Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-10794

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Guignard .
che« . „ Den Guignard betreffend , so hat er nicht leugnen keimen , daß „ er die folgenden IX Sätze geschrieben hat , nämlich :
Daß wenn man 1572 am St . Bartholomäustage die Hauptader „ ( Venz Bafilica ) geschlagen hätte , so würden wir nicht aus dem kalten „ Fieber ins hitzige gefallen seyn , wie wir erfahren haben , fed quicquid „ delirant reges ; weil man Blut verschonet , so haben sie Frankreich in „ Feuer und Blut gesehet , et in caput reciderunt mala .
„ II Daß der grausame Nero von einem Clemens umgebracht , und der „ verstellte Mönch durch einen wahren Mönch abgeschickt worden .
„ III Lasset uns einen Nero , einen Sardanapal von Frankreich , einen „ Fuchs von Bearn , einen Löwen von Portugal ! , eine Wölnim von England ,
einen Greis von Schweden , und ein Schwein von Sachsen nennen .
„ I V Man denke , daß er drey schöne Könige gezeiger hat , wenn man sie „ Könige nennen darf , den weiland Tyrannen , den Bearner , und diesen „ erdichteten Monarchen von Portugal ! , D - Antonio .
„ V Daß die schönste Buchstabenversetzung , die man jemals mit dem „ Namen des verstorbenen Tyrannen gemacht , diejenige gewesen , in wel - „ cher man gesagt : ( POec hayliche - Herodes ! O le vilain Herodes !
„ VI Daß die vom Jacob Gemens verrichtete Heldenthat , als eine „ Gabe des heil . Geistes , wie sie von unsern Gottesgelehrten mit diesem „ Namen geneimet wird , mit Recht , von dem weiland Prior der Jacobi - „ ner Bourgoing , dem Bekenner und Märtyrer , wegen vieler Ursachen ge - „ lobt ? worden , die ich sowohl zu Paris mir meinen eignen Ohren , da er „ dieJudith gelehrt , als vor diesem schönenParlenienre von Tours gehört „ habe . Welche« besagter Bourgoing , was noch mehr ist , mir seinem eig - , . nen Blute unterzeichnet , lind mit seinem eignen Tode bestätiget har : »uind man muß nicht glauben , was die Feinde erzählet haben , daß er „ durch seine letzten Bezeigungen , diese That , als abscheulich , gemisbilliget „ hätte .
„ VII Daß die Krone von Frankreich einer andern Familie , als der von „ Bourbon , hatte aufgetragen werden müssen und sollen .
„ VIII Daß dem Bearner , ob er sich gleich zu dem katholischen Glau - „ ben bekehrt , viel gelinder begegnet worden , als er verdient hatte ; wenn „ man ihm die Mönchskrone in einem sehr strengen Kloster gegeben : selbst wegen des vielen Bösen , das er Frankreich erwiesen , Buße zu thun , „ und Gott dafür zu danken , daß er ihm die Gnade gethan , solches noch „ m seinem Tode zu bereuen .
„ IX Daß man , wenn er ohne Krieg nicht abzusetzen wäre , kriegen „ solle ; wenn man nicht Krieg führen kann , so mache man ihm den Pro - „ ceß und Tod , und lasse ihn hinrichten . » Lay« , Chronologie Nove - nairc , aufs >594 Jahr , fol . 45 ; verfo .
( B ) ÖJc har sich halsstarrig geweigert , Rirchenbuße 5» rbun , und er ließ bis an feinen Tod blicken , daß er - Heinriche» den I V nicht ftic einen Ronig von Frankreich erkannt har . ] Wir wollen die Folge vonCa>ers Erzählung hersetzen : „ Nachdem der Hof diese Schrif - „ ten gesehen , so hatGuignard , der über dieselben , da man siejihm vorgelegt . be - „ fragt worden , bekannt : daß er , sie aufgesetzt und mir >einer Hand geschrie - „ ben hätte , und dieserwegen ist ervomParlemente ( indemUrtheile wider „ den Guignard ) verdammt worden , im bloßen Hemde , mit dem Stricke „ um den Hals , vor der Hauptthüre der Kirche »u Paris , Kirchenbuße zu „ thun , und daselbst mit einer brennenden Wachskerze in seinen Händen , „ kniend zu sagen und zu bekennen : daß er boshafter und unglücklicher „ Weise und wider die Wahrheit geschrieben hätte , es wäre der sel . König „ rechtmäßiger Weise vomZacob Clemens ermordet worden , und daß der „ itztregierende König , wenn er nicht im Kriege bliebe , hingerichtet werden „ müsse ; welches ihm reue , und weswegen er Gott , den König und die Ge - „ rechtigkeit um Verzeihung bäthe , und daß er , wenn dieses geschehen , auf den „ Platz Greve geführt , an einen daselbst aufgerichteten Galgen gehangen „ und erwürgt werden , und nach diesem der tobte Körper in einem unter „ diesem Galgen gemachten Feuer in Asche verwandelt werden sollte .
