Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-10788

Guyct . Guignard .
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halten seyn wollen , als er Wirklich gewesen ; ( Partner in Vits Guycti ) und weil er sich mit der Hoffnung geschmeichelt , noch länger zu leben , als er gelebt , so ist es ihm sehr lieb gewesen , daß man sein Alter nicht gewußt hat . Seine Gewohnheit ist getvescn , bey andern Sachen keinen eini - gen Vertrauten zu haben : allein vielleicht hat er keine sorgfältiger ver - heelt , als diese ; und weil er bey seinem Alter nicht sehr gegrauet , und seine Kräfte , nach der Zeit , die er gelebt , nicht sehr abgenommen hatten , so ist ihm nicht viel daran gelegen gewesen , diejenigen aus dem Irrthume zu bringen , die ihm nicht sein ganzes Alter gaben . Wenn er den Vor - sal ; gehabt hatte , sich zu verheirathen , so würde man die Ursache seiner geheimnißvollen Verschwiegenheit noch besser begreifen können . S . 'ine so guten Augen , daß er ohne Brille die allerkleinste Schrift lesen konnte , sind seiner Tauscherey ungemein zu statten gekommen . Man glauber , daß er in der Hoffnung , noch viel langer zu leben , ( Epift . Ismael . Bullialdi beym Periander wie oben ) weder seine Werke , noch sein Vermögen betreffend , nicht die geringste Anstalt gemachet : er ist ohne Hinterlassung seines letz - ten Willens gestorben . Alle diejenigen , die diese Anmerkung lesen wer - den , und die Briefe des Ritters von Jpciv * * * ( . Fontenelle ) gelesen ben , werden sich dieser Worte erinnern , die ich daraus anführe . ^ Da» Geheimm'ß des Alters ist ein Geheimniß , welches das schone Ge , fcblccbt sehr unverbrüchlich beobachtet , und ich glaube , daß die , fes Oas einzige ist . Verschiedene Frauenspersonen haben mir die Geschaffte ihres Hauses , auch so gar ihre L . iebeshandel ver - traut ; keine einzige aber yat mir ihr Alter vertraut . Ich habe vernünftige genug gefunden , die bey Gelegenheiten ihre partes mit viel Standhastigkeit und Gelassenheit genommen : ich habe aber keine darunter gesehen , die so viel - Her ; und Vernunft gehabt hatten , ihr Alter ; u sagen . ES ist der 36 Brief des ersten ThcilS . Man ziehe auch die Anmerkung ( L ) des Artikels Gombauld zu Rache .
( C ) Zvie Randglossen seines - Horaz , seines Virgils u . s . rr» . sind voller critischen Anmerkungen . ^ Menage hat die Bücher gekauft , deren Ränder diese Noten enthalten . Sie sind nicht alle in dem Staube der Studierstube geblieben . Die über den Hesioduö sind dem Gravius mitgetheilt worden , der sie seiner Ausgabe von 1667 eingeschaltet hat . Diejenigen , welche den Stephan von Byzanz betreffen , sind auch heraus - gegeben worden . Baillet , Jugctnens des Savans , Tom . III , mim . 518 . Beyläufig will ich sagen , daß Guyet nicht einer von denjenigen Lesern gewe , sen , die von einem Buche zum andern laufen ; er ist auf solche Art bey ei - nem einzigen geblieben , daß er auch eher kein andres angerührt , als bis eres mit einer außerordentlichen Aufmerksamkeit ganz durchgelesen . Auf die - st Art hat er zuletzt über den Terenz , über den Hesiodus , über den Horaz und über den Plantus gearbeitet . Die Lesung der Alten ist sein Haupt - geschaffte aewesen . Jm übrigen hat er nichts anders als die neuern Geschicht - undReifeveschreiber lesen mögen . ? «rtner . in Vita Guyeti . Ich bemerke diese Dinge nicht allein darum , weil viele Leute darnach neugierig sind , sondern weil sie auch zu einem günstigen Borartheile für die Noten ses gelehrten Kunstrichters dienen können .
