Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-10752

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Guicciardin .
( H ) Ick werde alles untersucken , was Varillas dicfifalls be , »backtet . ^ Er versichert in der Historie FrauciscuS des I , im VIl B . 220 S - daß sich Franciscus der I , und Heinrich der VIII , 1532 lich gemacht , jeden Staat der Christenheit , dm die Türken angriffen , ohne Ausnahme und Vorbehalt zu vertheidigm . - - - Die Ursckrift dieses Vertrag« , sehet er p . 221 . dazu , findet sich nody in Oer Rech - mmgskammer ; u Paris ; und Guicciardin muß nickt die gering - fte Remttniß davon gehabt haben , rveil er ausdrücklick fckreibr , und weil die meinen ausländifckcn Hifforiensthreiber , seit die - sem auf fem Zeugnifi versickert haben , daß der allerckrisklicksie Ronig ; u gleicker ? eir , den Sultan Solimann , ersucker , seine Eroberung von Ungarn 5» vollenden , und demselben angeborhen , seine Macht mir der Türken ihrer zu vereinigen , um das - Haus ( peirerreick anzugreifen . Die Verleumdung iß so grob daß Paul Jovius , der «1 gleicker Feit mit dem Guicciardin , die - Hif ? o - rie gejckrieben , und so wohl als er in Italien gewesen if ? , be wahrgenommen hat . Allein man wird dem Guicciardin um so viel leickter vergeben , daß er sie für eine rvabrbcir ge - nommen hat , wenn man betrackter , daß er sie nur , uEnde seines XVerkes gesckrieben ; und daß Sie vier leyrern Hücker dieses Ur - Hebers weder die Starke nock den Glauben der X VI vorhergcken , den haben : daß sie an verschiedenen Oerrern unvollkommen sind . Daß sie derjenige , der sie gemackt , nickt würdig gesckayt bitte , gedruckt ju werden , und daß solckes ersilick nack seinem Tode gesckehen , da sick seine Erben wider seine Absickt gcwager , die - selben in der dritte» Ausgabe ans ^ . ickt ju bringen . Dieses scheint mir nicht richriq zu seyn : Ich finde nicht , daß Guicciardin etwas anders gesaget , als daß Franciscus der I , im 1531 Jahre Verständnisse mit den misvergnügten Fürsten in Deutschland , über den Kaiser , lind mit dem Pabste , und mit dem Solimann , unterhalten . ( Guicciardin , Lib . XX . fol . m . 107 . ) und daß isZ2 , ebin dieser Prinz , und Heinrich der VIII , nen Anschlag gemacht , Mayland anzugreifen : weil sie geglaubet , daß So - limann den Winter in Ungam einbrechen würde . Ebendaselbst 108 Bl . Ueberdieß finde ich nicht , daß Paul Joviu« dasjenige widerleget hatte , was vom Guicciardin soll seyn gesaget worden . Er erzählet e6 nur als ein Gerüchte , für dessen Wahrheit er nicht Bürge seyn will , daß Solimann 15Z2 , auf Anhalten des Königes von Frankreich . und des Königs von Pohlen , nach Ungarn gekommen . Paul . Ion . Hift . Libr . XXX . Fol . m . 187 . verfo . Värillas drucket sich aus , als einer , der in der Einbildung steht , als wären die XVI ersten Bücher , von GuieciardinS . Historie , bey Lebzeiten des Verfassers gedruckt worden . Dieß ist aber falsch . Seine Neffen haben > ; 6 , die Ausgabe besorget . Die Zueignungsschrift an den Herzog von Florenz , Cosinus von Medicis , ist unterschrieben . Agnolo Guicciardini . Man verspricht darinnen die vier letztem , ob man gleich derselben Unvollkommenheit bekennet . Lafeiando quefta opera imperfecta et quattro altri ultimi libri d'efla piu prefto abbazzati ehe finiti , i qiiali per tale cagione non fi mandano fuori al prefente . Sie sind nicht bey der Ausgabe von Venedig , 1565 in 4 , appreflTo Ni - eolö Bevilaqua . Sie ist von vielen Fehlern verbessert , und mit Sum - marien und Randglossen , durch den P . Remigius von Florenz , vermehrt worden . Sie sind eben so wmig in der Ausgabe , die derselbe Bevilaqua 1586 in 4 gemacht hat . Man darf also mit dem Varillas nicht sagen , daß sie in der dritten Ausgabe erschienen sind . Man muß vielmehr ver - sichern , daß sie absonderlich zu Venedig gedruckt worden , appreflo briel Giolito de Ferrari , 1564 in 4 . Ich habe diese Ausgabe . Die Neffen des Urhebers ! , haben sie eben demselben CoSmuS von MedieiS , Herzoge von Florenz , zugeschrieben , welchem sie die X VI Bücher zugeeignet harten . Agnolo Guicciardin ! , hat die Zueignungsschrift vom - 0 des HeumonatS 1564 , für alle unterschrieben . Der Pabst , der Doqe von Venedig . und der Herzog von Florenz , haben dem Buchhändler Giolito , Freyheitm er - theilet , die vor dieses Werk gesetzt worden sind . Und ohne Zweifel hat dieses den Buchhändler Bevilaqua abgehalten , diese vier letzter» Bücher , in die Ausgabe der XVI erstem einzurücken .