Dieses Uttheil ist den 7 Jenner vollstreckt , und besagter Guignard auf «dem Platze Greve gehangen und verbrannt worden . Wie man ihn zn - „ vor vor die Kirche unsrer lieben Frauen geführt hatte , daselbst Kirchen - 'büße zu thun , so hat er im bloßen Hemde , und da er die Kerze bereits in „ der Hand gehabt , den Herrn Rapin , Cnminallieutenant gefragt : was „ man wolle , daß er thun sollte ? Er hat zu ihm gejagt : daß er Gott und „ den König auf die Art um Verzeihung bitten müsse , wie ihm der Ge - „ richtsschreiber sagen würde . Ich will Gott wohl um Verzeihung ten , sagte er zu ihm : aber warum denn den König ? Ich habe ihn nicht „ beleidiget . Ihr habet ihn beleidiget , sagte Rapin zu ihm , in dem ihr wi - „ der ihn geschrieben habet . Guignard hat ihm erwiedert : was ich ge , ^schrieben , ist eher geschehen , als Paris unter seinen Gehorsam gebracht „ worden . Ihr sager , antwortete ihm Rapin , was nicht »vahr ist ; und „ wenn es auch so wäre , so habet ihr euch der allgemeinen Verzeihung „ verlustig gemacher , die der König seinen Unterthanen von Paris seit ih - „ rer Unterwürfigkeit erlheiler hat ; weil euch nicht unbekannt gewesen , daß . dabey be» Lebensstrafe anbefohlen gewesen , alle dergleichen Schriften zu „ verbrennen : da ihr sie nun diesen Befehlen ungeachtet behalten , so ha - „ bet ihr ihn und das gemeine Wesen beleidiqet . Nachdem sie über eine . Viertelstunde hin und wieder gestritten harten , so hat Guignard , unge - 'achtet aller Gründe und Drohungen , die ihm Rapin gesagt und gethan , „ nicht die Abbitte thun wollen , und ist , ohne dieselbe zu thun , auf den „ GerichtSplatz geführet worden . Cayet , Chronol . Novenaire , aufs
1594 3 Es ist augenscheinlich , daß er gesagt , er habe den König nicht beleidi - get , da er vorausgesetzt , Heinrich der IV sey es nicht gewesen . Wir werden sehen , wie man ihn deswegen gelobt , daß er diese Gedanken lich gehabt , und dieselben niemals widerrufen hat .
