Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-10740

Guicciardin .
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ciardimw tarn frigide inuitusque Gallorum vi & orias et gloriam nar - xat , quam accurate lubensque , aduerfa quaeque , quantumuis ma , a fortunae potentiflimo belli numine eiaculata : quemadinoduin färcinarum in aiicuius fluminis traie & ione fubmerfionem perfequi - tur , atque dilatat . Dum videt Carolo VIII totam Italiam ab Alpibus ad Neapolim nemine penitus obfiftente occupanti , viäoyiam absque fufpicione falfi adimi non pofle , in Gallorum quorundam militum internecione paiicorumque , qua fine vidtoria obtineri non potuit' , totus eft , maenam eam appellans ftragem : Carolo tarnen agri nium fuperftitifie diffiteri non aufus eft . Sed quae de vifloribus ftra - ges fieri potuit ? Si de fuis lermonem inftituit , eis fem per plus nie - litis attribuit , et regionis Iaudes rnagis , quam fuae gentis res geftas pcrfequitur , vnde maxima laus ducenda eft .
Anmerkungen über die Zeitungen .
SBcnn dieser Tadel wohl gegründet ist , so verdienet Guicciardm die Prelle ; er machet sich des Fehlers der Zeitungsschreiber theilhaf - Diese spielen alle Tage Comödie : denn , zum Exempel . wenn die Franzosen jenseit des Rheins gelagert sind : so redet der feindselige Zei> tungsschreiber von nichts , als ihren geschlagenen Parteyen ; von Gefan - fleiien , die man von ihnen und von ihren Ueberläusern machet . Die französische Zeitung saget nichts von allem diesem ; allein , dagegen ist sie desto weitlauftiger wegen des Verlustes der Bundsgenosscn , und wegen der Cimtribmionech die man von ihnen eintreibt . Wenn die Deutschen , n die franzosischen Länder gehen , wie es im derbste , 1694 , geschehen , so verM die französisch« Zeitung die Parteyen nicht , die man von ihnen schlagt , oder daß sie gezwungen sind , sich zu ergeben : weiter redet sie von nichts . Hingegen vergißt der Bundsgenossen ihre alle diese Dinge , und führet ein sehr genaues Register von allen denen , durch die Deut , schen geplünderten Dörfern ; von allen verbrannten Vorrathshäusern , v°nalle „ geschlagenen Parteyen der Franzosen u . s . w . Tausend drießliche Ursachen wollen , daß man in dergleichen täglichen Schriften also verfährt : ( man ziehe die CriÖqiie Generale de l'Hiftoire du Cal - vinifme , Lettre Ii . P . 27 . der III Ausg . zu Rathe . ) allein ein Historien - schreiber . der sich erkühnet , eben so zu thun , ist ganz und gar nicht zu ent - schuldigen . Er muß die Verluste und Vortheile seiner Partey mit glei - ^^Richtigkeit vorbringen . Findet man indessen wohl einige , welche dieses
La Popeliniere ist einer von denen , der den Guicciardin der Partey - lichkeit wider Frankreich beschuldiget . ( C ) - > - c Oder daß er sich allzusehr bevRleinigkeiten gehalten . ^ Dieß ist das Urtheil des Justus LlpsiuS , in Nntis ad I Libi " . Politie . cap . IX . Vltia duo propria bttius acut non eff'ugit , qtted et iußo longlor ejl , et quod minutijfima quaeque narret , purum ex lege aut dignitate btßoriae , quae vt Ammianus Ith . XXVI . ait , Difcun ere per negotiorum celfitudines afiiieta , non Kumilium niinntias inda - gare caufarum .