Eben diese vier letztern Bücher sind zu Parma gedruckt worden , ap - preflö Seth Vifetti >567 in 4 , con l'aggiunta de'Sommarii a ciascun Libro , et di molte Annotationi in margine delle cofe piu notabili , DI M . PAPIRIO picedi .
( I ) Ick werde - t die alkuandacktigen Rlagen des * - Vannoni anführen . ] Seine Historie , saget er , de gli Auvertimenti Politici , Tom . II . pag . 367 . ist den Privatpersonen weit angenehmer , als den Regenten ; denn er hat von den Prinzen ohne die geringste Behut - samkeit geredet , und ist den Päbsten so übel begegnet , daß sein ins Latein übersetztes Buch , in den ketzerischen Ländern , mit einer ungemeinen Be - gierde gelesen worden . Hieraus kann man erkennen , fährt er fort , daß es den italienischen Scribentm leicht ist , den , päbstlichen Stuhle einen großen Nachtheil zuzuziehn . Vannozzi will , daß sie die Scham ihrer «Nutter nicht aufdecken sollen , und daß , wenn sie eine schimpfliche Wahr - heit entdecken , sie wider die christliche Liebe , und . wenn sie Unwahrheiten ausstreuen , wider die Gerechtigkeit ssmdigen . Ich halte mich nur über - Haupt au feinen Sinn ; allein denen zum Besten , welche gern umständli - cher wissen wollen , was er gesaget hat . will ich seine eignen Worte an - fähren : 8i che vegga un po chi fcrive , con quanta facilita egh pofla pregiudicare alla Chiefa Romana 5 alla Sedia Apoftohca , et al Sorn - rno Pontefice : et che le penne de gl'Italiani , profefl'anti j1 Chnitiano , ö fcoprano lc noftre vergogne , fe dicono il vero , che e contro alla carita , dovuta al proflimo ; o calunniando per odio , o per altra pas - fione , chi jnerita efler onorato ; facciano da maligno , et da trifto . Ebmdas . Er bekennet , daß GuieciardinS Historie nicht so viele Aerger - nisse verursacht , seit dem sie verbessert worden ; allein er behauptet , daß die lateinische Uebersekung . welche nach dem ersten Originale gemacht den , ( man merke dieses wider den Posievin , ) dem Teufel selbst ärgern müsse . Ma la fatta Latina , cavata dal priino originale , et piena di maledicen - ze contro a Papi , et altri Ecclefiaftici , puo fcandalizare il Diavolo fteffo ! parlo di quel ch'io so di propria feienza , et couie fi dice di veduta . Et un inoderno Scrittore , Darlando di quefta Storia , dicc coli per 1' appunto . II Guicciardini ha potuto per fe fteflö , acquiftar tanto d' autorita all' Iftoria_ fua , che molte indegnita , molti errori , et niolte jbugie , ch'ella contiene , fono ftate non folo fopportate dal Mondo ; ina approbate da jnolti , per efernpi , et per dogrni del vero , et pertetto viver civile . Et lafeiando il refto , fi legge pur in e ( To , tin' aperta , et faftidiofa irreverenza , dice il rnedelirno rnoaerno
tore , verfo gli ftefli Vicari di Chrifto , con grande indegnita della $edia Apoftolica , et non potendofi accufarlo d' ignoranza , bifogna ne - celTarianiente confelTarlo , per troppo appaflionato , et commiferare piu toßo , che biafmare una coli bella , 111a cofi difettofa , fatica . Auvertimenti Politici , Tom . II . pag . 367 . Diese lange Stelle ist hier nicht unnütz , weil sie zur Historie der Urlheile gehört , die man von ciardin gefället hat .