( C ) Er ist durch Johann Chastels Vertheidi'ger , als ein Märtyrer gelobt worden . ] Das X Cap . des V THeils der schrist dieses Bösewicht« ist betitelt : Martyre du P . Guynard juftifie de tout poindt Der Urheber spricht ihn selig ; weil er als einec ben , der sich an den Grund und die Richtschnur des schen Steines feste halt . Das heifit , aus Gehorsam , und wegen des Gehorsams derRircbe . Zvie Beständigkeit diesir Person ( des P . Guynard 1 bis an den letzten Seufzer , setzet er auf der - zs S . dazu , weil cr denjenigen nicht für Rönig erkennen wollen , den dieRir - «he verdammr hat , noch diejenigen für rechtmäßige Richter , die sich von der Rirche getrennet haben , und wider die Rirche rich - «en , und weil er dic'Clauseln und Worte , die in ihrem Urrheile enthalten sind , nicht sprechen sollen , um Rirchenbuße zu thun :
sondern auf der Wahrheit desjenigen bestanden ist , was er gs - prediget und in feinen Nachrichten geschrieben hatte , ( aus cher Ursache die Todesstrafe übereilet , und an ihm stehenden Fuft fts im bloßen - Hemde , und ohne daß man ihn ins Gefängnifi zu« rückgeführt , vollstreckt worden , ) und in welchem durch diese» Mittel der Märtyrertod in allenpuncten gereclirftttigetworden , weil keine andre Ursache dazu gewesen , als daß er eine reine ka , tholische Wahrheit bis ans Ende und mir seinem Tode behau - ptet hat , davon dasGegentheilReyerey ist : und dieses wirdzum Zeugnisse dienen , ihnen dereinst ihren proceß zu machen , sie an - Händen und Lüsten in Renen zu halten , ihnen ihr Urtheil zufpee - chen , und sie endlich und unwiderruflich zuj verdammen , diese Ehre sollen alle Heiligen haben ! Ps . 145 . wenn derjenige , der die ewige Wahrheit bewahrt , ( Ossenb . 20 ) der die Bücher des ewigen Ge - richrs halt , worinnen alles geschrieben ist , denen das Uttheil sprc - chen wird , die Unrecht leiden , 147 Psalm .
( D ) Wir werden sehen , was die Jesuiten geantwortet , wenn man ihnen vorgeworfen , daß sie ihm einen Play in ihrem Mar - - tyrerverzeichnisse gegeben hatten . ^ Erstlich wollen wir eine Stelle des Anticoton >8 , 19 S . anführen . „ DerLeser mag nachforschen , wem» „ es ihm beliebt , ob jemals ein einziger Jesuit diejen Guignard wegen „ Verrätherey und Treulosigkeit verdammt hat . Hingegen hat ihn Ri^ ^cheome in seiner Schutzschrift entschuldiget , so gut als er kann , und ge - » „ sagt , daß er die oben erwähnten Sachen nach Art der theologischen» „ Streitigkeiten abgehandelt hätte . Und hierinnen sind wir einig ; den» „ ich sage auch , daß den Ronig rodren . allezeit eine von den Auflösungen „ aus der GotteSgelahrrheir der Jesuiten gewesen ist . Wenn ihn etwarr »ein ^esult , halb aus Zwang , halb aus Schaam verdammt : so geschieht „ es , weil er nicht bescheiden genug gewesen , oder weil er seiner Zeit nicht „ wahrgenommen hat , oder wegen dergleichen Ursachen . Dieses kann „ man daraus erkennen , daß die Jesuiten diesen Guignard in das Ver - . ^eichniß ihrer Märtyrer gesetzt haben , das sie in Rom in zween Forma - - „ ten haben drucken lassen , in deren einer Guignard ist , und in der andern „ nicht , damit man Exemplare hat , die man in Frankreich ohne Gefahr „ verkaufen kann . Auch erhebet der Jesuit Bonarseius , im VIII Cap . „ seines Amphitheaters , diesen Guignard bis in den Himmel , ob er ihre „ gleich nicht nennet , aus Furcht , unsern König zu beleidigen ; jedoch denk - „ lich genug , so daß man ihn in diesen Worten erkennen kann : Sollich' „ dich verschweigen , 0 du glänzender Stern am - Himmel und auf „ der Erde , und du lettre Aussöhnung dieses - Hauses , welches nach „ diesem nichts mehr leiden soll i Rein Tag wird die Spur dci - „ nes Todes ausloschen ; Daraufsetzet er dazu ; Ganz Frankreich „ wird sich mir meinen Wünschen vereinigen : Tacebo ego te rum coelo terraeque fidus , et vltimum ni ! amplius doliturae domu * innoeuum piamentum . Nullus tui fanguinis veftigia dies exteret to - taque in haec vota mea ibit Gallia . Dieses kann niemanden zukom - » men , als dem Guignard , der ein ftanzösischer Jesuit gewesen , und der letzte Jesuit ist , der die Todesstrafe in Frankreich erlitten hat . P . Colon hat unter andern Dingen , Reponfe Apologetique a l'Anti - Co - ton p . 4» , geantwortet : daß niemals ein einziger Jesuit , das Urcheil de» - Hofes verworfen , sondern daß sich ein jeder bemühet hätte , sich zu überzeugen , daß er den Guignard wegen einer gerechten Ur - > fache verdammt habe ; daß alles , was man hier dazu fettet , nicht gleich gewiß ist , und daß man viele Sacken derFreyheir von Zun« gen und der Widerwärtigkeit der Zeit überlassen muß ; ( ebendas . 4 ; S . ) daß , wenn auch kein einziger Jesuit den Guignard wegen Verrätherey und Meineydigkeit verdammet hätte , es darum ge - sihehen , weil keiner von ihnen den Grund des Processes in seineu Wahrheit gesehen noch gewußt . Ich habe , sährr er fort , verschiede» ne Verzeichnisse jesuitischer Märtyrer gesehen , und kein einzige« , worin - > Guignard wäre ; ob ich gleich dessen Kupferstich zu Rom gesehen habe .