QD ) , * , Oder saß er allzuweitlZuftige Reden eingemischt . ^ Außer demjenigen , was man in der folgenden Anmerkung , bey der Stelle desMontagne , fthen wird , sind dieß die Worte des LipsiuS , ebend . Sed non orationes eins fatis vegetae mihi aut caftigatae , languent faepe aut folute vagantur . Denique , vno verbo , inter noftros fum - mus eft hiftoricus : inter veteres , medioeris ,
( E ) t c } Gder die Sacken allzuungerechten Bewegung« , Ursachen beigemessen hat 1 Man wird den Montagne sehen , der sich diescrwegen mir einem Scheine der Menschenliebe bekleidet . Allein , viele dere werden nicht glaub' , , , daß Guicciardin dieserwegen einigen Tadel verdienet hat : jedoch , wir wollen den Montagne , so wohl wegen deöje -
nigen , was zu meinem Texte gehöret , als überhaupt wegen de« Chara - cters dieses berühmten Historienschreibers reden lassen : „ Es ist nicht „ die geringste Wahrscheinlichkeit , daß er ans Haß , Gunst , oder Eitelkeit , „ die Sachen verstellt hätte : dieses beglaubigen die sreyen Urtheiie , die er „ von den Großen giebt , und insonderheit von denen , durchweiche er be - „ fördert , »nd zu Verrichtungen gebrauchet worden , als vom Pabste , „ Clemens dem VII . Die Partey betreffend , wobey er sich am meisten hervor - „ zUthun scheint , so sind solches seine Ausschweifungen und Disco , nse , davon „ einige gut , und mit schönen Zügen ausgezieret sind . Allein er hat all - . . zu großen Gefallen daran gehabt : denn da er bey einer so vollen und „ weitläuftigen . ja bey nahe unendlichen Materie nichts auslassen wollen : so „ ist er matt geworden , und riecht ein wenig nach dem scholastischen Geschwä - „ tze . Ich habe auch bemerket , daß er von so vielen Gemüchern und Wir - „ kungen , die er beurtheilet , von so vielen Bewegungen und Rathschlä - , . gen , niemals eine einzige von der Tilgend , der Religion und dem Ge - „ wissen herleitet , als wenn alle diese Theile in der Welt gänzlich ersti , „ cket wären : und von allen Verrichtungen , so schön sie dem äußerlichen . Ansehen nach selbst sind , verwirft er die Ursache ans eine lasterhafte „ Gelegenheit , oder auf einigen Eigennutz . Es ist unmöglich , sich einzu , „ bilden , daß unter dieser unendlichen Anzahl von Verrichtungen nicht „ eine einzige , vermittelst der Vernunft , sollte seyn hervorgebracht wor - „ den . Es kann sich keine Verderbniß der Menschen so allgemein mächtiget haben . daß kein einziger der Seuche entwischet senn sollte . „ Dieß giebt Anlaß , zu fürchten , daß etwas Lasterhaftes bey seinem Ge - „ schmacke sey , und vielleicht ist es daher gekommen , daß er die andern „ nach sich geschähet hat . „ Efiäis , Livr . II . chap . X . p . m . 15z . 154 .
( F ) Ich will anführen , was der Cardinal palavicin von ihn» gesager hat . ^ An fanglich mißt er ihm drey Lügen bey , und dann ur - rheilet er überhaupt von ihm . Die erste von diesen dreyen Lügen be - trifft Hadrian den VI . Man giebt vor : es hätte Guicciardin im XIV Buche , nicht sagen sollen . daß an dem Tage , da dieser Pabst erwählet worden , kein einziger Cardinal Willens gewesen , ihn zur päbstlichen Würde zu erheben , und daß diejenigen , die ihm ihre Stimmen in dem Scrutinio gegeben , nur die Absicht gehabt , die Sache diesen Morgen noch zu verzögern . _ Quafi Ie primc voci date nello Squittinio al dinal Adriano foilero , non perche veruno havefle intenzione d'eleg . gerlo , nia per confumare indarno quella matina . Palavic . Iftor . del Concilio , Libr . II . cap . II . mim . 7 . all' ann . 1521 . Ich will die Ursa - che» des Cardinalö Palavicini wider diese Erzählung nicht anführen . Die II Lugen betrifft den Churfürsten von Sachsen . Man behauptet , eö sey mcht wahr , daß Leo der X wider diesen Prinzen ein mit Drohun - gen angefülltes Bermahnungsschreiben auSgefertiget , welches ihn unge» mein zum Zorne gereizet . One altre abbagli piu rilevanti prende eglt nella pnncipal noftra materia . II primo e 1'aftermar che Leone fpe - diffe contra l'Elettor di Saflönia un monitorio , con minaccia di gravi pene , e pero con irritazion di qu«l Principe . II che e un vano fogno contrario a quanto fi legge nelle memyrie pieniflime di que' An - ceffi . Palavicin . eben das Nuni . 