( v ; - - - xvo er sich viel Freiheit nimmt . ? Er ist ohne Zweifel in seiner Critik übermäßig und so ausschweifend gewesen , daß er nothwendig zuweilen in «inen falschen Geschmack verfallen müssen . Guyet harte in feinem Virgil , ich weis nicht , wie viel Verse ausgestrichen : Er wollte , daß man diesem großen Poeten viele Kinder untergeschoben hatte , und daß seine Poesien den Kriegsvölkern gleich wären , in welche viel blinde Soldaten eingemischt würden . Er hat also das Amt eines ftrenaen CommissärS über sich genommen , der nur die wahrhaften Sol - daren in der Musterung gelten läßt . Er hat die ganze erste Ode des Ho - raz und alle Anecdoten des Procopius für untergeschobene Kinder gehal - ten : und wenn sein Ohr oder sein Geschmack dasjenige nicht gefunden ,
was er in dem Sylbenmaaße oder in der Einkleidung eines Satzes suchte , so hat er es ohne Ausschub für untergeschoben gehalten ; obgleich die 'al - ten Sprachlehrer und die besten Manuscripte wider ihn waren , ^hn aber zu überführen , daß er zum wenigsten bey etlichen Vorfällen einen ver - derbten Geschmack gehabt , und daß er die Grenzen des delicati faftidii überschritten , den man ihm beygemessen : so darf man nur die Verse le - sen , die er wider das Bier gemacht , wo er mit einer so großen Verach« tung von allen holländischen Poeten redet .
Hinc ßataui funiis cercalibus ebria turba Carmina tot Mufis inficianda voraunt .
GrotiuS antwortet ihm sehr geschickt : man sehe diese zwey kleinen dichte in den lettre» choifies de Balzac , pag . 313 , Holl . Ailsg .
Durae mentis iners , merumque rus eft ,
Si quem balla non mouent Secundi ,
Et quos Doufa canit parente inaior Coelo fydereos rotante curfus ,
, Et quae fpicula Baudio vibrante ,
Non vnum fibi deftinant Lycamben ,
Et quos dat numeros nihil vetuftis Cedes vatibus Heiniii Thalia .
( E ) Er ist so weise gewesen , sich der Streitigkeiten »u überb« . ben , worinnen er sich hatte einlassen müssen , wenn erBücher ausgegeben hattet Die Kühnheit seiner Critik und seine Unerschro - ckenheit , bey Unterredungen alles zu sagen , was er dachre , haben ihn gleichwohl nicht gehindert , in Ansehung des gemeinen Wesens furchtsam zu seyn . Vornehmlich hat er sich vor dem Salmasiu« gefürchtet , ( ner , in Vita Guyeti ) der ihm bey dem du Puy mit einem Buche gedroht hatte , wenn er seine Gedanken über gewisse Stellen der alten Schriststel - ler herausgeben würde . Er hätte es mit einer sehr starken Parrey zu thun gehabt : SalmasiuS würde eher hundert Bogen aus der Presse ge - bracht haben , als Guyet viere in den Stand gesetzt hätte , sie dem Drucker zu übergeben ; denn Guyet hatte alle Mühe von der Welt , sich selbst zu ver» gnügen . Also hat er keinen Schriftsteller abgeben wollen , da er auch durch den Tod des Salmasius sich von seiner vornehmsten Furcht besrenet sah : 'Vir enim acutiflimi iudicii non humanius de suis , quam de alie - nis curis ftatuebat , ac proinde ipfe fibi nunquam fatisfaciebat , in ex . primendis , quae meditatus erat fupra modum tardus , in exigendij quae expreflerat , fupra fidein feuerus . Ebend . Es wäre für das gemeine Wesen zu wünschet , , daß viele Schriftsteller dergleichen Schrecken gehabt hätten' diejenigen selbst , welche diese Bettachtung abgehalten hat , Bücher drucken zu lassen , wurden sich deswegen Glück wünschen , wenn sie ihren Nutzen sehr wohl verstünden . Denn wie viele Sxribenten sieht man nicht , roeU che diesen Gedanken des Horaz entweder ganz , oder doch was den letzte» Theil betrifft , wahr machen ? ?
Sed tacitus pafei fi poflet coruus , haberet Plus dapis et rixae uiulto minus inuidiaeque .
Horat , Epift . XVII , Librif . v . jo .
Glücklich sind die Gelehrten , weiche sich , wie unser Guyet begnügen , daß sie in der Republik der Gelehrten den Glauben gepflanzt haben ; ich will sagen , daß sie darinnen den Ruhm geschickter Leute haben , der auf das Zeugniß anderer gegründet ist . Nullis quoad vixit libris a fe editii inclaruit , notitia eorum . quibns alii ingentem fibi pepererunt famam ac eruditionis fuae . quam in dubium nemo vnquam vocare aufus eft * confcientia contentus . Portner . in Vita Guyeti Dieses Zeuaniß hat ihm nicht gemangelt . Balzac hat ihm unter andern zur Trompete ae - dient . Man sehe seinen Eudun , Poeticum de ljypercritico Galefo . Er versteht durch den GalesuS den Guyet .