( K ) Ick werde auch nickt vergessen * - die Rede - - - die Guicciardin dem Gesandten der Venctianer zueigner . ] Es ist nichts kriechenders , als diese Rede . . Dieser Geschichtschreiber setzet aus , daß sie >509 vom Anton Justiniani an den Kaiser Maximilian ge - halten worden : Per ottener da lui con qualunque conditione la pace gli mandarono con fomma celerita Anibafciatore Antonio Giuftinia - no : il quäle amnieflo in publica audientia al cofpetto di Cefare , parlo niiferabilmente e con grandiflima fommilTione . Guicciardin . Libr . VIII . folio 222 verfo . Et hat noch nicht genug an dieser allge - meinen Vorstellung der allzuunterthänigen Demüthigung > der Venetia - ner ; er setzet darzu , daß es sich sehr wohl schicke , die ganze Rede anzu - führen , damit man die Bestürzung sehe , die sie überfallen . p Er führet also die ganze Rede des Abgesandten , ohne einige andre Veränderung an , als daß er sie aus dem Lateinischen ins Italienische übersetzet hat . ^on mi pare alieno dal noftro propofito , accioche meglio s'intenda in quanta confternatione d'animo fufle ridotta quella Repub . la quäle giä piu di dugento anni , non haveva fentito averfitä pari a quefta , inferire la propria oratione havuta da lui innanzi a Cefare , transfe - rendo folamente le parole latine in voci volgari , lcquali furono in quefto tenore . Ebmdas . Die Venetianer behaupten , daß diese Rede erdichtet sey . Und es zu beweisen , führen sie an . daß Franciscus Ca - pello ( * ) , den sie nach der Wicdereroberung von Padua , an dm Kaiser geschickt hatten , nicht einmal die Erlaubniß gehabt , dm Fuß auf diese» Prinzen Boden zu setzen ; und daß Ludwig Moucenigo , und Anton Justi - niani , die sie einige Zeit darauf , an ihn geschickt , eben so wenig zugelassen und gehöret worden , als Franciscus C«pello . Dieses ist gewiß , daß diesem Abgesandten aufgetragen gewesen , dem Kaiser sehr vortheilhafte Vorschläge zu rhun . Der von mir angeführte Geschichtschreiber von Venedig leugnet dieses nicht . Peter Bernbo , ein andrer venetian . Geschichtschreiber , bekennet es noch ausdrücklicher . Latum , saget er , Hift . Venetae , L . VIII . zu ge , f . m . 188 . verfo , vt Antonius Iuftinianus - - ad Maximiliamrm recta contenderet ; et cum illo , fi poflct , pacem quantumuis durii conditionibus faceret : Tergefte'que oppidum , et Portum Naonis , re - liquaque tnunieipia , quae refp . ex eius ditione fuperiore anno cepe - rat , Senatum ei paratum eile reftituere : ac quae oppida ex Romano - rum imperatorum ditione in Camis , et Gallia , et Venetia refp . polfi - deret , ea fe omnia illi tanquam aeeepta relaturuin nuntiaret . Man merke , daß er versichert , eS sey Anton Justiniani , sogleich an den Kaiser abgeschickt worden , als man den Sieg erfahren , den die Franzosen erhal - ten hatten . Wer weis , ob Guicciardin nicht die Abschrift von der Rede gesehen , die Justiniani fertig gemacht hatte ? Dieses aber wurde ihn noch nicht entschuldige» ; denn wenn es wahr wäre , daß der Abgesandte kern Gehör gehabt , so würde man seine Abschrift nicht als eine vor dem Kaiser wirklich gehaltene Rede anführen können . Es herrschet viel brauch bey denen Reden , die von den Geschichtschreibern angeführet wor - den : sie haben sie selbst nach ihrer Phantasie aufgesetzer , und gern ge - wollt , daß man glauben soll , sie wäreil wirklich gehalten worden . Man lese im Paul Jovius die Rede , die von dem Abgesandten des Herzogs von Mayland , an Carln den VIII , gehalten worden , ihn zu den , Kriegs - zuge nach Italien zu vermögen ; und man lese sie auch in dem Guicciar - din ; so wird man finden , daß dieß zwey Stücke sind , die einander nicht gleichen . Porcacchi , Notes für Guicciardin , Lib . I . fol . g . Der DiscurS , den der Doge Loredan an den Rath gehalten , eS so weit zu bringen , daß zweyhundert venetianische Edelleute abgeschickt werden sollten , Padua zu vertheidigeu , wird von Guicciardin ganz anders , als vom Mocenigo und Justiniani , zween venetianischen Geschichtschreibern , erzählet . Ebmdas . VIII B . 230 Bl .