8 . Die III Lügen betrifft Luthe , n . tvelcher , wie Guicciardin erzählet , dermaßen erschrocken , als ihn der Kaiser in die Acht erklaret , daß er ganz leichtlich seine Jrrthümer verlassen haben wür - de , wenn ihn der Cardinal Cajetan durch seine Schimpfwort ? und gen nicht zur Verzweiflung gebracht , und wenn er ihm anständige ? lnerbie - thungen gethan hätte . Palavicin behauptet , das ; der Cardinal Cajeian - 0 Monate zuvor nach Rom zurück gekommen , ehe die Ackt widerLuthen , . den s des Herbstmonats , conie ne gli Atti confiftoriali , ib . 1519 , kundgemacht worden , und daß die Rede , die er zuvor an ihn gehalten , voller Mäßianng ge - wesen sey . E ^ur e certo . che il Cardinal diGactanon parlo con Lutero ne allora , ne dijpoi , ne per gran teinpo adietro ; eflendo tornato irt R . oma venti meß prima del Bando : E quando gli pariö gli offerfe benignamente il perdono , fecundo che Lutero ftefl'o raconta : E la medelima eiibizione gli fü piü volte fatta in Vormazia nella Dieta , come teftificö Cefare nel fuo Bando . Ebendas . Palavicin saget bey dieser Gelegenheit , daß sich Guicciardin , in Ansehung der Sachen , die seine Materie nicht eigentlich betreffen , bey verwirrten Erkenntnissen auf» halte , und vielmehr das Bose , als das Gute , glaube , damit er seinem La» stergeiste eine Genüge thun könne . Er setzet etwas dazu , das ihn , in Ansehung der Lasterungen , die den römischen ^ ? os betreffen , sehr verdäch - US wachen kann . Hier sind seine Worte : Öal che m'auveggo , che quell' Iftorico , di cio che 11011 apparteneva al fuo principal argomen - to , prefe notizie molto confufe : E fu anche fempre inclinato ä cre - dere le peggiori , come appare nella fua fpeffa maldicenza di ciafche - duno ; la quäle appreflo alla vulgare malignitä gli ha guadagnata efti - mazion dl vcridico . Ma contro a Pontefici fu anche piii fpecialmen - teamaro , coli per quell' ufato rancore che i miniftri di lungo fer - vigio concepifcono contra i padroni da cui non ottennero Ie merce di fperate ; come forfe perch'egli riconofceva da loro la perdita del . la liberta nella fua Republica .
( G ) f & a ist nicht leichterkennen , ob possevin mehr Nei - gung gehabt , ihn ; u radeln , al» ; u loben . 1 Er eignet ihm «ine große BeurtheilungSkraft und viel Erfahrung in den öffentlichen Ge« schafften zu : ( Biblioth , Sclcft . Tom . II . Libr . XVL cap . XLI . p . zz6 . ) Er führet die vortheilhafte Meynnng deS Thomas Porcacchi , von dieser Historie , p . 337 . an ; allein er saget auch , daß Johann Baptist« Leone zu Venedig , 158z , fünf Bücher , von BetraclMngen über dieses Werk , italienisch herausgegeben , die Falschheit und Parteyiichkeit desselben zu bemerken . Diese Critik , setzet er dazu , ist in jedermanns Händen ; es ist also nicht nöthig . daß ich sie anführe . Uebrigens berichtet er uns , daß Clemens der VIII die lateiniM Übersetzung Guicciardins in das Ver - zeichniß der verbothenen Bücher habe setzen lassen , die von dem Ketzer Cöliu« Velcurio gemachet worden , ( er hätte sagen sollen Curion^ ) Er giebt vor , daß dieß darum geschehen , weil der Übersetzer die Urschrift nicht wohl erkläret hätte : ( Haud omnino reck conuerfa eft . Ebend : ) Allein wir iverden hier unten sehen . daß uns Bannozzi nicht erlaubet , bey dieser Ursache stille zu stehen . Weun PossevinS Augenmerk dahin gegangen wäre , feinen Lesern eine größere Hochachtung gegen Guicciar« dinS Werk einzuflößen . so würde er nicht weniger besorgt gewesen seyn , uns den Remigius , als den Johann Baptist« Leone , zu nennen . Dieser Remigius , ein Mönch zu Florenz , ist der Urheber eines Buchs , welches zu Venedig 1582 gedruckt worden , und zum Titel hat : Confideratio - ni Civili fopra P Hiftorie di M . Fr . Cuicciardini c d' altri Hi . ftorki .
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