Guyet ( Carl ) ein französischer Jesuit , 1601 zu Tours gebohren , gleng 1621m die Gesellschaft , und lehrte darinnen die schönen Wissenschaften 5 Jahre und die Moraltheologie 2 Jahre . Er legte sich nach diesem aufs Predigen , welches lange gedau - ert hat . Er wurde vollkommen in der Kirchenceremonie . Dieß erhellet - aus zweyen Werken , die man von »hm hat ( A ) , Er jst zu Tourö den 30 März 1664 gestorben
« ) Aus des Nathan . Sotuel , Biblioth . Scriptor . Societat . pag . 129 .
( A ) Dieses erhellet aus ; weyen XVerken , die man von ihm har . Z
Das eine hat zum Titel , 0rdo generalis et verpetuus diuini Otiicii re - citandi , und das andre , tteortologia , Lue de Feftis propriis locorum .
Paris bey Sebastian Cramoisy * 57 in Folio . Es ist nicht leichtlich ein mühsameres Vorhaben , und von einem größern Umfange , als die Er - klärung der Feste eines jeden Orres . Dieß hat dieser Schriftsteller gethan .
und Professor der Gottesgelahrtheit in dem Collegio von ^ ^ . Kenner 1595 , zu Paris mit dem Tode bestraft . Er wur -
^ , wider Heinrich den III und Heinrich den IV verfertiget Hatte ( A ) .
Und wie die Umstände der Zeit erforderten , daß man eine Lehre mit der äußersten Schärfe bestrafte , die seit einem Tage das Leben dieses Königes dem Meuchelmorde Johann Chastels ausgesetzt hatte , so fand man nicht für rachsam , die geringste Nachsicht gegen diesen Jesuiten zu gebrauchen . Er weigerte sich halsstarrig , Kirchenbuße zu tbun , und ließ biß an seinen Tod blicken , daß er Heinrichen den IV nicht für einen König in Frankreick erkannte ( B ) . Er ist , durch Johann Chastels Vertheidiger , als ein Märtyrer gelobt worden ( C ) . Wir werden sehen , was die Jesuiten geantwortet , wenn man ihnen vorgeworfen , daß sie ihm einen Platz in ihrem Märtyrerverzeichnisse eingeräumt haben ( D ) . Sie haben die Sache geleugnet , und seine Todes - strafe betreffend , viele spitzfündige Ausflüchte gesetzt , wodurch sie sich bemüht , die Heftigkeit seiner Lehrsatze zu verringern ( E ) und ihn durch die große Anzahl von Personen zu entschuldigen , die damals eben dieselben Maximen gehabt . Es ist gewiß , dak ; ur selbigen Zeit das ganze Königreich von aufrührischen Predigern ( ? ) und Personen gewimmelt , die m ihren Schriften und besonder» Gesprächen den Meuchelmord solcher Prinzen , wie Heinrich der IV war , vorgetragen , den sie un Verdachte gehabt , H er den Feinden des Pabstes Vorschub thäte . Vielleicht ist dieß eiNe von denen Ursachen gewesen , die das Parlement zu Pa ! ri6 vermocht , alle Jesuiten in Frankreich in des Johann Chastels und Johann Gulgnards Sache zu verwickeln ( G ) ; vielleicht daß , wenn man diejenigen aus dem Königreiche entfernte , die für die vornehmsten Urheber gefährlicher Lehren gehalten wurden , die Kühnheit der andern Geistlichen im Zaume gehalten werden wurde .
a ) Thuan . Libr . CXII , pag . m . 65z . <5 ) Appendix Apologiae Francifci Montani pro Societate Mi , pag . Z52 .
m ( üc wurde überzeugt , daß er ein Buch voller Aufruhr «Hh YYimK ^ - ^^einrich den III und - Hemrlchen den IV verfer - bat es folgender gestalt erfahren . „ Wie die Her -
„ der Hand des besagten Jesuiten Guignardö geschrieben , gesunden wor - II Band .
>den , welches verschiedene Sätze und Schlüsse enthielt , zu beweisen : daß
sich noch in der Schreiberey i „ d ? t . „ Anticoton . pag . Der Verfasser desAntieoton führet hier - auf einige Zluszüge aus diesen^ Buche an ; weil aber Vietor Cayet viel weit , läustigere davon gegeben hat , so will ich hier lieber seine Erzählung brau« R r r r chen

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