( * ) Siehe Hiftoire de Venife , durch Peter Justiniani , im X B . Porcacchi führet sie in seiner Vorrede , über de» Guicciardin , und in sei - nen Randglossen , über das VIII B . fol . 222 . verfo an .
( L ) Guicciardin hat etliche andre Hücker gcsckrieben . ^ Ich fttze sie aus zwey , davon das eine zum Titel hat , Configli aurei ; und das andre , Auvertimenti Politici . Ghilini redet nur von diesen zweyen . Si vedono anco del fuo due componinienti chs per titolo hanno , etc . Theatr . Tom . I . pag . 59 . Wenn man den Verzeichnissen der Bibliothe - ken trauet , so dürfte mal , nicht bey dieser Zahl bleiben : man würde dem Guicciardin außer diesem zueignen , Pili Configli e Auvertimenti in materia di re publica e di privata , zu Paris 1576 in 4 gedruckt . I Pre - cetti e Sententie in materia di Stato , zu Antwerpen 15SS in 4 gedruckt . Auvertimenti Politici , zn Venedig 1583 in 4 gedruckt . Hyponmeles Poeticae . Dieß sind die Titel , die man in dem Bücherverzeichnisse von Oxford findet , ohne zu melden , daß dieses nur verschiedene Ausgaben von einerie» ) Büchern sind . Die Buchhändler sind Ursache an sochenUnord . nungen , wegen der Frcyheit , die sich nehmen , ein Buch bald auf diese , bald auf eine andre Art zu betiteln . Allein man glaube ja nicht , daß Guicciardin poetische Regeln gegeben hat , unter dem Verwände , daß ihm in dem Bücherverzeichnisse von Oxford , Hypomnefes Poeticae , geeignet worden . Dieß ist ein Druckfehler , es sollte heißen : Mypomne . fes Pouticae ; denn aljo hat der lateinische Ueberse^er der Auvertimenti Politici des Guicciardins , seine Dolmetschung betitelt . Man muß merken , daß diele Werke Guicciardins , die durch Carln von Chanteeler ins Französische übersetzt , ( siehe die ftanzösische Bibliothek des Du Ver , dier , p . > ; > , ) zu Paris >577 . in 8 unter dem Titel gedruckt worden : Piu . fieurs Advis etConfeils tant pour les affaires d' cftat que privez . ( £ - g ist ein schändlicher Schnitzer , in dem Verzeichnisse der Bibliothek des Thuanus . Man giebt darinnen P . 40Z . des II Theils , dem Franciscus Guicciardin zwey Bücher , die vom Ludwig Guicciardin , seinem Neffen , gemacht , und betitelt sind , das eine , Raccölta de i detti et fatti notabil» cofi gravi come piacevoli ; und das andre , Höre di Ricreatione . Dieser Fehler schließt eine Ungereimtheit ein : denn Guicciardini . der Vetter , hatte so viele Abneigung vom Kurzwellen , daß ihm niemals eine einzige entfahren ist . Er ist im höchsten Grade ernsthaft und strenge gewesen . Fuit indignationi proeliuior , orisque duöu licet fuaui , rnen leuero et graui genieque fupra modum falfae vrbanitatis diele -

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