlungen anführen , und die „ lvnderlich Bodinus unter den Weltweisen der mittlem Zeit , in seiner „ Republik mit abgehandelt hat . . . Richeome lehret uns in seinem men categor . de l'Anticoton , pig . 184 , daß Heinrich der IV mit dieser Antwort zufrieden gewesen . Es mußte al'o dieser König sehr leicht ; n besänftigen seyn ; denn die Entschuldigung ist sehr schlecht gewesen ; sinte - mal sie den Inhalt des Buches Johann Guignards aufs nnrichtialle vorstellt . Wir haben in der Anmerkung ( D ) die Betrachtu aÄehen , welche über diesen Inhalt des Richeome durch den INer d^ Aniico - ton verfertiget worden . Sie zeiget den Fehler , welchen man in den Worten M Jesuiten findet , nicht an , und suchet nur eine Gelegenheit , die aanze Gesellschaft der Jesuitm zu schmähen . Daraus sieht man , daß es Leute giebt , die lieber eine ganze Gesellschaft mir Schmähschriften durchziehen , als einen einzigen Menschen auf gehörige Art widerlegen .
Der Jesuit Eudämon Johannes hat es besser als Richeome zu machen gesucht : denn er hat gesagt . Guignard habe nichts anders gethan , als die Frage der Gottesgelahrtheit ; ob es erlaubt fey , einem Tyrannen das Leben zu nehmen ? zu behaupten und zu verneinen , und füget dazu ; daß dieses ihn der Todesstrafe nicht mehr unterworfen habe . als auch alle andre Gottesgelehrten . die sich sowohl über diese Frage , als auch über die Frage , ob ein Gott sey , üben : Confut . Anti - Cotoni , Cap . II paK . Theologica quaeftione in vtramque partem feripta fupplic'ium noit
magis meritus eft , quam S . Thomas , quam reliqui Theologi , qui non
modo deTyrannorum ncce , fe# de jpfa etiam Dei exiftentia' in vtramque partem dilputarefohti tum . Eine erschreckliche Verdrehung der Sache , angesehen Guignard es nicht nur als eine Streitfrage und mit Beybringung der Ursachen , die dafür oder dawider streiten köiuiten . m - . ter - suchet hatte ; sondern es vielmehr be , ahet und deutlich den Meuchelmord Heinrichs des III , auch alle andre dergleichen Thaten . die man an Heinri - chen dem IV ausüben würde , gut geheißen bat
Der P . Gretser hat >n einem von seinen Büchern die lateinische Ueber - setzung der Antwort des Richeome , unter dem Namen krancois desMon - tagnes avi Plaidoie d'Antoine Amauld , eine Erzählung desProcesses des Johann Chastel angeführet , in welcher das Buch des P . Gn^uud als eine bloße Sammlung unterschiedener Stellenden Satz betreffend , ob eS einer Privatperson erlaubt sey , einem Tyrannen das Leben zu nehmen vorgestellet ist . Man setzet Hinz» , daß er als eine Erzählung von dem Ja - cobiner gereder habe , der an Heinrichen dem III dm Meuchelmord verü , Rrrr - bel .

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