Allein wenn e« auch an dem wäre , daß man sie anderwärts auf diese Att abgeschildert hätte ; so ist nicht unbekannt , was sich die Dichter und Maler für Freyheit herausnehmen . Er leugnet , daß die Stelle des Bo« narsaus auf den Guignard geht ; allein dicß heißt , eine Sache leugnen , die fast unzweifelhaft ist . Ein andrer Vertheidiger ist nicht so entschei - dend gewesen ; er redet nur zweydeurig . Hier ist es , was er dem Berfas , ser des Anticoton antwortet : „ Du ärgerst dich , daß Clarus Bonarsciu« „ in seinem Amphitheater diesen Pater lobet , und daß er ihn einen leuch - „ renden Stern am Himmel nennet : wie weist du , daß er von diesem P . „ redet , da er ihn nickt nennet ? Willst du es etwa daher schließen , weil er „ zuletzt in Frankreich ist hingerichtet worden ? Er ist auch der erste . Al - „ lein , wenn deine Murhmaßung auch richtig wäre ; warum verdrießt es „ dich , daß er diesen P . höchst selig preist ? „ Richeome Examen ca . thegorique de l'Anti Coton , Ch . XXI , pag . 181 . . . . Allein schuldige und beklage dich über den ClaruS , so sebr , als du willst , du wirst ! „ mich deswegen nicht Hindern , daß ich ihn nicht mit diesem Lobe preise^ „ und nebst ihm diesen P . lobe : weil er ein großer GotteSgelehrter gew« - „ sen . und seinem Vaterlande Frankreich Ehre gemacht , welches du »eturi * „ ehrest ; und daß ich nicht mir demselben Clarnö glauben sollte , daß er „ im Himmel , wo nicht unter den Mättyrern , doch wenigstens unter den „ Seligen ist : nicht deswegen , weil er hier zum Tode verdammet wor - „ den ; sondern darum , weil er die Eitelkeit der Welt verlassen , um Gott „ und dem gemeinen Wesen in der Religion nach allen seinen Kräften zu „ dienen ; weil er als ein guter Mönch viele Jahre gelebt , den wahren ka . „ tholischen Glauben gelehrt , und die Ketzerey bestritten , die du unter der „ Staatsdecke vertheidigest ; überhaupt , weil er alle Martern des Todes „ geduldig gelitten , und die Schande der Todesstrafe , und seine Seele alt „ ein guter und beständiger Katholik ? aufgegeben . , , Ebend . p . r8Z .
Er hatte auf der ig , S . also geredet : Du hältst dich darrcker auf , warum wir gedachten p . in das Verzeichnis der Märtyrer ge - . settt : wer har dir dieß weis gemacht , wenn es nicht der Ä . ügen ? aelst gewesen , der deine Feder führet^ denn unter raufend recht - schaffenen Leuten , welche dieses Verzeichnis gelesen ist kein einziger , der darinnen dasjenige gefunden hatte , was du dir vorstellst : hast du erwan das Verzeichniß nicht gesehen , wie es allerdings siheinr ; warum redest du denn mir so vieler Gewißheit von ei - ner Sache , die dir ganz unbekannt ist < ^ast du so wenig Acht gegen deine eigne Shre , daß du alle falsche Sagen für gut nimmst , und für Wahrheiten ansgicbst , und , indem du den Jesui - ten ju schnei» Nokest , sich selbst lächerlich MgchejN Der Jesuit
Euda -

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